Omari, der Zolleinnehmer

Der Ortseingang von Peramiho ist durch ein Seil markiert, das zwischen zwei Holzpfählen quer über die Straße läuft. Kommt ein Bus oder ein LKW, dann steht Omari von seinem Platz am Straßenrand auf, zieht das Seil straff oder gibt auch nur ein Zeichen mit der Hand, um das Fahrzeug anzuhalten. Dann wird der Zoll kassiert, es sei denn, der Fahrer hat schon an einer anderen Zollstelle bezahlt.
Wenn ich mit dem Fahrrad vorbeikomme, rufe ich ihm manchmal zu: “Ich zahle nichts.” Oder er ruft: “Machst du schon wieder Sport ?”.
Am Freitag vor einer Woche hat er unseren Lastwagen mit 30 Maissäcken für das Essen der Berufsschüler angehalten, pro Sack wollte er 2.000 Schilling (1 Euro) Zoll kassieren. Lehrer Fussi, der den Transport begleitete, rief Br.Augustin an. Der rief Br.Petro an, und der sagte mir: “Br.Augustin bittet, dass wir mal eben zur Zollstelle fahren.” Wir steigen also auf unsere Räder, Petro erklärt mir, dass er mit “wir” eigentlich nur Augustin und sich selbst meinte, und ich überlege kurz, ob der Anblick eines Europäers bei Omari wohl die Geldgier wecken wird, aber dann entscheide ich mich, dass ich keine Lust habe, den ganzen Vormittag im Büro zu sitzen. Omari nennt uns den Tarif von 60.000 Schilling und ist sofort bereit, auf 45.000 herunterzugehen. Wahrscheinlich “ohne Quittung.” Wir weisen darauf hin, dass die Schule von der Steuer befreit ist. Omari sagt, dass wir von seinem “Direktor” eine Bestätigung brauchen, in vierfacher Ausfertigung für jede der vier Zollstellen auf dem Weg, die nimmt er dann entgegen und heftet sie ab. Ich frage mich im Stillen, ob er in seiner Zollstelle, die außer dem Seil und den beiden Pfählen nur über eine Grashütte verfügt, wohl wirklich einen Ordner hat, in dem er etwas abheften kann. Ich verstehe ihn absichtlich falsch und sage, “Gut, ich bin der Direktor der Schule, ich fahre jetzt zurück und schreibe das Papier.” Petro und ich geben noch ein paar Erklärungen zu unserer Steuerfreiheit ab, dann gibt er endlich freie Fahrt. Petro verspricht, dass wir uns beim nächsten Mal eine Bestätigung von seinem “Direktor” besorgen, was Petro aber nicht ernst meint, und Omari wahrscheinlich auch nicht glaubt. Wir haben also 30 Euro gespart, aber dafür haben fünf gut ausgebildete Leute je eine halbe Stunde verschwendet (der Lastwagenfahrer, Lehrer Fussi, Augustin, Petro und ich).
Als ich heute Morgen bei ihm vorbeigekommen bin, rief er mir zu: “Direktor, hast du nicht etwas Geld für mich ?”

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