Abschied von Peramiho

Wenn man in einer fremden Kultur lebt, ist man darauf angewiesen, sich die örtlichen Verhältnisse von Einheimischen erklären zu lassen. Für mich waren das in den vergangenen knapp zwei Jahren die Brüder und Mitarbeiter in der Verwaltung, die mir geholfen haben, viele Dinge zu durchschauen und zu verstehen. Angesichts von 50 Mönchen und 150 Angestellten schien es mir am Anfang völlig unmöglich, jemals das komplizierte Geflecht aus Stammeszugehörigkeiten, Freundschaften und Feindschaften zu verstehen. Inzwischen bin ich selbst überrascht, wie selbstverständlich mir Sätze wie dieser über die Lippen kommen: “Der ist mit dem verfeindet, weil der eine zum Bena-Stamm gehört und der andere Chagga ist. Viele Bena haben nämlich Vorurteile gegen Chagga, halten sie für geizig und geldgierig.”
Ich vertraue also einer bestimmten Gruppe, mit der der Abt wenig redet, während der Abt anderen vertraut, die ich nicht für vertrauenswürdig halte. Es ging lange hin und her. Voriges Jahr im Juli hat der Abt beschlossen, mich als Cellerar (d.h. als Leiter der Klosterverwaltung) einzusetzen, drei Tage später hat er sich anders entschieden. Im Februar diesen Jahres hat er mich dann doch ernannt, und im Oktober wieder abgesetzt. Der Konflikt war nicht angenehm, und die letzten Wochen waren nicht leicht für mich. Vor zwei Wochen bin ich nach Uwemba umgezogen (siehe den vorigen Artikel).
Es gab aber auch viele schöne Erlebnisse in den letzten Wochen. Alle Leute, von denen ich erwartet hatte, dass sie zu mir stehen würden, haben wirklich zu mir gestanden, kein einziger hat mich enttäuscht. Besonders nett fand ich, wie der alte Fahrer Mbawala mir entgegenkam und schon von weitem mit den Zeigefingern unter seinen Augen Tränen andeutete.
Am Morgen meiner Abreise von Peramiho sprach ich beim Frühstück mit dem alten, freundlichen Afrikaner Br.Atanas über die derzeitige Hitze, dann wechselte er das Thema: “Schade, dass du nach Uwemba gehst.” Unser dementer Tischnachbar, der alte deutsche Maler, hatte anscheinend nur die Stichworte “Hitze” und “Uwemba” mitbekommen, und sagte: “Wenn du unter der Hitze leidest, dann solltest du dich nach Uwemba versetzen lassen.”

4 Antworten to “Abschied von Peramiho”

  1. An Says:

    Hoffentlich kommen Sie in Uwemba besser klar, Kuba hat ja auch nicht so geklappt, sonst bleibt die „innere Mission“. In Meschede sind Sie als Lehrer nicht vertrieben worden, sondern freiwillig ausgereist. Vielleicht sind Sie für die Mission falsch qualifiziert?
    Kazi njema
    Angela

  2. Abt Johannes Says:

    In Umwemba habe ich einmal fürchterlich gefroren… Lieben Gruß aus Wien! Johannes

  3. Daniela Says:

    Hallo,

    das finde ich aber schade für Dich, dass der Abt dich abgesetzt hat. Hmm. Könnte man da nicht irgendwie vorgehen, ich meine man kann ja nie einen einfach so absetzten. Oder wie läuft das in der katholischen Kirche.

    Liebe Grüße,

    Dani

  4. rsk6400 Says:

    Liebe Angela,
    wahrscheinlich hätte ich auch selbst Zweifel an meiner Qualifikation bekommen, wenn mir nicht ungefähr die halbe Gemeinschaft ebendiese Qualifikation ausdrücklich bestätigt hätte. Vor mir sind in den letzten anderthalb Jahren drei andere Brüder unter sehr merkwürdigen Umständen aus der Verwaltung in Peramiho entfernt worden. Der Abt hat es mir vor allem übelgenommen, dass ich ihm unter vier Augen meine ehrliche Meinung zu demjenigen gesagt habe, der dafür verantwortlich ist.
    In Afrika passieren immer noch Dinge, die man sich in Deutschland schwer vorstellen kann. Das macht es ja so interessant.

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