Archive for the ‘Spanisch: Die Sprache’ Category

Meine Schwierigkeiten mit „Auferstehung“

26. April 2011

Vor der Osternacht kommt eine Deutschschülerin in die Sakristei und grüßt: „Gutenabend.“ Ich korrigiere: „Guten Abend. Immer eine klitzekleine Pause zwischen zwei Wörtern machen.“ Dann setze ich das unterbrochene Gespräch mit der Sakristanin fort: „Auferstehung (resurrección) ist besonders schwer auszusprechen.“ Die Kantorin hat zugehört und meint: „Die Betonung liegt auf der letzten Silbe !“ Und meine Schülerin legt nach: „Wenn du resurrección so aussprichst, dann darf ich auch Gutenabend sagen.“
Die Schwierigkeit ist das spanische „Zungen-R“. In meiner Grammatik steht so schön, „das R wird mit der Zungenspitze geschlagen.“ Ein R, das am Wortanfang steht, muss sogar mehrfach vibrieren. Dasselbe gilt für ein Doppel-R. „Auferstehung“ hat ein R am Wortanfang und ein Doppel-R, und wenn man sich auf beide konzentriert hat, dann soll man auch noch die letzte Silbe betonen ! Das weckt traumatische Kindheitserinnerungen an jenen Nachmittag, als meine Eltern mir die korrekte Aussprache des englischen „with“ beibrachten, damit ich am Abend ein englisches Gedicht aufsagen konnte. Also, liebe Eltern, herzlichen Dank für die damalige Quälerei, denn Fremdsprachenkenntnisse haben mein Leben seitdem doch ziemlich bereichert, und das Gedicht kann ich auch noch: „There was a lady of Riga, who rode with …“

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Nach zwei Jahren

20. März 2011

Gestern vor zwei Jahren bin ich hier angekommen. Dass ich das Land mit all seinen Widersprüchen schon verstanden hätte, kann ich nicht wirklich behaupten (Es gibt Leute, die verbringen drei Wochen hier und erzählen danach in Deutschland, „Wie Kuba wirklich ist“). Immerhin habe ich inzwischen einiges von der spanischen Sprache verstanden. Was ich sagen will, kann ich eigentlich immer ausdrücken, auch wenn ich mit den acht Zeiten der Vergangenheit (4 Zeiten im Indikativ, 2 im Konjunktiv und 2 „Vergangenheiten des Futurs“), manchmal durcheinander komme. Wenn ein Wort fehlt, kann man sich eigentlich immer irgendwie helfen, so wie neulich in der Fahrradwerkstatt: „Können Sie mir bitte dieses Pedal anschrauben, ich habe nicht den richtigen … “ – Was heißt denn eigentlich „Schraubenschlüssel“ auf Spanisch ?, frage ich mich in Gedanken und fahre fort: “ … nicht das richtige Werkzeug.“ Ich habe gelesen, dass Demenzkranke das auch so machen, wenn ihnen ein Wort nicht einfällt. Schwieriger ist es mit dem Verstehen. Meinen Spanischlehrer verstehe ich meistens ziemlich gut, aber der spricht natürlich langsam und deutlich. Franqui, der Architekt des Erzbistums, hetzt ständig von Baustelle und Baustelle, und spricht mit einer Geschwindigkeit, die dieser Gehetztheit angemessen ist. Trotzdem verstehe ich ihn recht gut. Mein größtes Problem bleibt der Fahrer, der normalerweise unseren Minibus fährt. Bei ihm habe ich denselben Eindruck wie bei manchem US-Amerikaner – seine Aussprache klingt, als wäre der Mund voller Kaugummi. Nach dem dritten Nachfragen gebe ich meistens auf und hoffe, dass es nicht wichtig war, was er gesagt hat.

„Unsere Waren sind weniger wert“

17. November 2009

„Ich habe meine Espejuelos nicht auf.“ – „Du hast Glück, dass ich dieses Wort verstehe. Die meisten Leute hier kennen nur die Wörter Anteojos (Vor-Augen) oder Lentes (Linsen)“, so wies mich Br.Alexander vor gut zwei Wochen auf die Sprachunterschiede zwischen Kuba, wo ich das Wort Espejuelos gelernt hatte, und Venezuela hin. Hier in Kolumbien heißt dieselbe Sache Gafas, ein Spanier, den wir auf Kuba kennen, benutzt dasselbe Wort.

Ein großer Supermarkt hat hier die Werbung „Vale menos“. Mit meinem kubanischen Spanisch habe ich das als „Ist weniger wert“ übersetzt. In Kuba habe ich eine Werbung „Vale mas, gasta menos“ gesehen – „Ist mehr wert, kostet weniger.“

Die Lösung des Rätsels ist in diesem Fall natürlich, dass „Vale“ in Kolumbien „es ist wert“ bedeutet, in Kuba dagegen „es kostet“.

„Geht zum Brotsuchen ?“

18. August 2009

Als ich diesen Artikel am Freitag veröffentlichen wollte, brach die Verbindung ab. Auch eine Art von Kommunikationsproblem.

Eines Morgens kommt unser kubanischer Gast in mein Büro und fragt, „Geht zum Brotsuchen ?“ Das ist vor dem Frühstück zu viel für meine jungen Spanischkenntnisse, erst als er die Frage wiederholt, verstehe ich die Wörter, aber immer noch nicht den Sinn.
Die Kubaner verwirren uns immer wieder dadurch, dass sie Informationen weglassen, die wir für zentral halten, zum Beispiel das Subjekt des Satzes. Ich habe in der Schule gelernt, dass man zuerst angibt, worum es eigentlich geht, und zwar möglichst genau. Auf den kubanischen Schulen scheint man das genaue Gegenteil zu lernen. Wahrscheinlich findet man hier ein Gespräch interessanter, wenn man erst raten muss, worum es eigentlich geht.
Hinzu kommt, dass man im Spanischen meistens auf die Personalpronomen („Ich, Du, Er, Sie …“) verzichtet, genau wie im Lateinischen.
Also habe ich nachgefragt: „Wer geht ?“ – „Sie“. Noch so eine Falle für uns arme Ausländer. Gestern hat er mich noch geduzt, heute sagt er „Sie“ (Im Deutschen müsste man „Gehen Sie …“ sagen, aber im Spanischen wird die förmliche Anrede mit dem Singular verbunden.) Der Wechsel zwischen „Du“ und „Sie“ ist hier überhaupt nicht ungewöhnlich.
Und schließlich: Sie verwenden immer wieder andere Wörter, als im Wörterbuch stehen. Mit „Suchen“ meint er in diesem Fall natürlich „Kaufen.“ Dabei muss ich das Brot – im Gegensatz zu anderen Dingen, aber das ist
ja Dauerthema in diesem Blog – nicht erst suchen, sondern ich finde es immer  in der Bäckerei um die Ecke.
Die Verständigung wäre doch viel einfacher, wenn er gleich „Gehst du Brot kaufen ?“ fragen würde.

„Hast du jonglenong gesehen ?“

14. Juli 2009


An die schnelle Sprechweise der Kubaner und das Verschlucken ganzer Silben gewöhne ich mich langsam. Aber manche Kubaner haben eine todsichere Methode, dafür zu sorgen, dass ich nichts verstehe: Englisch sprechen.
Schließlich bin ich Ausländer, und mit Ausländern muss man Englisch sprechen. Viele Tansanier denken ähnlich, nur klingt das Englisch in Tansania englisch. Hier klingt es spanisch. Und spanisches Englisch habe ich in der Schule nicht gelernt, was ich auch nicht bedaure.
Am Sonntag fragte unser kubanischer Gast mich, ob ich jonglenong gesehen hätte. Was meint er, die Jongleure, die manchmal durch die Innenstadt ziehen ? Er erklärt irgendwas mit Singen, meint er etwa singende Jongleure ?
Endlich verstehe ich, dass er den Namen eines Sängers meinte, der im Park an der 17.Straße sitzt.
Als ich gestern das obere Foto gemacht hatte, kam gleich der Park-Aufseher und setzte ihm die Brille auf (unteres Fotos), die er anscheinend aus Sicherheitsgründen in Verwahrung genommen hatte.
Zu Füßen des Briten ist der Vers eingraviert, „You may say, I’m a dreamer, but I’m not the only one.“
Zum Glück auf Spanisch, sonst hätte ich es nicht verstehen können.

Klammern und Schlaufen

1. April 2009

Spanisch erscheint auf den ersten Blick recht einfach, sehr viele Wörter hat man als Fremdwörter oder über eine andere europäische Sprache schon einmal gehört. Auf den zweiten Blick gibt es dann doch Probleme. Letzte Woche habe ich gemeinsam mit P.Emmanuel Büromaterial gekauft. Auf die Heftmaschine haben wir zunächst verzichtet, weil es keine passenden Heftklammern gab. Vorgestern war ich alleine erneut dort, um zu fragen, ob es inzwischen wohl auch Klammern (grapas) für die Heftmaschine (grapadora) gebe. Trotz mehrfacher Wiederholung verstand der Verkäufer mich erst, als ich auf die grapadora in seinem Regal zeigte. Am nächsten Morgen klärte mein Spanischlehrer mich auf: Die Wörter grapa und grapadora hatte ich von P.Emmanuel, der sie wiederum in Kolumbien gelernt hatte. In Kuba aber heißt es presilla und presilladora. In meinem Wörterbuch steht unter „presilla“ die Übersetzung „Schlaufe“. Jetzt versuche ich, die Wörter „grapa“ und „grapadora“ wieder zu vergessen, aber das gelingt mir genauso wenig wie der Kauf von grapas, pardon, presillas.