Von Weltreisenden und betrunkenen Helden

Andreas Hommel, mein „Konkurrenz-Blogger“, ist seit gestern früh auf dem Weg nach Dar es-Salaam, von dort will er nach Neuseeland fliegen. Drei Monate Tansania, drei Monate Neuseeland, schließlich drei Monate Australien, so sieht die Weltreise durch lauter Links-Fahr-Länder aus, auf der er sich befindet. Danach muss er zu seinem Arbeitgeber zurück, denn er hat für diese Reise nicht etwa gekündigt oder unbezahlten Urlaub bekommen – nein, der Hobby-Marathonläufer hat sich auch beruflich sehr angestrengt und baut jetzt seine Überstunden ab ! Also, Andreas: Safari njema, es war schön, Dich hier kennen gelernt zu haben, wir werden Dich vermissen. (Für alle, die kein Suaheli können: Safari njema heißt „Gute Reise“)
Erich Lochow ist zum Glück noch da. Der KfZ-Mechaniker arbeitet seit knapp 3 Jahren bei uns. Vorher hat er schon in diversen anderen Ländern gearbeitet, am besten hat es ihm in Laos gefallen. „Laotisch ist mir nicht schwer gefallen, das ist eng mit Thai verwandt, und Thai konnte ich ja schon.“ Als nächsten Einsatz hat man ihm Vietnam vorgeschlagen, aber er zögert noch, denn: „Mit 62 Jahren soll ich noch Vietnamesisch lernen ?“ Als wir neulich bei ihm und seiner thailändischen Frau Noi eingeladen waren (das Foto zeigt ihn zwischen Br.Dietmar und Andreas), befand sich die Tochter, eine Flugbegleiterin, gerade in den USA, der Sohn gerade in Australien. So waren alle fünf Kontinente im Gespräch vertreten. Die netteste Geschichte aus seinem reichen Erfahrungsschatz: Bei einem früheren Einsatz im Norden Tansanias bat der Nachbar, seine gerade verstorbene Mutter in der Tiefkühltruhe der Lochows ablegen zu dürfen, weil in der städtischen Leichenhalle die Kühlung immer ausfiel. Auf die Antwort, dass die Truhe voller Wurst sei, sagte der Nachbar: „Mutter ist ziemlich klein.“ Die beiden haben natürlich abgelehnt, was der Nachbar wiederum gar nicht verstehen konnte.
Calvin muss ich natürlich auch erwähnen. Dieser Südafrikaner mit englischer Staatsbürgerschaft radelte in Mbamba Bay an der Bar vorbei, wo wir uns gerade von der Fahrt erholten. Er sah uns, wendete und sagte: „Ich habe seit Wochen keine Weißen mehr gesehen.“ Von den 16 000 km zwischen London und Durban hat er bereits 12 000 mit dem Fahrrad zurückgelegt, wobei er allerdings ein bisschen gemogelt hat, indem er von Italien bis Kairo das Flugzeug benutzt hat. In Mbamba Bay musste er auf ein Boot warten, das ihn auf die andere Seite des Sees bringt, so hatte er seine 75 kg Gepäck in der Unterkunft gelassen und war noch ein wenig ohne Gepäck durch den Ort gefahren.
Adelin hat uns in Mbamba Bay mit dem Boot gefahren. Vor Jahren hat ein Krokodil seinen Arm geschnappt. Oft gehen Begegnungen mit Krokodilen tödlich aus, aber er konnte sich losreißen. Das Krokodil erwischte dann den anderen Arm, aber er entkam ein zweites Mal. Die Narben sind noch da, aber er hat sein Leben und beide Arme behalten. Als ich ihn auf diese Geschichte, die in Mbamba Bay jeder zu kennen scheint, anspreche, sagt er, ich solle ihn doch bitte nicht an diese bitteren Dinge erinnern. Wieso, frage ich, das sei doch eine Heldentat gewesen. Am Abend kommt er an der Bar vorbei (so wie Calvin am Vortag), der Abt lädt ihn zu einem Bier ein. Er aber lehnt dankend ab: Er trinkt keinen Alkohol mehr, seit das mit dem Krokodil passiert ist, denn damals war er betrunken.
Das untere Foto zeigt ihn, wie er mit seinem Einbaum den Außenbordmotor und den Benzinkanister zu dem Motorboot hinrudert, mit dem wir dann gefahren sind.

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