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Ramadan auf Sansibar

4. Juli 2016


Forodhani
 Wieder einmal begehen die Muslime auf der ganzen Welt den Fastenmonat Ramadan. Vor einem Jahr habe ich eine Woche lang den Ramadan auf Sansibar mitbekommen. Sansibar ist traditionell islamisch geprägt, die Altstadt ist voll von kleinen oder größeren Moscheen, gefühlt befindet sich an jeder Ecke eine. Ich liebe es, bei und nach Sonnenuntergang durch die Straßen zu gehen.
Zur Abendzeit ertönt eine laute Sirene, Signal dafür, dass ab jetzt Essen und Trinken wieder erlaubt sind. Zwischen altem Sultanspalast und Meer befindet sich der Forodhani-Park (Bild oben), wo die Einheimischen und die Touristen den Schatten der Bäume und die kühle Meeresbrise genießen. Es gibt einen Kinderspielplatz, viele Sitzbänke und eine riesige Gruppe von Tischen, auf denen alle möglichen Gerichte angeboten werden (Bild unten, vom Meer aus fotografiert): Nyama choma (eine Art Schaschlik, bei dem oft alte Fahrradspeichen als Spieße benutzt werden), Sambusa (dreieckige Fleischtaschen aus Teig, in der deutschen Wikipedia als Samosa bezeichnet), Chapati (eine Art Crêpe) und so weiter. Alles sieht sehr farbenprächtig aus, es duftet gut, aber ich habe diese Gerichte alle schon so oft gegessen, dass der Reiz ein wenig verflogen ist. Die Sambusas sind eine Versuchung, aber ich möchte mir die wenigen Urlaubstage nicht unbedingt vom Durchfall verderben lassen.
Der Forodhani-Park ist übrigens der einzige Ort in ganz Tansania, an dem ich diese Atmosphäre kenne. Den typischen Park, in dem die Leute bummeln, essen, spielen, gibt es in Europa überall, gerade in den sonnigen Teilen, aber der afrikanischen Kultur ist so etwas eigentlich fremd. Der Park von Sansibar ist einem der früheren arabischen Sultane zu verdanken.

forodhani_nachts Wenn ich danach noch durch das schummrig beleuchtete Gewirr der Altstadt-Gassen gehe (noch etwas verwirrender als die Altstadt von Jerusalem !), kommen überall die Männer aus den Moscheen, die Stimmung auf den Straßen ist wunderbar ruhig und friedlich.
Das ist die schöne Seite des Ramadan, aber es gibt auch eine andere Seite. In einer Ecke der Hotelrezeption bemerke ich ein offizielles Schreiben der Sansibarischen Revolutionsregierung (die unter dem Dach des gemeinsamen Staates Tansania eine gewisse Autonomie hat) an alle Hotels und Gaststätten: Während des Ramadans dürfen Speisen und Getränke vor Sonnenuntergang nur in den Innenräumen verzehrt werden, die Terasse darf erst am Abend geöffnet werden. Br.Julian, mit dem zusammen ich nach Sansibar gereist bin, meint, wenn man irgendwo zu Gast sei, müsse man halt die örtlichen Sitten respektieren. Ich halte dagegen, dass das zwar für uns gilt, aber nicht für die Bürger Sansibars, die Christen oder Hindus sind. Laut Reiseführer gibt es auf Sansibar 99 % Muslime, aber das glaube ich nicht, denn in den letzten Jahrzehnten sind viele Christen vom Festland nach Sansibar gezogen, und schon seit Jahrhunderten lebt eine kleine indische Gemeinschaft hier. Als ich mittags einen kleinen indischen Laden betrete, löffelt die Besitzerin gerade ihre Suppe – hinter der Ladentheke. Noch weiter hinten sind Bilder von Hindu-Gottheiten zu sehen. Wer auf der Straße vorbeigeht, wird weder die Bilder noch die essende Frau bemerken, wer aber stehen bleibt und genauer hinschaut, kann beides durch die offene Tür sehen. Allzu streng sehen die Muslime auf Sansibar das anscheinend nicht, aber es bleibt die seltsame Tatsache, dass ein Hindu oder eine Christin, die auf Sansibar geboren sind und genauso tansanische Staatsbürger sind wie die anderen, mit Rücksicht auf die muslimische Mehrheit tagsüber draußen weder essen noch trinken dürfen.
In diesem Jahr hat ein hoher Vertreter des ägyptischen Islam gesagt, im Ramadan tagsüber in der Öffentlichkeit zu essen oder zu trinken, sei untersagt, weil es gegen die „Heiligkeit der Gesellschaft“ verstoße. Die koptischen Christen, deren Vorfahren schon vor der islamischen Eroberung in Ägypten lebten, haben sich nicht gefreut.

Mitten im Ramadan gelandet

6. Juli 2015

sansibar Am Samstag bin ich mit Br.Julian aus Münsterschwarzach, dessen anderthalbjähriger Tansania-Einsatz seinem Ende entgegenging, nach Sansibar gefahren. Die Insel mit dem griechischen Flair (strahlender Sonnenschein, weiße Häuser, blaues Meer, Touristenziel, nicht besonders reich) wird angeblich zu 99 % von Muslimen bewohnt. Für die Muslime ist Ramadan, der Monat, in dem von Sonnenaufgang bis -untergang nicht gegessen und getrunken wird.
Wir kaufen eine frische Kokosnuss. Statt – wie üblich – uns die Nuss mit dem großen Messer zu öffnen, drückt der Händler sie uns in die Hand und sagt, wir sollten sie zu Hause aufmachen, „Wir erlauben nicht, dass ihr sie hier esst.“ Am nächsten Tag packt ein anderer Händler mir eine Wasserflasche in eine Papiertüte mit den Worten, „Im Ramadan trinken die Leute nicht einfach so.“ Ich beiße mir auf die Zunge, um nicht zu fragen, ob die Leute vielleicht heimlich trinken. In den islamwissenschaftlichen Vorlesungen habe ich gelernt, dass man durchaus Muslime treffen kann, die offen zugeben, dass sie nicht beten. Aber es sei praktisch unmöglich, dass jemand zugibt, dass er im Ramadan nicht fastet.
Wir essen in einem malerischen Restaurant zu Mittag, das auf dem Dach eines der höchsten Häuser der Altstadt (5.Stockwerk, das Foto zeigt die Aussicht) liegt. Ich trinke zwei Cola, Julian eine, auf der Rechnung finden wir zwei. Ich sage dem freundlichen Kellner Bescheid, dass er eine Cola vergessen hat. Weil es so schön ist, essen wir am Sonntag wieder dort. Julian trinkt zwei Gläser Wein, ich eines, auf der Rechnung finden wir zwei. Ich habe den Verdacht, dass der Kellner wirklich seit Sonnenaufgang nichts gegessen und getrunken hat, daher wohl die Konzentrationsschwierigkeiten, denn ansonsten wirkt er kompetent und intelligent. Er nimmt die Nachricht etwas mürrisch auf, dass er sich schon wieder verrechnet hat, ich sage ihm, „Ich wollte dich nicht betrügen, schließlich soll man im Ramadan nichts Schlechtes tun.“ Da hellt sich sein Gesicht auf, er reicht mir dankbar die Hand.
Der Ramadan ist für Muslime eine Zeit, Gutes zu tun, Almosen zu geben und vermehrt zu beten. Abends sind die Straßen voll mit Männern, alten und jungen, die meisten in langen, weißen arabischen Gewändern, die gerade auf dem Weg zur Moschee oder zurück von ihr sind. Es herrscht – zumindest in der Nähe der zahlreichen kleinen Moscheen – eine sehr ruhige, konzentrierte, dichte Athmosphäre, und es geht auch friedlich zu – Sansibar ist zum Glück nicht Tunesien.

Namen sind Schall und Rauch

21. März 2015

Meine Mitarbeiterin Elvira Nyika fragt, “Auf welches Konto soll ich die Schulgebühren für Lionel buchen ?” Ich stutze kurz, dann merke ich, dass sie den Namen Rainery so ausgesprochen hat, dass ich “Lionel” verstanden habe – L und R werden in vielen Mundarten hier verwechselt. Ich sage, “Rainery Mwanyika ist doch ein Vetter von dir, oder ?” Sie: “Ich kenn ihn nicht.” Ich: “Der Messdiener, der in Hanga zur Schule geht und sich in den Ferien hier oft um die Hunde kümmert.” Sie: “Ach der, das ist mein Vetter.”
Namen sind hier schwierig, zum einen werden die Vornamen fast immer anders ausgesprochen, als ich das erwarte (“Lionel” statt “Rainer”), dann haben viele in der Taufe einen anderen Vornamen bekommen, als sie ursprünglich hatten. Der Chef unseres Gästehauses z.B. ist auf den Namen Ladislaus getauft worden, vor der Taufe aber hieß er Thomas. Den meisten Gästen stellt er sich als Thomas vor, weil das leichter auszusprechen ist. Ich kannte ihn aber als Ladislaus und brauchte einige Zeit, bis ich merkte, wer gemeint war, wenn die Gäste von “Thomas” sprachen.
Nachnamen sind auch nicht so einfach. Bei Männern steht in unserer Gegend oft ein “Mwa-” vor dem Nachnamen, bei Frauen ein “Sa-”. Aber in offiziellen Urkunden werden diese Vorsilben manchmal weggelassen. Deshalb wird Elvira manchmal “Sanyika”, und manchmal “Nyika” genannt. Ihr Cousin Rainer heißt “Mwanyika”.
Am Sonntag war ich auf unserem Außenposten Yakobi (wie der Name schon verrät, ist der Ort vor über 100 Jahren von deutschen, evangelischen Missionaren gegründet worden) zur Messe. Ich fragte die beiden Messdiener, Schüler der sechsten Klasse, nach ihrem Namen. “Flans Mwanyika”, sagt der eine. Ich frage gleich, ob er mit Elvira verwandt ist. Ja, sie ist seine Cousine. “Dann hast du auch einen Cousin, der in Hanga zur Schule geht”, sage ich, aber er behauptet, niemanden zu kennen, der dort zur Schule geht. Nach der Messe gibt es wie immer Mittagessen beim Katechisten. Eine junge Frau ist auch da, sie stellt sich als Frau Nyika vor. Sie kennt die Familienverhältnisse der Nyika / Mwanyika ziemlich gut, weiß sofort, dass ihr Großvater und Rainers Großvater Brüder waren, dass der junge Flans (natürlich derselbe Name wie Franz) ihr Vetter ist. “Der ist noch jung, der weiß noch nicht, wer alles zur Familie gehört”, sagt sie.

Drei Kinder sind uns geboren

28. Dezember 2014

Zweiter Weihnachtstag, nachmittags um 5. Es regnet. Sr.Hildegard ruft an, die Verwalterin des Krankenhauses. Sie hat diese Woche schon zweimal angerufen, weil sie schlecht geplant hatte und deshalb eines unserer Autos brauchte. “Unser Auto hat einen Platten. Wir müssen eine Frau nach Kibena (dem nächstgrößeren Krankenhaus) bringen. Ihr Zustand ist wirklich schlecht.”
Ihr Fahrer kommt mit dem Fahrrad vorbei, gerade als der Regen am heftigsten ist. Ich gebe ihm den Zündschlüssel und zeige ihm das Auto. Danach bin ich klitschnass, der Fahrer noch nässer.
Am nächsten Morgen erklärt sie mir, was passiert ist: Die Wehen hatten eingesetzt, es schien alles gut zu verlaufen, aber dann bekam die Frau unerwartet einen epileptischen Anfall. Mit zwei Krankenschwestern und dem Fahrer ging es also zum Kibena-Krankenhaus in der Bezirksstadt Njombe. Dort war abends am Feiertag kein Arzt mehr anzutreffen, nur inkompetente Krankenschwestern. “Regierungskrankenhaus,” kommentiert Sr.Hildegard, und damit ist – leider ! – alles gesagt. Unsere beiden Krankenschwestern wissen sich aber zu helfen: “Wir warten, bis der Arzt kommt.” Wenn sie zu uns zurückgefahren wären und die Patientin in Kibena gelassen hätten, wäre sie wohl gestorben. Aber unter dem Druck der Kolleginnen bemüht man sich doch, den Arzt herbeizuholen. Nach über zwei Stunden kommt der tatsächlich, der Kaiserschnitt wird gemacht, Mutter und Zwillinge sind wohlauf.
Ach ja, das Kibena-Krankenhaus. Neulich musste die Frau eines Freundes von mir dorthin. Am Freitag kam seine SMS, “Sie ist jetzt im Krankenhaus. Ich bitte um dein Gebet für eine gute Geburt.” Am Samstag, “Noch nicht. Aber es lässt sich gut an.” Am Montag Morgen, “Der Service in Kibena ist nicht gut (Tansanier drücken sich gerne zurückhaltend aus, ein Deutscher würde wahrscheinlich schreiben, “ist katastrophal”). Ich halte es für besser, sie nach Ikonda zu schicken.” Am Nachmittag, “Wir sind gut in Ikonda angekommen, und sehr gut aufgenommen worden. Man hat sich sofort um uns gekümmert.” Letzteres ist wohl der Unterschied zwischen dem katholischen Krankenhaus von Ikonda und dem Regierungskrankenhaus von Kibena. Auch in dem Fall war ein Kaiserschnitt nötig, es ist alles gut gegangen.

Ausflug in die Kolonialzeit

4. November 2014

pferdetransporter Br.Wendelin hat Uwemba etwas hinterlassen, das in Tansania fast einzig dasteht: Eine Pferdezucht. Als er vor ziemlich genau einem Jahr in seine Schweizer Heimat zurückkehren musste, ließ er Zuchthengst Simba (der Name bedeutet “Löwe”) und drei Pferdepfleger zurück. Kurz vor seiner Abreise hatte er noch eine Stute an ein Ehepaar in Mbeya verkauft. Weil die Stute noch ein Fohlen säugte, blieb das Fohlen bei ihr, mit der Vereinbarung, dass es zu uns zurückkehren solle, sobald es nicht mehr saugen würde. Diese Zeit ist jetzt abgelaufen. Die neuen Besitzer der Stute haben keine Anstalten gemacht, mit Br.Robert, meinem jungen Namensvetter, dem neuen Leiter der Farm, in Kontakt zu treten. Da die neuen Besitzer einen unserer Pferdepfleger abgeworben haben, liegt der Verdacht nahe, dass er ihnen geraten hat, darauf zu spekulieren, dass Br.Robert nichts von dem Fohlen wüsste. Von dem Wechsel des Pferdepflegers haben wir übrigens nur dadurch erfahren, dass er nach seinem Urlaub nicht wieder bei uns zur Arbeit erschien.
Nachdem Br.Robert von den anderen beiden Pferdepflegern über das Fohlen informiert worden war, nahm er Kontakt auf, die Antwort lautete, sie würden das Fohlen uns gerne für 250.000 Schilling abkaufen. 100 Euro für ein Reitpferd ! Der junge Hund, Promenadenmischung, den er neulich einem örtlichen Lehrer abgekauft hat, hat 100.000 Schilling gekostet.
Br.Robert antwortete, er würde kommen und das Fohlen abholen. Da die neuen Besitzer Europäer sind, bat er mich, ihn zu begleiten. Um 12 Uhr mittags fahren wir mit dem Lieferwagen, der auch als Pferdetransporter dient, los – das Foto zeigt einen anderen Pferdetransport an unserer Tankstelle, mit Br.Robert, einem Pferdepfleger und Frau Clementina. Bei der Abfahrt frage ich, ob die neuen Besitzer eigentlich wissen, dass wir heute kommen. Br.Robert antwortet, es sei besser, wenn sie das nicht wüssten. Es ist in Tansania ziemlich üblich, auch in geschäftlichen Angelegenheiten unangemeldet bei jemandem vorbeizukommen, insbesondere, wenn es darum geht, Schulden einzutreiben.
Ich habe nicht bedacht, dass der Lieferwagen ziemlich langsam ist, und dass “in Mbeya” nach hiesigem Sprachgebrauch meistens bedeutet, “irgendwo im Bezirk Mbeya”, in diesem Fall konkret, anderthalb Stunden hinter Mbeya. Wir kommen gerade bei Sonnenuntergang an, siehe das Foto mit dem Blick auf das malerisch gelegene Gutshaus. Das Ehepaar wohnt inmitten der riesigen Avocado-Plantage, die es betreibt.
plantage Der Empfang passt allerdings nicht zu der malerischen Abendstimmung. Der Hausherr ist nicht da, nur seine Frau und ein deutscher Medizinprofessor, der gerade zu Besuch ist. Wir bekommen zu hören, dass wir keine Kinderstube (“no manners”) hätten, und dass wir das Pferd auf keinen Fall heute mitnehmen können. Der Professor fragt zunächst freundlich, ob er als neutrale Person mit dazukommen dürfe. Er sagt mir dann, dass alle Weißen mich schneiden würden, wenn sie erführen, dass ich hier tansanisches Recht durchsetzen wolle (typisches Phänomen aus der Kolonialzeit: ein Weißer, der sich für Schwarze einsetzte, wurde aus der Gemeinschaft ausgestoßen). Dadurch, dass die Familie das Pferd gepflegt und geimpft hätte, erwürbe sie ja schließlich auch Eigentumsrechte. Das geht der Frau dann anscheinend doch etwas zu weit, sie sagt, dass sie keine Gauner (“crooks”) seien, und dass ihr Mann das Pferd nach Uwemba zurückbringen werde, wenn wir uns nicht einigen könnten. Ich lege sie auf einen Termin sechs Wochen später fest. Br.Robert ist damit nicht zufrieden, aber ich kann ihn davon überzeugen, dass wir ohne körperliche Gewaltanwendung nicht weiterkommen. Ich versichere der Frau, wenn ihr Mann nach Uwemba komme, werden wir ihn freundlich und zivlisiert empfangen. Das meine ich durchaus ernst, aber ich hoffe auch, dass sie die Spitze gegen ihren barbarischen Empfang versteht.
Br.Robert fordert am nächsten Tag per SMS von dem Ehemann unserer “freundlichen Gastgeberin” 2,3 Millionen Shilling (1000 Euro) statt wie bisher 2 Millionen, der Aufschlag als Entschädigung für unsere Fahrtkosten. Der bittet um eine ordentliche Rechnung und schreibt, er werde auch uns eine Rechnung für die Pflege der Pferdes zustellen. Ich antworte, dass von Anfang an vereinbart war, dass sie das Fohlen kostenlos pflegen, solange es saugt. Wenn er das anders sehe, könnten wir gerne bei einer Tasse Tee und der guten Wurst von Sr.Marciana in Uwemba darüber sprechen, nur solle er bitte das Fohlen mitbringen. Daraufhin bezahlt er.
Als wir von der Plantage abfuhren, hatte ich das Gefühl, alle Probleme zu verstehen, die es zwischen Afrikanern und Europäern gibt, und die vor allem in Simbabwe und Südafrika zu einer Menge Hass geführt haben. Ich verstehe beide Seiten: Natürlich ist es nicht “die feine englische Art”, unangekündigt bei Sonnenuntergang anzukommen. Auch kann ich eine gewisse Sympathie für die Frau empfinden, Mutter von zwei Töchtern, die in Tränen ausgebrochen wären, wenn ihr geliebtes Fohlen weggefahren wäre.
Andererseits hat das Ehepaar so ziemlich alle Fehler gemacht, die Europäer im Umgang mit Afrikanern machen können, angefangen damit, einen unrealistischen Preis zu bieten. In Tansania ist es üblich, dass man über den Preis verhandelt, aber das erste Angebot liegt oft nur 10 bis 20 Prozent von dem endgültigen Preis entfernt. 250,000 Schilling zu bieten für ein Pferd, das Millionen wert ist, muss ein Tansanier als Verstoß gegen die guten Geschäftssitten empfinden, oder als Zeichen dafür, dass die arroganten Europäer denken, mit dem Afrikaner könnten “sie’s ja machen”. Und gerade das mit der Arroganz ist seit der Kolonialzeit ein sehr wunder Punkt, denn viele Europäer haben auf die Afrikaner herabgeblickt, und manche tun das noch heute.

Ausflug nach Afrika

3. Oktober 2014

lupingu2Vor ein paar Monaten bat Br.Kizito mich, seinen jüngeren Bruder, der im Krankenhaus von Peramiho behandelt worden war, zu seinem Haus in der Nähe von Uwemba mitzunehmen. Der vielleicht 40-jährige Mann erschreckte mich, weil er so schwach wirkte. Später erfuhr ich dann von Kizito, dass sein Bruder gestorben war. Bis zuletzt hatte er als Elektriker gearbeitet, zum Schluss war er so schwach, dass er nur noch im Sitzen und mit vielen Pausen arbeiten konnte, aber besonders beim Reparieren von Fernsehern war er immer noch sehr geschickt. Kizito bat mich, die Messe zum Abschluss der Trauerzeit zu halten. Schon vor einem Jahr hatte er mich zum 65-jährigen (!) Ehejubiläum seiner Eltern eingeladen. Da ich damals nicht hatte kommen können, sagte ich jetzt gerne zu, umso mehr als Kizito mir schon Fotos von seinem malerischen Heimatort am Nyassa-See gezeigt hatte. Kaum hatte er die Einladung ausgesprochen, kamen ihm anscheinend Bedenken: “Aber du musst wissen, dass wir kein Telefonnetz haben.” Ich sehe kein Problem, denn zwei Tage werde ich wohl ohne Handy und Internet auskommen können. Ein paar Tage später ruft er mich an: “Der Pfarrer wird nicht zuhause sein, und er sagt, dass du deshalb nicht im Pfarrhaus übernachten kannst. Du müsstest also bei uns schlafen.” Offensichtlich ist es ihm peinlich, dass er mir in seinem Elternhaus keinen europäischen Standard bieten kann. Ich frage, ob es ein Moskitonetz gibt – gibt es – und sage, dann hätte ich kein Problem. Ich überlege kurz, ob das Bettzeug wohl sauber sein wird, aber eigentlich zweifle ich nicht daran.
lupingu4Prior Laurenti rät mir, mit unserem Auto nur bis Ludewa zu fahren, der letzten Stadt vor Kizitos Heimatdorf. Dort will Kizito mich abholen. Er verspätet sich ein wenig und schickt seinen Neffen, um mich zu informieren. Der junge Mann meint, ich könne ruhig bis zum Dorf weiterfahren, aber ich warte doch lieber auf Kizito. Als er mich dann in einem der besten Geländewagen (Vierradantrieb, Differentialsperre), den die Abtei Peramiho zu bieten hat, den Berg zum See hinabsteuert, bin ich sehr froh, dass ein erfahrener, ortskundiger Fahrer am Steuer sitzt, denn es handelt sich nicht um eine Straße, sondern um den steilsten Bergpfad, den ich gesehen habe, seit ich vor 28 Jahren die Schnapsidee hatte, den Hirschbichl mit dem Fahrrad zu überqueren.
lupingu3Unten angekommen, setzt er mich in der malerischen Pfarrei ab (auf dem Foto erkennt man Turm und Dach der Kirche), denn inzwischen hat der Pfarrer eingesehen, dass es doch einen schlechten Eindruck machen würde, wenn er mich abweisen würde. Ich darf sogar im alten Zimmer von P.Thaddei schlafen, einem der legendären Benediktiner-Missionare, der ein ganzes Volk zum Christentum bekehrt hat, allerdings ein ziemlich kleines, das Volk der Kisi.
Am nächsten Tag stellt Kizito mich dann seinen Eltern und den Verwandten, die zum Teil extra von Dar es-Salaam angereist sind, vor. Der 90-jährige Vater erzählt, dass er als junger Mann Diener bei P.Thaddei war und mit ihm zu Fuß die fünf Tagesmärsche bis zur Bezirksstadt Njombe zurückgelegt hat. Der 85-jährige P.Thiemo hatte mir vor der Abfahrt in Uwemba noch erzählt: “Du fährst nach Lupingu zum Volk der Kisi ? Da gibt es sogar ein populäres Lied: ‚Ein Kisi geriet in Seenot. Da betete er zum Gott von P.Thaddei, er wurde gerettet und ließ sich taufen.‘ “ Kizito klärt mich auf, dass dieses Lied schon lange nicht mehr “populär” ist – P.Thaddei muss wohl vor meiner Geburt gestorben sein.
lupingu5Der Tag vergeht mit Zeitunglesen (die afrikanischen Männer), Kochen (die Frauen – siehe Foto), Fotografieren (ich) und Schwimmen im See (alle Männer). Beim Mittagessen merke ich dann, dass ich in Afrika angekommen bin: Alle, auch Kizitos Neffe, der in Dar es-Salaam als Arzt arbeitet, essen ihren Ugali (den landestypischen Maisbrei) mit – vorher gewaschenen – Händen. Mein Wunsch nach einem Löffel löst einige Verwunderung aus. Als der nach einiger Zeit eintrifft, frisch gespült und noch voller Wassertropfen, überlege ich mir, dass gekochte Speisen im Gegensatz zu Wasser praktisch immer unbedenklich sind, und entscheide mich doch für die Hände. Das Foto zeigt den Sohn des Verstorbenen vor unserem Esstisch.
lupingu6Die Messe am nächsten Morgen findet unter einem Baum direkt vor dem Elternhaus statt, gleich danach bringt Kizito mich wieder in die Stadt, und ich fahre zurück mit vielen schönen Fotos und Erinnerungen im Gepäck und dem Wunsch, bald wiederzukommen.
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Einerseits – Andererseits

23. August 2014

Ich habe einige E-Mails zu meinem letzten Artikel bekommen. Unter anderem werde ich gefragt, wie typisch diese Erfahrung für das Land sei.

Einerseits gibt es viele ähnliche Erfahrungen. Die Hauptstraße in unserer Gegend wurde in den 1980er Jahren als englisches Entwicklungshilfeprojekt gebaut. In der ganzen Gegend fiel daraufhin der Dieselpreis um die Hälfte, weil nämlich massenweise Diesel von den Straßenbaumaschinen gestohlen wurde. Der alte Missionar, der mir das erzählte, hatte keine Gewissensbisse, auch selbst gestohlenes Diesel zum Billigpreis zu kaufen. Nicht nur Diesel verschwand, auch die Maschinen selbst. Die Engländer haben sie immer wieder ersetzt.

Andererseits: In Peramiho ist Herr Zenda dafür zuständig, das Bargeld von der Bank zu holen. Einmal musste er 70 Millionen auf einmal holen, immerhin 35.000 Euro. Da der größte Geldschein hier 10.000 Schilling ist, waren es tatsächlich 7.000 Geldscheine. Eine Zählmaschine haben wir in Peramiho nicht, Herr Zenda könnte also ohne weiteres von Zeit zu Zeit mal ein paar Scheine entnehmen. Er hätte auch mit dem Geld einfach verschwinden können, immerhin war es mehr Geld, als er in seinem ganzen, 25-jährigen Berufsleben bisher verdient hat. Und das Justizwesen ist so unzuverlässig, dass er wahrscheinlich nie gefunden worden wäre. Aber Herr Zenda ist nicht verschwunden, und die Kasse in Peramiho hat immer gestimmt.

Neulich fragte ich zwei junge Tansanier, beide Lehrer, ob man in einem Land, das so von Korruption geprägt ist wie Tansania, sauber durchs Leben gehen könne und dabei noch das Schulgeld für die Kinder aufbringen könne. Sie schauten einander mit einem Blick an, der auch ohne Worte sagte: „Natürlich, was für eine dumme Frage.“

Mein privater Eindruck ist: Wer durch eigene Leistung etwas erreicht hat, der ist hier in Tansania genauso ehrlich wie ein Deutscher in ähnlicher Position. Wer aber als einfacher Arbeiter sieht, dass sein Boss unendlich viel Geld hat, dass gestohlene Maschinen und Werkzeuge mit Hilfe von ausländischem Geld einfach ersetzt werden, der sagt oft mit Bert Brecht, „Erst kommt das Fressen, dann die Moral.“ Hinzu kommt, dass man sich oft nicht mit dem Betrieb identifiziert, für den man arbeitet. In den „Volkseigenen Betrieben“ der DDR soll es ähnliche Phänomene gegeben haben – deutsche Nationalität schützt also auch nicht gegen Diebstahl.

Die afrikanische Kultur stirbt

9. Juli 2014

amadeus1 Das vergangene Wochenende habe ich in der Abtei Mvimwa beim Silbernen Mönchsjubiläum von Abt Denis verbracht. Eigentlich hatte ich keine Lust, schon wieder unterwegs zu sein, aber Prior Laurenti war der Meinung, Uwemba müsse unbedingt mit einer ansehnlichen Delegation vertreten sein. Die Fahrt nach Mvimwa ist an einem Tag kaum zu schaffen, also übernachteten wir auf halbem Weg in Mbeya. Dort trafen wir drei von Uwemba auf eine noch ansehnlichere Delegation aus der Abtei Hanga, darunter auch Br.Julian, einen deutschen Musiklehrer, der für ein Jahr in Hanga unterrichtet. Julian ist wie ich in der Nähe von Hamburg geboren, was den Vorteil hat, dass man sich mit ihm über die Hamburger S- und U-Bahnlinien unterhalten kann, aber auch über viele andere Dinge, wie z.B. darüber, dass in den afrikanischen Gottesdiensten viel zu selten afrikanische Musik vorkommt, dafür aber viel zu oft „drittklassige europäische Musik.“ Er steigt am nächsten Morgen zusammen mit zwei afrikanischen Brüdern in unser Auto um. Dort löst er dann mit seiner Äußerung, dass seine afrikanischen Schüler gar keine afrikanische Musik mehr kennten, „The African culture is dying“ (Übersetzung siehe Überschrift), eine heftige Diskussion aus.
Unsere Reisegefährten stellen fest, die Missionare hätten sich gar keine Mühe gegeben, die afrikanische Kultur zu verstehen, und hätten einfach ihre westliche Kultur importiert. Aber die afrikanische Kultur sei keineswegs tot, sondern die Afrikaner gingen in den westlich geprägten Gottesdienst und anschließend folgten sie dann ihrer traditionellen Kultur. Leider kenne ich den Sprecher gut genug, um zu wissen, dass er nicht nur die traditionelle Musik meint, sondern auch Magie, genauer Schwarze Magie. Er hat schon mal Zaubermittel in der Küche versteckt, um einem anderen afrikanischen Mönch zu schaden. Welcher Schaden, Krankheit oder sogar Tod, genau beabsichtigt war, weiß ich nicht. Der einzige Schaden, der wirklich eingetreten ist, betraf nämlich die Wurst, die nicht so gelungen war wie sonst. Erst nachdem ein alter Priester seinen Segen gegeben hatte, funktionierte auch die Wurstproduktion wieder. So berichtete es die deutsche Küchenchefin, offensichtlich nicht weniger abergläubisch als ihre afrikanischen Mitarbeiter.
Bei der Festmesse am folgenden Tag zieht mich die Predigt („Klosterleben ist nicht nur Zucker, sondern auch Pfeffer“ – woraufhin mir Br.Damian, mein Nachbar, zuflüstert, „und Bier“) weniger in den Bann als die beiden Mönche vom Stamm der Ngoni, die direkt neben dem englisch gewandeten Chor mit ihren Instrumenten den Gottesdienst begleiten: Pfeife, Vuvuzeela, Fußschellen und einer Fanta-Flasche statt Geige, die Br.Marselino mit einem Schlüssel statt einem Bogen zum Klingen bringt. Die beiden haben dabei einen derartigen Spaß und sind so offensichtlich mit jeder Faser ihrer Seele bei der Sache, dass ich keinen Zweifel daran habe, dass die afrikanische Kultur sehr lebendig ist – und ich bin sehr froh darüber, zumindest was die Musik angeht.
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Vergleiche

26. Juni 2014

stau Habe ich wirklich zwei Monate lang nicht mehr gebloggt ? Das lag zum Teil daran, dass ich sechs Wochen zuhause in Deutschland war. Mit den Gedanken war ich aber mindestens zur Hälfte in Tansania – eine gute Gelegenheit, ein paar Vergleiche anzustellen.
Ein Kaufhaus für Computer und Unterhaltungselektronik in Dortmund, das sich über mehrere Etagen erstreckt: Als ich mit der Rolltreppe (in Tansania kenne ich nur eine einzige Rolltreppe, am Flughafen in Dar es-Salaam) hinunterfahre, fällt mein Blick von oben über die langen Gänge mit Regalen voller Waren. Diese Waren sind im Prinzip auch in Tansania erhältlich, zumindest wenn man sich nicht auf ein bestimmtes Produkt festgelegt hat. Sogar in unserer Bezirksstadt Njombe gibt es verschiedene Computer, Kameras und alle möglichen Handys. Aber diese Menge und Auswahl lässt mich an einen kleinen Händler in Njombe denken, der mit einem Kredit von 2,5 Millionen Schilling (etwas mehr als 1.000 Euro) genügend Waren eingekauft hat, um seinen ganzen Laden zu füllen. Allerdings handelt es sich bei ihm um Mehl, Zucker, Seife, Zigaretten und Erfrischungsgetränke.
In Dutzende Züge, Busse, U- und S-Bahnen bin ich eingestiegen. Zweimal war ich mehr als eine Stunde zu spät, weil ich den Anschluss verpasst hatte. Aber soll ich mich wirklich darüber ärgern, wenn ich daran denke, dass man von Uwemba in das 20 km entfernte Kisilo mit dem Bus spätestens um 13 Uhr abfahren muss, damit man in der Bezirksstadt Njombe um 15:30 noch den letzten Bus nach Kisilo erwischt ? Dass ich Anfang April in Tansania einen ganzen Tag zu spät war, weil wegen der Überschwemmung aller Straßen, die aus Dar es-Salaam herausführen (es gibt nur drei), überhaupt kein Bus fuhr ? Dass ich im Juni um 4:40 in Dar es-Salaam abgefahren bin und erst um 21:15 Uhr in Uwemba angekommen bin, weil die Straße 4 Stunden lang durch LKWs verstopft war, die darauf warteten, an der LKW-Waage bei der Ausfahrt aus Dar es-Salaam gewogen zu werden ? Immerhin hatten wir den Trost, dass unser Stau (siehe Foto) es bis in die Abendnachrichten des Fernsehens schaffte.

Die dunkle Seite des Gesundheitswesens

19. März 2014

schwein Neulich habe ich mit P.Laurenti neun kleine Schweineställe besucht. Es handelt sich um ein Projekt von uns, HIV-positiven Frauen die Möglichkeit zu geben, durch Schweinezucht ihr Einkommen etwas aufzubessern. Die Schweine gehören nicht den einzelnen Frauen, sondern der Selbsthilfegruppe; die Eberferkel werden verkauft, die jungen Säue zur Zucht eingesetzt. Ich habe Laurenti nachher zweimal gefragt, ob die Frauen (einige wenige Männer sind auch darunter) wirklich HIV-positiv sind, so gesund sehen sie aus. Ja, sie sind es, aber die modernen Medikamente können das Virus ziemlich gut im Griff halten, wenn die Kranken sie regelmäßig einnehmen.
Vor einigen Wochen wurde Felicitas, eine der Gründerinnen der Gruppe, schwer krank. Die Nachbarn baten uns um ein Auto, um sie ins nächstgrößere Krankenhaus zu bringen, da man ihr hier in Uwemba nicht mehr helfen konnte. Laurenti wollte ihr die Krankensalbung spenden, aber er erfuhr, dass sie zu den „Erlösten“, einer fundamentalistischen Sekte, übergetreten war. Auch im zweiten Krankenhaus konnte man ihr nicht mehr helfen, so ging die Fahrt weiter zu einem dritten, ungefähr eine Stunde über schlechte Straßen von hier entfernt. Dort nahm sich der Krankenhauspfarrer auf Laurentis Bitte hin ihrer an und erfuhr den Hintergrund der Geschichte: Sie war bei den „Erlösten“ geheilt worden. Und man hatte ihr gesagt, wenn sie wirklich glaube, dass Jesus sie geheilt habe, dürfe sie keine Medikamente mehr nehmen. Die Ärzte konnten ihr nicht mehr helfen. Da sie vor ihrem Tod um Wiederaufnahme in die Katholische Kirche gebeten hatte, wurde sie in Uwemba von Laurenti beerdigt. Der hielt seine Predigt nicht wie sonst in der Kirche, sondern anschließend auf dem Friedhof, wo auch die „Erlösten“ dabei waren. Und er hat diesen Pseudo-Heilern ziemlich deutlich gesagt, dass für Krankheiten die medizinische Wissenschaft zuständig ist.
Die moderne Medizin hat hier außer dem christlich-fundamentalistischen Spektrum noch andere Konkurrenten. Zur Gruppe der HIV-Positiven gehört auch ein 80-jähriger Mann. Das ist nicht unbedingt die Altersgruppe, bei der man eine sexuell übertragbare Krankheit vermuten würde. Der Alte war zu einem traditionellen Heiler gegangen. In all den vielen Jahrhunderten vor der Ankunft wissenschaftlich ausgebildeter Mediziner waren diese Heiler für die Probleme der Menschen zuständig. Mit ihren Ritualen und Kräutern, auch mit Giften, mit weißer und mit schwarzer Magie halfen sie den Menschen, manchmal auch dadurch, dass sie deren Feinde aus dem Weg räumten. Noch heute kann man überall ihre kleinen Werbetäfelchen sehen, „Traditioneller Heiler. Doktor Mgimba hilft bei Liebesproblemen, Krankheiten, Prüfungen, Geldproblemen. Telefon 076543210.“ Oder: „Kräuterkundler. Heilung auf natürliche Weise. Spezialisiert auf Rückenschmerzen und AIDS.“ Der Heiler, zu dem unser Alter gegangen war, ritzte ihm zauberkräftige Muster in die Haut, bis das Blut heraustrat. Dasselbe Messerchen hatte er zuvor auch bei anderen Kunden benutzt und natürlich nicht sterilisiert …
Das Werbeschild von dem Kräuterkundler sah ich übrigens vor einem Jahr in Dar es-Salaam auf der Reise nach Deutschland. Eine Woche später wurden mir beim deutschen Zahnarzt Globuli und Schüssler-Salze gegen Aften empfohlen – das ist nicht ganz so gefährlich wie Kräuter gegen AIDS, aber genauso wirkungslos und vermutlich sogar teurer.