Im tansanischen Münsterland

muensterland Unser Haus in Uwemba liegt auf 2000 m Meereshöhe, was dazu führt, dass die Bauern dort Kartoffeln anpflanzen, dass in der kalten Jahreszeit morgens Rauhreif die Wiesen bedeckt und die Kinder zur Schule rennen, damit ihnen warm wird. Abgesehen davon, dass die Gegend um Uwemba nicht besonders flach, und die Bauernhöfe nicht besonders groß sind, fühle ich mich immer wieder an das Münsterland, die Heimat meiner Großeltern, erinnert. Solche Wege, wie sie auf dem Foto zu sehen sind, hießen bei ihnen “Pättkes”, und ich bin mit ihnen dort oft radgefahren.
Im September war ich wieder dort, um Br.Petro zu besuchen, der bis August mein engster Mitarbeiter in der Verwaltung war, und dann aufgrund einer bösen Intrige das Kloster verlassen musste. Petro wohnt mit seiner Schwester und deren beiden Kindern in seinem Elternhaus, die beiden Brüder und die andere Schwester wohnen im gleichen Dorf. Der eine Bruder kommt vorbei, er erzählt mir, dass auf der anderen Seite des Flusses vor allem Protestanten wohnen, dass er bei der nächsten Präsidentenwahl 2015 nicht auf die Partei schauen werde, sondern darauf, dass der Kandidat ein Christ ist (der Amtsinhaber ist Muslim).
Der ältere von Petros Neffen, der den seltsamen Namen Alpha trägt, konnte wegen epileptischer Anfälle die achte Klasse nicht zu Ende bringen, weder im benachbarten Krankenhaus noch im Krankenhaus von Peramiho konnten die Ärzte ein “Fieber” (damit meint die Mutter wohl, “eine körperliche Ursache”) feststellen. Petro erklärt, dass in den letzten Monaten aber keine Anfälle mehr aufgetreten seien, er kenne einen Priester in Iringa (200 km entfernt), dessen Gebet in solchen Fällen helfe. Der habe sich den Jungen zwar nicht anschauen können, aber gesagt, er könne auch von ferne für ihn beten. Ich erinnere mich daran, dass die Assistentin meines Zahnarztes in Deutschland mir im Mai Globuli empfohlen hat. Ich beschließe, mich nicht mit Petro, der sonst sehr modern und vernünftig denkt, zu streiten, denn da die Familie schon alle verfügbaren wissenschaftlichen Krankenhäuser aufgesucht hat, wird der Priester dem Kind wohl nicht schaden können. Außerdem ist sein Gebet vermutlich kostenlos, zumindest aber billiger als Globuli.
Als ich abfahre, drängt Petros Schwester mir noch einen Sack Kartoffeln auf, Petro begleitet mich zu seiner anderen Schwester, die mit ihrem Mann einen kleinen Laden betreibt: “Nehmt doch noch zwei Flaschen Cola mit”, bedrängen sie uns.
Einige Zeit nach dem Besuch habe ich Petro gefragt, ob es wegen seines Austritts aus dem Kloster eigentlich kein dummes Gerede im Dorf gegeben habe. Er sagte, am Anfang schon, aber durch meinen Besuch hätten die Leute gesehen, dass er nichts gestohlen habe, denn wenn er gestohlen hätte, würde sein europäischer Chef ihn wohl kaum besuchen kommen.
Mir kommt es vor, als hätte ich die meisten dieser Situationen schon einmal erlebt – im Münsterland.

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Eine Antwort to “Im tansanischen Münsterland”

  1. Uta Says:

    Viele liebe Grüße vom westfälischen ins tansanische Münsterland! Uta

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