Ist das Ende der Welt hier oder bei Reinhard ?

endo2Am Montag (31.März) bringt P.Gabriel mich nach Eldoret, von wo ich ohne Probleme mit dem Bus nach Nairobi kommen werde. Eldoret ist eine moderne Großstadt, in der alles zu funktionieren scheint; innerhalb von nur einer halben Stunde lasse ich mir von einem Schuhputzer meine gerissene Sandale flicken (für 20 Schilling, weniger als 20 Euro-Cent), wechsle auf der Bank Geld und lade mein Handy-Guthaben auf. Statt aber gleich nach Nairobi zu fahren, entscheide ich mich für einen Abstecher ins Kerio-Tal nach Endo, dessen Kirche als das Meisterwerk des verstorbenen Br.Laurentius Kubetzko aus Meschede gilt. Ich übernachte bei den Benediktinerinnen, und am nächsten Tag nimmt Sr.Jacinta mich mit nach Chesongoch, das nur wenige Kilometer von Endo entfernt liegt. Als wir abfahren, sagt die freundliche Sr.Katrin mir, „Du fährst ans Ende der Welt“. Ich antworte, „Ich dachte, das Ende der Welt wäre bei P.Reinhard.“ Den deutschen Benediktiner P.Reinhard habe ich nämlich im Januar besucht; seine Pfarrei Kabichei liegt zwei Stunden von Eldoret entfernt in einer schwer zugänglichen Berggegend, wo viele Siedlungen nur zu Fuß zu erreichen sind. Bevor P.Reinhard dort Schulen gebaut hat, hatten viele Kinder keine Chance, lesen und schreiben zu lernen. „Nein, nein, Endo ist das Ende der Welt,“ widerspricht sie lachend auf Englisch, wo das Wortspiel „Endo – End of the world“ ja auch funktioniert. Das Kerio-Tal, in das man nur über seine sehr steile, unbefestigte Straße kommt, ist in der Tat abgelegen, und trotz Handy scheinen die Menschen hier in einer anderen Zeit zu leben: Sr.Jacinta zeigt mir die Ruinen der Hütten der Marakwet und die neuen Hütten am steilen Berghang: „Als 2000 der Krieg zwischen Marakwet und Pokot ausbrach, haben die Pokot die Hütten der Marakwet abgebrannt, und die Marakwet sind die Berghänge hinaufgezogen, um mehr Sicherheit zu haben.“ Immerhin, nach diesem Krieg zwischen den beiden Völkern hat man sich zusammengesetzt und einen Frieden ausgehandelt, der bis heute hält.
Am nächsten Tag bringt Sr.Jacinta mich dann nach Endo. Die Kirche (siehe Fotos) ist wirklich ein Meisterwerk, und ich erfahre auch endlich, wo das Ende der Welt wirklich liegt: Sr.Agata kommt gerade aus Illeret im äußersten Norden des Landes, wo P.Florian, auch er ein deutscher Benediktiner, bei den Nomaden die abgelegenste Pfarrei unserer Kongregation unterhält: Wegen der schlechten Straßen braucht er zwei Tage bis zum Sitz des Bischofs und vier Tage bis Nairobi. Außerdem ist es heiß dort, und es gibt wenig Komfort. Deshalb ist Illeret sozusagen der Prüfstein für die jungen Mönche von Tigoni: Einige, darunter P.Gabriel, haben es bei Florian ausgehalten, andere sind ziemlich schnell wieder weggelaufen. Sr.Agata möchte so schnell wie möglich wieder dorthin; ich komme nach je einer weiteren Übernachtung in Chesongoch und Eldoret am Freitag in Nairobi an, wo die sechsspurigen Stadtautobahnen beweisen, dass das Ende der Welt sicher nicht in Nairobi ist.
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