Archive for Mai 2012

Was die Völker verbindet

20. Mai 2012

Am Mittwoch kam Br.Petro in mein Büro und sagte, dass der Vertreter eines Fernsehkanals da sei, der uns Decoder und Abonnement verkaufen wolle. Weder Vertreter noch Fernsehen interessieren mich besonders, so ließ ich mir nur von Petro den Preis nennen und meinte, 60 Euro im Monat seien teuer, aber man könnte ja mal drüber sprechen. Petro ergänzte: „Er sagt, er könne den Decoder gleich installieren, und dann könnten wir schon am Samstag Bayern München gegen Chelsea schauen.“ Petro ist 30 und hat ein Studium abgeschlossen, aber das Leuchten in seinen Augen erinnert mich an Simon Greitemann während der Vorbesprechung der Fahrt des Leistungskurses Geschichte nach Berlin. Damals, 2006 während der WM, ging es um die Frage, ob wir während der Studienfahrt auch zum Public Viewing gehen könnten. Petro schließt allerdings noch eine Bemerkung an, die absolut typisch für Afrikaner ist, und die ich noch nie von einem deutschen Schüler gehört habe: „Wenn es nicht geht, ist das aber auch nicht schlimm.“
Weil der Abt gerade unterwegs ist, blieb die Sache aber bis gestern früh unentschieden. Zufällig saß ich beim Frühstück mit P.Lucius und P.Dieter zusammen. Das Gespräch der beiden Deutschen wandte sich bald dem bevorstehenden Spiel zu. Schade, dass man es nicht sehen könne. Ob ich wisse, wann Anstoß sei. Ich gebe die Frage an Br.Petro weiter, der gerade vom Tisch aufsteht. Er weiß es auch nicht, aber er ergänzt: „Wir haben einen Weg gefunden, wie wir das auch ohne zu bezahlen ansehen können.“
In diesem Moment kommt praktischerweise P.Fidelis herein, der afrikanische Prior (Stellvertreter des Abtes), der sich genauso wenig wie ich für das Spiel interessiert, aber sofort die dafür nötigen Experimente am Gemeinschaftsfernseher genehmigt. P.Dieter mit seinen 76 Jahren strahlt genauso über das ganze Gesicht wie Br.Petro.
Ich nutze mehrfach die Gelegenheit, den afrikanischen Brüdern zu erklären, dass ich Dortmunder bin, Bayern hasse, und im übrigen Borussia Dortmund in diesem Jahr Meister und Pokalsieger ist. Bayern ist hier ziemlich bekannt, Borussia leider noch nicht. Aber das wird sich ändern, wenn wir nächstes Jahr die Champions League gewinnen.
Das Foto von www.tagesschau.de zeigt die Reaktionen auf den Spielausgang in Camp David.

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Das Verb „fahren“ und davon abgeleitete Wörter

20. Mai 2012

Am Morgen nach unserer Ankunft in Ndanda bedauern uns alle wegen der Schwierigkeiten auf unserer Fahr-t. Ich selbst allerdings bedaure uns nicht. Schließlich war der Sinn und Zweck der Reise der Er-fahr-ungsaustausch mit unseren Kollegen in den Verwaltungen der Abtei Ndanda und in unserer Niederlassung in Dar es-Salaam (Stadtteil Kurasini). Und da kann es nicht schaden, unterwegs noch ein paar Er-fahr-ungen mit der Realität des Landes Tansania zu machen, zu der auch die Straße gehört, die uns so viele Probleme bereitet hat – eine von nur zwei asphaltierten Straßen in den Süden des Landes; die andere geht in den Südwesten und endet hier in Peramiho direkt vor unserer Haustür.
Die Regierung soll die Straße schon dreimal bezahlt haben, aber die Bauunternehmer haben den Weiterbau vor drei Jahren eingestellt, weil das Geld nicht bei ihnen angekommen ist. Es muss nicht unbedingt der Verkehrsminister sein, der das Geld unterschlagen hat. Typisch für das Land ist, dass Geld über viele verschiedene Stationen läuft, und an jeder Station ein bisschen verloren geht, zumindest dann, wenn der Chef nicht ordentlich aufpasst.
Die Bedeutung eines Wortes ist mir neu aufgegangen: Ein Ge-fähr-te ist jemand, mit dem man gemeinsam auf Fahrt ist. Ein solcher Gefährte war Thomas, den wir nur aus Gefälligkeit mitgenommen hatten, weil er wegen des Todes seines Vaters dringend nach Hause musste. Weil er aber die Örtlichkeiten ziemlich gut kannte, war er für uns ein Glücksfall. Und ganz selbstverständlich, ohne zu zögern, und ohne aufgefordert zu werden, legte er überall, wo etwas zu bezahlen war, relativ große Scheine dazu. Da er sicherlich damit gerechnet hatte, kostenlos reisen zu können, war dies umso auffälliger. Und sicherlich habe ich den Tag (und den Rest der Reise) auch deshalb in so guter Erinnerung, weil es in Gegenwart von Fahrer Joel, Herrn Zenda und Br.Petro einfach klar war, dass keine Ge-fahr bestand.

Die Preise sinken mit zunehmender Entfernung von der Not, Teil II

12. Mai 2012

Mit vollem Tank und intakter Ausrüstung (das Reserverad ist geflickt, sogar das fehlende Teil des Wagenhebers hat der Fahrer inzwischen wiedergefunden) fahren wir in das Stück, wo die Straße noch nicht fertig ist. Der Fahrer quetscht sich geschickt an den wenigen Lastwagen vorbei, die so früh schon unterwegs sind, meistert souverän alle Wasserlöcher und Schlammgräben (es hat anscheinend in der Nacht geregnet), aber kaum sind wir wieder auf festem Asphalt, hält er an, weil das Thermometer im roten Bereich steht: Der Schlamm hat die Luftzufuhr zum Kühler verklebt. Thomas kennt sich zum Glück aus, so finden wir schnell eine Dorf-Werkstatt mit einem Kompressor, um den Schlamm zu entfernen (Foto unten). 7000 Schilling (3,50 €) sind zu zahlen, dazu kommen 500 Schilling für ein paar Bananen und 2400 Schilling für je eine Pepsi für Herrn Zenda und Thomas, eine Sprite für den Fahrer und eine Coca-Cola für mich. Br.Petro will erst dann trinken, wenn es auch etwas zu essen gibt. Das wird er noch bereuen.
Dann geht es in das zweite Schlamm-Stück. Eine lange Schlange von LKWs und Bussen steht vor uns und blockiert den Weg. Rechts ist noch eine völlig verschlammte Spur frei, auf der uns ein PKW entgegenkommt. Der Fahrer streckt den Daumen nach oben, also versuchen auch wir es dort. Bald stecken wir im Schlamm fest, es geht weder vor noch zurück. Aber zum Glück fördert die Regierung im ehemals sozialistischen Tansania seit 20 Jahren das freie Unternehmertum. Vier Männer mit zwei Schaufeln bieten ihre Dienste für 20 000 Schilling (10 €) an. Br.Petro ist empört und handelt sie auf 15 000 herunter. Dann wird unser Auto mit Schaufeln und Händen freigegraben („Wie die Termiten“, sagt Br.Petro. Ein großer Teil der Arbeit vor den Rädern, die auf dem Foto unten zu sehen ist, war übrigens überflüssig, denn sie schieben das Auto anschließend rückwärts heraus).
Ich bin so beeindruckt, dass ich ihnen 20 000 geben will, doch Petro widerspricht mir so entschieden wie noch nie zuvor: „Die haben nur eine ganz kurze Zeit gearbeitet.“ Herr Zenda verdient im Monat 200 000 Schilling, wenn man es damit vergleicht, ist der Lohn des freien Unternehmertums wirklich übertrieben. Wir sind wieder frei; unsere teuren Helfer hängen sich für ein paar Meter triumphierend hinten an das Auto (Foto), das wieder in die Hauptfahrspur einbiegt, die sich inzwischen etwas geleert hat.

Als der Fahrer mal wieder einem entgegenkommenden LKW (Foto) ausweichen muss, vergisst er den Blick aufs Thermometer, und schon spritzt das Kühlerwasser aus der Motorhaube. Aus einer der größeren Pfützen besorgen wir Nachschub, dann geht es weiter, bis zur nächsten Schlange, die wir wieder rechts überholen. Als rechts kein Platz mehr ist, kommt erneut ein freier Unternehmer auf uns zu: „Fahrt weiter, ich zeig euch den Weg. Dort hinten müsst ihr 5000 zahlen.“ Meine Mitfahrer sind empört: „Erst baut die Regierung keine Straßen, und dann verlangt sie auch noch Wegezoll.“ Aber es ist nicht die Regierung, die den Zoll verlangt. Der Mann lotst uns zwischen zwei LKWs hindurch auf die linke Seite der Schlange, scheucht die anderen freien Unternehmer auseinander, die dort den Busreisenden Bananen und Kekse verkaufen, läuft vor uns her, wird dann von zwei anderen Läufern abgelöst, die uns zu einer Barriere aus zwei Baumstämmen vorausrennen. Man öffnet die Barriere und führt uns mitten durchs Dorf. Rechts sehen wir, dass ein Tankwagen schräg in einer riesigen Wasserlache liegt und allen anderen den Weg versperrt. Am Ende des Dorfes gibt es eine zweite Barriere, die sich erst nach Zahlung der 5000 Schilling öffnet. Kurz danach haben wir endgültig den Asphalt erreicht, aber aufgrund der Überhitzung im Schlamm ist eine Dichtung defekt, so dass wir Kühlwasser verlieren („Er isst Wasser“, sagt der Fahrer). Wir müssen also alle 10 bis 20 km anhalten und Wasser nachfüllen. Thomas hat sich inzwischen zu unserem Wasserwart entwickelt. Direkt nach dem Schlammstück gibt er dem Mann, der uns einen Eimer Wasser aus dem Dorfbrunnen besorgt hat, noch 500 Schilling mit der Bemerkung, „Kauf dir eine Flasche Cola“ (Cola kostet eigentlich überall 600), danach bekommt ein Kind für denselben Service nur noch eine Münze (100 oder 200 Schilling), den nächsten lassen wir einfach stehen. Die Bemerkungen meiner Mitreisenden dazu sind: „Der hat gedacht, er bekommt etwas.“ – „Für Wasser doch nicht !“ – „Irgendwann wird auch ihm mal jemand helfen.“
Um 15 Uhr sind wir endlich in Nangurukuru, wo das freie Unternehmertum zeigt, dass es auch von funktionierenden Straßen profitieren kann: Eine Raststätte (Foto), groß genug, um die Reisenden von zwei oder sogar drei Bussen gleichzeitig zu versorgen. Außer zwei Mini-Bananen und der Cola habe ich noch nichts gegessen und bin dabei, meine gute Laune zu verlieren. Petro hat seine gute Laune schon vor einiger Zeit verloren („Hast du schon einmal so etwas Hartes durchgemacht ?“). Das Essen (33000 Schilling für alle 5 zusammen) wirkt aber Wunder. Vor der Weiterfahrt wasche ich mir noch die Schlamm-Füße an einem Fußwaschbecken, an dem sich auch einige Busreisende tummeln. „Siehst du, es gibt einen Unterschied zwischen Europa und Afrika, jetzt weißt du es“, meint einer von ihnen mir sagen zu müssen. Auch meine Mitreisenden haben die – bekanntlich nicht ganz falsche – Vorstellung, dass die Straßen in Europa besser sind. Nach vielen weiteren Wasser-Stopps treffen wir um halb Sechs endlich die beiden Kfz-Mechaniker, die uns auf unsere telefonische Bitte hin von Ndanda aus entgegengeschickt worden sind.
Einmal noch wird der überhitzte Kühler geöffnet (Foto), dann geht es ans Abschleppen. „Bist du schon mal abgeschleppt worden, weißt du, was du da machen musst ?“, fragt der ältere unseren Fahrer und schon ergeht es diesem wie heute Morgen dem erfolglosen Jungunternehmer: Er wird von seinem Platz verdrängt und der jüngere Mechaniker übernimmt das Steuer. Die letzten 200 km bis Ndanda legen wir also im Schlepptau zurück, um halb Zehn kommen wir dort an. „Wenn es kein Essen mehr gibt, dann weine ich,“ scherzt Br.Petro, aber Abt Dionys persönlich empfängt uns mit dem warmgestellten Essen.

Die Preise sinken mit zunehmender Entfernung von der Not, Teil I

10. Mai 2012

Am Sonntag sind wir von Dar es-Salaam weiter nach Ndanda, der großen Benediktinerabtei im Südosten des Landes, gefahren. Wir, das sind Br.Petro, Herr Zenda und ich von unserem Verwaltungsteam, Fahrer Joel Nchimbi und schließlich Thomas. Thomas hat über einen Bekannten von unserer Fahrt erfahren und gebeten, mitfahren zu dürfen, weil er wegen des Todes seines Vaters dringend nach Hause muss.
Die Straße ist neu gebaut, die 600 km bis Ndanda wären also kein Problem, wenn da nicht die 60 km in der Mitte wären, die immer noch nicht fertig sind. Br.Andreas ist am Samstag Vormittag dieselbe Strecke gefahren, aber am Nachmittag war er schon wieder in Dar es-Salaam: Er musste umkehren, weil liegengebliebene Lastwagen die ganze Straße verstopften. „Aber mit eurem Auto kommt ihr durch, fahrt einfach vor den Bussen und LKWs los“, rät er uns. Um Punkt fünf Uhr also fahren wir ab, gleichzeitig mit einem Auto von Ordensschwestern, die auch nach Ndanda wollen. Um sieben: Reifenpanne. Zusätzliches Problem: Die Kurbel des Wagenhebers fehlt. Da hält auch schon das Auto der Schwestern neben uns, deren Wagenheber ist vollständig, und nach zehn Minuten können wir weiterfahren. Doch ohne Reserverad wollen wir das schwierige Stück nicht in Angriff nehmen, also halten wir an einer der zahlreichen kleinen Dorf-Werkstätten. Nur ein Junge von 15 oder 16 Jahren ist da. „Machst du das selbst ?“, fragt Br.Petro ungläubig. Ja, er macht es selbst, zumindest versucht er es. Als er dann aber einen Keil benutzen will, um den Eisenring zu öffnen, der den Reifen zusammenhält, nimmt unser Fahrer ihm das Werkzeug aus der Hand, „Der ist zu breit.“ Der Fahrer schleift in der Werkstatt den Keil schmaler, der Junge wird auf die Rolle eines Zuschauers reduziert (im Bild rechts, mit dem roten Hemd), während der Fahrer und Br.Petro (links im Bild) den Keil in den Ring zu treiben versuchen. Als das misslingt, lassen wir den Jungen stehen und gehen zur nächsten Werkstatt, drei Häuser weiter. Dort verfügt ein Erwachsener über das richtige Werkzeug, öffnet den Reifen und holt den mehrfach geflickten Schlauch heraus. Einer der Flicken ist abgerissen, so ist das Loch entstanden. Mit Pattex wird ein neuer Flicken aufgeklebt, das Rad wieder zusammengesetzt. Der Spaß hat uns 3000 Schilling gekostet (1,50 €).

Restaurant der gehobenen Klasse

7. Mai 2012

Seit Mittwoch bin ich mal wieder unterwegs. Diesen Artikel schreibe ich in Dar es-Salaam, dem wirtschaftlichen Zentrum Tansanias. Freitag war ich mit sechs Afrikanern in dem neuen Restaurant, das sich seit kurzem in der Nachbarschaft unseres Hauses im Stadtteil Kurasini befindet. In dem Restaurant der gehobenen Klasse (freitags mit Live-Musik, samstags mit Fußballübertragung auf zwei Flatscreens) kosten Speisen und Getränke (Bier, Sprite) für 7 Personen fast 45 000 Schilling (22 Euro), die Br.Petro bezahlt. Als die Kellnerin das Wechselgeld bringt, und Petro es einstecken will, greift Br.Silvester ein. Silvester leitet die Druckerei, ist Mitglied im Finanzausschuss der Abtei Peramiho und außerdem für die jungen Brüder in der Probezeit zuständig, zu denen auch Petro gehört. „Gib mir mal die Münzen,“ sagt er zu Petro. Dann reicht er die beiden Münzen (zusammen 300 Schilling) der Kellnerin. „Inaitwa tip, das heißt Trinkgeld,“ klärt er Petro auf, „Wenn man kein Trinkgeld gibt, heißt das, man hat den Service gehasst.“ Ich setze nach: „In Europa gibt man zwischen 5 und 10 Prozent Trinkgeld, aber das ist freiwillig.“ Petro staunt: „Auch wenn die Rechnung hoch ist ?“ Ich verzichte darauf, ihm zu erklären, dass man in Europa den Preis vorher weiß, weil man üblicherweise die Speisekarte studiert, bevor man bestellt. Das ist hier eher ungewöhnlich; Silvester erzählt die Geschichte von den beiden Tansaniern, die mit 30 000 Schilling in der Tasche in das Seacliff (ein direkt am Meer gelegenes, wunderschönes Restaurant der Touristenklasse) gingen, und dann angesichts der Rechnung von 160 000 in eine ziemlich peinliche Situation kamen. Zu mir meint er: „Wir müssen mal dafür sorgen, dass Petro etwas mehr von der Welt sieht als nur die Stadt Tanga“ (wo er Wirtschaft studiert hat). Petro ist alles andere als ein dummer Junge vom Lande; er erklärt in Peramiho den gestandenen Werkstattleitern, wie sie einen Preis kalkulieren sollen, oder was der Unterschied zwischen direkten und indirekten Kosten ist. Die Sache ist für ihn aber in keiner Weise peinlich, denn eine Restaurantkultur, wie wir sie kennen, entwickelt sich hier erst langsam; normalerweise essen die Menschen zuhause oder – bei der Arbeit und auf Reisen – in Garküchen, wo es nur darum geht, für möglichst wenig Geld satt zu werden.

Basis-(gesundheits-)dienst

1. Mai 2012

Neulich traf ich Abel Mapunda, als er gerade aus seinem Büro zum Mittagessen ging. Da er schon öfter in meinem Büro war, kehrte er um und zeigte mir seines. Als Leiter des Basisgesundheitsdienstes geht er zum Beispiel in die Grundschulen und klärt über grundlegende Hygieneregeln auf (so ungefähr: „Vor dem Essen Händewaschen nicht vergessen !“). Ein anderes Programm von ihm ist der Brunnenbau, damit auch die Menschen auf den Dörfern über sauberes Trinkwasser verfügen können. So sorgt er dafür, dass das Krankenhaus weniger Patienten hat – und das im Auftrag des Krankenhauses! In seinem Büro hängt ein großes Plakat, das seine Arbeitsweise verdeutlicht: Ganz klein oben in der Ecke ein Hochhaus mit der Beschriftung „Gesundheitsministerium“, von dort geht ein Pfeil über „Bezirksgesundheitsamt“ (ein etwas kleineres Hochhaus) und „Krankenhaus“ (ein Haus) zu einem Kreis von fünf oder sechs Menschen, die vor einer Hütte unter einem Baum diskutieren. Diese Szene nimmt den größten Teil des Bildes ein. Spontan sage ich zu ihm: „Ich mache eigentlich dieselbe Arbeit.“
Jeden Morgen um 8 treffe ich mich mit den fünf Mitarbeitern der Verwaltung, um die Angelegenheiten des Tages zu besprechen. Manchmal sind wir nach zwei Minuten fertig, manchmal erst nach einer halben Stunde. Dann steht oft ein Besuch in einem der Betriebe der Abtei an. Da hat es sich bewährt, zu zweit oder zu dritt hinzugehen. Wenn mein Suaheli an seine Grenzen kommt, und wenn mir die Erfahrung in afrikanischer Verhandlungsführung fehlt, dann kann ich mich auf Br.Petro und Herrn Kafupi verlassen. Letzten Freitag zum Beispiel waren wir auf dem Klosterbauernhof. Gegen 9 waren wir dort; bis 13 Uhr haben wir geredet, dann gab es Mittagessen, und nach fünf Stunden waren wir dann – alle ziemlich erschöpft – wieder zurück. Etwas anstregend das Ganze, vor allem, weil es hier nicht üblich ist, zwischendurch mal etwas Wasser anzubieten, aber lohnend war es. Br.Mauro, der tansanische Leiter des Bauernhofes, erwähnte zum Beispiel, dass es schwierig ist, Käufer für die Milch zu finden. Ich daraufhin: „Wir haben doch einen Laden in Songea. Können wir die Milch nicht dort verkaufen ?“ Er: „Die Milch muss gekühlt werden, und in Songea gibt es keine zuverlässige Stromversorgung.“ Herr Kafupi: „Dann nehmen wir doch einfach einen Solarkühlschrank.“ Solarmodule mit Batterie sind hier einfach zu bekommen und zu installieren. Wieder ein Problem weniger.