Archive for the ‘Schule’ Category

Fotos zur Schulfeier

4. Februar 2012

Endlich komme ich dazu, die Fotos zur Schulfeier von letzter Woche nachzureichen. Das Foto oben zeigt die Schülerinnen bei der Aufführung eines Mganda, eines traditionellen Tanzes. Der strahlte eine solche Kraft aus, dass ich geradezu die Krieger mit ihren Speeren vor Augen sehen konnte. Ich fragte die Schulleiterin neben mir, „War das ursprünglich ein Tanz für Frauen ?“ – „Nein, für Männer“. Die Männer- und Frauenrollen sind in Tansania auch heute noch ziemlich festgelegt, aber immerhin hat der (männliche, tansanische) Priester, der die Predigt in der Messe zu Beginn der Schulfeier gehalten hatte, die Unterdrückung der Frau angesprochen und die Schülerinnen aufgefordert, sich durch Bildung selbst zu erlösen. Schülerinnen, die so kraftvoll tanzen, sollten das eigentlich schaffen können.
Das Foto unten zeigt die beiden Schülerinnen, wie sie sich zum sechsten oder siebten Mal während ihrer Rede vor mir als dem „verehrten Ehrengast“ verbeugen.

Wieder dort

30. Januar 2012

„Stimmt es, dass du der mgeni rasmi bei der Abiturfeier bist ?“, fragt die deutsche Verwalterin der Schule mich skeptisch. „Ja, das stimmt, ich soll P.Fidelis vertreten,“ sage ich. „Ach, der war doch auch schon nur der Ersatzmann für jemand anders“, meint sie. Die Rolle des mgeni rasmi, auf Deutsch „Offizieller Gast“ oder „Ehrengast“, wird normalerweise von irgendeinem „Hohen Tier“ aus der Schulbehörde ausgefüllt, aber durch die beiden Absagen war sie nun mir zugefallen. Eine Feier ohne mgeni rasmi hier wäre ungefähr wie Weihnachten ohne Baum in Deutschland – er gehört einfach dazu.
Am Mittwoch bin ich in Peramiho angekommen, am Samstag war ich schon Ehrengast an der Schule, wo ich vor vier Jahren Physik unterrichtet hatte. Die Feier hätte laut Programm acht Stunden dauern sollen, in Wirklichkeit waren es dann genau neun, Beginn mit dem Tee im Lehrerzimmer um 8:30 Uhr und der anschließenden Messe, Ende mit den Worten der Schulleiterin „Ich erkläre die Feier für geschlossen“ um 17:30 Uhr. Meine Aufgabe war es, neben der Schulleiterin in die Aula einzuziehen, am Tisch in der ersten Reihe in der Mitte zu sitzen und den Schülerinnen ihre Abschlussurkunden zu überreichen. Das Programm bestand aus Tänzen, Sketchen und Reden. Die Vertreterin der Elternschaft sprach über das Vierte Gebot („Du sollst Vater und Mutter ehren“), und schrie dabei so in das Mikrophon, dass ständig Rückkopplungen auftraten. Ständig kam das Wort „Teufel“ vor, und offensichtlich beschwerte sie sich über den Ungehorsam der Jugend von heute. Die Schulmanagerin sprach, der Vertreter des Fördervereins und zwei Schülerinnen. Die haben in ihrer Rede insgesamt neunmal den „verehrten mgeni rasmi“ und noch ein weiteres Mal den „Genossen mgeni rasmi“ angesprochen, jedes Mal mit einer Verbeugung verbunden. Auch das gehört zu der festgelegten Form einer solchen Feier, genau wie das feierliche Anschneiden des Kuchens (wobei die Schulleiterin, die Managerin, zwei Schülerinnen und ich gemeinsam das Messer führen mussten) und die Champagnerflasche. Nachdem ein großer Teil des Champagners bereits auf die Tischdecke, mein Gewand und meine Kamera geflossen war, kam der Rest in die Gläser der ersten Tischreihe. Obwohl mein Glas noch halb mit Cola gefüllt war, schüttete Herr Isaak – der auch vor vier Jahren schon für den Champagner zuständig war – den Champagner einfach dazu.
Zum Schluss lädt Herr Ngonyani – der auch vor vier Jahren schon den Conferencier gemacht hat – mich ein, meine Rede zu halten. Ich sage den Schülerinnen, sie sollten bereit sein, weiterhin zu lernen, und ihr Wissen nicht nur für sich, sondern auch für ihr Land einsetzen. Die amerikanische Managerin der Schule, die wie (fast) alle Amerikaner keine Begabung für Fremdsprachen hat, macht eine anerkennende Bemerkung über mein Suaheli. Da gestehe ich ihr dann doch, dass ich dieselbe Rede vor vier Jahren schon einmal vor einem Schüler-Club zur Verabschiedung der damaligen Abiturientinnen gehalten habe. Damals hatte ausgerechnet Herr Ngonyani die Rede korrekturgelesen, aber außer ihm war damals sicherlich kaum jemand dabei, der dieses Mal auch da war. Ich muss ihn mal fragen, ob er es gemerkt hat. Spaß hat es jedenfalls gemacht, nur fürchterlich müde war ich am Schluss.

Leben wir doch im 21.Jahrhundert ?

1. November 2008

Ob es wohl eine gute Idee wäre, die Fotos vom Schulfest auf eine CD zu brennen und den Schülerinnen für 500 Shilling zum Verkauf anzubieten ? So habe ich erst mich und dann einen älteren Kollegen an der Schule gefragt. Er meinte, das sei eine gute Idee, aber sein Tonfall sagt eher, „Das wird sowieso keinen interessieren.“ Ein anderer Kollege fragt mich, ob man die CDs auch mit einem Fernseher anschauen könne. Als ich vor einem Jahr angeboten hatte, Fotos auf den Schulcomputer zu überspielen, hat die stellvertretende Schulleiterin ganz erschreckt gefragt, was das denn kosten würde. Naja, was soll man auch mit Digital-Fotos auf einer CD anfangen, wenn es in den meisten Häustern nicht einmal Strom gibt ? Ich habe also meine Zweifel, trotzdem erkläre ich beim Abendappell den versammelten Schülerinnen das Angebot. Als ich am Schluss den Preis nenne (500 Shilling, 30 Euro-Cent, sind der Preis für eine kleine Flasche Cola oder für eine Busfahrt in die Bezirksstadt Songea, ein CD-Rohling kostet 400 Shilling), schallt mir lauter Jubel entgegen. In den nächsten Tagen muss ich knapp 50 CDs brennen, um die Nachfrage zu befriedigen. Also wissen wenigstens die jungen Leute hier, wie man mit moderner Technik umgeht. Einige schauen die CDs in unserer neuen Computerklasse an, andere wissen, dass es in Songea und anderen Großstädten Internet-Cafés gibt, wieder andere haben irgendeinen Verwandten, der an seinem Arbeitsplatz Zugang zu einem Computer hat. Und vermutlich gibt es auch einige, die nur deshalb die CD kaufen, weil ihre Mitschülerinnen das auch tun.

Das obere Foto habe ich gewählt, weil es so schön das Aufeinandertreffen von zwei Zeitaltern zeigt. Die Masken sind uralte afrikanische Volkskultur. Sie erschienen während des Schulfestes zu einem lustigen Sketch, bei dem es um Religion ging (auf dem unteren Bild betet der linke Maskenträger, der rechte segnet). Leider weiß ich sonst gar nichts über afrikanische Masken.

Preisverleihung

29. Oktober 2008

Wahrscheinlich geht es den meisten Lehrern so: Wenn die Schüler die Schule verlassen haben, vergisst man sie noch lange nicht, und irgendwo vermisst man sie auch. Also noch ein Wort zu ihrer Abschlussfeier:

Die besten Abgängerinnen bekommen einen Preis. Es gibt den Preis für die Schülerin mit dem besten Notendurchschnitt, dann je einen Preis pro Hauptfach (Physik gehört nicht dazu). Regina hatte den besten Durchschnitt und bekam natürlich auch noch einige Preise für die Fächer, insgesamt fünf. Die Mitschülerinnen schienen sich mit ihr zu freuen, von Neid konnte ich nichts merken. In Physik saß Regina immer ganz still in der ersten Reihe, und wenn ich sie angesprochen habe, haben die Mitschülerinnen ihr nochmal erklären müssen, was ich gesagt hatte.

Sie ist schwerhörig, aber ihre schriftlichen Leistungen waren auch in Physik immer hervorragend. Außerdem gibt es noch Preise, die wir in Deutschland den Kopfnoten zuordnen würden – einen Preis für Führungsqualitäten, einen für Disziplin usw. Felister (das Mädchen im Vordergrund auf dem Foto von gestern), die eindeutig zu den tonangebenden Schülerinnen gehört, erhielt den Preis für „Service“. Sie hatte immer die Schülerinnen angeführt, die bei den diversen Schulfeierlichkeiten bedient haben. Und Beatrice, die aufgeweckte Schülerin, die sich als einzige traute, mir zu widersprechen, die Anführerin des Physikkurses, bekam auch einen Preis. Ich hoffe nur, dass er ihr nicht so peinlich war, wie er mir damals gewesen wäre – den Preis für usafi (Sauberkeit, Ordentlichkeit).

Das Foto oben zeigt, wie eine Absolventin gerade einen Festkranz aus Plastikblumen bekommt, das Foto unten zeigt die Übergabe des Preises für die besten Leistungen in Englisch an Rhoda (auch um ihren Hals hängen schon einige Festkränze). Die Übergabe der Preise und der Abgangszertifikate gehört zu den Aufgaben des Ehrengastes, also diesmal des Bischofs.

Wie feiert man hier eigentlich Feste ?

27. Oktober 2008

Drei Eindrücke von unserem Jubiläum am Mittwoch: Ordentlich, selbstbewusst und gemeinsam.

Ordentlich: Eigentlich läuft jedes Fest hier nach demselben Schema ab, einzelne Elemente können allerdings wegfallen, wenn es nur ein kleines Fest ist. Festzug – Gottesdienst – Essen (es gibt eigentlich immer das Gleiche) – Anschneiden des Kuchens (mit viel „Brimborium“) – Sketche und Tänze – Reden (am Schluss die Rede des Ehrengastes). Bei kleinen Festen kann es auch einfacher sein: Essen – Anschneiden des Kuchens – Rede des Ehrengastes. Das Foto zeigt den hinteren Teil des Festzuges, damit klar ist, was ich mit „ordentlich“ meine. Steif war es aber nicht, es hat Spaß gemacht.

Selbstbewusst: Wahrscheinlich überall auf der Welt dienen Feste auch dazu, zu zeigen, wer man ist, und was man hat. Zwei Tage vorher gab es keinen Unterricht, alle Schülerinnen und Lehrer/innen waren nur damit beschäftigt, die Schule schön „herauszuputzen“. Die Gäste zeigen auch den Einfluss der Schule an: Der Erzbischof von Songea ist als Ehrengast geladen worden. Und derjenige Vater, der als Vertreter der Elternschaft eine Rede hält, ist auch nicht irgendwer, sondern Parlamentsabgeordneter (deshalb reicht ein Mikrofon nicht, zusätzlich muss die Wichtigkeit seiner Rede noch durch einen Recorder betont werden, siehe Foto).

Gemeinsam: Bei einem deutschen Schulfest würde es die Gelegenheit geben, zwischendurch in kleinen Gruppen oder alleine durch das Schulgebäude zu gehen, verschiedene Räume und Stände zu besichtigen. Hier sind alle immer am selben Ort (auf dem Foto rechts die Abgängerinnen, an ihrer Stoff-Rose zu erkennen, im Hintergrund die anderen Schülerinnen), nur nach dem offiziellen Festschluss gibt es die Gelegenheit, einen Klassenraum mit einer Ausstellung von Schulbüchern, Unterrichtsmaterialien und Schülerbildern zu besichtigen.

Schul-Tradition

24. Oktober 2008

Vor ein paar Tagen habe ich Beatrice gefragt, warum sie in Peramiho zur Schule geht, obwohl sie doch in Dar es-Salaam wohnt. „Meine Großmutter ist hier zur Schule gegangen, die ältere Schwester meiner Mutter auch. Und meine kleine Schwester kommt vielleicht auch hierher.“ Wir feiern ja gerade das 40-jährige Bestehen, deshalb wundere ich mich über die Großmutter, aber Beatrice klärt mich auf: Sie ist auf die „Middle School“ gegangen, die von den Benediktinern vorher an der gleichen Stelle geführt wurde. Beim Mittagessen am Festtag (vorgestern) sitze ich dann neben einer Ehemaligen der „Middle School“. Im Laufe des Nachmittags überrascht sie wohl nicht nur mich, als sie bei einer Tanzvorführung der Schülerinnen aufsteht und mittanzt (siehe Foto). Weil sie so uralt aussieht, vermute ich, dass sie in ihrem Leben etwas härter hat arbeiten müssen als die Klempner aus dem vorigen Artikel. Auch für sie gibt es eine Überraschung, nämlich als ich ihr sage, dass ihre ehemalige Lehrerin, Sr.Sigwina, noch hier in Peramiho lebt und in zwei Wochen 100 Jahre alt wird.

40 Jahre Girls‘ Secondary School

22. Oktober 2008

Heute haben wir die Abschlussprüfungen der Form IV (11.Klasse) gefeiert, obwohl die Prüfungsergebnisse noch lange nicht vorliegen und die Prüfungen noch nicht einmal zu Ende sind. Gleichzeitig haben wir das 40-jährige Bestehen unserer Schule so kräftig gefeiert, dass für das Goldene Schuljubiläum kaum noch eine Steigerung denkbar ist. Ich habe 375 Fotos gemacht, jetzt bin ich recht müde und verschiebe daher weitere Berichte auf morgen. Aber schön war’s.

Reisen ohne Radio

21. Oktober 2008

Auf der Rückfahrt von Likingo (siehe Artikel von gestern) bitten mich die Schülerinnen, das Radio anzustellen. Da es nicht funktioniert, sage ich ihnen: „Dann müsst ihr selbst singen.“ Die Fahrt dauert eine knappe Stunde (was nicht an mir liegt, sondern an der Qualität der 26 km langen Straße), und während der ganzen Zeit singen sie ohne Unterbrechung. Sie haben ein unglaubliches Gedächtnis für Lieder; das Repertoir reicht von den aktuellen Hits (Die Stilrichtung nennt sich „Bongo Flavour“, eine Art Suaheli-Pop mit Rap-Elementen, benannt nach dem Spitznamen Dar es-Salaams, der sich ungefähr mit „Cleverness“ übersetzen lässt) bis zu Kirchen- und Volksliedern. Hinten auf den Notsitzen (siehe Foto) werden die Essens-Eimer als Trommeln benutzt. Die Stimmung ist so gut, dass ich mehrmals mit meiner Nase die Luft auf Alkoholgeruch überprüfe. Aber sie haben wirklich nur Cola und Limonade getrunken, der Spaß ist ohne Radio und Alkohol selbst produziert. Der modernere Landrover von Br.Samuel hat einen funktionierenden CD-Spieler, dort laufen die mitgebrachten Bongo-Flavour-CDs (ich habe hier noch keine gekaufte CD gesehen, nur gebrannte), und es ist dort wohl etwas langweiliger als bei uns.

Zivilisation und Wildnis

20. Oktober 2008

Schon vor Monaten hatten mich die Schülerinnen gefragt, ob ich auch mit ihnen nach dem Abschlussexamen nach Likingo fahren würde. Diese Tradition stammt von meinem Vorgänger, und daher konnte ich gar nicht anders, als zuzustimmen. Die Reaktion war genauso, wie ich das von Deutschland her kannte: Freudestrahlende Gesichter und lauter Jubel. Likingo ist ein ziemlich abgelegener Ort, 26 km von hier. Dort steht unser Wasserkraftwerk, und es gibt einen Picknick-Platz. Br.Samuel und ich fahren je einen Landrover, vollgepackt mit Schülerinnen, Lebensmitteln und – Kleidern. Die Schülerinnen suchen offensichtlich Anschluss an die westliche Zivilisation, bei der Ankunft werden gleich die Schuluniformen gegen schickere Kleidung ausgetauscht. Es müssen natürlich Jeans sein, obwohl die für das Klima hier eigentlich viel zu dick sind. Und bitte, liebe Leser (besonders: liebe Leserinnen), erzählt der Schulleiterin nicht, dass fast alle Hosen getragen haben (Foto oben; muss ich extra erwähnen, dass das rechte von den drei am Boden hockenden Mädchen die Anführerin der Gruppe ist ?).

Br. Samuel und ich versuchen dagegen, uns von derselben Zivilisation zu entfernen, wir lassen die Schülerinnen einige Zeit allein und steigen in die ziemlich wilde und sehr schöne Schlucht hinab (Foto unten).

Examen überstanden

17. Oktober 2008

Gestern Nachmittag zogen unsere Schülerinnen laut singend Richtung Berufsschule – kein Wunder, nach 13 Prüfungen innerhalb von zwei Wochen (an einigen Tagen gab es Vor- und Nachmittags je eine zweieinhalbstündige Prüfung) musste der aufgestaute Druck herausgelassen werden. Jetzt fehlt nur noch die Matheprüfung, die verschoben wurde, weil die Aufgaben vorzeitig bekannt geworden waren.

Vor einer Prüfung nehmen sie nicht an der Morgenversammlung der Schülerinnen teil, sondern treffen sich etwas abseits, sprechen zusammen ein Gebet und singen ein Kirchenlied. Auf dem Foto (unmittelbar nach dem Lied vor der Physikprüfung letzten Donnerstag) sehen sie eigentlich ganz entspannt aus, aber ich vermute, dass der Eindruck trügt, und sie in Wirklichkeit ziemlich nervös waren. Der Rosenkranz, den viele um den Hals hängen haben (bei Margarete vorne rechts ist er deutlich sichtbar), erfüllt wohl auch eine ähnliche Funktion wie der Talisman oder Fetisch-Beutel in früheren Zeiten bzw. wie der Teddy-Bär bei manchen deutschen Schülerinnen.

Mittwoch wird erst einmal gefeiert, dann gibt es vier Monate Ferien, im Februar erst kommen die Ergebnisse, mit denen sich unsere Schülerinnen dann für die Aufnahme in die „High School“ bewerben werden, das heißt für die Aufnahme in Form 5 (12. Klasse). Dafür werden die allermeisten auf eine andere Schule wechseln, nur ganz wenige werden Form 5 bei uns machen. Am Ende von Form 6, also in gut zwei Jahren, werden sie mit dem „A-Level“ ihre Schulzeit beenden.