Archive for November 2011

Und sie stechen mich doch

9. November 2011

In Afrika übertragen die Moskitos Malaria, sind aber so freundlich, nur nachts zuzustechen. Deshalb kann man sich mit einem Moskitonetz über dem Bett ziemlich gut schützen. Die kubanischen Moskitos sind nicht so rücksichtsvoll; sie stechen zu jeder Tageszeit. Malaria übertragen sie zwar nicht, aber das Dengue-Fieber. Die Wahrscheinlichkeit, bei einem Stich Dengue zu bekommen, ist viel geringer, als die entsprechende Wahrscheinlichkeit für Malaria. Ich schätze mal, dass ich in den ungefähr 30 Monaten auf Kuba 2000 mal gestochen worden bin. Dengue war zum Glück noch nicht dabei.
Regelmäßig gehen die Mitarbeiter der salud pública („Öffentliche Gesundheit“) durch die Häuser, versprühen ein Gas, um die Moskitos auszuräuchern, und schauen in die Gärten, ob irgendwo Wasserlachen zu finden sind, in denen die Moskitos brüten können. Wer seinen Garten nicht in Ordnung hat, muss Strafe zahlen. Vor einer guten Woche gab es eine besonders große Aktion: Innerhalb von drei Tagen wurde das Gift mehrfach von einem Fahrzeug (mit Polizeiwagen vorneweg) in der Straße versprüht (siehe Foto), gleichzeitig kamen die Salud-pública-Leute zweimal in die Häuser. Auf dem gemeinsamen Weg von unserer Kirche bis zur Pfarrkirche (drei Häuserblocks) machte mich unser Pfarrer in den Tagen danach mehrfach auf Wasserlachen auf der Straße und hohe Grasbüschel aufmerksam: „Das können die doch gar nicht alles wegmachen.“ Leider hat er Recht. Spätestens gestern war die Mückenpopulation nach meiner persönlichen Einschätzung wieder auf dem Stand von vor der Gift-Aktion. Mückenspray ist seit Monaten nicht erhältlich. Ein Trost bleibt: Oft spüre ich den Stich schon während die Mücke noch auf meinem Fuß sitzt. Dann kann ich zuschlagen. Und die Mücke ist im Moment ihres Todes wahrscheinlich so glücklich wie ein Baby, das gerade an der Brust seiner Mutter saugt. Sie stirbt einen schönen Tod, und ich habe Ruhe und Frieden – für ein paar Stunden, bis die nächste kommt.

Advertisements