Wo Grenzen noch Grenzen sind

grenzfluss Die Abtei Ndanda liegt im Süden von Tansania, nahe der Grenze zu Mosambik. Sie hat voriges Jahr ein neues Projekt in Mosambik gestartet. Irgendein Besserwisser hat mir mal gesagt, Ndanda hätte sich vor einer echten Herausforderung gedrückt, denn das neue Projekt sei gleich hinter der Grenze, bei denselben Stämmen, die auch in der Umgebung von Ndanda leben. Dann wird es wohl ganz leicht sein, dort hinzukommen.
Der Weg von Dar es-Salaam nach Mtwara, der letzten Großstadt auf tansanischer Seite, ist tatsächlich problemlos mit dem Linienbus zu bewältigen. In Mtwara nimmt mich P.Tuzinde sehr freundlich auf, informiert die Brüder in Mosambik, was wegen der unterschiedlichen Telefonnetze nicht so einfach ist, und stellt mir am nächsten Morgen sein Auto zur Verfügung. Fahrer Ben bringt mich die 50 km bis zur Grenze. Der tansanische Grenzposten befindet einen guten Kilometer davor, ein paar Fragen nach Dingen, die ich schon deutlich lesbar ins Ausreiseformular geschrieben habe (Beruf, Reiseziel), ein Stempel, das war’s.
kivuko Die Grenze wird vom Fluss Ruvuma (oberes Foto) gebildet, der hier in den Indischen Ozean mündet. Die Autofähre (zweites Foto) kann nur bei Flut fahren, also erst am Nachmittag. Daher heißt es umsteigen vom bequemen Auto in ein kleines Boot mit Außenbordmotor. Die anderen vier oder fünf Passagiere sind schon an Bord, los geht’s. Zu meiner Überraschung geht es aber nur über einen schmalen Flussarm, dann kommen wir an einer großen Sandfläche an, und wir müssen erst einmal ein Stück über den Sand laufen. Ein Teil des Trupps geht nach rechts, der andere Teil nach links. Ich folge den Leuten, die nach links gehen, weil uns gesagt wurde, dass dort das nächste Boot liegt. Warum die anderen nach rechts gegangen sind, wird mir erst klar, als ich den Priel (für Nicht-Norddeutsche: Wasserlauf) sehe, der auf unserem Weg liegt. Knietief, aber machbar. Meine letzte Wattwanderung war vor 30 Jahren. Damals ging es von Amrum nach Föhr. Bald kommen wir an den Hauptarm des Flusses, wo das nächste Boot schon bereit liegt, fehlt nur noch der Motor, der dann schließlich per Träger (unteres Foto) ankommt.
Am anderen Ufer geht es dann mit dem Taxi zum Grenzposten. Im Gebäude selbst geht es schnell: Reisepass vorzeigen, Stempel rein, fertig. Dann will aber auch der Grenzwächter, der gemütlich auf der Bank vor dem Gebäude sitzt, meinen Pass nochmal kontrollieren. Diesmal dauert es etwas länger, aber irgendwann hat auch er meinen ganzen Pass durchgelesen. Jetzt hatte ich eigentlich gehofft, dass P.Valentino mich abholt, aber weit und breit ist niemand zu sehen. Ich setze mich also vor dem Grenzposten in den Schatten, da kommt noch ein Grenzwächter zu mir: „Sorry, mein Boss sagt, Sie hätten Ihren Pass noch nicht vorgezeigt.“ Also die dritte Passkontrolle und die hochintelligente Frage, ob ich aus Tansania komme. Ich widerstehe der Versuchung, „Nein, aus Indien“, zu antworten, und bin positiv überrascht, als er um Entschuldigung für die „Unannehmlichkeit“ bittet. Mein Telefon zeigt mit tansanischer SIM-Karte „Roaming“ und „Sehr schwaches Signal“ an, also lege ich die mosambikanische SIM-Karte ein, die man mir in Ndanda mitgegeben hat. Aber auch mit dieser Karte ist das Signal sehr schwach, und in keinem der beiden Läden gibt es Handy-Guthaben zu kaufen. Jetzt fange ich langsam an, mich nach Tansania zurückzuwünschen. Irgendwann kommt dann aber doch eine SMS von Valentino: „Wir sind unterwegs.“ Auch für die Information mit meiner genauen Ankunftszeit war es anscheinend schwierig, die Grenze zu überwinden.
Allen Leuten in Europa, die von Grenzen mit viel Kontrollen und wenig Verkehr träumen, wünsche ich die Erfahrung, mal von Tansania nach Mosambik zu reisen. Den Leuten von Pegida wünsche ich, dass sie danach gleich in Mosambik bleiben müssen.
aussenborder

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