Archive for the ‘Kuba: Das Kloster’ Category

Neues vom besten Koch Kubas

19. Dezember 2011

Vor anderthalb Jahren hatte ich geschrieben, dass Abel, „der beste Koch Kubas“, von uns zum Nuntius gewechselt ist. Wir haben uns aber nicht aus den Augen verloen, und ein paar Tage vor meiner Abreise haben er und seine Frau mich zu einem Abschiedsessen bei sich zuhause eingeladen. Abel brachte das Gespräch auf den bevorstehenden Papstbesuch, der gerade vorher auf der Titelseite der Zeitung angekündigt worden war. Ich reagierte so, wie er es beabsichtigt hatte: „Sag mal, der Papst wohnt dann doch in der Nuntiatur ?“ – „Ja.“ – „Dann wirst du also für den Papst kochen ?“ Ganz bescheiden schränkt er ein, dass er nur Teil des Teams sein wird, das für den Papst kocht, weil der auch eigene Köche aus Italien mitbringen wird. Offensichtlich ist er ziemlich stolz, und das gönne ich ihm von ganzem Herzen. Das Essen bei den beiden war natürlich gut, aber das beste Essen, das ich je auf Kuba gegessen habe, war das Abschiedsessen, das die beiden ein paar Tage später dann bei uns gekocht haben.

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Traurig

30. April 2011

Vorgestern haben wir Br.Martin zum Flughafen gebracht, über Nacht flog er nach Paris und von dort am Freitag weiter nach Lomé, der Hauptstadt Togos. Heute müsste er im Bus nach Agbang sitzen und kommt dort hoffentlich am frühen Abend an. Mitte Januar hatte er unserer Gemeinschaft mitgeteilt, dass er in sein togolesisches Heimatkloster zurückkehren möchte. Sehr schade, denn ich habe mich gut mit ihm verstanden, und als ich zum Jahresbeginn schrieb, dass wir nach einigen Konflikten gut zusammengefunden hatten, habe ich vor allem an ihn gedacht.
Das Foto zeigt ihn ein paar Tage vor seiner Abreise, als er stolz den Fang präsentiert, den er einem Angler abgekauft hat.
P.Vianney hatte uns im November aus dem Urlaub in seiner philippinischen Heimat geschrieben, dass er nicht zurückkommen würde. Ende Januar kam er dann doch noch, aber schon nächsten Samstag wird er uns endgültig verlassen. Damit sind wir zu dritt: Br.Jacques, Br.Cyrille und ich.
Nachtrag: Gerade erhalte ich die Mail von Martin, dass er gut in Agbang angekommen ist.

Nach vielen, vielen Jahren …

20. Februar 2011

Vor vielen, vielen Jahren war die Waschmaschine meiner Mutter ein ziemlich geheimnisvoller Apparat für mich: Es gab diverse Fächer, in die man verschiedene Mengen verschiedener Waschmittel schütten musste, einen Programmwahlschalter und dann noch einen Schalter, an dem man 95° einstellen musste, obwohl man doch schon auf dem Programmwahlschalter „Kochwäsche“ gewählt hatte. Das Ding war intelligent, aber wenn man Fehler machte, korrigierte es einen nicht. Und wenn man ganz viel falsch machte, stand nachher das Badezimmer unter Wasser.
Wir haben von unseren Vorbewohnern hier eine Waschmaschine übernommen, die neulich mal wieder kaputt war. Der „Mecánico“ kam, baute in unserer Garage daran herum und schloss sie dann an die Steckdose an. Der Motor der Pumpe verträgt leider nur 110 Volt. Auf Kuba gibt es Steckdosen mit 110 V und solche mit 220 V. Die mit 220 V sind beschriftet oder haben eine besondere Form, ausgenommen die Steckdose in der Garage. Und schon war der Motor durchgebrannt. Als ich den Architekten, der uns vor einem Jahr die Garage gebaut hatte, darauf ansprach, meinte er, „Mein Vorarbeiter hat mir geschworen, dass er die Steckdose gekennzeichnet hat.“
Br.Cyrille fand mit viel Mühe ein Ersatzteil, aber das hielt nicht lange. Noch einmal ein Ersatzteil für 70 CUC oder eine neue Maschine für 230 CUC (knapp 200 Euro) kaufen ? Wir entschieden uns für den Neukauf. Angesichts der geringen Auswahl waren weitere schwere Entscheidungen nicht mehr zu treffen. Heute Morgen haben wir uns dann mit der Bedienungsanleitung beschäftigt. Die Maschine verfügt über keinerlei Automatik. Also: „Legen Sie die Wäsche in die linke Trommel. Schütten Sie eine passende Menge Waschpulver und Wasser auf die Wäsche. Wenn Sie dann die Zeitschaltuhr betätigen, rührt die Maschine Wäsche, Wasser und Pulver durcheinander. Öffnen Sie das Ausflussventil. Legen Sie die Wäsche in die rechte Trommel (Zentrifuge). Betätigen Sie die Zeitschaltuhr und halten Sie Ihre Hand nicht in die Zentrifuge. Zum Klarspülen legen Sie die Wäsche wieder in die linke Trommel und wiederholen den kompletten Vorgang ohne Waschmittel.“ Meine Brüder aus Togo haben genauso laut gelacht wie ich, denn so etwas kannten wir alle noch nicht. Aber die Maschine ist so schön einfach, dass ich heute endlich nach all den Jahren sagen kann: Ich habe die Geheimnisse der Waschmaschine verstanden.

Die Sprache der Medizin ist international

8. Februar 2011

Gestern ist Br.Ansgar aus St.Ottilien zu uns gekommen. Eine gute Woche zuvor hatte mir ein kubanischer Freund von seinem Schilddrüsenproblem erzählt. Er nimmt ein bestimmtes Medikament, aber vor zwei Wochen war sein Vorrat aufgebraucht, und im Moment ist auf Kuba kein Nachschub zu bekommen. Kältegefühl, Erschöpfung schon am frühen Nachmittag und gesteigerte Nervosität sind die Folgen. „Hoffentlich gibt es deine Tabletten bald wieder,“ stöhnt der Sohn. Schön, dass man manchmal so einfach helfen kann: Br.Ansgar war lange Jahre Chefarzt in Peramiho. Jetzt ist er zwar für die Verwaltung der internationalen Arbeit unserer Kongregation zuständig, aber ganz verlernt hat er seinen ursprünglichen Beruf noch nicht. Die Sprache der Medizin ist international: Auf dem Laborbericht unseres Freundes steht „TSH 0.7“, das maile ich zusammen mit dem Namen des Medikaments nach St.Ottilien, und heute kann ich die von Br.Ansgar mitgebrachten Tabletten übergeben. Oft kommt es vor, dass die Ärzte hier zwar das richtige Medikament verschreiben, dieses dann aber einfach nicht erhältlich ist. Daher haben einige Pfarreien einen richtigen medizinischen Dienst eingerichtet. Dort gibt ein Pharmazeut Medikamentenspenden, die aus dem Ausland eingegangen sind, an die Patienten aus. Auch bei uns rufen oft Leute an, um nach Medikamenten zu fragen. Aber ohne einen Spezialisten wäre es natürlich unverantwortlich von uns, wollten wir Medizin ausgeben.

Abschiede

19. Januar 2011

Gestern Abend haben wir P.Abraham zum Flughafen gebracht. Nur wenig mehr als drei Monate, seit Oktober, war er bei uns, jetzt ruft Erzabt Jeremias ihn in sein Heimatkloster St.Ottilien zurück. Diese Entscheidung war ein Ergebnis des Besuchs des Erzabtes zur Jahreswende. Also Abraham, wenn Du das liest: War schön, dass Du da warst, und jetzt vermisse ich Dich.
Das Foto zeigt links Jacques, rechts Abraham, vorne Martin und noch vier Mitglieder unserer Gemeinde, die extra zum Abschied zum Flughafen gekommen waren.
Auch ich verabschiede mich, allerdings nur für eine Woche und nur mit dem Bus: Camagüey, eine der ältesten Städte des Landes, ist das Ziel meines Urlaubs. Morgen bin ich dann weg.

Grundstück – mal wieder

19. Januar 2011

Valle de Perú heißt der große staatliche Landwirtschaftsbetrieb, den wir schon im September besucht hatten. Damals war der Grundton zwar freundlich, aber nicht hilfsbereit: „Nein, wir haben kein Land, das für Sie in Frage kommen könnte,“ war die wesentliche Aussage. Inzwischen ist Bewegung in die Angelegenheit gekommen: Br.Jacques hat anlässlich der Einweihung des Priesterseminars im November persönlich mit dem Staatspräsidenten gesprochen, und der hat uns seine Unterstützung zugesagt. Am Montag waren wir wieder bei Valle de Perú. Kardinal Ortega persönlich begleitete uns, und auch ein Vertreter des Landwirtschaftsministeriums war dabei. Taktisch geschickt erwähnte der Kardinal seine Unterredung mit Fidel Castro (im oberen Foto links oben zu sehen) 1998, als er um die Erlaubnis für die Gründung eines – unseres – Benediktinerklosters bat. Er gab auch die Anekdote zum Besten, dass er auf Castros Frage, was die Benediktiner denn täten, geantwortet habe: „Sie machen zum Beispiel Käse.“
Der Direktor persönlich führte uns zu zwei verschiedenen Grundstücken, die er uns als Bauland für unser Kloster überlassen könne, und zeigte sich aus sonst von seiner allerhilfsbereitesten Seite: „Natürlich können wir die Abgrenzungen Ihren Wünschen anpassen, wenn Sie wünschen, dass auch das kleine Flüsschen auf Ihrem Grund liegt.“ Mit dem zweiten der vorgeführten Grundstücke scheinen wir tatsächlich etwas Geeignetes gefunden zu haben: Wasser ist vorhanden, das Land ist von der Straße aus zu erreichen, das Handy funktioniert, und sogar Anschluss an das Stromnetz ist möglich.

Das obere Foto zeigt von links nach rechts Fidel Castro, einen Mitarbeiter des Landwirtschaftsministeriums, Raulito (Fahrer und „Geheimwaffe“ des Kardinals), Kardinal Ortega, Br.Jacques, Br.Cyrille.

„Auf Deutsch“

15. Dezember 2010

Samstag ist Br.Jacques zum Priester geweiht worden (Foto). Deshalb haben wir im Moment wieder Gäste aus aller Welt, die etwas Abwechslung in unseren sonst langweiligen (siehe vorigen Artikel) Alltag bringen. Und das zwingt mich, den vorigen Artikel zu korrigieren. Als ich P.Bernard, den neuen Prior von Jacques‘ Heimatkloster Agbang in Togo (dieses Blog berichtete „live“ von der Wahl) und P.Christian die Stadt gezeigt habe, fragte ich, in welcher Sprache wir uns denn verständigen sollten. Christian stammt vom Kilimandscharo (Tansania) und arbeitet als Sekretär der Kongregationsleitung in St.Ottilien (Oberbayern, Deutschland). Er spricht kein Französisch, Bernard dagegen hat mit Englisch mindestens so viel Probleme wie ich mit Französisch. Daher sagt er klar und bestimmt: „Auf Deutsch.“ Auch mit P.Abraham, dem Spanier in unserer Gemeinschaft, unterhalten Bernard und Christian sich auf Deutsch. Also: Wer Deutsch und Spanisch kann, hat bei uns im Haus keine Verständigungsprobleme, abgesehen von temporären Aussetzern, wie z.B. gestern, als ich Bernard gefragt habe, „Ton vol, c’est le lundi ?“, und mich dann zur Köchin umgedreht habe: „Er fliegt am Montag zurück.“ Erst an ihrem verwunderten Blick habe ich gemerkt, dass ich wohl doch lieber Spanisch mit ihr sprechen sollte.

Deutschstunde

11. Dezember 2010

Wir warten immer noch auf ein Grundstück. Aus lauter Langeweile habe ich angefangen, Deutschunterricht zu geben. Ich hatte mich vorher etwas umgehört, an welchem Unterricht wohl Interesse bestünde – zu meiner Überraschung schlugen mehrere Kubaner vor, Deutsch anzubieten. Jetzt habe ich seit zwei Wochen montags morgens acht erwachsene Schüler und eine zweite Gruppe donnerstags nachmittags mit noch einmal sieben. Wir hatten es nach unserer Sonntagsmesse angekündigt und eine Bekannte hatte einen Aushang in einer Einrichtung der katholischen Erwachsenenbildung gemacht, und schon waren die Interessenten da. Nur bei einer einzigen Teilnehmerin, einer über sechzigjährigen Dame, ist mir klar, warum sie Deutsch lernen will – ihre drei Kinder leben in Deutschland. Die anderen sind mit Interesse dabei, ich will ihnen nicht sagen, dass man Deutsch eigentlich nicht braucht, weil die Deutschen mit Ausländern sowieso lieber Englisch sprechen.
Zu dem Beispielsatz, „Ich kann Ihnen auch den Kuchen empfehlen“, habe ich den Schülern erklärt, dass die Verkäufer in Deutschland den Kunden immer Sachen aufdrängen wollen, die diese gar nicht haben wollen, während in Kuba die Verkäufer eigentlich gar nichts verkaufen wollen. Man stimmt mir sofort zu: „Für die Verkäufer ist es schon eine Belästigung, wenn man nur eine einzige Frage stellt.“

Déjà-vu

30. November 2010

Manche Dinge kann man nur mit Humor ertragen, siehe vorigen Artikel. Heute beim Frühstück fragte Jacques mich, ob ich dem Fahrer schon Bescheid gesagt hätte. „Ja, er kommt morgen um Fünf.“, sage ich. Er: „Wenn.“ Mehr braucht es nicht, denn wir haben in den letzten zwei Wochen oft genug über das Thema gesprochen. P.Vianney ist im September in den Heimaturlaub auf die Philippinen geflogen, Br.Martin und Br.Cyrille im Oktober nach Togo. Von den Philippinen kamen zuerst Nachrichten, dass der Gesundheitszustand von P.Vianney sich nicht gebessert habe. Am 19.11. erlebten wir dann ein Déjà-vu: Per E-Mail erhielten wir die Nachricht, dass er nicht zu uns zurückkehren wird. Ganz ähnlich war es mit P.Emmanuel gewesen, der im Mai nicht von seinem Heimaturlaub in Deutschland zurückgekehrt war. Im Mai hatten wir noch kein Internet im Haus, deshalb erhielten wir seine Absage erst an dem Tag, für den wir seine Rückkehr erwartet hatten. Bei P.Vianney gab es keine Kommunikationsprobleme, so kam die Nachricht immerhin vier Tage vor seiner erwarteten Rückkehr.
„Ich halte den Rekord. Ich bin schon zweimal aus Deutschland nach Kuba zurückgekehrt, und du nur einmal aus Togo,“ sage ich zu Jacques. „Das zweite Mal gilt nicht, da warst du nicht in Deutschland, sondern in Togo,“ gibt er den Scherz zurück.
Morgen um Fünf fahren wir zum Flughafen, um unsere Brüder Martin und Cyrille abzuholen. Zumindest gehen wir davon aus. Auch Jacques geht davon aus, trotz seines skeptischen „Wenn“.

An Englishman in New York

22. Oktober 2010

P.Abraham ist, wie schon gesagt, Spanier. Daher hat er überhaupt keine Probleme mit der Sprache, sondern konnte schon vom ersten Tag an mit jedermann ein Schwätzchen halten. Manche Dinge, die ich erst nach einem Jahr herausgefunden habe, wusste er nach einer Woche. Da macht es natürlich Spaß, herauszufinden, wo seine Grenzen liegen: „Kennst du schon das Wort vianda ?“, frage ich. „Alles, was auf den Tisch kommt,“ definiert er. „Hier auf Kuba sind es aber nur die Kartoffel und ihre Verwandten, also Boniato, Malanga und so weiter,“ sage ich mit der Überlegenheit des Landeskenners. „Was ist Malanga ?“, fragt er, denn dieses Gemüse, das man vielleicht als Mischung aus Kartoffel und Mohrrübe mit Haaren beschreiben könnte, kennt er auch noch nicht.
Als ich einen Bekannten auf der Straße treffe, erzähle ich ihm von Abraham: „Er sagt vosotros statt ustedes.“ Das ist der größte sprachliche Unterschied zwischen Spanien und Lateinamerika: In Spanien existiert die 2.Person Plural (ihr – vosotros) samt den zugehörigen Verbformen (ihr liebt – vosotros amáis). Hier in Lateinamerika hat man aber die 2.Person Plural komplett abgeschafft und benutzt „ustedes“ mit den Verbformen der 3.Person Plural (ihr liebt = ustedes aman). Mein Bekannter meint: „In einigen abgelegenen Gebieten Kubas, in der ländlichen Umgebung von Camaguey, sprechen die Leute heute noch so. Aber man muss die Sprache doch modernisieren !“
Ich gehe mit Abraham auf den Markt. Der Händler sagt: „Sie sprechen aber gut Spanisch !“ Als wir zurückkommen, sieht uns jemand durch die halboffene Tür aus unserem Pfarrsaal und ruft Abraham zu: „Willkommen auf Kuba !“ Auf Englisch natürlich, denn alle Ausländer sprechen Englisch, wie jeder kluge Kubaner weiß.
Wahrscheinlich fühlt sich Abraham ähnlich wie der „Engländer in New York“ aus dem Lied.