Archive for the ‘Persönlich’ Category

Wieder in Europa

28. April 2016

Im Januar bin ich nach Deutschland zurückgekehrt. Mehr als acht Jahre war ich in Tansania und Kuba und habe die ganze Zeit über mein Blog geschrieben, seit Dezember 2014 allerdings nur noch sehr wenig. Manche Erlebnisse sind in mein privates Tagebuch gewandert, und daraus will ich in der nächsten Zeit noch ein bisschen veröffentlichen. Dann wird wahrscheinlich auch etwas klarer werden, warum ich jetzt zurückgekommen bin.

Den stärksten Eindruck in den ersten drei Monaten zuhause hatte ich übrigens in der Klosterverwaltung: Ich nahm Geld für einen Einkauf in Empfang, aber zuständige Bruder schob mir keinen Quittungsblock herüber, auf dem ich hätte unterschreiben sollen. In sechs Jahren als Leiter der Klosterverwaltung in Havanna, Peramiho und Uwemba war mir das in Fleisch und Blut übergegangen: Kein Geld auszahlen ohne Unterschrift des Empfängers. Also frage ich nach: „Soll ich nicht irgendwo unterschreiben ?“ Antwort: „Wieso ? Wir vertrauen dir.“ Diese Antwort wäre in Tansania völlig unmöglich gewesen.

Ich erzähle meinem früheren Stellvertreter aus Peramiho am Telefon von dieser kleinen Begebenheit. Er meint, „Geld auszahlen ohne Unterschrift ist nicht gut.“

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Flüchtlinge – aus unterschiedlichen Perspektiven

6. Oktober 2015

Sechs Wochen war ich in Deutschland, vor ein paar Tagen bin ich wieder in Dar es-Salaam angekommen. Schön war’s. Ein Thema hat viele Gespräche bestimmt, natürlich: Flüchtlinge. In Meschede hatten wir zwei Besucher aus Tansania, junge Mönche, die zur Ausbildung in Deutschland sind. Auch sie hatten Flüchtlinge getroffen, „sogar drei aus Tansania. Dabei gibt es wirklich keinen Grund, aus Tansania zu fliehen.“ Sie meinen, wir sollten nicht so viele Flüchtlinge aufnehmen, sondern lieber unsere Kultiviertheit wahren. Ich wende ein, dass man Flüchtlinge, die aus Syrien vor dem Bürgerkrieg fliehen, schlecht zurückweisen kann. Ja, das sehen sie ein, aber die anderen sollte man nicht aufnehmen. Ich bin überrascht, denn ich hätte von Afrikanern mehr Verständnis für afrikanische Flüchtlinge erwartet. Aber das Gespräch ist auch typisch für die Mentalität der Tansanier: Ihr Land gehört zu den glücklichen, die weder Bürgerkrieg noch schwere staatliche Unterdrückung kennen. Der durchschnittliche Tansanier kommt gar nicht auf den Gedanken, irgendwo anders leben zu wollen (abgesehen von jungen Männern, die für einige Zeit in den afrikanischen Nachbarländern Geld verdienen), und wenn jemand im Ausland sagt, dass er nicht in Tansania leben konnte, sieht man ihn eher als jemanden, der Schande über das eigene Land bringt.
Beim Priesterjubiläum meines alten Heimatpfarrers sitze ich neben dem freundlichen SPD-Bürgermeister einer nordrhein-westfälischen Kleinstadt. „Das ist schon eine Herausforderung, wenn man den Anruf kriegt, ‚In ein paar Stunden kriegen Sie 3 Busse mit Flüchtlingen, bringen Sie die unter‘. Aber ich weiß, dass ich mich auf die Beamten verlassen kann. Deutsche Beamte sind gut ausgebildet, wir haben genug Ressourcen, wir kriegen das hin.“ Der Mann vermittelt den Eindruck, dass er schon schlimmere Herausforderungen gemeistert hat – wenn ich in seiner Stadt wohnte, würde ich ihn wählen.
Auf dem Rückflug las ich in der New York Times anerkennende Worte über die österreichische und deutsche Flüchtlingspolitik. Schön, wenn man so etwas über sein eigenes Land lesen kann.
Jetzt bin ich in Kurasini, unserem Gästehaus in Dar es-Salaam, wo praktisch jeder Europäer, der in Tansania irgendetwas mit den Benediktinern zu tun hat, absteigt. Beim Frühstück sitze ich mit einer ungarischen Wissenschaftlerin und einem ungarischen Bischof zusammen. Mir zuliebe unterhalten sie sich auf Deutsch. Die Wissenschaftlerin fängt an, wenn sie zeichnen könnte, würde sie eine Karikatur zeichnen, wie die Ungarn sich streiten und dazu noch von christlichen Werten reden. Ich befürchte zunächst, die beiden würden jetzt anfangen, die Abschottungspolitik ihrer Regierung zu verteidigen, und weiß gar nicht, wo ich hinschauen soll. Aber weit gefehlt: Sie erzählt, wie sie als junge Frau nicht studieren durfte, weil ihr Vater drei Angestellte hatte und deshalb von der kommunistischen Regierung als „Ausbeuter“ und „Klassenfeind“ bezeichnet wurde. Wie sie deshalb eine Ausbildung machte und in ihrem Betrieb gedrängt wurde, in die Kommunistische Partei einzutreten. „Wenn ich in die Partei eingetreten wäre, hätten sich alle meine Freunde von mir zurückgezogen.“ 1956 floh sie in den Westen, kam in Österreich in der Turnhalle einer Klosterschule unter, viele Betten in einem Raum, „aber sauber“. Der Bischof sagt, dass er beinahe in Deutschland geboren worden wäre, weil seine Eltern bei Kriegsende dorthin geflohen waren. Heute engagiert er sich bei der Hilfe für Flüchtlinge. Wieder ein Vorurteil weniger, diesmal war es eines gegen Ungarn.

Aus unterschiedlichen Blickwinkeln

2. März 2014

Dr.Grasbon Neulich hatte ich Gelegenheit, das Thema „Krankheit“ aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten. Am Schluss der Sonntagsmesse auf dem Außenposten in Njomlole sagte der Gemeindevorstand an, dass Augenkranke nach Uwemba kommen sollten, da diese Woche ein Augenarzt da sei. Offenbar hatte er übersehen, dass Dr.Grasbon persönlich an der Messe teilgenommen hatte, allerdings in der letzten Reihe. Nach der Messe erkannten ihn dann zahlreiche Gottesdienstbesucher, denn er kommt jedes Jahr nach Uwemba (Das Foto zeigt ihn beim Händewaschen nach Landessitte; warum ich kein Foto von seinen Operationen habe, steht im nächsten Absatz). Gleich am Sonntag Nachmittag fing er an und hat bis Freitag Mittag fast ohne Pause operiert. Schnell füllte sich Uwemba mit Leuten, denen ein Auge verbunden war. Die häufigste Operation betrifft natürlich den Grauen Star. Der Arzt entfernt die trüb gewordene Augenlinse und setzt stattdessen eine künstliche Linse ein. Wenn der Patient den Verband dann nach einigen Tagen wieder abnimmt, kann er auf mittlere Entfernungen wieder gut sehen, für die Ferne oder zum Lesen braucht er eine normale Brille. Ein echtes Wunder: Vorher hilflos und meist mutlos, plötzlich wieder normal. Vor einiger Zeit hatte Dr.Grasbon die Gelegenheit, ein Foto von sich gemeinsam mit dem Ministerpräsidenten Tansanias machen zu lassen. Wenn er jetzt bei der Einreise Schwierigkeiten wegen der medizinischen Geräte bekommt, zeigt er dem Zöllner dieses Foto. Das klappt, so sagt er, fast immer, bis auf einmal, wo er zusätzlich noch die private Handy-Nummer seines mächtigen Freundes zeigen musste. Auf die Aufforderung hin, den Ministerpräsidenten anzurufen, entschied sich der Zöllner dann lieber dafür, den Arzt durchzuwinken.
Einen anderen Blick auf das hiesige Gesundheitswesen gewährte mir mein Körper am selben Nachmittag: Meine erste Malaria. Da das kleine Krankenhaus von Uwemba den Benediktinerinnen gehört, bekommen wir dort sozusagen „Erste Klasse Plus“ mit Einzelzimmer und bevorzugter Behandlung durch Sr.Scholastica (Ärztin) und Sr.Johanna. Aber als am Mittwochmorgen, nach drei Nächten in der Krankenabteilung und ebenso vielen Chinin-Infusionen, das Fieber immer noch nicht gesunken war (knapp 38,9° unter der Achselhöhle), als sich die Schwestern ratlos anschauten und mir auch noch – ungewöhnlich bei Afrikanern – ihre Ratlosigkeit gestanden, fühlte ich mich doch nicht so richtig wohl in dieser Luxus-Umgebung. Und das Gesicht der alten deutschen Küchenschwester Marciana, das sonst immer so freundlich aussieht, kam mir vor wie das einer Hexe. Was entweder an meinem Fieber oder an ihrer Drohung lag, mir eine „leckere Schleimsuppe“ zu kochen. Ein paar Stunden später, am frühen Nachmittag, wachte ich dann schweißgebadet auf, das Fieber war fort, und die Schleim-Drohung hatte ich auch erfolgreich abwehren können. Donnerstag war ich noch ziemlich wacklig auf den Beinen, am Montag fühlte ich mich wieder völlig gesund.
Gruppenfoto Schon am Freitag Nachmittag konnte ich mich am Empfang für ganz besondere Gäste beteiligen: Ein deutscher Pfarrer, dessen Pfarrei in der Schweiz bei Zürich liegt, ein Mitglied der Gemeinde, zwei Italienerinnen der Gemeinschaft St.Egidio, die in Tansania AIDS-Zentren betreiben, und die junge tansanische Koordinatorin von einem dieser Zentren. Schon bald soll auch in Uwemba Behandlung und Beratung für HIV-Positive und AIDS-Patienten möglich sein. Diese Geschichte begann damit, dass P.Laurenti, unser Prior, vor über einem Jahr einen Bewässerungskanal inspizierte und dabei eine Frau traf, die abseits einen Garten angelegt hatte. Die Frau, so ergab das Gespräch, war an AIDS erkrankt und hielt sich abseits, weil sie sich schämte. Allerdings war sie nicht allein, sondern sie kannte andere Betroffene, mit denen sie sich auch über die Probleme austauschte. Laurenti gab dann den Anstoß zur Gründung einer Selbsthilfegruppe, die inzwischen mehrere 100 Betroffene umfasst (siehe das Gruppenfoto; Laurenti hat sich ganz hinten in der Mitte ziemlich bescheiden versteckt, während P.Stephan, der in der ersten Reihe mit seinem weißen Habit so auffällt, eigentlich gar nichts mit der Sache zu tun hat). Die lebenswichtigen Medikamente (ARV) werden im Regierungskrankenhaus in Kibena bei Njombe ausgegeben, allerdings nur mittwochs, was das erste Problem darstellt, da viele Patienten sich schämen. Und wer regelmäßig mittwochs nach Kibena fährt, der ist schnell als HIV-positiv im ganzen Dorf bekannt. Ach ja, „fahren“ wäre schön. Es gibt keine Busse, nur Sammeltaxis, und die kosten für Hin- und Rückfahrt 10.000 Schilling, 5 Euro. Landwirtschaftliche Hilfskräfte bekommen 80.000 Schilling im Monat, viele haben gar keine Arbeit und leben nur von dem, was sie selbst anbauen. Also: Dienstags zu Fuß nach Kibena aufbrechen, 30 km, irgendwo im Wald schlafen (in der Regenzeit nicht so angenehm), mittwochs die Medikamente für einen ganzen Monat entgegennehmen, zurücklaufen, nochmal 30 km. Hoffentlich ist man jung und gesund. Laurenti hat beim Krankenhaus in Kibena vorgesprochen, ist auch zum nächstgrößeren Krankenhaus nach Iringa gefahren, und hat erreicht, dass ab April in Uwemba eine neue Ausgabestelle für Medikamente eingerichtet wird. Die Schweizer helfen uns finanziell, St.Egidio will fünf Ärztinnen, Schwestern und Berater in ihrem Zentrum fortbilden.
Das letzte Foto zeigt den Deutsch-Schweizer Pfarrer und seinen mitgebrachten aufblasbaren Globus in unserem Kindergarten.
Pfarrer Wolf

Weit hinten in der Türkei

18. Januar 2014

„Nichts Bessers weiß ich mir an Sonn- und Feiertagen
Als ein Gespräch von Krieg und Kriegsgeschrei,
Wenn hinten, weit, in der Türkei,
Die Völker aufeinander schlagen. ” (Goethe, Faust)
Der Flughafen Entebbe liegt direkt am Victoria-See, knapp 50 km von Kampala, der Hauptstadt Ugandas, entfernt. Der Name ist seit meiner Kindheit mit der dramatischen Befreiung eines entführten Flugzeugs durch israelisches Militär 1976 verknüpft. Auch der Taxifahrer, der damals wohl noch nicht geboren war, weiß davon. „Die Israelis haben nur 20 Minuten gebraucht”, sagt er bewundernd. So kommen wir auf den Diktator Idi Amin zu sprechen, der die Entführer unterstützt hatte. Der Taxifahrer kennt noch weitere Geschichten über Idi Amin: Er befahl den indischen Händlern, innerhalb von 48 Stunden das Land zu verlassen, und ruinierte damit die Wirtschaft seines Landes. Als der Direktor der Zentralbank ihm kein Geld mehr geben konnte, ließ er ihn kurzerhand umbringen.
Unter solchen Erzählungen kommen wir zum Gästehaus der Mill-Hill-Missionare, einem wunderschön ruhigen, friedlichen Haus. Dort lerne ich Birgit und Hener kennen, die in Juba im Südsudan als Entwicklungshelfer arbeiten. Für Heiligabend hatten sie ihren Flug nach Kampala gebucht, um Weihnachten bei den Mill-Hill-Missionaren zu verbringen. Am 19.Dezember aber bekamen sie die Nachricht, dass alle Deutschen wegen der Kämpfe aus dem Südsudan evakuiert werden, am 20. mussten sie morgens um 7 Uhr am Flughafen sein, mit nur 8 kg Gepäck pro Person. „Are you scared ?”, fragt die freundliche Irin beim Frühstück und meint, ob die beiden Angst haben, wieder zurückzukehren. Henner versteht die Frage falsch und antwortet, „Ja, wir machen uns Sorgen um unsere Kollegen und die Schüler dort.” Sie stehen über Handy mit Juba in Verbindung und wollen so schnell wie möglich zurück, wenn sich die Lage dort beruhigt hat. Birgit setzt mir auseinander, dass die Stämme immer schon gegeneinander Krieg geführt haben, aber leider jetzt durch die modernen Waffen der Blutzoll um ein Vielfaches gestiegen ist, und gleichzeitig frühere Tabus nicht mehr gelten, was bedeutet, dass heute auch Frauen und Kinder getötet werden. Ich frage sie, ob sie Soziologie studiert hat, weil sie so analytisch an ihre eigenen Erfahrungen herangehen kann. Sie verneint, aber sie will verstehen, aus welchen Gründen Menschen so handeln. Ich finde das sympathisch, denn sie bleibt nicht bei einem billigen Klischee stehen („Die dahinten in der Türkei schlagen sich schon wieder die Köpfe ein”), sondern sie will die Menschen verstehen, mit denen sie lebt. Und trotz der schlechten Erlebnisse (dass Henner seine Spiegelreflexkamera in Juba zurücklassen musste, erregt mein besonderes Mitgefühl) sind die beiden überhaupt nicht frustriert, weil sie eine Beziehung zu den Kollegen und Schülern dort aufgebaut haben, eine Erfahrung, die ich so ähnlich im letzten Artikel beschrieben habe.

Abschied von Peramiho

6. Dezember 2013

Wenn man in einer fremden Kultur lebt, ist man darauf angewiesen, sich die örtlichen Verhältnisse von Einheimischen erklären zu lassen. Für mich waren das in den vergangenen knapp zwei Jahren die Brüder und Mitarbeiter in der Verwaltung, die mir geholfen haben, viele Dinge zu durchschauen und zu verstehen. Angesichts von 50 Mönchen und 150 Angestellten schien es mir am Anfang völlig unmöglich, jemals das komplizierte Geflecht aus Stammeszugehörigkeiten, Freundschaften und Feindschaften zu verstehen. Inzwischen bin ich selbst überrascht, wie selbstverständlich mir Sätze wie dieser über die Lippen kommen: “Der ist mit dem verfeindet, weil der eine zum Bena-Stamm gehört und der andere Chagga ist. Viele Bena haben nämlich Vorurteile gegen Chagga, halten sie für geizig und geldgierig.”
Ich vertraue also einer bestimmten Gruppe, mit der der Abt wenig redet, während der Abt anderen vertraut, die ich nicht für vertrauenswürdig halte. Es ging lange hin und her. Voriges Jahr im Juli hat der Abt beschlossen, mich als Cellerar (d.h. als Leiter der Klosterverwaltung) einzusetzen, drei Tage später hat er sich anders entschieden. Im Februar diesen Jahres hat er mich dann doch ernannt, und im Oktober wieder abgesetzt. Der Konflikt war nicht angenehm, und die letzten Wochen waren nicht leicht für mich. Vor zwei Wochen bin ich nach Uwemba umgezogen (siehe den vorigen Artikel).
Es gab aber auch viele schöne Erlebnisse in den letzten Wochen. Alle Leute, von denen ich erwartet hatte, dass sie zu mir stehen würden, haben wirklich zu mir gestanden, kein einziger hat mich enttäuscht. Besonders nett fand ich, wie der alte Fahrer Mbawala mir entgegenkam und schon von weitem mit den Zeigefingern unter seinen Augen Tränen andeutete.
Am Morgen meiner Abreise von Peramiho sprach ich beim Frühstück mit dem alten, freundlichen Afrikaner Br.Atanas über die derzeitige Hitze, dann wechselte er das Thema: “Schade, dass du nach Uwemba gehst.” Unser dementer Tischnachbar, der alte deutsche Maler, hatte anscheinend nur die Stichworte “Hitze” und “Uwemba” mitbekommen, und sagte: “Wenn du unter der Hitze leidest, dann solltest du dich nach Uwemba versetzen lassen.”

Mit Afrikanern geht immer irgendetwas schief

7. Juli 2013

schwarzachJetzt habe ich aber wirklich lange nicht mehr gebloggt ! Von Ende Mai an war ich für einen Monat im schönen Deutschland, aber vor zwei Wochen bin ich wieder nach Peramiho zurückgekehrt.
P.Ludoviko Komba, unser Novizenmeister, war zu einem Kurs in Rom. Auf dem Rückflug hat er einen Umweg über Nürnberg gemacht, um zusammen mit mir Br.Dominik in Münsterschwarzach am Main zu besuchen. Weil er vor seiner Abreise von Peramiho einen ziemlich unsicheren Eindruck machte, – er war noch nie in Europa – hatte ich ihm versprochen, ihn in Nürnberg abzuholen. Ob wohl alles klappen würde, fragte ich mich, und stellte mich darauf ein, dass mit Afrikanern immer etwas schiefgehen kann. Ich spazierte also um 18 Uhr in die Ankunftshalle des Nürnberger Flughafens. Auf der ziemlich überschaubaren Ankunftstafel musste ich nicht lange suchen: “AB 6417 Ankunft 18:35 gestr./cancelled”. Ich finde einen geschlossenen Schalter, über dem “Air Berlin” steht, und an dem jemand sitzt. Wann denn der Herr Komba ankomme, frage ich, “der Mann ist Afrikaner und etwas hilflos”. Der freundliche Mann erklärt mir, dass er nicht wisse, was die in Berlin entscheiden, dann geht er zum Schalter auf der anderen Seite der Halle und kommt mit der Nummer der Hotline zurück. Ich rufe an, eine automatische Stimme sagt mir, dass sich die Nummer geändert hat. Der Anruf bei der neuen Nummer führt mich nur in eine Warteschleife, nach fünf Minuten gebe ich auf und frage wieder meinen freundlichen Helfer. “Ich habe gar nicht daran gedacht, aber die an der Hotline dürfen Ihnen das aus Datenschutzgründen gar nicht sagen,” empfängt er mich. Er schaut aber in seinen Computer, tatsächlich findet er heraus, dass Herr Komba von Rom aus in Berlin angekommen ist, aber heute in keiner Air-Berlin-Maschine mehr für Nürnberg gebucht ist. “Fragen Sie mal bei Lufthansa”. Auch seine Kollegin von der Lufthansa hat anscheinend keine Angst vor ihrem Datenschutzbeauftragten, und sagt mir, dass er nicht in der einzigen Lufthansa-Maschine ist, die heute Abend von Berlin kommt.
Wenn der Mensch ratlos ist, neigt er dazu, das zu tun, was alle tun. Vielleicht komme ich deshalb auf den Gedanken, mich in die lange Schlange an dem geöffneten Air-Berlin-Schalter neben Lufthansa zu stellen. Die Leute vor mir haben anscheinend das Problem, dass sie von Nürnberg wegwollen, aber der Abflug auch gestrichen worden ist. Soweit ich sehe, sind die meisten nicht zufrieden mit der Hilfe, die sie an dem Schalter bekommen. Nach einer guten halben Stunde bin ich an der Reihe und bekomme schnell die Auskunft: “Herr Komba ist über Düsseldorf gebucht. Er kommt um 22:20 mit Lufthansa an.” Wenn der Schalter nicht zwischen uns gestanden hätte, wäre ich der Frau wahrscheinlich um den Hals gefallen.
Als Ludoviko dann nach seiner Odyssee von Rom über Berlin und Düsseldorf knapp vor 23 Uhr tatsächlich auftaucht, wirkt er alles andere als hilflos, und weiß sofort, an wen er sich wegen seines Koffers wenden muss, der unterwegs verloren gegangen ist.
Das Foto zeigt Dominik und Ludoviko am nächsten Morgen. Ludoviko hat sich gefreut, seinen alten Lehrer wiederzusehen, der ihn vor einem Jahrzehnt ins Klosterleben eingeführt hat, ich habe mich gefreut, Dominik bei relativ guter Gesundheit anzutreffen (die Parkinson-Erkrankung hat im Januar seine Rückkehr nach Peramiho verhindert), und Dominik hat sich anscheinend auch gefreut. 24 Stunden nach diesem Foto saß Ludoviko dann schon wieder im Flugzeug nach Dar es-Salaam, darum hatten sich P.Christian aus Tansania und P.Romain aus Togo gekümmert, der alte und der neue Sekretär unserer Kongregation, auch so zwei Afrikaner, bei denen eigentlich nie etwas schiefgeht. Und am Abend erreichte mich dann noch eine SMS von Ludoviko aus Dar es-Salaam: “Gut angekommen, der Koffer ist auch da.” Letzteres war das Ergebnis von gefühlten hundert Anrufen bei der Lufthansa. Fazit: Mit deutschen Fluggesellschaften geht immer irgendetwas schief.

Zu Ostern wieder im Internet

1. April 2013

Während Papst Franziskus in Rom Gefangenen die Füße wusch, öffnete sich für uns nach neun Tagen virtueller Gefangenschaft das Tor zur weiten Welt.
Da das Internet hier immer wieder mal ausfällt, rief ich erst am Nachmittag des ersten Tages bei Asheri, dem für uns zuständigen Techniker der Telefongesellschaft TTCL, an. „Ich bin gerade nicht im Büro, aber ich kümmere mich drum.“ Br.Wolfram, unser junger Computerfachmann, war zum Glück ein paar Tage vorher von seinem Praktikum in Dar es-Salaam zurückgekehrt. Er rief am nächsten Tag wieder bei TTCL an. Die Antwort: „Ich bin gerade nicht im Büro, aber ich kümmere mich drum.“ Am Abend hatte er dann das Ergebnis: Wir hatten unser monatliches Volumen aufgebraucht. 12 Tage vor Monatsende, ich konnte es mir einfach nicht vorstellen ! Wolfram hatte sogar herausgefunden, wer dieses Problem durch übermäßigen YouTube-Konsum verursacht hatte. Wir beschließen, dass wir unseren Anschluss auf eine unbeschränkte Verbindung mit geringerer Geschwindigkeit umstellen lassen. Kein Problem, leider aber fällt am folgenden Tag, dem 22.3., das Internet im ganzen Land aus, und danach ist erst einmal Wochenende. Am Montag kommt Techniker Asheri persönlich, denn für den neuen Tarif muss er unseren Anschluss umstellen. Am späten Nachmittag ist unser schmaler Computerraum mit vier Technikern von TTCL und Br.Wolfram zum Bersten voll. Danach geht gar nichts mehr. Am Dienstag sagt Wolfram mir, dass die Leute von TTCL ihm versprochen haben, wiederzukommen, aber nicht gekommen sind. Am Mittwoch kommt Techniker Zakayo allein, und es gelingt ihm, ein Problem im Technikhäuschen der TTCL auf der anderen Straßenseite zu beheben. Jetzt muss nur noch das „HQ“ (Hauptquartier) in Dar es-Salaam eine Umkonfigurierung vornehmen. Am Donnerstag bin ich etwas ungeduldig, denn Karfreitag und Ostermontag sind auch hier Feiertage. Wolfram muss an seiner Fachschule für Computertechnik den Praktikumsbericht vortragen, damit fällt er auch erst einmal aus. Es kommt aber ein Anruf von Zakayo bei unserem Pförtner an: Ich solle doch bitte einmal das Modem ausschalten und beim nächsten Anruf wieder einschralten. Kein Problem, nur leider haben wir danach immer noch kein Internet. Jetzt rufe ich bei der Geschäftsstelle von TTCL in Songea an, ob ich mit Zakayo persönlich sprechen könne. Nein, der sei gerade unterwegs, aber er werde mich zurückrufen. Beim zweiten Mal frage ich, ob ich seine Handy-Nummer haben könne. Nein, aber der Chef-Techniker werde mich zurückrufen. Mit besonderer Betonung fügt die Frauenstimme hinzu: „Der ist Ingenieur“. Beim dritten Anruf habe ich dann plötzlich Zakayo persönlich am Apparat, der mir verspricht, sofort zu kommen, in 40 Minuten sei er bei mir. Anderthalb Stunden später sagt mir eine Frauenstimme, Zakayo sei unterwegs, er sei verspätet losgefahren, weil sein Dreirad-Gefährt kein Benzin hatte. Tatsächlich kommt er kurz darauf, schaut sich den Computerraum kurz an und benutzt daraufhin mehr als anderthalb Stunden lang unser Telefon. „Ich musste die Konfiguration mit Dar es-Salaam (dem wirtschaftlichen Zentrum Tansanias, wo sich auch das ‚HQ‘ von TTCL befindet) und Dodoma (der offiziellen Hauptstadt, über die unsere Internet-Leitung läuft) koordinieren,“ erklärt er mir. Und tatsächlich: Wir sind endlich wieder verbunden !

Ein Kloster ist ein seltsames …

28. Februar 2013

Ein Kloster ist ein seltsames Mittelding zwischen Demokratie und Monarchie. An der Spitze steht der Abt, der von der Gemeinschaft gewählt wird und spätestens mit 75 Jahren sein Amt aufgeben muss. Dann gibt es seine beiden Stellvertreter, den Prior und den Subprior. Für die wirtschaftlichen Fragen ist der Cellerar zuständig, für den Nachwuchs der Novizenmeister. Alle diese Ämter werden nach Beratung mit der Gemeinschaft vom Abt besetzt, und dazu gibt es noch die von der Gemeinschaft gewählten Senioren – in Peramiho sind es zehn – die beratende Funktion haben. Da ich auf Kuba schon Cellerar war (in einer Gemeinschaft von sechs Mönchen gab es allerdings nicht viele wirtschaftliche Fragen), hat Abt Anastasius mich gebeten, dieses Amt auch hier zu übernehmen.
Ich war etwas blauäugig, als ich auf meine fünf Jahre Erfahrung im Zusammenleben mit Afrikanern vertraute und meinte, es würde reichen, immer wieder das Gespräch zu suchen und den Rat meiner afrikanischen Brüder und Mitarbeiter zu suchen. Plötzlich merkte ich, dass mich gerade dieser Rat mitten in ein ziemlich schwieriges Feld von Konflikten hineingeführt hatte, die schon lange vor meiner Ankunft schwelten. Br.Dominik hat mich gewarnt, “Das kann heftig werden”, ein anderer deutscher Missionar dagegen versicherte mir, es gäbe diesen Konflikt gar nicht. Es wurde heftig, und ich fing an, meine Koffer zu packen, entschied mich dann aber doch fürs Abwarten. Nach den sechs Wochen, die ich für die Priesterweihe in Deutschland war, sah dann plötzlich alles ganz anders aus, die Wogen hatten sich geglättet, und vor einer Woche hat der Abt mich nach Beratung mit den Senioren zum Cellerar ernannt. Auf meine Frage, wofür ich zuständig sei, hat Br.Dominik mir bei seinem Abschied gesagt, “Für alles, was anfällt.” Das heißt im Moment, für den Wassertank auf dem Dachboden, aus dem immer wieder Wasser ausläuft und das Gewölbe aus Lehmziegeln darunter aufweicht. Für den Mais der Hühnerfarm, von dem jeden Monat doppelt so viel verschwindet, wie die Hühner fressen. Für die Zusammenstellung des Finanzberichtes für das Jahr 2012. Für den Leiter des Caritas-Büros, der mir ausführlich die Probleme einer alten, kranken Frau schildert und dann erklärt, dass diese Frau 1000 Shilling braucht. Das sind 50 Euro-Cent, die ich ihm natürlich sofort gebe, in der Hoffnung, dass er beim nächsten Mal wenigstens 20.000 braucht, damit sich der Zeitaufwand lohnt.
Will ich jetzt klagen ? Nein, überhaupt nicht ! Peramiho mit seiner Berufsschule, den zahlreichen Werkstätten und all den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen ist ein hoch spannender Organismus, und meine Aufgabe darin ist ziemlich reizvoll. Und dann gibt es da noch die wunderbaren Menschen. Ohne den Konflikt des vergangenen Jahres hätte ich Br.Petro, Br.Augustino und P.Ludoviko nie so gut kennengelernt, wie ich sie heute kenne. Tansanier, so las ich in einer Handreichung für Entwicklungshelfer, können sehr loyal sein. Und die Loyalität meiner Mitarbeiter (gegenüber mir, einem Fremden, der gerade erst angekommen ist) war einfach großartig. Also: Es wird spannend, aber es könnte gut werden.

Chefarztbehandlung

17. November 2012

Bisher hatte ich nur zweimal das zweifelhafte Vergnügen, einem Zahnarzt bei der Behandlung eines anderen Patienten (oder sollte ich besser „Opfers“ sagen ?) zuzusehen. Meine Kinderzahnärztin hatte die üble Angewohnheit, das jeweils nächste Kind im Behandlungszimmer warten zu lassen. Bis heute denke ich jedes Mal, wenn ein Zahnarzt mir eine Spritze geben will, an das schmerzverzerrte Gesicht des Mädchens, das damals vor mir an der Reihe war. Das andere Mal war vor 15 Jahren hier in Peramiho. Ich reparierte den Computer von Dr.Mushi, während er direkt neben mir einen weißen Jungen behandelte. OK, dachte ich mir, ich mag zwar keine Zahnärzte, aber Dr.Mushi könnte ich vertrauen.
Am Dienstag war es dann so weit: Um punkt 8 sitze ich auf den Holzbänken vor dem Eingang mit der Aufschrift „Dental“. Eine Arzthelferin sitzt auch schon dort. Sie erklärt mir: „Wir warten auf den Schlüssel“, und geht weg. Nach einiger Zeit ist von innen her das Geräusch eines Schlüssels zu hören, was mich etwas wundert, weil der große Riegel mit dem Vorhängeschloss außen angebracht ist. Dann lässt die Person innen den Schlüssel einfach fallen, so dass er in der großen Spalte zwischen Tür und Fußboden liegt. Ich verstehe das als Aufforderung, das Vorhängeschloss zu öffnen. Aber eigentlich ist es ja nicht der Sinn von Schlüsseln, dass man sie Wildfremden anvertraut, die man nicht einmal sehen kann. „Der Arzt kommt um halb Neun,“ sagt man mir, nachdem ich die Tür geöffnet habe.
Bis er dann um Viertel nach Neun kommt, wartet schon eine stattliche Zahl von Patienten. Dr.Mushi ist inzwischen als zweiter Afrikaner (und als dritter Mann, denn die ersten Chefärzte waren Chefärztinnen, Benediktinerinnen aus Tutzing) Chefarzt des Krankenhauses, und insofern ist es schon eine Ehre, dass er mich gleich mit Handschlag und Namen begrüßt. Da ich ihn kenne, Mönch und Weißer bin, ist es nach hiesigen Vorstellungen selbstverständlich, dass er mich als ersten zur Behandlung ruft. Immerhin habe ich auch am längsten gewartet, sonst wäre mir das richtig peinlich.
Ich habe befürchtet, dass afrikanische Zahnärzte Zähne schon ziehen, bevor sie dem Patienten auch nur die Diagnose mitgeteilt haben, aber weit gefehlt: Er schaut sich den Zahn an, von dem am Vortag die innere Hälfte einfach weggebrochen ist. Dann macht er eine kleine Zeichnung, um mir zu erklären, wo die Füllung sitzt, die für den Bruch verantwortlich ist. Dann macht er sich ans Abschleifen und Anbringen von Zahnzement, über das er dann eine Krone setzen will. „Manche mögen es lieber ohne Betäubung, manche lieber mit,“ sagt er mir noch, und als ich mich trotz meines frühkindlichen Traumas (siehe oben) für die Spritze entscheide, setzt er noch hinzu, „Ich bin auch schmerzempfindlich.“ Die Spritze spüre ich dann gar nicht.
Trotz allem hat die Behandlung auch ihre irritierenden Seiten. Dreimal nimmt er mit der linken Hand ein Gespräch auf seinem Handy an, während er mit der rechten in meinem Mund rumstochert. Zwischendurch gibt es eine halbe Stunde Pause, weil er im Schacht unter dem Fußboden nach der Ursache für das Versagen der Absaugmaschine sucht. „Dann muß es eben ohne Absaugen gehen“, sagt er schließlich, und lässt mich den Kopf zur Seite legen, damit der Speichel hinauslaufen kann.
Ich verlasse ihn mit der vorläufigen Krone, zwei Tage später, vorgestern, bin ich wieder da. Aber es ist keine Behandlung möglich, weil das Krankenhaus kein Wasser hat. Die Trockenzeit geht (hoffentlich !) dem Ende entgegen, jetzt ist überall das Wasser knapp. Da Br.Dominik, der Cellerar, in Deutschland ist, hängt es jetzt an mir, zur Installateurswerkstatt zu gehen, Meister Damian Ngonyani zu erklären, dass die Versorgung des Krankenhauses Vorrang hat, mit ihm und drei weiteren Handwerkern (die eigentlich nicht gebraucht werden, aber der Meister kann ja schlecht alleine arbeiten) zum Pumpenhaus im Garten zu gehen, die Wasserleitung des Klosters zu schließen und die des Krankenhauses zu öffnen. Als das geschehen ist, bedankt Dr.Mushi sich sehr herzlich bei mir und erklärt mir, dass es nach dem Zeitverlust jetzt leider zu spät ist, weil das Labor die endgültige Krone nicht mehr am selben Tag fertig stellen kann. Also geht der Spaß am kommenden Dienstag weiter.

Einige Tansanier in Meschede

9. November 2012


Am Freitag vor einer Woche bin ich wieder in Peramiho angekommen. Zwei Wochen zuvor war ich in Meschede zum Priester geweiht worden; der tansanische Festkranz, den mir P.Laurenti aus diesem Anlass umhängte, hätte in Peramiho völlig normal gewirkt, aber in Meschede löste er doch einige Nachfragen aus.
An den beiden Tagen danach hatte ich die Gelegenheit, P.Laurenti und den anderen drei tansanischen Gästen ein wenig von Deutschland zu zeigen.
Tansanier sind bei solchen Anlässen ziemlich zurückhaltend, wenn es darum geht, eigene Wünsche zu äußern, aber da ich drei von ihnen bereits kannte, dachte ich, dass ihnen ein Ausflug nach Köln wohl gefallen würde.
Br.Damian, der sonst die Interessen unserer Kongregation in Dar es-Salaam vertritt, meinte angesichts einer fernöstlichen Reisegruppe vor dem Dom: „Hier gibt es ja genauso viele Chinesen wie in Kariakoo“ (dem Geschäftsviertel von Dar es-Salaam).
Br.Bakanja macht mich auf einen Unterschied der Kulturen aufmerksam: „Schau mal, da gehorcht der Großvater dem Enkel,“ sagt er angesichts eines ungeduldigen älteren Herrn, der offensichtlich nur wartet, weil das kleine Kind an seiner Hand noch nicht weitergehen will. Für uns normal, aber in Tansania unvorstellbar. Kurz danach mache ich Bakanja auf eine ähnliche Szene aufmerksam: „Und da gehorcht ein Mensch einem Tier,“ sage ich angesichts einer Frau, die nur wartet, weil ihr Hündchen an irgendetwas schnüffeln will. Alle Afrikaner, die ich kenne, halten die Tierliebe in Europa oder Amerika für völlig übertrieben.
Angesichts meiner Gäste fallen mir manche Unterschiede gegenüber Tansania besonders auf, zum Beispiel, dass der Verkehr trotz der Unzahl von Autos meistens flüssig abläuft, während man in Dar meistens im Stau steht. Oder, dass mitten in der Großstadt viele Radfahrer unterwegs sind, ohne in ständiger Lebensgefahr zu schweben. Oder dass es eine sehr effektive Eisenbahn gibt (jedenfalls im Vergleich mit Tansania – ein paar Tage später hatte mein Zug 30 Minuten Verspätung).