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Morgen wird gewählt

24. Oktober 2015

wahlkampf Jetzt muss ich meinen Reisebericht aus Mosambik mal eben unterbrechen, um noch rechtzeitig das Thema aufzugreifen, von dem hier wirklich alle sprechen: Die Wahlen am morgigen Sonntag. Seit der Unabhängigkeit vor über 50 Jahren wird Tansania von ein und derselben Partei regiert, der CCM. Es gab vier Präsidenten, der erste hat als Diktator geherrscht, dann aber seine Macht freiwillig abgegeben, die drei folgenden haben jeweils die zwei Wahlperioden, die die Verfassung vorsieht, im Amt verbracht, und sind dann abgetreten, ohne den Versuch zu machen, mit irgendwelchen Tricks noch länger im Amt zu bleiben. Auch ist es der CCM gelungen, beide große Religionsgruppen im Land an der Macht zu beteiligen – die Präsidenten waren immer abwechselnd Christen und Muslime. Das ist für afrikanische Verhältnisse eine beinahe unglaubliche Leistung.
Im Juni hat die CCM ihren Kandidaten benannt. Wochen vorher wurden die Anwärter in den Zeitungen vorgestellt, alle Wetten lauteten auf Edward Lowassa, einen früheren Ministerpräsidenten. Doch am Schluss nominierte die CCM den deutlich unbekannteren John Magufuli.
Drei Wochen später führte ich folgendes Gespräch mit einem der Angestellten in Peramiho: „Heute Nachmittag habe ich Herrn Zenda gesucht, aber er war nicht in seinem Büro.“ – „Nein, er war im Fernsehraum der Mönche.“ – „Was hat er im Fernsehraum der Mönche zu suchen ?“ – „Er hat sich angesehen, wie die Opposition Mgombea aufgestellt hat.“ Ich verstehe Mgombea als Namen und frage nach: „Aha, und wer ist dieser Mgombea ?“ – „Edward Lowassa.“ Wieder etwas gelernt: Mgombea ist kein Name, sondern heißt „der Kandidat“. – „Wie bitte, Lowassa war doch eben noch bei der CCM !“ – „Ja,“ klärt er mich auf, „er hat aus Wut die Partei gewechselt. Und er bringt viele Anhänger mit zur Opposition.“
Jetzt gibt es zum ersten Mal eine ernstzunehmende Alternative, zumal alle wichtigen Oppositionsparteien hinter Lowassa stehen. Auf den Straßen sieht man überall Fahnen der CCM (grün-gelb, auf dem Foto ziemlich in der Mitte, links daneben die Kandidatin für die Vizepräsidentschaft und noch weiter links Magufuli) und der Chadema (weiß – blass-rot – blass-blau mit einer Hand, die das Victory-Zeichen zeigt, auf dem Foto oben sind mehrere davon zu sehen). Einige sagen, „Ich mag die CCM nicht, aber Magufuli ist ein Arbeitstier, der wird mit der Korruption in der CCM schon aufräumen, deshalb wähle ich ihn.“ Als ich am Montag jemanden am Busbahnhof (wo das Foto entstanden ist) abholte, kamen gleich einige Motarradtaxifahrer auf mich zu, um mich als Kunden zu gewinnen. Nachdem das gescheitert war, erzählten sie mir dann, dass sie alle Lowassa unterstützen, denn die CCM habe keinen Fortschritt gebracht, keine Häuser. „Wir wollen den Wechsel (Mabadiliko)“
Ich finde es lustig, dass ein früherer Ministerpräsident jetzt den „Wechsel“ bringen will – das hätte er früher machen können. Er wird allerdings von seinem Konkurrenten von der Dauer-Regierungspartei übertroffen, der allen Ernstes mit „Mabadiliko ya kweli“ – „Echter Wechsel“ wirbt. Das Wort ist übrigens eine Übersetzung von Obamas Erfolgsslogan „Change“.
Morgen wird es spannend, vor allem, ob der Verlierer – wahrscheinlich wird er Lowassa heißen – seine Niederlage akzeptiert. Immerhin – religiöse Spannungen, die andere Staaten in Afrika und im Nahen Osten belasten, sind nicht zu befürchten. Die CUF, die Kontakte zu radikalen Muslimen hat, hat sich mit der christlich dominierten Chadema auf den Lutheraner Lowassa geeinigt, dem gemäßigten Nationalen Islam-Rat wird seit langem eine Nähe zur CCM mit ihrem Kandidaten Magufuli, einem Katholiken, nachgesagt.

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Vergleiche

26. Juni 2014

stau Habe ich wirklich zwei Monate lang nicht mehr gebloggt ? Das lag zum Teil daran, dass ich sechs Wochen zuhause in Deutschland war. Mit den Gedanken war ich aber mindestens zur Hälfte in Tansania – eine gute Gelegenheit, ein paar Vergleiche anzustellen.
Ein Kaufhaus für Computer und Unterhaltungselektronik in Dortmund, das sich über mehrere Etagen erstreckt: Als ich mit der Rolltreppe (in Tansania kenne ich nur eine einzige Rolltreppe, am Flughafen in Dar es-Salaam) hinunterfahre, fällt mein Blick von oben über die langen Gänge mit Regalen voller Waren. Diese Waren sind im Prinzip auch in Tansania erhältlich, zumindest wenn man sich nicht auf ein bestimmtes Produkt festgelegt hat. Sogar in unserer Bezirksstadt Njombe gibt es verschiedene Computer, Kameras und alle möglichen Handys. Aber diese Menge und Auswahl lässt mich an einen kleinen Händler in Njombe denken, der mit einem Kredit von 2,5 Millionen Schilling (etwas mehr als 1.000 Euro) genügend Waren eingekauft hat, um seinen ganzen Laden zu füllen. Allerdings handelt es sich bei ihm um Mehl, Zucker, Seife, Zigaretten und Erfrischungsgetränke.
In Dutzende Züge, Busse, U- und S-Bahnen bin ich eingestiegen. Zweimal war ich mehr als eine Stunde zu spät, weil ich den Anschluss verpasst hatte. Aber soll ich mich wirklich darüber ärgern, wenn ich daran denke, dass man von Uwemba in das 20 km entfernte Kisilo mit dem Bus spätestens um 13 Uhr abfahren muss, damit man in der Bezirksstadt Njombe um 15:30 noch den letzten Bus nach Kisilo erwischt ? Dass ich Anfang April in Tansania einen ganzen Tag zu spät war, weil wegen der Überschwemmung aller Straßen, die aus Dar es-Salaam herausführen (es gibt nur drei), überhaupt kein Bus fuhr ? Dass ich im Juni um 4:40 in Dar es-Salaam abgefahren bin und erst um 21:15 Uhr in Uwemba angekommen bin, weil die Straße 4 Stunden lang durch LKWs verstopft war, die darauf warteten, an der LKW-Waage bei der Ausfahrt aus Dar es-Salaam gewogen zu werden ? Immerhin hatten wir den Trost, dass unser Stau (siehe Foto) es bis in die Abendnachrichten des Fernsehens schaffte.