Meistens ist es im Büro ja nicht so interessant …

In meinem Büro passieren nicht sehr viele interessante Dinge, aber langweilige Dinge gibt es genug, deshalb bleibt auch nicht viel Zeit zum Bloggen.
Am Mittwoch klopfte mal wieder Mzee Mkanula, der Chef das Caritas-Büros. „Nicht schon wieder,“ dachte ich, „jetzt wird er mir wieder lang und breit die Probleme eines alten, kranken Menschen schildern, und dann am Schluss um 1000 Schilling (50 Euro-Cent) bitten, damit er die Behandlung im Krankenhaus bezahlen kann.“ Wer ganz arm ist, wird nämlich in unserem Krankenhaus für diesen Pauschalpreis behandelt, und wenn er das auch nicht zahlen kann, dann springt die Caritas ein.
Die Geschichte wurde dann lang und breit, aber langweilig war sie genauso wenig wie 1001 Nacht. „Es geht um Rashid Hussein, einen pensionierten Mitarbeiter von Tanesco (der staatlichen Stromgesellschaft). Er sagt, er wird von Geistern angefallen. Ob das stimmt, weiß ich nicht, er fällt jedenfalls genauso hin wie ein Epileptiker. Er ist schon zu vielen Scheichs (den Wunderheilern im Volks-Islam) gegangen, aber ohne Erfolg. Seine Kinder haben ihm gesagt, ‚Vater, du wirst noch dein ganzes Geld aufbrauchen, geh lieber zur Kirche, deren Gebet hat mehr Kraft.‘ “ Ich unterbreche ihn: „Die Scheichs verlangen Geld für ihre Dienste ?“ – „Natürlich. Er wollte nicht auf seine Kinder hören, und ist nach Mbinga gefahren, weil er gehört hat, dass dort ein ganz mächtiger Scheich wohnt. Der hat ihm gesagt, er soll sieben Tage auf dem Friedhof verbringen, damit er geheilt wird. Aber am Ende der sieben Tage hatte er einen neuen Anfall, und als er wieder zu sich kam, hatte man ihm sein Geld, sein Telefon und seine Kleidung gestohlen. Nur den Schlips und die Unterwäsche hatte er noch. Wieso man ihm ausgerechnet den Schlips gelassen hat, weiß ich nicht. Er ist zur Polizei gegangen, die haben ihn ein Stück im Auto mitgenommen, aber dann hinausgeworfen, so hat er sich schließlich nach Peramiho (gut 100 km von Mbinga entfernt) durchgeschlagen. Hier ist er wieder zur Polizei gegangen, die haben ihn zum Pfarrer geschickt, und der Pfarrer hat ihn zu mir geschickt. Jetzt bittet er um Fahrgeld nach Morogoro (900 km von hier; der Bus kostet 20 Euro), da wohnt sein nächster Verwandter. Die Telefonnummern seiner Familie hat er vergessen.“ Er legt mir ein gestempeltes Schreiben der Polizei vor, das darum bittet, dem Mann zu helfen. Da wir in solchen Fällen nicht gerne Bargeld ausgeben, beschließen wir, ihn bis Freitag in der Herberge der Abtei unterzubringen, denn am Freitag fährt eine Bekannte von uns mit dem Auto nach Morogoro.
Am Freitag erzählt mir Mzee Mkanula dann: „Er hat das Telefon von Felicitas, die in der Herberge arbeitet, zusammen mit 10.000 Schilling (5 Euro) in ein Papier eingewickelt und ihr gesagt, sei solle es unter ihre Matratze legen. Am nächsten Morgen würde sie dann 200.000 Schilling in dem Papier finden, davon sollte sie ihm 50.000 abgeben. Aber am nächsten Morgen fand Felicitas in dem Papier nur ein Stück Seife, und der Mann war verschwunden. Das Mädchen hat geweint, weil das Telefon neu war. Der Mann war also ein Betrüger.“ Ich meine: „Wir sollten Felicitas die 10.000 Schilling erstatten, aber das Telefon nicht, weil sie so dumm war.“ Er darauf: „Er hat sie eingeschüchtert. Sie wollte zuerst nicht, aber er hat ihr gesagt: ‚Ich will dir helfen, und du weist mich einfach so zurück. Weißt du nicht, dass man mich in der Abtei kennt ?‘ “ Leider ist es in der tansanischen Gesellschaft, die ziemlich hierarchisch aufgebaut ist, für einen alten Mann, besonders wenn er einen Schlips trägt, ziemlich einfach, eine junge Frau einzuschüchtern. Wir beschließen, Felicitas den größten Teil ihres Verlustes zu erstatten.

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