Archive for the ‘Reisetipps’ Category

25. Februar 2009

Sansibar, 28.1.2009

Dar es-Salaam empfinde ich als angenehmen Ort (wenn man von der Hitze und den Bürgersteigen, wo man ständig entweder Löchern oder Baustellen oder parkenden Autos ausweichen muss, absieht). Das gilt aber nicht für den Fährhafen. Im Dezember kam ich mit meinen Eltern am Abend in Dar an, gleich am nächsten Morgen wollten wir mit der Fähre nach Sansibar weiterfahren. Weil Ausländer dafür einen Pass benötigen, konnten wir die Fahrkarte nicht durch unsere Prokura in Kurasini besorgen lassen, sondern mussten sie unmittelbar vor der Abfahrt, morgens gegen 7, am Fährhafen kaufen. Zwei Leute kamen gleich auf uns zu, zeigten uns das Büro der Fährgesellschaft und drängelten sich für uns in der Schlange vor. Je 60.000 Shillinge für meine Eltern, für mich nur 30.000, weil ich eine zweijährige Aufenthaltsgenehmigung habe. Es war klar, dass wir einiges über den normalen Preis bezahlt hatten, aber dass wir in der Hektik auch keine andere Wahl gehabt hatten, wenn wir noch vor der Abfahrt auf die Fähre kommen wollten. Unsere beiden teuren Helfer holten dann noch zwei Gepäckträger herbei, die das Gepäck zur Fähre trugen und dann pro Person 15.000 Shillinge verlangten. Ich gab ihnen schließlich 3.000 pro Person, immer noch vermutlich das Sechsfache eines angemessenen Preises (1 Euro sind etwas mehr als 1.500 Shillinge). Der Fährhafen ist natürlich ein Ort, wo viele unerfahrene Touristen hinkommen, und wo man entsprechend ausgenommen wird.

Dieses Mal (28.Januar) habe ich meine Fahrkarte am Tag vorher in aller Ruhe und ohne Vermittler direkt am Schalter gekauft, 22.000 Shillinge. Das Ticket für die Rückfahrt habe ich dann gleich nach der Ankunft auf Sansibar gekauft, zu meiner Überraschung nur 14.000. Die Fähre braucht ziemlich genau 2 Stunden, man sollte sich aber sicherheitshalber nach der Ankunftszeit erkundigen, da es auch deutlich langsamere Schiffe gibt. Nachmittags ist die See oft ziemlich unruhig, daher empfehlen manche, für die Rückreise lieber das Flugzeug für 70 $ zu nehme. Bei meinen Überfahrten war die See aber völlig ruhig.

Bei der Ankunft in Dar es-Salaam drängen sich die Taxifahrer um mich, ich einige mich mit einem der ersten auf 5.000 Shilling, den normalen Fahrpreis bis Kurasini. Gleich danach überkommen mich Zweifel, weil der Mann überhaupt nicht wie ein Taxifahrer aussieht. Er führt mich zum letzten Taxi in der Reihe, offensichtlich arbeitet er als Vermittler für den Fahrer. Ich steige ein, sage zum Fahrer, „Also 5.000“. Er will 7.000. Wutentbrannt steige ich aus, gehe über die Straße, wo gleich die Innenstadt beginnt, winke einem anderen Taxifahrer, einige mich mit ihm auf 5.000 und komme problemlos nach Kurasini. Zum Glück weiß ich inzwischen, wie man im Zentrum von Dar an ein Taxi kommt (in der Innenstadt), und zum Glück war es noch hell. Die Altstadt von Sansibar (Stone Town) ist Weltkulturerbe, meiner Ansicht nach völlig zu Recht, siehe Fotos. Dieser Artikel will also keinesfalls dazu auffordern, auf die Reise zu verzichten, nur etwas Vorsicht möchte ich empfehlen.

Tierpark

26. Juni 2008

Mittwoch vor zwei Wochen sind wir von Litembo (siehe den Artikel „Bergsteigen“) wieder nach Peramiho zurückgefahren. Am Donnerstag folgte dann die Busfahrt zum Ruaha-Park (siehe den Artikel „Afrikanische Busse“) mit der Ankunft um 21 Uhr. Tandala Camp ist ein echter Geheimtipp. Außer uns war nur ein einziger weiterer Gast dort, am Wochenende soll es angeblich etwas voller sein. Zur Begrüßung gab es ein Glas frischen Ananassaft, dann gleich ein gutes Abendessen. Das Tolle an den Zelten ist, dass man alle Geräusche der Savanne durch die Zeltplanen hindurch hört, als ob man im Freien wäre, aber gleichzeitig perfekt geschützt ist, und sogar eine warme Dusche im Zelt hat. Am Freitag dann die Fotosafari durch den Park. Am Abend stellten wir fest, dass wir uns die Safari fast hätten sparen können: Der Elefant kam beinahe bis an den Esstisch (bei gutem Wetter isst man draußen). Nun möchte man nicht, dass Elefanten auf einem herumtrampeln, deshalb war uns doch ein wenig mulmig, aber die Massai-Wächter machten den Eindruck, als ob sie die Lage unter Kontrolle hätten. Mit dem tragbaren Scheinwerfer strahlten sie dem Elefanten so lange in die Augen, bis er sich wieder etwas entfernte. Das Foto zeigt zwei der Massai-Wächter (die Massai sind ein Nomadenstamm, der wegen seiner farbenprächtigen Kleidung und seiner urtümlicher Lebensweise ziemlich bekannt ist. Weil aber heute nicht mehr alle Massai von der Rinderzucht leben können – die Bevölkerungszahl ist gestiegen und der moderne Massai will auch ein Handy und ein Fahrrad haben – arbeiten viele Massai als Wächter). Ich habe freundlich gefragt, ob ich fotografieren darf, darauf sagt der rechte Massai: „Deine Stimme kenne ich doch. Du warst doch schon im Januar hier.“
Warum verrate ich Geheimtipps im Blog ? Habe ich keine Angst, dass diese Orte in fünf Jahren vom Tourismus überlaufen sein werden ? Nein, habe ich nicht. Solange die Straßen nach Mbamba Bay und zum Ruaha-Park so sind, wie sie jetzt sind, braucht man keine Sorge vor Massentourismus zu haben.

Afrikanische Busse

22. Juni 2008

Mit meiner Schwester und Christian bin ich Donnerstag vor einer Woche von Peramiho abgefahren. Meine erste Reise mit dem afrikanischen Ueberlandbus. Ich hatte mich auf verschiedene Auskuenfte verlassen, dass das Busfahren „kein Problem“ sei. Das war ein Fehler. Der Bus der „Coaster“-Klasse (etwas groesser als ein Minibus, aber noch kein richtiger Reisebus) hat in jeder Reihe zwei Sitze rechts und einen Sitz links. Sobald eine Reihe voll besetzt ist, wird in der Reihe davor noch der Klappsitz heruntergeklappt, der den Gang blockiert. In einer Reihe sitzen dann fuenf Personen. Wer jetzt mitgerechnet hat, kann sich das Problem vorstellen. Nach vier Stunden kommen wir – immerhin eine halbe Stunde frueher als angekuendigt – in Njombe an. Wir steigen gleich in den naechsten „Coaster“ Richtung Iringa. In diesem Bus gibt es keine Klappsitze, daher haben wir jeder den Luxus eines ganzen Sitzplatzes. Um vier Uhr waeren wir da, sagt man uns. Das ist gut, denn um Fuenf soll uns der Fahrer des Tandala Camp abholen und in den Ruaha-Park bringen. Unser Coaster haelt aber an jeder Ecke, damit Leute aus- oder einsteigen koennen. Um Fuenf haben wir gerade zwei Drittel der Strecke geschafft, als der Fahrer in Mafinga aussteigt, um erst einmal zu essen. Kurz vor Sieben sind wir in Iringa, und um Neun gibt es dann endlich Essen im Tandala Camp. Gerettet hat uns das Handy: So konnten wir den Mann vom Tandala Camp ueber unsere Verspaetung auf dem Laufenden halten. Und waehrend der zweistuendigen Fahrt zum Camp lenken uns die Handy-Nachrichten ueber die deutsche Niederlage gegen Kroatien vom Hunger ab.

Am Samstag geht es weiter nach Dar es-Salaam. Ein Platz im Reisebus ist schwer zu kriegen, ob wir vielleicht mit dem Coaster fahren wollen ? Wir wollen nicht, und schliesslich finden sich doch noch drei Plaetze im Reisebus. Wenn man vom Geruckel und Geschaukel und von der Sache, ueber die ich noch schreiben werde, absieht, ist das wirklich komfortables Reisen, mit genuegend Platz und zuegig.

Nach dieser Erfahrung habe ich also kein Problem, mich fuer die Reise nach Nairobi am Mittwoch wieder auf den Reisebus einzulassen. Um 7 Uhr Abends werden wir in Nairobi ankommen, sagt der Vermittler am Busbahnhof. Um 8 Uhr werden wir ankommen, sagt der Fahrkartenverkaeufer. Nach einer Stunde werden wir ankommen, sagt meine Sitznachbarin um 19:30, als wir von der Grenze abfahren. Es ist 22:40, sagt meine Uhr, als wir in Nairobi ankommen. 16 Stunden Fahrt (mit ein paar Pausen). Warum fuehlen sich meine Beine eigentlich so wackelig an ? In Nairobi erfahre ich dann, dass ich besser mit Scandinavia („They are the best“) oder Dar Express gefahren waere.

Fuer die Rueckfahrt gestern nehme ich dann Dar Express (Scandinavia war schon voll, als ich am Tag vorher das Ticket kaufen will). Um 6 Uhr morgens ist „reporting time“, Br.George bringt mich puenktlich zum Bus, der aber noch fast leer ist. Um 6:30 Uhr soll der Bus abfahren. Ich schaue zufaellig genau um diese Zeit auf die Uhr. Der Bus ist immer noch halb leer und ich schaetze, dass es noch mindestens eine Viertelstunde dauern wird. In dem Moment springt der Fahrer auf seinen Sitz, laesst den Motor an, hupt zweimal kraeftig, die Passagiere kommen mit Anzeichen von Eile herein, und um 6:32 Uhr fahren wir ab. Kurz nach 20 Uhr sind wir schon in Dar es-Salaam – Busfahren in Afrika kann auch problemlos und komfortabel sein.

Fazit: Einen der grossen Reisebusse nehmen, das Busticket einen oder sogar drei Tage vorher kaufen, und sich vorher bei Einheimischen erkundigen, welche Busgesellschaft gut ist.

Das Foto zeigt den Bus waehrend einer Pause am „Highway Restaurant“.

Taxifahrn

28. Mai 2008

Weil die Parkplatzsuche in Dar es-Salaam mit dem Kleinbus, in dem wir von Peramiho angereist sind, aussichtslos ist, hatte ich bei diesem Aufenthalt genügend Gelegenheit, Erfahrungen mit den Taxis zu sammeln.
Taxis sind durch weiße Nummernschilder und weiße Lackierung gekennzeichnet. Es gibt genug davon, auf ein inoffizielles Taxi ohne weißes Nummernschild sollte man sich also nicht einlassen. Privatwagen haben gelbe Nummernschilder.
Bevor man einsteigt, sollte man sich auf den Preis einigen. Von Kurasini in die Innenstadt verlangen die Fahrer anscheinend immer 6000 Shilling, ich habe sie regelmäßig auf 4000 runtergehandelt, P.Meinolf behauptet, er würde nur 2500 zahlen.
Darauf, dass ein Taxifahrer die Stadt kennt, kann man sich nicht unbedingt verlassen. Ich musste zu unserem Internet-Provider, „Lumumba Complex, Lumumba Street 28-31“. Der Taxifahrer kannte die ziemlich lange Lumumba Street. Aber Hausnummern stehen nicht an den Häusern. Kurz vor dem Ende der Straße hielt er an einem Taxistand an, fragte einen Kollegen, fuhr dann um drei Ecken in einen Schulhof an der Nachbarstraße und zeigte auf ein Gebäude: „Das ist der Complex.“ Da stand aber deutlich „Jafferah Complex“ dran, und so habe ich dem Taxifahrer mein Handy in die Hand gedrückt, damit er bei meinem Ziel anrufen konnte und sich den Weg beschreiben lassen konnte. Das lag dann ungefähr 50 m von dem Taxistand entfernt, an dem er seinen Kollegen gefragt hatte.
Die Fahrer sind unterschiedlich gesprächig. Von einem habe ich erfahren, wie sein Geschäft läuft: Das Auto gehört dem Arbeitgeber, der noch ein zweites Taxi hat. Der Fahrer bezahlt das Benzin („Mafuta“), der Arbeitgeber die Reparaturen. Manche sagen, das sei der Grund, warum die Taxifahrer besonders rücksichtslos fahren, ein Unfall kostet sie ja nichts. Pro Tag muss der Fahrer 12 500 Shilling an seinen Arbeitgeber zahlen, der Rest ist sein Einkommen.
Das Bild zeigt das einzige andere öffentliche Verkehrsmittel in Dar: Ein Dala-dala („Dollar, Dollar“). Während die Dala-dala zwischen Peramiho und Songea zuverlässig und unkompliziert sind, habe ich gehört, dass man die Dala-dalas in Dar möglichst meiden sollte, wenn man eine weiße Haut hat. Ich habe den Rat bisher befolgt und kann daher nicht sagen, ob es sich um einen klugen Rat handelt.

Einkaufen, höhere Stufen

23. Mai 2008

Ich habe vorgestern von einheimischen Kunsthandwerkern und Straßenhändlern geschrieben. Es gibt in Dar es-Salaam natürlich auch noch andere Geschäfte. Die Haupteinkaufsstraße ist die „Samora Avenue“, die auf den „Askari“, den Kreisverkehr mit Soldatendenkmal, zuläuft. So richtig Spaß macht es nicht, die „Samora“ entlangzugehen: Es gibt zwar im Prinzip Bürgersteige, aber Baustellen, Parkplätze und Querstraßen mit chaotischem Verkehr sorgen dafür, dass man ziemlich aufpassen muss. Außerdem kommt der Verkehr immer noch von der Seite, wo ich ihn nicht erwarte, weil die Engländer den Tansaniern das Fahren auf der falschen Straßenseite beigebracht haben. In der „Samora“ und ihren Neben- und Parallelstraßen sind also die normalen Geschäfte beheimatet, wobei die Geschäfte mit ähnlichen Waren gewöhnlich nahe beieinander liegen. Die meisten Geschäfte sind klein, viele gehören indischen Geschäftsleuten.

Ich dachte bis Freitag, meine Hautfarbe würde von allen als „Einladung“ verstanden, mir möglichst viel Geld aus der Tasche zu ziehen. Dann ging ich am Nachmittag in einen dieser kleinen indischen Läden, um meine 200 Bügel zu kaufen. Es gelang mir zwar nicht, einen Preisnachlass herauszuhandeln, aber dafür beauftragte der Inhaber gleich seinen afrikanischen Angestellten, mir ein Taxi zu besorgen. Der schnappte sich einen anderen, die beiden trugen meine zwei Kartons, der eine auf der Schulter, der andere auf dem Kopf, und so zogen wir Richtung Taxistand. Ich musste an die Bilder von Afrika-Reisenden mit ihren Trägern vor 100 Jahren denken. Am Taxistand feilschte der Angestellte dann für mich mit dem Taxifahrer: „Der ist mein Freund, du musst mit dem Preis runtergehen.“ Das nenne ich Service !

Es gibt allerdings auch ein paar moderne „Shopping-Malls“, mit westlichen Supermärkten und anderen Geschäften europäisch-amerikanischen Stils. An der Samora ist das der „City Supermarket“, andere liegen sehr weit außerhalb der Innenstadt. Das Foto zeigt eine davon, man könnte dort fast vergessen, dass man in Afrika ist.

Einkaufen

21. Mai 2008

Dieser Aufenthalt in Dar war mein dritter seit September. Obwohl die Stadt nicht mehr wirklich neu für mich ist, war sie dieses Mal noch interessanter. Wahrscheinlich hatte ich die ersten beiden Male einfach noch mit der Orientierung (in jeder Hinsicht) zu kämpfen und war jetzt lockerer und aufnahmebereiter. Ich fasse die gemachten Erfahrungen in einer Kategorie „Reisetipps“ zusammen.

Zwischen den Händlern gibt es deutliche Unterschiede. Am schlimmsten sind die am „Mwenge“ (das ist der Name eines Platzes, zu dem viele Buslinien fahren). Dort gibt es einheimisches Kunsthandwerk. Die Händler sind sehr aufdringlich (man fühlt sich wie von einer Hundemeute verfolgt) und fordern zu Beginn Traumpreise. Für ein kleines grünes Stein-Nashorn wollte der Händler von mir 250.000 Shilling (über 125 Euro) haben. Ich wollte das Tierchen nicht haben, habe das auch deutlich gezeigt, deshalb ging er schließlich bis auf 40.000 runter. Mein privater Tipp für diese Art von Händlern: Grundsätzlich zeigen, dass man kein Interesse hat und frühestens kaufen, wenn der Preis auf ein Sechstel gesunken ist. Ich habe das Nashorn trotzdem nicht gekauft.

Dann gibt es diverse Straßenhändler an den Hauptstraßen. Die sind auch recht aufdringlich, aber bei weitem nicht so wie die am „Mwenge“. Sie haben auch Sinn für Humor. Am Freitag habe ich bei einem einen Schlips gekauft. Ein Kollege kam hinzu und zeigte mir ein Trikot. „Sichezi – ich spiele nicht“, habe ich daraufhin gesagt. Dann hat er mir das zweite Hemd gezeigt, „Learn Suaheli“ stand darauf und ein paar Vokabeln. „Ich habe es schon gelernt“, sage ich, und er zieht ab. Am nächsten Tag hält mir wieder jemand das Trikot unter die Nase, ich sage „Sichezi“, wir erkennen uns, und er grüßt „Habari za kutoka jana – Was gibt’s Neues seit gestern ?“.

Das Foto zeigt einen Tingatinga-Stand in der Nähe der Ocean Road (genau: Haile Selassie Road, Oyster Bay). Edward Tingatinga war ein Künstler, der einer ganzen Kunstrichtung den Namen gegeben hat: Grelle Farben, naiv-komisch wirkende Figuren und Tiere. Nicht schlecht. Die Händler in dieser Straße sind deutlich seriöser als am „Mwenge“, nicht aufdringlich, und sie nennen auch keine Phantasiepreise.