Archive for the ‘Mosambik’ Category

Wo Grenzen noch Grenzen sind

21. Oktober 2015

grenzfluss Die Abtei Ndanda liegt im Süden von Tansania, nahe der Grenze zu Mosambik. Sie hat voriges Jahr ein neues Projekt in Mosambik gestartet. Irgendein Besserwisser hat mir mal gesagt, Ndanda hätte sich vor einer echten Herausforderung gedrückt, denn das neue Projekt sei gleich hinter der Grenze, bei denselben Stämmen, die auch in der Umgebung von Ndanda leben. Dann wird es wohl ganz leicht sein, dort hinzukommen.
Der Weg von Dar es-Salaam nach Mtwara, der letzten Großstadt auf tansanischer Seite, ist tatsächlich problemlos mit dem Linienbus zu bewältigen. In Mtwara nimmt mich P.Tuzinde sehr freundlich auf, informiert die Brüder in Mosambik, was wegen der unterschiedlichen Telefonnetze nicht so einfach ist, und stellt mir am nächsten Morgen sein Auto zur Verfügung. Fahrer Ben bringt mich die 50 km bis zur Grenze. Der tansanische Grenzposten befindet einen guten Kilometer davor, ein paar Fragen nach Dingen, die ich schon deutlich lesbar ins Ausreiseformular geschrieben habe (Beruf, Reiseziel), ein Stempel, das war’s.
kivuko Die Grenze wird vom Fluss Ruvuma (oberes Foto) gebildet, der hier in den Indischen Ozean mündet. Die Autofähre (zweites Foto) kann nur bei Flut fahren, also erst am Nachmittag. Daher heißt es umsteigen vom bequemen Auto in ein kleines Boot mit Außenbordmotor. Die anderen vier oder fünf Passagiere sind schon an Bord, los geht’s. Zu meiner Überraschung geht es aber nur über einen schmalen Flussarm, dann kommen wir an einer großen Sandfläche an, und wir müssen erst einmal ein Stück über den Sand laufen. Ein Teil des Trupps geht nach rechts, der andere Teil nach links. Ich folge den Leuten, die nach links gehen, weil uns gesagt wurde, dass dort das nächste Boot liegt. Warum die anderen nach rechts gegangen sind, wird mir erst klar, als ich den Priel (für Nicht-Norddeutsche: Wasserlauf) sehe, der auf unserem Weg liegt. Knietief, aber machbar. Meine letzte Wattwanderung war vor 30 Jahren. Damals ging es von Amrum nach Föhr. Bald kommen wir an den Hauptarm des Flusses, wo das nächste Boot schon bereit liegt, fehlt nur noch der Motor, der dann schließlich per Träger (unteres Foto) ankommt.
Am anderen Ufer geht es dann mit dem Taxi zum Grenzposten. Im Gebäude selbst geht es schnell: Reisepass vorzeigen, Stempel rein, fertig. Dann will aber auch der Grenzwächter, der gemütlich auf der Bank vor dem Gebäude sitzt, meinen Pass nochmal kontrollieren. Diesmal dauert es etwas länger, aber irgendwann hat auch er meinen ganzen Pass durchgelesen. Jetzt hatte ich eigentlich gehofft, dass P.Valentino mich abholt, aber weit und breit ist niemand zu sehen. Ich setze mich also vor dem Grenzposten in den Schatten, da kommt noch ein Grenzwächter zu mir: „Sorry, mein Boss sagt, Sie hätten Ihren Pass noch nicht vorgezeigt.“ Also die dritte Passkontrolle und die hochintelligente Frage, ob ich aus Tansania komme. Ich widerstehe der Versuchung, „Nein, aus Indien“, zu antworten, und bin positiv überrascht, als er um Entschuldigung für die „Unannehmlichkeit“ bittet. Mein Telefon zeigt mit tansanischer SIM-Karte „Roaming“ und „Sehr schwaches Signal“ an, also lege ich die mosambikanische SIM-Karte ein, die man mir in Ndanda mitgegeben hat. Aber auch mit dieser Karte ist das Signal sehr schwach, und in keinem der beiden Läden gibt es Handy-Guthaben zu kaufen. Jetzt fange ich langsam an, mich nach Tansania zurückzuwünschen. Irgendwann kommt dann aber doch eine SMS von Valentino: „Wir sind unterwegs.“ Auch für die Information mit meiner genauen Ankunftszeit war es anscheinend schwierig, die Grenze zu überwinden.
Allen Leuten in Europa, die von Grenzen mit viel Kontrollen und wenig Verkehr träumen, wünsche ich die Erfahrung, mal von Tansania nach Mosambik zu reisen. Den Leuten von Pegida wünsche ich, dass sie danach gleich in Mosambik bleiben müssen.
aussenborder

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Plötzlich auftretende Feiertage

19. Oktober 2015

Die letzten Tage habe ich in Mosambik, Tansanias südlichem Nachbarland verbracht. Hier folgt der erste Teil des Reiseberichtes:
Mittwoch komme ich in Dar es-Salaam in unserem Haus in Kurasini bei Br.Bakanja und P.Titus an, Donnerstag soll Ruhetag sein, Freitag will ich dann Richtung Mosambik aufbrechen. „Halt, für Mosambik kriegst du das Visum nicht an der Grenze, sondern nur hier in Dar es-Salaam“, warnt Bakanja mich am Donnerstag Nachmittag.
Also gehe ich am Freitag erst einmal zur Botschaft von Mosambik, ein Touristenvisum bekommt man für die meisten Länder ja ziemlich leicht, zumindest, wenn man einen deutschen Pass hat. An der Botschaft erfahre ich, was ich alles brauche: Einen formlosen Antrag – wird sich wohl machen lassen; Nachweis der Gelbfieberimpfung – meinen Impfpass habe ich dabei. Eine Buchung in einem Hotel in Mosambik und ein Kontoauszug, der nachweist, dass ich genug Geld für den Aufenthalt dort habe – oh Schreck, vielleicht gehört Mosambik nicht zu den „meisten Ländern“, von denen ich oben geschrieben habe.
Also erst einmal zurück. Titus hat schon Erfahrung mit Visa für Mosambik, er ist ohne Weiteres bereit, mir den Kontoauszug von Kurasini zu geben, allerdings muss er den erst von der Bank holen – als ich ihn dann in der Hand halte, ist es schon Freitag Abend, das Wochenende ist also verloren.
Am Montag bin ich um 9 frohgemut erneut bei der Botschaft. Der freundliche Herr hinter der schwarzen Glasscheibe, der meine Unterlagen entgegennimmt, lehnt meinen handgeschriebenen Antrag ab – der formlose Antrag muss mit Computer getippt sein. Außerdem stört ihn, dass ich zwar die Adresse eines Hotels angegeben habe, aber keine Reservierung vorweisen kann. Nachdem wir einige Zeit über das Hotel diskutiert haben, rät er mir, in einem Schreibwarengeschäft in der Nähe den Antrag in den Computer zu tippen und dann wiederzukommen. Um 10 bin ich wieder da, der freundliche Herr ist inzwischen in seine Zeitung vertieft, dafür nimmt seine Kollegin sich meiner an: „Sie müssen morgen wiederkommen, heute ist Feiertag. Wir haben es gerade per Telefon erfahren. Unser Chef ist schon weggegangen. Ohne Reservierung bekommen Sie kein Visum, da hätten Sie sich den Aushang mal besser durchlesen sollen.“ Ich weise den zeitunglesenden Herrn darauf hin, dass er mich nicht besonders gut beraten hat, dann kehre ich frustriert zurück. Bakanja und Titus lachen herzlich über die Sache mit dem Feiertag und erklären mir, dass die Mosambikaner sehr kompliziert sind, bei Tansaniern machen sie genauso viele Schwierigkeiten wie bei Europäern.
Am Dienstag winkt mich die Wache am Tor der Botschaft einfach durch, ohne dass ich mich – wie sonst – ins Besucherbuch eintragen muss. Offensichtlich kennt man mich inzwischen. Oh Wunder, diesmal wird alles akzeptiert. Ich darf mich auf den Fußweg zur Bank machen, 95 Dollar einzahlen, und mit dem Einzahlungsbeleg zurückkehren. Morgen um Drei, so verspricht man mir, ist das Visum fertig. Bakanja und Titus lachen wiederum, als sie erfahren, dass es bei booking.com einige Hotels gibt, die man auch ohne Kreditkarte oder sonstige Bezahlung reservieren kann. Am nächsten Tag – es ist mein sechster Besuch – übergibt mir der Herr sehr freundlich meinen Pass mit Visum, und als ordentlicher Deutscher storniere ich auch gleich die Hotelbuchung.