Archive for the ‘Kuba: Die Kirche’ Category

„Doch, ein paar Touristen kommen schon vorbei“

23. Oktober 2011

In meinem Reiseführer steht, „Zwar ist Remedios nicht ganz so malerisch wie Trinidad, dafür gibt es hier fast keine Touristen.“ Grund genug also für Br.Cyrille, die beiden Kandidaten und mich, den vorgestrigen Freitag zu einem Tagesausflug zu nutzen. In Santa Clara, einer Großstadt auf dem Weg, machen wir Halt. Als wir eine Kirche besichtigen, trifft unser Chauffeur den Chauffeur des Bischofs. „Ich schau mal, ob der Bischof Zeit hat,“ sagt der, und kurz darauf trinken wir einen „Cafecito“ mit Bischof Arturo. Das Bistum ist klein, 34 Pfarreien, scheint aber recht lebendig zu sein. Auf dem Land unterhält das Bistum 500 „Missionshäuser“, ist also auch in abgelegenen Ecken präsent. Im Bischofshaus selbst gibt es die größte öffentliche Bibliothek der Provinz, eine wichtige Einrichtung für den Dialog mit den Intellektuellen. Da es vier Bibliothekare gibt, kann der Bischof einen von ihnen bitten, uns die Stadt zu zeigen, den schönen Hauptplatz (mit Musikpavillon), die Kathedrale und den Stolz des Bischofs, das einzige Papstdenkmal Kubas außerhalb der Kirchenmauern, 2008 mühsam der Regierung abgerungen. Unser Führer hat übrigens Kunstgeschichte studiert, anscheinend auch in Kuba kein Beruf, von dem leben kann. Dann gibt es Mittagessen beim Bischof, und ein Pfarrer begleitet uns nach Remedios. Dank dieser Begleitung brauchen wir uns um das Fotografierverbot in der Kirche dort keine Sorgen zu machen, es wäre auch zu schade gewesen, wenn ich diesen wunderschönen vergoldeten Holzaltar aus der Kolonialzeit nicht hätte fotografieren dürfen. Man sagt uns, dass doch von Zeit zu Zeit Touristen vorbeikommen.
Mitten in der folgenden Nacht weckt mich mein Darm. War der Salat beim Bischof vielleicht mit dem falschen Wasser gewaschen worden ? Oder hatte der Ortsname („Remedios“ heißt „Heilmittel“) die falsche Wirkung ? Die anderen haben allerdings dasselbe gegessen wie ich und keinen Durchfall bekommen. Mir geht es inzwischen jedenfalls wieder besser.

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Zu Besuch bei Maria und Obbatalá

27. September 2011

 Der 24.September ist der Festtag von Nuestra Señora de la Merced, einer der vielen Namen, unter denen Maria im spanischen Sprachraum verehrt wird. Die Gläubigen strömen an diesem Tag in Massen zur Kirche der Merced, einer der größten Kirchen in der Altstadt Havannas. Schon einige Straßenecken vorher sperren geparkte Polizeimotorräder die Straßen ab; nur Fußgänger dürfen passieren. Als ich mehr als eine Stunde vor Beginn der Festmesse ankomme, ist die Kirche bereits voll (Foto oben), und eine lange Schlange von Gläubigen zieht sich durch die ganze Kirche bis auf die Straße, um zu der Marienstatue über dem Altar hinaufzusteigen.

Dort oben legen sie dann eine Blume ab oder machen ein Foto. Überall in den benachbarten Straßen kann man articulos religiosos kaufen, „religiöse Artikel“. Von einem Händler lasse ich mir die bunten Gläser erklären, die auf den ersten Blick wie Trinkgläser mit Stiel aussehen, in die aber Wasser eingeschlossen ist. Jede Farbe steht für eine andere Gottheit, die weißen (farblosen) Gläser sind die für Obbatalá, eine ursprünglich in Westafrika beheimatete Naturgottheit.

Eine Händlerin drängt mir hartnäckig eine „Kerze für Obbatalá“ auf (5 Pesos, umgerechnet 15-Euro-Cent), ein anderer Händler will mir die Statue der Merced-Maria oder die der Caridad-Maria für 5 CUC (4 Euro) andrehen. „Die Caridad-Maria ist die Patronin von Kuba“, lautet sein schlagkräftigstes Verkaufsargument, woraufhin ich antworte, „Aber ich bin kein Kubaner.“ Weil ich aber schon zwei Jahre auf Kuba lebe, frage ich mich nicht mehr, was westafrikanische Gottheiten bei einem katholischen Fest zu suchen haben. Die Afrikaner, die bis vor gut 120 Jahren von den Spaniern entführt und hier als Sklaven zum Arbeiten gezwungen wurden, brachten ihre Gottheiten mit. Und weil es ihnen nicht möglich war, sie offen zu verehren, verehrten sie sie unter der Maske der katholischen Heiligenstatuen. So entstand die Santería, die typisch kubanische Mischreligion. Obbatalá, dessen Farbe Weiß ist, wurde mit der ebenfalls immer in Weiß dargestellten Merced-Maria identifiziert. Dass Obbatalá männlich ist, war interessanterweise kein Hindernis für diese Gleichsetzung. Und so feiern am Festtag der Merced einige Obbatalá, einige Maria und einige feiern beide, ohne sich für den Unterschied zu interessieren. Den harten Kern der Santeria-Anhänger erkennt man an der weißen Kleidung, nach meinem Eindruck deutlich mehr als die Hälfte der Besucher der Festmesse.


Br.Cyrille stammt aus Westafrika, und Namen wie Obbatalá sind ihm aus seiner Heimat bekannt. Aber während ich die Santeria mit einem gewissen neutralen Interesse betrachte, ist seine Haltung deutlich ablehnend. „In Togo gibt es so etwas nur noch in entlegenen Gegenden. Aber in der Stadt nicht mehr,“ sagt er. In seiner strengen Art erinnert er mich manchmal an Jean Calvin, den Genfer Reformator aus dem 16.Jahrhundert. Als ich ihm am Abend von meinen Eindrücken beim Merced-Fest berichte, macht er einen Vorschlag, der mich in sprachloses Staunen versetzt: „Man sollte alle Statuen aus den kubanischen Kirchen entfernen.“ Auch Calvin war ja der Meinung, dass Bilder in Kirchen nichts zu suchen haben.

„Havanna ist wie Sevilla“

23. April 2011

P.Abraham, der Spanier, der leider nur für kurze Zeit bei uns war, meinte, Havanna sei wie Sevilla. Ich kenne Sevilla nicht, aber ich weiß, dass in längst vergangenen Jahrhunderten Havanna und Sevilla die Achse des spanischen Kolonialreiches bildeten, es also sehr viel kulturellen Austausch zwischen den beiden Städten gab.
Gestern war ich beim Kreuzweg in der Altstadt (Foto oben). Im letzten Jahr war ich einigermeißen beeindruckt gewesen, aber gestern hatte ich dummerweise gerade vorher auf der Internetseite der Tagesschau die Fotos von den Karprozessionen in Sevilla (Foto unten) gesehen. Da kann Havanna einfach nicht mithalten. Aber es geht ja um den Inhalt, nicht um die Form …

„Gab es Feuer auf dem Altar ?“

9. November 2010


Als Kardinal Ortega am 4.7.2007 sein Fax mit der Bitte um Gründung eines Benediktinerklosters in Havanna nach St.Ottilien schickte, schrieb er, dass er aus Anlass des Papstbesuches 1998 Fidel Castro drei Wünsche vorgetragen habe: Ein Haus für Priester, ein neues Priesterseminar und ein – unser ! – Benediktinerkloster.
Am Donnerstag, 4.11., berichtete die „Granma. Offizielles Organ des Zentralkommitees der Kommunistischen Partei Kubas“ unter der Überschrift „Raúl nimmt an der Einweihung des neuen Standorts des Seminars San Carlos und San Ambrosio teil“ in großer Aufmachung. Der Artikel nahm 2 von 3 Spalten der Titelseite ein. Da wegen der Anwesenheit des Staatspräsidenten natürlich verschärfte Sicherheit galt, war von uns nur Br.Jacques eingeladen. Ich hatte am nächsten Tag das Vergnügen, bei der Einweihung der Kapelle des Seminars dabei zu sein, zwar ohne Staatspräsident, aber mit allem liturgischen Aufwand, siehe Fotos.
Eine Kirchweihe ist ein eindrucksvoller Ritus, und ich hatte vage in Erinnerung, dass ein echtes Feuer auf dem Altar dazugehört. Aber diesmal wurde nur eine Weihrauchschale auf den Altar gestellt. Hatte ich mich mit dem Feuer geirrt ? Immerhin war meine letzte Kirchweihe schon 15 Jahre her. Kaum kam ich nach Hause, fragte Jacques mich, ob sie denn auch Feuer auf dem Altar angezündet hätten. Also hatte ich doch Recht, nur war das Feuer einer Sparmaßnahme zum Opfer gefallen (oder der Kardinal wollte nicht, dass sein schönes neues Seminar, auf das er 12 Jahre gewartet hatte, gleich wieder abbrennt).
Für mein Gespräch mit der Chefin des Büros der Telefongesellschaft (siehe vorigen Artikel) hatte ich mir schon meine Rede zurecht gelegt, „Vorgestern hat der Präsident des Staats- und des Ministerrats, Armeegeneral Raúl Castro Ruz (das ist der offizielle Titel, der im Text der Artikels erscheint, während in der Überschrift ganz formlos nur der Vorname genannt wird), unseren Prior begrüßt, und Sie behandeln mich hier wie einen unerwünschten Störenfried,“ aber das war dann ja doch nicht nötig.

Die Fotos zeigen, von oben nach unten: (1) Das Foto zum Granma-Artikel: Zeremonienmeister, Präsident, Kardinal. (2) Bei der Einweihung der Kapelle: Zeremonienmeister, Nuntius, Kardinal. (3) Der Kardinal salbt den Altar. (4) Feierlicher Auszug.

Gute Nachrichten und schlechte Nachrichten

24. Mai 2010

Gestern berichtete einer der beiden Hauptartikel auf der Titelseite der Parteizeitung Granma von dem Treffen zwischen Jaime Kardinal Ortega und dem Staatspräsidenten Raúl Castro. Als Thema des Treffens wurde die „aktuelle nationale und internationale Lage“ angegeben. Da der entsprechende Platz sehr häufig einem Treffen des Präsidenten mit irgendeiner Persönlichkeit gewidmet ist, wäre das keine Nachricht wert. Heute aber ist die halbe Seite 2 der Pressekonferenz gewidmet, die der Kardinal anschließend gegeben hat. Und da erfährt man dann, dass die Kirche im Falle der Gefangenen (O-Ton Kardinal: „Die von einigen Gefangende aus Gewissensgründen genannt werden, von anderen politische Gefangene, und die offiziell Konterrrevolutionäre heißen“) vermittelt. Das ist eine gute Nachricht, zum einen, weil es die gute „Großwetterlage“ zwischen Kirche und Staat hier zeigt, von der wir im Kleinen profitieren (Im Oktober am Flughafen: „Sie müssen den Bildschirm verzollen.“ – „Den brauche ich für meine persönliche Arbeit.“ – „Was arbeiten Sie denn ? Ach so, für die Kirche. Sie können passieren.“). Zum anderen auch, weil es zeigt, dass sich die Kirche hier nicht nur für die eigenen Leute und Strukturen einsetzt – ein Vorwurf, den man ihr in anderen Ländern und Zeiten ja gemacht hat.
Die schlechte Nachricht des gestrigen Tages war, dass P.Emmanuel aus seinem Heimaturlaub nicht zurückkommt. Ständig hatten uns Kubaner darauf angesprochen, dass er sehr abgenommen hatte, und während des vorigen Sommers hatte er wohl am meisten von uns unter der Hitze gelitten. Als einziger von uns verfügt er über längere Erfahrung in Lateinamerika und die entsprechenden Sprachkenntnisse. Aber das Kloster, in dem er jahrelang gelebt hatte, ist El Rosal bei Bogotá in Kolumbien, und dort auf mehr als 2000 Höhenmetern ist das Klima natürlich ein völlig anderes als hier.
P.S. Ende letzter Woche ist mal wieder das Internet zusammengebrochen, daher ist „gestern“ in diesem Artikel der 20.5.

Karfreitag

3. April 2010


Auf Kuba hat Religion in der Öffentlichkeit nichts zu suchen – dachte ich, bis ich das Plakat mit der Ankündigung des Kreuzwegs durch die Altstadt sah. Das Plakat zeigte zwei offensichtlich lebendige, blutende Menschen vor dem Hintergrund von Häusern der Altstadt, und so machte ich mich gestern Abend in der Hoffnung auf spektakuläre Fotos, wie man sie aus Mexiko oder von den Philippinen kennt, auf den Weg. Blut bekam ich nicht vor die sensationslüsterne Linse, denn Jesus bestand aus Holz und Farbe, nicht aus Fleisch und Blut, siehe oberes Foto. Aber auch so war es eindrucksvoll genug, mit zwei- bis dreitausend Menschen (einschließlich Kardinal) durch die extra von der Polizei abgesperrten Straßen Mercaderes (eine der touristischen Hauptachsen) und Amargura bis zur Christus-Kirche (unteres Foto) zu ziehen.

Guanos

30. März 2010

Freitag Nachmittag, kurz vor 15 Uhr. Ich bin allein im Haus. Es schellt. Zwei Männer und eine Frau von zweifelhaftem Aussehen, einer hat eine Liste in der Hand. Kaum hat er den Mund geöffnet, um zu fragen, „Was ist das hier ?“, als sein Alkoholgeruch mich schon fast umwirft. „Was wollen Sie ?“, frage ich. „Wir bringen die …“, das entscheidende Wort verstehe ich nicht. „Wer sind Sie ?“ – „Wir kommen vom Erzbistum. Was ist das hier, ich meine, welche Pfarrei ?“ Klick, macht es in meinem Kopf. P.Emmanuel hat sich doch letztes Jahr beschwert, dass die Leute vom Erzbistum, die die Palmzweige für den Palmsonntag bei den Pfarreien vorbeibringen, völlig betrunken waren. Und das entscheidende Wort habe ich letztes Jahr gelernt, aber dann ein Jahr lang nicht gebraucht: „guano, Palmzweig“.
Das Foto zeigt den Beginn der Palmsonntagsliturgie am Eingang unserer Kirche. Die Kirche war gestopft voll, so voll wie mindestens seit Weihnachten nicht mehr. Das liegt daran, dass der Palmzweig im kubanischen Aberglauben eine besondere Bedeutung hat, so kamen auch manche nur kurz in die Kirche, um sich den Zweig abzuholen, und gingen dann wieder. Am Nachmittag war ich in der Stadt, dort sah man immer mal wieder jemanden mit einem Palmzweig um den Hals (wie eine Schlinge) oder mit einem aus dem Zweig kunstvoll geflochtenen Kreuz auf der Brust.

„Glückliche Weihnachten !“

22. Dezember 2009

Gestern war ich mal wieder im Hauptpostamt. Dort gibt es keine langen Schlangen vor den Schaltern wie in dem kleinen Postamt in unserer Straße. Ich sah schnell den Schalter mit dem Schild „Briefmarken“. „Bitte Marken für Briefe nach Deutschland. Aber ich brauche 70.“ – „Siebzig ? Gehen Sie bitte zu Schalter 5 um die Ecke,“ sagt die freundliche Schalterbeamtin mit dem Kreuz um den Hals. Schalter 5 ist die Information. Die Beamtin dort geht mit mir zu einem unbesetzten Schalter und überreicht mir dort eine Briefmarke, auf der ich zu meinem Schrecken die Zahl 250 lese. In dem Hotel, wo ich schon einmal eine kleine Menge gekauft habe, kosteten die Marken nur 85 Centavos (70 Euro-Cent; sie zeigen übrigens die Schwebebahnen von Wuppertal und Brisbane). „Aber ich brauche 70.“ – „Siebzig ? Gehören Sie zu einem organismo ?“ – Ich erwarte, dass sie mich zum Postamt für Organisationen schicken wird, das sich vermutlich am anderen Ende der Stadt befindet, und muss daran denken, dass laut dem alten Missionars-Witz im Chinesischen die Wörter für „Postamt“ und „Hölle“ zum Verwechseln ähnlich sind.
„Ja, wir gehören zur Kirche.“ Sie geht mit mir zu dem Schalter, wo ich zuerst war, dort überreicht sie mir dann gemeinsam mit ihrer Kollegin 70 Marken zu je 75 Centavos. Die Zahl 250, die mich zuerst erschreckt hatte, bezieht sich zum Glück auf das Jubiläum „2006 – 250 Jahre kubanische Post“, an das die Marke erinnert. Ich schiebe also 50 CUC durch das Fensterchen und suche in meinem Portemonnaie nach dem Rest, da fragt sie, „Haben Sie denn kein kubanisches Geld ?“ Ach so, die Marken werden in nationaler Währung bezahlt, ich kann die 70 Briefe also für weniger als zwei Euro abschicken (zur Erinnerung: auf Kuba gibt es zwei Währungen, für einen Euro bekommt man ungefähr 30 nationale Pesos oder etwas mehr als einen CUC.) Angesichts dieses Preises nehme ich mir vor, dieses Postamt nie wieder mit der Hölle zu vergleichen.
„Feliz Navidad !“ (Übersetzung siehe Überschrift), wünscht sie mir noch, und mir fällt auf, dass ich diesen Wunsch auf Kuba zum ersten Mal höre. Der Weihnachtsbaum auf dem Foto ist auch der absolut einzige weihnachtliche oder adventliche Schmuck, den ich hier im staatlichen Bereich (Straßen, Geschäfte, Schulen, Gesundheitswesen usw.) gesehen habe; schließlich sind Kirche und Staat auf Kuba strengstens getrennt.

„Mariano hätte ihn getauft“

28. August 2009

Am letzten Wochenende trafen eine Menge Informationen über die Santeria rein zufällig zusammen. Unser derzeitiger Lehrer für kubanische Geschichte führte uns am Donnerstag in die Denkwelt dieser Religion ein, am Freitag war dann der Besuch bei der Virgen de la Caridad bzw. bei Ochún (voriger Artikel), am Samstag war der Pfarrer der Nachbarkirche, Padre Juan, zu Besuch bei uns. Er erzählte von einem jungen Erwachsenen, der getauft werden wollte. Padre Juan sagte ihm, dass er ihm erst Taufunterricht erteilen werde. Daraufhin sagte der Taufbewerber: „Ich gehöre nicht zu Ihrer Religion.“ Nein, der Mann wollte in die Santeria aufgenommen werden. Und zu den Voraussetzungen dafür gehört auch die katholische Taufe.

Die meisten Kubaner werden als Kleinkinder getauft, so dass das Problem dieses Mannes eher selten vorkommt. Padre Juan hat die Taufe verweigert, meinte aber, „Padre Mariano hätte ihn getauft.“ Auch unser Geschichts-Lehrer hatte diesen katholischen Spezialisten für die Santeria erwähnt. Er war Pfarrer der Regla-Kirche gewesen, einer großen Wallfahrtskirche der Santeria. Die beiden Pfarrer, Juan und Mariano, hatten oft über solche Probleme diskutiert. Kann man jemanden taufen, der ausdrücklich erklärt, dass er kein Christ ist ? Padre Mariano hatte gesagt, „Wenn ich ihn nicht taufe, dann kann er auf seinem Weg nicht weitergehen.“
Padre Mariano ist vor einem guten Monat einem Raubmord zum Opfer gefallen. Die Täter sind inzwischen gefasst, sie hatten nichts mit der Santeria zu tun, sondern waren nur geldgierig.

Das mit den Religionen auf Kuba ist etwas verwirrend, deshalb hier eine kurze Übersicht: Die größte Religion scheint die Santeria zu sein. Die hat ihren Ursprung in Afrika und versteht sich nicht als christlich. Dennoch spielen katholische Kirchen, katholische Heiligenbilder, katholische Messe, Taufe und der Segen von katholischen Priestern eine große Rolle in dieser Religion. Die Kirchengebäude auf Kuba gehören praktisch alle zur katholischen Kirche, denn unter der spanischen Herrschaft (bis 1898) waren alle anderen Religionen verboten, die wenigen evangelischen Kirchen sind alle jüngeren Datums. Neuerdings gibt es amerikanisch-fundamentalistische Sekten, die stark wachsen. Es gibt eine jüdische Gemeide, wenige Muslime und natürlich viele Menschen, die keiner Religion angehören.

Und hier noch das Foto …

28. August 2009

… zum letzten Artikel. Die Frau links vor dem Altar gibt sich durch ihre weiße Kleidung eindeutig als jemand zu erkennen, der gerade in die Santeria-Religion eingeführt wird.