Nachtrag zu Ostafrika

Während ich im Januar und Februar durch Tansania, Kenia und Uganda gereist bin, habe ich ein paar Artikel in mein Notebook getippt, die jetzt auf dieser Seite zu finden sind. Eine kurze Übersicht über die Reise findet sich hier.

Unfälle auf der Reise nach Kenia

Am 3.2. reisen Jacques und ich von Sakarani wieder ab. Br.Coelestin, der aus Landsberg am Lech stammt und in Sakarani die Landwirtschaft leitet, fährt zu Kunden und nimmt uns bis Arusha mit. Unterwegs überqueren wir auf einer Brücke eine Schlucht. Auf der rechten Seite fehlt ein langes Stück Leitplanke. Coelestin erklärt uns, dass vor kurzem ein LKW nicht bremsen konnte, auf der Brücke mit einem Kleinbus zusammengestoßen ist und zusammen mit diesem und den Passagieren in die Tiefe stürzte. 15 Tote. Auf der anderen Seite geht es eine Anhöhe hinauf, auf halber Höhe kommt uns ein LKW entgegen, rast über die Bodenwellen, gerät zum Teil auf unsere Fahrspur, so dass wir ausweichen müssen, hupt laut. Das Hupen soll wohl bedeuten: „Ich kann nicht bremsen, macht Platz.“ Viele Fußgänger sind da, alle schauen erschreckt auf den LKW, aber kein Unfall passiert – diesmal. Wozu sind eigentlich die ständigen Polizeikontrollen gut, wenn die LKWs trotzdem ohne Bremsen fahren ?
In Namanga, an der Grenze zu Kenia, trenne ich mich von Jacques. Ich fahre mit dem Kleinbus nach Nairobi. Meine Nachbarin erinnert mich daran, den Sicherheitsgurt anzulegen. Da ich ganz hinten am Fenster sitze, meine ich zu ihr: „Bis zu mir kann der Polizist gar nicht kommen.“ Sie antwortet: „Er schaut durchs Fenster.“ Tatsächlich, genauso kommt es. Also ist die Verkehrspolizei doch zu etwas gut, sie sorgt wenigstens für das Anlegen der Sicherheitsgurte. Die sind aber auch nötig, denn der Kleinbus braucht nur zwei Stunden für die Strecke, die größtenteils über Staubpiste führt. Sonst hat es immer drei gedauert. Ich glaube nicht, dass ich je so durchgeschüttelt worden bin.
Dass es noch eine Steigerung gibt, erfahre ich dann eine knappe Woche später auf der Fahrt von Dar es-Salaam nach Ndanda. „Die Straße ist jetzt gut ausgebaut, bis auf eine Lücke von 50 km in der Mitte,“ haben mir die Brüder aus Ndanda gesagt. Diese 50 km sind eine derart löchrige Sandpiste, dass ein vernünftiger Mensch sicherlich nicht schneller als 20 km/h fahren würde. Wir sind nach einer Stunde durch den Sand hindurch. Die klügeren Passagiere haben vorher ihre Sitze verlassen und sich in den Gang gestellt. Die Sitze sind nämlich schon durchgesessen, und man spürt die Löcher ziemlich deutlich. Die Frau vor mir schläft, ihr Kopf donnert ständig gegen die Scheibe, so dass ich mich frage, ob sie wohl mit einer schweren Gehirnerschütterung oder gar nicht mehr aufwachen wird. Aber anscheinend hat sie einen dicken Schädel.
Einen makabren Anblick bietet dieselbe Reise nach Ndanda: In einer Kurve steht eine Gruppe Leute, die einen von der Straße gestürzten LKW betrachtet. Drei Särge mit quietschbunten Kreuzen darauf befinden sich am Straßenrand.
Das Foto oben zeigt das Ergebnis eines anderen, anscheinend nicht so tragischen Unfalls.

Ironie

Das Sammeltaxi, das uns von Arusha zur kenianischen Grenze bringt, sieht nicht sehr vertrauenserweckend aus. Am Armaturenbrett befindet sich ein Aufkleber, „Dieses Auto wird durch das Blut Jesu geschützt.“ Ich drehe mich zu Jacques um und weise ihn darauf hin. Das weckt die Aufmerksamkeit meiner Sitznachbarin, und ich sage zu ihr, „Wir brauchen also keine Angst zu haben.“ Sie stimmt voller Inbrunst zu: „Das ist wahr.“ Sie hat mich nicht verstanden, denn die feineren Arten der Ironie – so sagte man mir – sind im Suaheli unbekannt.
Ein paar Tage später finde ich in der Zeitung unten auf Seite 1 die Überschrift: „Der Staatspräsident fordert die Richter auf, Recht zu sprechen.“ Ungerechte Urteile, so heißt es dann im Artikel, könnten seine Partei im Wahlkampf in Schwierigkeiten bringen. Die Zeitung ist regierungskritisch, vielleicht also gibt es doch Ironie im Suaheli.

Sprachen in Uganda

Am 4.2. geht es nach einer Nacht in Nairobi gleich weiter nach Tororo. Der Bus bringt mich bis zur Grenze nach Uganda. Ich überquere die Grenze zu Fuß und werde dann von P.Edward mit dem Auto abgeholt. Während ich auf ihn warte, kommt ein vielleicht 12-jähriger Junge auf mich zu, ob ich 500 Shillinge für ihn hätte. Mir scheint es am klügsten, das Thema zu wechseln, und so erfahre ich gleich etwas über die sprachliche Situation im Land. Als erste Sprache hat er seine Stammessprache gelernt, „Aber wenn du hier herumläufst, lernst du automatisch Suaheli.“ Er zählt die drei anderen Stämme mit ihren Sprachen auf, die auch hier an der Grenze wohnen. Sein Suaheli ist schlechter als meines, aber wenn man nicht alle Sprachen der Nachbarstämme lernen will, muss man halt zu Suaheli oder Englisch greifen. Englisch kann er aber gar nicht. Im Kloster in Tororo ist Englisch die Sprache der Gemeinschaft, alle können aber auch ein bisschen Suaheli. Insgesamt hat Uganda aber ein Sprachenproblem: Ugander aus unterschiedlichen Stämmen können sich oft untereinander nicht verständigen.

Tororo

Am Freitag Nachmittag (6.2.) laufe ich die paar Kilometer vom Kloster zur Stadt Tororo. Ich trage meine Kamera offen, was ich sonst nicht einmal in Songea, der Bezirksstadt von Peramiho, tun würde. Mehrere Erwachsene sprechen mich an, ich solle ein Foto von ihnen machen. Als ich ihnen danach das Ergebnis auf dem Display zeige, schreien sie vor Vergnügen. Das habe ich in Tansania nur bei Kindern erlebt. Die Banken haben schon geschlossen (auch in Uganda um 16 Uhr), also frage ich in einem Geschäft nach einer Wechselstube. Der Verkäufer weist mir die Richtung zu einem Supermarkt ein paar Straßen weiter, wo ich aber nicht fündig werde. Ein Mann spricht mich an: „Have you God ?“ Ob ich Gott habe ? „Have you got what you were searching for, the money ?“ Ach, jetzt verstehe ich, er hat mitbekommen, wonach ich gefragt hatte. „Nicht auf der Straße wechseln !“, diese Vorsichtsmaßregel geht mir durch den Kopf. Aber er führt mich an ein Geschäft an der Hauptstraße, das einen ganz offiziellen Wechselschalter hat und einen guten Kurs bietet. Geld für seine Hilfe fordert er nicht. Für den Rückweg habe ich drei Möglichkeiten: Wieder zu Fuß, Fahrradtaxi (die Fahrräder mit gepolsterten Gepäckträgern nehmen Passagiere mit) oder Motorradtaxi. Da ich selbst viel Rad fahre, bringe ich es einfach nicht über mich, jemand anders für mich strampeln zu lassen, also entscheide ich mich für das Motorradtaxi. Der Fahrer verlangt 1500 ugandische Shilling, ich sage, 1000 (40 Euro-Cent). Er: „Fahren wir !“ Ich: „Hast du denn jetzt zugestimmt ?“ Er: „Fahren wir !“ Ich: „Für 1000 ?“ Sein Kollege, der ebenfalls auf Kunden wartet und zugehört hat, löst das Verständigungsproblem: „Er hat zugestimmt.“
Andere Länder, andere Geschäftssitten: In Tansania bringen die Taxifahrer ihre Zustimmung deutlicher zum Ausdruck, deshalb war ich verwirrt.

Rückreise von Uganda

Für Samstag (7.2.) steht die Rückreise von Tororo (Uganda) nach Tansania an. Alles ist perfekt geplant: Am Freitag ruft P.Edward für mich bei dem Reisebüro an, bei dem er Stammkunde ist, der Flug für Samstag kurz vor Vier wird gebucht. Am Samstag Morgen um 6 fährt er mit dem Auto vor meinem Zimmer vor, bringt mich in den Ort Tororo und besorgt mir einen Platz in einem der Minibusse, die nach Kampala fahren. Um 10 werde ich dort sein, sagt er mir, und schreibt mir noch Adresse und Telefonnummer des Reisebüros auf. Kampala ist die Hauptstadt Ugandas, dort sitzt das Reisebüro, und von dort sind es noch ungefähr 40 km zum Flughafen in Entebbe. Kurz nach 10 sind wir wirklich dort. Weder Fahrer noch Schaffner kennen die Adresse, daher ruft der Fahrer auf eigene Kosten bei dem Reisebüro an. Dann hält er an einer Tankstelle, führt mich zu einem „border“, erklärt dem Fahrer das Ziel, und der fährt mich zum Reisebüro. Ein „border“, auf Suaheli „boda-boda“ ist ein Motorrad, das Passagiere mitnimmt, meistens einen, manchmal aber auch mehr, siehe Foto. Der Name soll angeblich in Tororo entstanden sein, weil diese „Taxis“ früher vor allem zur Border, zur Grenze also, fuhren. Obwohl ich der einzige Passagier bin, bin ich doch froh, als wir heil am Ziel ankommen (für 2000 ugandische Shilling, ca. 80 Euro-Cent). Im Reisebüro begrüßt mich der Chef freundlich und hat gleich ein Problem für mich: Gestern ist das Internet zusammengebrochen, deshalb hat er meine Reservierung nicht bestätigen können, jetzt ist das Flugzeug ausgebucht. Aber es gibt eine Alternative um 12:45. Ich schaue auf die Uhr: 10:37. Seine Mitarbeiterin meint: „Stadtauswärts ist der Verkehr nicht so schlimm, aber wir sollten Robert anrufen.“ Ob Robert ein Fahrer sei, frage ich. Nein, er ist der Flughafenmanager. Robert sagt, um 11:30 schließen sie, aber wenn ich nur Handgepäck hätte, könnte er mich schon einchecken. Jetzt heißt es schnell Geld wechseln, in der Wechselstube nebenan, und das Ticket bezahlen. Um 10:50 sitze ich im Taxi (diesmal ein Auto mit mir als einzigem Passagier für 60.000 Shilling, 24 Euro), um 11:40 hechte ich in die Flughafenhalle. Unfreundliche junge Frau: „Sie sind zu spät, wir haben schon geschlossen.“ – „Das Reisebüro hat mit dem Flughafenmanager telefoniert.“ – „Da muss ich erst anrufen, das geht auf meine Telefonrechnung, dafür müssen Sie mir etwas geben.“ – „Wie viel soll ich Ihnen für das Gespräch geben ?“ – „Was Sie mir geben wollen.“ – „Wenn es um die Gesprächskosten geht, gerne. Aber nicht, wenn es um Korruption geht.“ Sie schickt mich durch die Sicherheitsschleuse und setzt sich an den Check-in-Schalter. „Sie sind nicht im Computer. Jetzt muss ich schon wieder anrufen. Sie müssen mir etwas geben.“ – „Ich wohne in Tansania, und die Worte ‚Sie müssen mir etwas geben‘ hinterlassen einen schlechten Geruch in meiner Nase.“ Ab jetzt arbeitet sie betont langsam und unfreundlich, aber um 11:55 bin ich an ihr vorbei (ohne etwas gezahlt zu haben), der Rest geht schnell, und um 12:15 Uhr hebt das Flugzeug ab (die planmäßige Startzeit war 12:25, also noch früher, als laut Auskunft des Reisebüros).
Das Foto zeigt den Start, unten der Viktoria-See.

Betrug – oder nur andere Geschäftssitten ?

Am Samstag, 7.2., war ich von Uganda nach Dar es-Salaam zurückgeflogen, gleich am folgenden Tag mit dem Bus in unsere Abtei Ndanda im Südosten Tansanias weitergereist. Am Dienstag kauft P.Tuzinde, der afrikanische Cellerar (Verwaltungschef) der Abtei für mich die Rückfahrkarte für den Bus der Firma Najma. Ndanda ist zwar nur ein Dorf, liegt aber an der Hauptstraße, und der Busbahnhof liegt nur wenige 100 m von der Abtei entfernt. Als ich am Mittwoch Morgen gegen 6:40 dort eintreffe, kommt gleich ein junger Mann auf mich zu, „Du bist Mister Robert, für den Tuzinde gestern das Ticket gekauft hat ?“ Es ist der örtliche Agent von Najma. Als der Bus einfährt, sagt er dem Schaffner, „Lass ihn einsteigen.“ Doch der Schaffner sagt, dass der Bus voll ist. Ich zeige mein Ticket, steige ein, hinter mir steigt der Agent auch ein. Mein nummerierter Sitzplatz ist vergeben. „Setz dich hier hin, und mach dir keine Sorgen, ich verschaffe dir in Lindi (der nächsten Großstadt) einen anderen Bus.“, sagt der Agent und zeigt auf den Platz über dem Motor direkt zwischen Fahrer und Eingangstür. Jetzt muss ich wohl etwas erklären: Die meisten Busse haben nur einen Eingang vorne links, über mehrere Stufen geht es herab zur Tür. Zwischen dieser Eingangstreppe und dem Fahrer befindet sich der Motor, der durch eine Haube abgedeckt ist, die sich zur Reparatur hochklappen lässt. Rechts sitzt dann der Fahrer.
Auf der Motorhaube, die leider ziemlich warm ist, sitzen also ein weiterer Passagier und ich. Auf der Treppe stehen und sitzen die beiden Schaffner, der Agent und noch zwei Passagiere. Alle anderen Passagiere haben einen regulären Sitzplatz. Ich bin ziemlich sauer und habe das Gefühl, dass alle Afrikaner mich betrügen wollen.
Zum Glück fällt mir ein, dass ich eigentlich alle Geschäftsleute hier als ehrlich erlebt habe, und eine große Busgesellschaft wie Najma muss doch seriös arbeiten. Also wende ich mich freundlich an den Schaffner, dessen Ohr sowieso nur ein paar Zentimeter von meinem Mund entfernt ist, und erhalte die Auskunft, dass der Sitzplatz (auf Suaheli siti, von Englisch seat) zweimal verkauft worden ist. „Dann muss er mir mein Geld zurückgeben, das ist mein Recht.“ Der Agent windet sich, „Aber ich bin doch bei dir.“ (Mir ist nicht ganz klar, was er damit sagen will, vielleicht, dass er mich auf der weiteren Reise unterstützen wird ?) Der Schaffner macht ihm klar, dass er das Geld zurückzahlen muss, und so geschieht es. Die beiden Passagiere auf den Stufen nicken beifällig. Der Schaffner deutet auf den Agenten und meint zu mir: „Das ist ein sehr schlechter Mensch.“ Ich: „Wir wollen ihm verzeihen. Er ist kein sehr schlechter, nur ein schlechter Mensch.“ Das Gelächter löst die angespannte Stimmung. Kurz danach steigt der Agent aus.
An der nächsten Haltestelle spricht der Schaffner mit seinem Kollegen von einem anderen Bus, sagt zu mir, „Komm, da ist ein Platz frei“, trägt meinen Rucksack rüber, der Kollege sagt, „15.000 Shilling“, mein Schaffner meint, „Hilf ihm, mach 10.000“, dann verabschiedet er sich freundlich von mir. Ich zahle also 10.000 Shilling statt der 24.000, die das Ticket bei Najma gekostet hatte.
Dem Schaffner von Najma hätte ich gerne ein Trinkgeld in die Hand gedrückt, aber ich habe nur große Scheine,und eine Bezahlung für das Mitnehmen auf dem Notsitz hatte er zweimal ausdrücklich abgelehnt. Jedenfalls hat er sich mehr für mich eingesetzt als ich das jemals bei einem Mitarbeiter der Deutschen Bahn erlebt habe, wenn mal wieder ein Zug ausgefallen oder stark verspätet war.
Seit dem Erlebnis mit dem ugandischen Motorradtaxifahrer habe ich oft darüber nachgedacht, wie unterschiedliche Erwartungshaltungen zu Missverständnissen führen können. Als der Agent mir das Geld zurückgibt, habe ich das Gefühl, endlich etwas verstanden zu haben: 2004 war ich beim Internationalen Benediktinischen Jugendkongress in Kalifornien. Auch eine Gruppe aus einem tansanischen Kloster, ein Mönch mit einigen Schülern, war eingeladen, die Organisatoren hatten das Geld für die Flugtickets nach Tansania überwiesen. Aber dann erhielt die Gruppe kein Visum für die USA. Die Organisatoren mussten nun ziemlich darum kämpfen, das überwiesene Geld zurückzubekommen. Da ich das Kloster kenne, habe ich damals mit dem Abt gesprochen, als der in Meschede zu Besuch war. Danach erhielten die Organisatoren endlich ihr Geld zurück. „Wie kann ein Mönch so unseriös sein !“, hatte ich damals gedacht. Inzwischen hat sich diese Erfahrung mehrfach wiederholt, immer kam das Geld am Schluss zurück, aber man musste hartnäckig sein und sich am besten einen Verbündeten suchen (damals der Abt, diesmal der Schaffner). Wenn man das weiß, kann man sich ja darauf einstellen. Die Sitte, Geld erst nach Drängen zurückzuzahlen, hat natürlich in einen modernen Wirtschaft immer sehr hinderliche Konsequenzen. Immer noch wird fast alles in bar abgewickelt, auf Rechnung kann man in Tansania praktisch nichts kaufen. Welcher Geschäftsmann will schon Monate damit verbringen, bei allen seinen Kunden die Rechnungen einzutreiben ?

Weltkulturerbe ohne Cola

In Nangurukuru verlasse ich den Bus, nehme einen Kleinbus nach Kilwa Masoko („Markt Kilwa“). Nur von dort aus ist Kilwa Kisiwani („Kilwa auf der Insel“) zu erreichen, eine Ruinenstadt, die von der UNESCO als Weltkulturerbe geführt wird. Ich bemühe mich, schnell vom Busbahnhof fortzukommen, weil ich die Horden von Touristenfängern fürchte, die die Touristen in die Hotels schleppen wollen. Doch die Horden fehlen, nicht einmal ein einziger ist anzutreffen. Ich finde recht schnell ein Zimmer für 15.000 Shilling (10 Euro). Die Rezeptionistin besorgt mir sofort einen Führer für Kilwa Kisiwani. Zunächst braucht man eine Erlaubnis der Antiquitätenbehörde, was aber dank Abdullah Osmani, so heißt der Führer, kein Problem darstellt, 1.500 Shilling, 1 Euro. Dann muss noch die Hafengebühr bezahlt werden, 200 Shilling. Für beides muss ich mich in eine Liste eintragen, mit Name, Wohnort und Passnummer. Als der Hafengebühreintreiber sieht, dass ich Peramiho schreibe, sagt er gleich, dass er im Krankenhaus dort war und Br.Ansgar (den ärztlichen Direktor) kennt. Ansgar war es auch, der mich auf die Idee gebracht hatte, nach Kilwa zu fahren.
Ob ich mit dem Boti (englisch boat) oder mit der Dhau fahren wolle, fragt Osmani mich. Was für eine Frage ! Ich hatte noch nie Gelegenheit, mit einer Dhau zu fahren, also wähle ich natürlich dieses altarabische Transportmittel !
Auf dem Foto holt Käpt’n Hija gerade das Segel ein.
Die Ruinen auf der Insel sind eindrucksvoll, es ist aber ziemlich heiß. Wir fragen überall nach Erfrischungsgetränken. Es gibt zwar ein paar kleine Garküchen, aber nirgendwo finden wir das Gesuchte, obwohl Osmani sich offensichtlich sehr gut auskennt. Früher war Kilwa eines der wichtigsten Handelszentren am Indischen Ozean, wo sogar chinesische Kaufleute Gold aus Simbabwe kauften. Heute gibt es nicht einmal Cola !
Die folgenden Fotos zeigen noch ein paar Eindruecke der wunderschoenen Insel.


Serviceorientiert
Dar es-Salaam, 13.2.

In Tansania werden englische Stecker mit drei rechteckigen Stiften verwendet. Fuer mein in Dar es-Salaam gekauftes Notebook brauche ich also einen Adapter fuer deutsche Schuko-Stecker. Ich frage in mehreren Geschaeften nach, die Haendler brauchen einige Zeit, bis sie ungefaehr verstanden haben, was ich brauche, und zeigen mir dann einen Adapterstecker fuer tansanische (bzw. englische) Steckdosen. Dann verweisen sie mich an den naechsten Haendler. Der letzte meint schliesslich, so etwas sei in Dar es-Salaam nicht zu bekommen. Hatte ich mir gleich gedacht. Trotzdem versuche ich mein Glueck in noch einem kleinen Laden. Der Inhaber, ein Inder, braucht auch einige Zeit, um mein Anliegen zu verstehen, dann schickt er seinen afrikanischen Angestellten mit dem Fahrrad los. Der kommt nach 5 Minuten zurueck – mit dem gewuenschten Adapter ! Der Preis betraegt 4000 Shilling, knapp 3 Euro !

Als ich die Geschichte in Kurasini erzaehle, meint Br.Andreas, der offensichtlich Erfahrung mit so etwas hat: „Der Händler war sicherlich ein Inder. Die machen so etwas.“ Sehr viele Händler in ganz Tansania sind Inder, kein Wunder, dass so viel Kundenorientierung auch Erfolg mit sich bringt.

Korruption hat auch ihr Gutes
(Dieser Artikel bezieht sich auf meine drei Reisen nach Kenia im Juni, Juli und August 2008)

Das Visum für Kenia kostet 50 US-Dollar (es muss auch in Dollar bezahlt werden), dafür ist es auch drei Monate lang gültig. Vor meiner zweiten Kenia-Reise schaute ich also zuversichtlich in meinen Pass und stellte verärgert fest, dass das Visum nur für eine Einreise gültig war. Der Grenzbeamte, ein freundlicher älterer Herr mit einer Ausstrahlung von Kompetenz, klärte mich auf: Visa für mehrfache Einreise werden nur am Flughafen ausgestellt, ich müsse die 50 Dollar nochmal bezahlen. Ich bezeichnete das als nicht ganz fair und erhielt die Antwort, dass viele andere Staaten noch viel schärfere Visa-Bestimmungen als Kenia hätten. Ich dachte an die Probleme mit den Australien-Visa für die Tansanier, um derentwillen ich gerade nach Nairobi fuhr, und gab ihm Recht. Bei meiner dritten Kenia-Reise (im August) reichte ich dem Beamten meinen Pass, er sagte freundlich „Guten Tag“, ich machte auf Suaheli irgendeine freundliche Bemerkung darüber, dass er Deutsch sprach, er drückte seinen Stempel in meinen Pass und fragte: „Sonst noch was ?“ Ich bedankte mich freundlich und verabschiedete mich. Bezahlt hatte ich nichts. Draußen schaute ich noch einmal ungläubig in meinen Pass: Das Visum vom letzten Mal war mit Computer geschrieben und in den Pass eingeklebt. „Für eine einmalige Einreise“ stand unübersehbar in Fettdruck oben drauf. Es bleibt also nur die Erklärung, dass es derselbe Beamte wie beim vorigen Mal war (ich war nach 6 Wochen da nicht mehr so ganz sicher), dass er mich wiedererkannt hatte und mir eine Freundlichkeit erweisen wollte. Korruption entsteht ja da, wo ein Beamter eher als Mensch, mit dem man schon irgendwie verständigen kann, wahrgenommen wird und nicht so sehr als „Staatsdiener“, also als jemand, der abstrakte Ideen wie „Staat“, „Gesetz“ oder „Gerechtigkeit“ vertritt.

Wenn ich nicht an die katastrophalen Folgen der Korruption denken würde, könnte ich Korruption fast für menschlich halten. Ob man den Grenzbeamten allerdings als korrupt bezeichnen kann, weiß ich nicht so recht, immerhin hat er außer meinem freundlichen Lächeln keinen Vorteil gehabt, allerdings hat er seinen Staat um 50 Dollar geschädigt.

Eine Antwort to “Nachtrag zu Ostafrika”

  1. Br Bakanja Says:

    I could not first read your article because it was in German.Thank to google translation! Now I can read the article.It seems that your experince in Africa made your an African.Is it!
    Karibu tena Africa

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