Archive for August 2013

„Ich mag es, wenn alles funktioniert“

3. August 2013

Gesten früh war Stromausfall, also endlich mal freie Zeit. Ich tippte die folgenden Zeilen in mein Netbook, dessen Akku genügend lange vorhielt:
„Gerade kam Br.Atanas in die Verwaltung, um eine Karte zum Aufladen seines Handys zu bekommen. Alltagsgeschäft, Herr Elias gibt den Brüdern x-mal jeden Tag solche Karten im Wert von 1 Euro oder 2,50 Euro. Da diese Beträge aber hier im Land viel Geld sind, liegen die Karten im Tresor. Und den Schlüssel hat in diesem Moment Br.Romano, der sich aber gerade um den Maiseinkauf auf dem Hühnerhof kümmert. Kein Problem, jeder hat ein Handy, auch Br.Romano. Als Herr Elias seines aus der Tasche zieht, um Romano anzurufen, ist der Akku leer. Strom haben wir heute Vormittag keinen, weil der neue Generator ans Netz angeschlossen wird. Jetzt könnte ich Romano anrufen, aber ich habe kein Guthaben auf meinem Handy. Seit vorgestern Nachmittag versuche ich verzweifelt, das Guthaben aufzuladen, aber ich bekomme ständig die Meldung „Service Timeout“ oder „Tatizo halijajulikana – Das Problem ist noch nicht bekannt“. Gestern habe ich in unserem Handy-Laden nachgefragt und die Auskunft bekommen, dass man mir leider schon abgelaufene Guthabenkarten verkauft hätte. Mein Geld bekam ich zurück. Die beiden anderen Handy-Büdchen, die es in der Nähe gibt, hatten gar keine Guthabenkarten. Herr Elias fuhr am Abend in die Bezirksstadt Songea und schickte mir neue Aufladecodes per SMS. Dieselbe Meldung. Heute Morgen sagte er mir, dass er in Songea gehört habe, der ganze Bezirk Songea sei betroffen. Br.Romano haben wir inzwischen auftreiben können, nachdem Herr Elias die SIM-Karte seines Handys in sein Zweithandy, dessen Batterie noch nicht leer war, getan hat. Wegen meines Guthabens will er jetzt meine Aufladecodes einem Freund in Dar es-Salaam schicken, der mir von dort das Guthaben zuschicken kann.
Gestern las ich in der „Zeit“ ein Interview mit Niklas Frank, der gefragt wurde, warum er trotz der teilweise bösartigen Kritik an seinem Buch über seinen Nazi-Vater nie daran gedacht habe, Deutschland zu verlassen. Seine Antwort: ‚Ich mag es, wenn alles funktioniert.‘ „

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