Archive for Dezember 2013

Führerscheinangelegenheiten

29. Dezember 2013

strasse_mbinga2 Neulich sind wir zu fünft von Uwemba nach Peramiho gefahren. Der deutsche Br.Julian und ich machten unterwegs noch beim Finanzamt in Songea Station, weil es dort die Führerscheine gibt. Herr Zenda, der seit 25 Jahren in Peramiho für die Behördenangelegenheiten zuständig ist, begleitete uns. Unterschreiben, fotografieren lassen, Fingerabdrücke abgeben, umgerechnet 35 Euro pro Person bezahlen – das war alles. Jetzt heißt es auf das Ergebnis warten. Fahrprüfung ? Vorzeigen des deutschen oder des internationalen Führerscheines ? Alles nicht nötig.
Am nächsten Tag ging es weiter zu einer Diakonenweihe nach Mbinga. Die Straße ist gerade von einer chinesischen Firma neu gebaut worden, an einigen Stellen (siehe Foto oben) sind die Arbeiten noch nicht beendet. Die Polizei hält uns unterwegs an und fragt den tansanischen Br.Stanislaus am Steuer nach seinem Führerschein. Gestern hatte er ihn noch in seiner Hemdtasche, aber heute hat er ein anderes Hemd an. Er erklärt dem Polizisten, dass wir auf dem Weg zu einer Feier nach Mbinga sind. Der Polizist fragt, wo wir herkommen, dann wünscht er uns gute Fahrt. Strafe zahlen ? Nicht nötig. Auf der Rückfahrt am Nachmittag werden wir an einer anderen Stelle wieder angehalten. Br.Stanislaus grüßt den Polizisten, “Ach, du bist über Mittag umgezogen !”, und auch der erkennt uns sofort wieder und lässt uns gleich weiterfahren.
Am nächsten Tag werden wir schon wieder, diesmal kurz vor der Rückkehr nach Uwemba, angehalten. Der Polizist zu Stanislaus: “Mzee (höfliche Anrede für einen alten Mann), ich bitte darum, Ihr Auto zu überprüfen.” Dann schaut er sich die beiden Versicherungsplaketten auf der Windschutzscheibe an, lässt sich den Führerschein zeigen (heute hat Stanislaus ihn tatsächlich dabei) und wünscht uns gute Fahrt. Der kenianische Br.Plasido erzählt noch Tage später von den höflichen tansanischen Polizisten, “Er hat wirklich ‚Bitte‘ gesagt. In Kenia sagen die dir nur, ‚Fahr sofort das Auto an den Straßenrand.‘ Die wollen dir erst einmal Kälte einflößen, damit du dich fürchtest.”
Das Foto unten möchte doch noch etwas weihnachtliche Stimmung in den Artikel hineinbringen. Leider ist es mir nicht gelungen, die beiden Kinder zu fotografieren, die auf einer dieser Böschungen an der neu gerichteten Straße – Schlitten fuhren, ohne Schnee und bei 20 Grad im Schatten.
strasse_mbinga

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Weihnachten in Uwemba

24. Dezember 2013

telefonladen 2010 habe ich Weihnachten direkt am Meer in Havanna gefeiert, 2011 auf 298 m Meereshöhe in Meschede, 2012 waren es 1050 m in Peramiho, dieses Jahr sind es 2120 m hier in Uwemba.
Die Höhenlage bringt es mit sich, dass das Wetter eher einem nebligen Mai- oder Juni-Tag im Sauerland entspricht als einem deutschen Heiligabend. Der Dorf-Telefonladen ist immerhin schon seit Tagen sehr weihnachtlich geschmückt (siehe Foto, auf dem man die geschmackvollen und nicht zu lauten Weihnachtslieder leider nicht hört, die im Laden vom Band kommen).
Während man aus dem Südsudan (2000 km von hier entfernt) schreckliche Nachrichten von Stammeskonflikten hört, ist die Stimmung hier friedlich. Dazu trägt sicherlich bei, dass jeder Stamm hier nur einen Vertreter hat, es gibt einen Chagga, einen Bayern, einen Bena, einen Pangwa, einen Alemannen, einen Hehe, einen Ngoni, einen Schweizer, einen Matengo, einen Kalenji aus Kenia und mich, der ich nicht weiß, ob ich eigentlich Westfale oder Holsteiner bin. Sogar der Matengo, von dem ich befürchte, dass er mich nicht mag, hat mir heute Morgen ein praktisches LED-Licht geschenkt, damit ich heute Abend, wenn ich die Christmette auf dem Außenposten in Makanjaula halte, bei einer eventuellen Reifenpanne den Radwechsel bei Licht vornehmen kann.
Allen Leserinnen und Lesern wünsche ich Frohe Weihnachten !

Abschied von Peramiho

6. Dezember 2013

Wenn man in einer fremden Kultur lebt, ist man darauf angewiesen, sich die örtlichen Verhältnisse von Einheimischen erklären zu lassen. Für mich waren das in den vergangenen knapp zwei Jahren die Brüder und Mitarbeiter in der Verwaltung, die mir geholfen haben, viele Dinge zu durchschauen und zu verstehen. Angesichts von 50 Mönchen und 150 Angestellten schien es mir am Anfang völlig unmöglich, jemals das komplizierte Geflecht aus Stammeszugehörigkeiten, Freundschaften und Feindschaften zu verstehen. Inzwischen bin ich selbst überrascht, wie selbstverständlich mir Sätze wie dieser über die Lippen kommen: “Der ist mit dem verfeindet, weil der eine zum Bena-Stamm gehört und der andere Chagga ist. Viele Bena haben nämlich Vorurteile gegen Chagga, halten sie für geizig und geldgierig.”
Ich vertraue also einer bestimmten Gruppe, mit der der Abt wenig redet, während der Abt anderen vertraut, die ich nicht für vertrauenswürdig halte. Es ging lange hin und her. Voriges Jahr im Juli hat der Abt beschlossen, mich als Cellerar (d.h. als Leiter der Klosterverwaltung) einzusetzen, drei Tage später hat er sich anders entschieden. Im Februar diesen Jahres hat er mich dann doch ernannt, und im Oktober wieder abgesetzt. Der Konflikt war nicht angenehm, und die letzten Wochen waren nicht leicht für mich. Vor zwei Wochen bin ich nach Uwemba umgezogen (siehe den vorigen Artikel).
Es gab aber auch viele schöne Erlebnisse in den letzten Wochen. Alle Leute, von denen ich erwartet hatte, dass sie zu mir stehen würden, haben wirklich zu mir gestanden, kein einziger hat mich enttäuscht. Besonders nett fand ich, wie der alte Fahrer Mbawala mir entgegenkam und schon von weitem mit den Zeigefingern unter seinen Augen Tränen andeutete.
Am Morgen meiner Abreise von Peramiho sprach ich beim Frühstück mit dem alten, freundlichen Afrikaner Br.Atanas über die derzeitige Hitze, dann wechselte er das Thema: “Schade, dass du nach Uwemba gehst.” Unser dementer Tischnachbar, der alte deutsche Maler, hatte anscheinend nur die Stichworte “Hitze” und “Uwemba” mitbekommen, und sagte: “Wenn du unter der Hitze leidest, dann solltest du dich nach Uwemba versetzen lassen.”