Morgen wird gewählt

wahlkampf Jetzt muss ich meinen Reisebericht aus Mosambik mal eben unterbrechen, um noch rechtzeitig das Thema aufzugreifen, von dem hier wirklich alle sprechen: Die Wahlen am morgigen Sonntag. Seit der Unabhängigkeit vor über 50 Jahren wird Tansania von ein und derselben Partei regiert, der CCM. Es gab vier Präsidenten, der erste hat als Diktator geherrscht, dann aber seine Macht freiwillig abgegeben, die drei folgenden haben jeweils die zwei Wahlperioden, die die Verfassung vorsieht, im Amt verbracht, und sind dann abgetreten, ohne den Versuch zu machen, mit irgendwelchen Tricks noch länger im Amt zu bleiben. Auch ist es der CCM gelungen, beide große Religionsgruppen im Land an der Macht zu beteiligen – die Präsidenten waren immer abwechselnd Christen und Muslime. Das ist für afrikanische Verhältnisse eine beinahe unglaubliche Leistung.
Im Juni hat die CCM ihren Kandidaten benannt. Wochen vorher wurden die Anwärter in den Zeitungen vorgestellt, alle Wetten lauteten auf Edward Lowassa, einen früheren Ministerpräsidenten. Doch am Schluss nominierte die CCM den deutlich unbekannteren John Magufuli.
Drei Wochen später führte ich folgendes Gespräch mit einem der Angestellten in Peramiho: „Heute Nachmittag habe ich Herrn Zenda gesucht, aber er war nicht in seinem Büro.“ – „Nein, er war im Fernsehraum der Mönche.“ – „Was hat er im Fernsehraum der Mönche zu suchen ?“ – „Er hat sich angesehen, wie die Opposition Mgombea aufgestellt hat.“ Ich verstehe Mgombea als Namen und frage nach: „Aha, und wer ist dieser Mgombea ?“ – „Edward Lowassa.“ Wieder etwas gelernt: Mgombea ist kein Name, sondern heißt „der Kandidat“. – „Wie bitte, Lowassa war doch eben noch bei der CCM !“ – „Ja,“ klärt er mich auf, „er hat aus Wut die Partei gewechselt. Und er bringt viele Anhänger mit zur Opposition.“
Jetzt gibt es zum ersten Mal eine ernstzunehmende Alternative, zumal alle wichtigen Oppositionsparteien hinter Lowassa stehen. Auf den Straßen sieht man überall Fahnen der CCM (grün-gelb, auf dem Foto ziemlich in der Mitte, links daneben die Kandidatin für die Vizepräsidentschaft und noch weiter links Magufuli) und der Chadema (weiß – blass-rot – blass-blau mit einer Hand, die das Victory-Zeichen zeigt, auf dem Foto oben sind mehrere davon zu sehen). Einige sagen, „Ich mag die CCM nicht, aber Magufuli ist ein Arbeitstier, der wird mit der Korruption in der CCM schon aufräumen, deshalb wähle ich ihn.“ Als ich am Montag jemanden am Busbahnhof (wo das Foto entstanden ist) abholte, kamen gleich einige Motarradtaxifahrer auf mich zu, um mich als Kunden zu gewinnen. Nachdem das gescheitert war, erzählten sie mir dann, dass sie alle Lowassa unterstützen, denn die CCM habe keinen Fortschritt gebracht, keine Häuser. „Wir wollen den Wechsel (Mabadiliko)“
Ich finde es lustig, dass ein früherer Ministerpräsident jetzt den „Wechsel“ bringen will – das hätte er früher machen können. Er wird allerdings von seinem Konkurrenten von der Dauer-Regierungspartei übertroffen, der allen Ernstes mit „Mabadiliko ya kweli“ – „Echter Wechsel“ wirbt. Das Wort ist übrigens eine Übersetzung von Obamas Erfolgsslogan „Change“.
Morgen wird es spannend, vor allem, ob der Verlierer – wahrscheinlich wird er Lowassa heißen – seine Niederlage akzeptiert. Immerhin – religiöse Spannungen, die andere Staaten in Afrika und im Nahen Osten belasten, sind nicht zu befürchten. Die CUF, die Kontakte zu radikalen Muslimen hat, hat sich mit der christlich dominierten Chadema auf den Lutheraner Lowassa geeinigt, dem gemäßigten Nationalen Islam-Rat wird seit langem eine Nähe zur CCM mit ihrem Kandidaten Magufuli, einem Katholiken, nachgesagt.

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