Archive for the ‘Togo’ Category

ηlabaγle heißt „Danke“

24. August 2010

Das Volk der Kabiyé in der Region um Agbang umfasst über eine Million Menschen, ihre Sprache ist eine der drei offiziellen Sprachen Togos. Meine kubanischen Brüder Martin und Cyrille und auch P.Boniface (siehe vorigen Artikel) gehören zu diesem Volk. Die 2 Millionen Sprecher des Ewé leben vor allem in der Gegend um die Hauptstadt Lomé im Süden. Br.Jacques gehört zu ihnen. Wie aber verständigt sich die andere Hälfte der 6 Millionen Togolesen ?
Als ich mit P.Boniface in den äußersten Norden des Landes gefahren bin, merkte ich, dass auch er als Einheimischer sich nur auf Französisch mit den Menschen dort verständigen kann. Die Franzosen waren bis vor 50 Jahren die Kolonialherren und ihre Sprache ist weiterhin die erste Landessprache und die Unterrichtssprache in allen Schulen. Das hat den großen Vorteil, den mir ein Mönch in Dzobegán so erklärte: „Ich stamme aus der Zentralafrikanischen Republik. Aber auf Französisch kann ich mich in ganz Westafrika und sogar auf Madagaskar verständigen“.
Ein Nachteil ist, dass nach wie vor viele Menschen – vor allem Frauen – kein Französisch können, weil sie nie eine Schule besuchen durften. Heute besuchen die allermeisten Kinder die Schule, plappern munter drauflos und lassen ihre Eltern „alt aussehen“.
Der andere Nachteil ist, dass Kabiyé und Ewé in der Schule nur Wahlfächer sind, man also die Schule gut abschließen kann, ohne je die Rechtschreibung und Grammatik der Muttersprache zu lernen. Dabei sind die gar nicht so einfach – das Foto zeigt ein Stück eines Hemdes, das zum 80.Geburtstag einer verdienten Persönlichkeit bedruckt wurde. Erzabt Jeremias meinte, als sein Blick darauf fiel: „So eine unpraktische Schrift kann sich doch nur ein katholischer Priester ausgedacht haben – griechische und lateinische Buchstaben zur Schreibung einer Sprache kombinieren !“ Wir erinnern uns beide noch an die Probleme, die der Verlag der Abtei Münsterschwarzach in den 90er Jahren hatte, als es darum ging, einen Computer-Zeichensatz für die Kabiyé-Bibel zu entwerfen, an der P.Boniface mitübersetzt hatte.
Während einige Togolesen von der Kommunikation außerhalb ihrer Region ausgeschlossen bleiben, weil sie nie die Schule besucht haben, haben andere sich zu wahren Sprachgenies entwickelt. Br.Eugène z.B. kann nicht nur problemlos zwischen Kabiyé, Französisch und Englisch umschalten, er spricht auch etwas Deutsch. Und als wir einen Häuptling des Nomaden-Volkes der Peuhl besuchen, unterhält er sich mit ihm flüssig in einer Sprache, die anders klingt als das Kabiyé, das ich bisher gehört habe. „Was hast du mit ihm gesprochen ?,“ frage ich ihn. „Kotokolí und etwas Peuhl. Aber Peuhl kann ich nicht so gut.“
Wahrscheinlich ist sein Peuhl besser als mein Französisch.

Salatmarinade

23. August 2010

„Jacques und ich fahren heute nach Dzobegán, dem Kloster, aus dem Boniface und er ausgetreten sind,“ sage ich zu Br.Jean-Baptiste. „Ich bin da auch ausgetreten,“ antwortet er.
Die Geschichte von Agbang begann, als der junge Mönch Boniface Tiguila beschloss, Dzobegán zu verlassen. Zum Jubiläum hat er geschrieben, das Kloster – von Franzosen gegründet – sei ihm zu europäisch gewesen, was man z.B. an der Salatmarinade gesehen habe. Boniface hat 1985 seinen afrikanischen Gegenentwurf, das heutige Kloster Agbang, gegründet. Die ersten, die sich ihm dort anschlossen, waren Verwandte, Schulfreunde und andere Mönche, die Dzobegán verlassen hatten, darunter Br.Jacques, der heutige Prior unseres Klosters auf Kuba.
In Dzobegán begann also vor 25 Jahren die Geschichte meiner Reise zum Silbernen Jubiläum von Agbang.
Tatsächlich erinnert mich der Speisesaal (Foto) stark an Frankreich, und ich kann mir auch heute noch, wo kein einziger Franzose mehr in Dzobegán lebt, vorstellen, was Boniface mit seinem starken Bewusstsein für die afrikanische Kultur dort gestört haben könnte (allerdings kann ich mir auch vorstellen, dass eine gewisse Abneigung, sich in eine bestehende Gemeinschaft einzuordnen, ebenfalls eine Rolle bei seinem Entschluss gespielt hat).
Dass Jacques oder die anderen Benediktiner von Agbang aber irgendwie als „Abtrünnige“ betrachtet würden, konnte ich nicht feststellen – im Gegenteil, der Empfang war sehr herzlich und man hat uns viele interessierte Fragen über Kuba gestellt.
Mich hat es nach zwei Wochen afrikanischer Küche in Agbang (Fledermäuse; siehe vorigen Artikel) sehr gefreut, dass die Küche in Dzobegán nach wie vor einige europäische Traditionen bewahrt, darunter auch die Salatmarinade.

Wieder zurück aus dem Funkloch

22. August 2010

1.August, 18 Uhr abends. In der Bezirksstadt Kara verlassen wir die Hauptstraße (Togo ist lang und schmal, deshalb gibt es eigentlich nur eine Hauptstraße im Land, siehe die fotografierte Karte) und biegen auf die Sandpiste nach Agbang ab (der blaue Punkt in der Karte). Erzabt Jeremias holt sein Handy heraus, ruft einen seiner wichtigsten Mitarbeiter an: „Ich wollte mich nur kurz melden, bevor wir in das Funkloch kommen.“ Mit dem Funkloch hat er sich geirrt, denn seit seinem letzten Besuch ist endlich auch Agbang mobil erreichbar, aber abgesehen davon liegt das Kloster immer noch richtig „im Busch“ (dans la brousse). Als 1988 die beiden ersten Äbte unserer Kongregation aus Europa kamen, um sich das neue Kloster anzusehen, hat der Bischof nach einigen Tagen jemanden vorbei geschickt, weil er sich ernste Sorgen um das Wohlergehen der beiden Gäste aus Europa machte. Dieses Jahr feiert das Kloster sein 25-jähriges Bestehen (das ist der Anlass der Reise von Erzabt Jeremias und mir), und in den Jahren ist einiges geschehen, die Zimmer (zumindest die Gästezimmer) haben fließend Wasser und Dusche; an fast allen Tagen kommt auch wirklich Wasser aus den Leitungen (leider nicht auf den Toiletten auf dem Gang, dort muss man zum Spülen einen Eimer in das Becken schütten). Es gibt einen Generator, der zwischen Dunkelwerden und 21 Uhr Strom liefert, manchmal zusätzlich am Vormittag. Für die europäischen Gäste steht immer Mineralwasser bereit, und die Küche gibt sich Mühe, Spaghetti, Omelette und andere Ergänzungen zu liefern, damit die Gäste aus Europa nicht Pâte oder Chauve-Souri essen müssen. Aber Pâte (eine Art festgekochter Maisbrei) ist wirklich nicht schlimm (in Tansania heißt dieselbe Speise „Ugali“, und nach einem Jahr hatte ich mich daran gewöhnt), und Chauve-Souri (siehe unteres Foto) gab es nur einmal als Festtagsessen – ich habe sie im Gegensatz zur Pâte verschmäht.
Internet-Anschluss und damit Bloggen war unmöglich, ich habe allerdings einige Artikel in den Computer getippt, die ich in den nächsten Tagen hochlade.