Es bleibt spannend

Sonntag wurde gewählt. In der Abtei Ndanda im Südosten Tansanias, wo ich im Moment zu Besuch bin, fiel die Nachmittagsandacht aus, „damit die Leute wählen können, und aus Gründen der Sicherheit.“ Die Bischöfe hatten schon lange vor der Wahl die Leute immer wieder aufgerufen, friedlich zu bleiben.
Bisher aber verläuft alles sehr friedlich, seit Montag morgen verliest eine monotone Stimme im Fernsehen praktisch ununterbrochen die Ergebnisse der einzelnen Wahlkreise: „Wahlkreis soundso, Bezirk soundso, 8945 abgegebene Stimmen, davon 34 ungültig“, und so weiter. Von den 8 Kandidaten für das Präsidentenamt erhalten 6 regelmäßig nur ein Prozent oder noch weniger. Aber die anderen beiden machen die Sache spannend. Ich traue meinen Augen und Ohren nicht: Als ich in den Fernsehraum komme, heißt es gerade, Lowassa 83 %. Dann, im nächsten Wahlkreis: Lowassa 92 %. Lowassa ist der Kandidat der Opposition. Das Rätsel löst sich schnell: Die Ergebnisse stammen aus kleinen Wahlkreisen im Norden der Insel Pemba, wo die Opposition immer schon stark war. Die Ergebnisse aus den größeren Wahlkreisen vom Festland korrigieren das schnell: Magufuli 60 %, Magufuli 70 %. Im Norden des Landes, dem es wirtschaftlich gut geht, aber sieht es wieder anders aus: Lowassa 65 %. Hochrechnungen gibt es nicht, bis Donnerstag soll alles ausgezählt sein. Die jungen Leute, auch die jungen Brüder im Kloster, zeigen deutlich ihre Sympathie für die Opposition, die älteren neigen der Regierungspartei zu.
Hier in Ndanda liegt Magufuli vorne, aber in das Parlament wird Ndanda einen Mann von der Opposition schicken – die Wähler und Wählerinnen machen also durchaus Gebrauch von der Möglichkeit, bei der Präsidentenwahl so zu stimmen, und bei der Parlamentswahl anders. Sieben Minister haben bereits ihre Parlamentssitze verloren.
Ich finde es faszinierend, mit wie viel Interesse die Leute dabei sind, wie sie alle stolz die blaue Tinte an ihren kleinen Fingern zeigen (eine Markierung, die verhindern soll, dass jemand mehrfach wählt), und wie eine Stimmung in der Luft liegt, die deutlich sagt, „Bisher haben wir uns alles von der Regierungspartei gefallen lassen. Aber jetzt nehmen wir die Sache selbst in die Hand.“

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