Archive for August 2011

Hitzefrei

25. August 2011

In der Nacht zu gestern ist der Hurrikan Irene nördlich an Kuba vorbeigezogen. Hier in Havanna war gar nichts zu spüren, nur schwüle Hitze. Die hat sich aber nicht in einem Gewitter entladen, es gab nicht einmal ein kleines bisschen Regen und auch keine Abkühlung. Gestern habe ich meinen Spanischlehrer mit der Forderung „Hitzefrei“ empfangen. Er kann ein wenig Deutsch, aber das Wort war ihm unbekannt. Auf meine Erklärung hin meinte er, Hitzefrei gebe es auf Kuba nicht, sonst würde ja nie Unterricht stattfinden. Am Mittag kam dann eine meiner Deutschschülerinnen vorbei und fragte, ob wir den Unterricht nicht am 15.September fortsetzen könnten. Wenn wir wie geplant am 1.September wieder anfangen würden, wäre es doch noch viel zu heiß, und außerdem seien Anfang September ja auch noch Schulferien.
Also: Es besteht Hoffnung, dass die Hitzewelle irgendwann abebbt.
Das Foto von den beiden jungen Männern, die an der Hafeneinfahrt ins Meer springen, habe ich gestern gemacht. Der Spaß bringt zwar Abkühlung, ist aber wegen der Felsen im Wasser absolut nicht zu empfehlen.

Langsam ankommen

21. August 2011

So richtig angekommen bin ich noch nicht wieder hier in Kuba – es ging ja auch ein bisschen schnell. Vor einer Woche stand ich noch mit mehreren Hundert benediktinischen Mönchen, Lehrern und Schülern bei Nacht auf den Felsen des Montserrat (am rechten Rand des Fotos) und sang ein Lied auf Suaheli, das die Teilnehmer aus Tansania mitgebracht hatten. Meine Gedanken gingen drei Jahre zurück. Und am nächsten Morgen brachte mich dann die freundliche Schülermutter, von der ich im vorigen Artikel berichtet habe, zum Flughafen von Barcelona, am Mittag war ich in Frankfurt, und am Abend haben mich Br.Jacques und Br.Cyrille schon in Havanna abgeholt. Cyrille habe ich erst einmal für eine Woche in Urlaub geschickt, denn er hat mich in den vergangenen zwei Monaten hier vertreten. Jetzt erholt er sich hier ganz in der Nähe in einem ruhigen Haus von Ordensschwestern. Jacques und ich sind zusammen mit einem Kubaner, der in unsere Gemeinschaft eintreten möchte, im Moment alleine hier.
Damit ich also ankomme, schreibe ich jetzt etwas, das Montserrat mit Kuba verbindet: Nach der Sonntagsmesse in Montserrat sah ich vor der Kirche die erwähnte Schülermutter im Gespräch. Ich stellte mich dazu und sagte, „Permiso“, „(Mit Ihrer) Erlaubnis“. Später fragte ich, ob das in Spanien überhaupt üblich sei, „permiso“ zu sagen, wenn man ein Gespräch unterbricht. Die Antwort: „Wenn man sehr höflich ist, ja.“ „Oh,“ sagte ich, „demnach sind die Kubaner alle besonders höflich.“ Auf Kuba erbittet man nämlich bei jeder Gelegenheit „Erlaubnis“. „Permiso“ sagt man, wenn vor den anderen vom Essen aufsteht, wenn man ein Gespräch von Dritten unterbrechen will, vor allem, wenn man an jemandem vorbeigehen möchte. Höflich allerdings klingt das nicht immer, oft schreit ein Kubaner „permiso“ in einem Ton, der nicht besser ist als „Platz da !“

Wo war ich eigentlich ?

18. August 2011

Offiziell ist die Antwort auf die Frage, wo das Kloster Montserrat (siehe vorigen Artikel) liegt, ganz einfach: In Spanien. Auch laut der spanischen Wikipedia liegt Montserrat in Spanien. Aber es gibt auch eine Wikipedia auf Katalanisch, die Spanien in der Ortsangabe einfach verschweigt („Liegt bei Barcelona und ist ein Symbol Kataloniens“). Auf Kuba kenne ich mehrere katalanische Priester, die mir alle gesagt haben, wie wichtig das Kloster von Montserrat für die Bewahrung der katalanischen Identität war. „War ? Ist ! Unsere Identität und unsere Sprache sind immer noch gefährdet. Unter der Diktatur Francos (gest. 1975) hat die Armee Montserrat umstellt. Das war wie bei Asterix,“ sagt mir eine Schülermutter, die bei der Organisation des Kongresses hilft, als ich ihr erzähle, was ich von den Katalanen auf Kuba gehört habe. In der Messe am Sonntag fotografiere ich einen Schüler der berühmten Sängerschule von Montserrat, dessen T-Shirt eine eindeutige Botschaft für uns ausländische Gäste enthält (auf Englisch): „Mach keinen Fehler. Ich bin Katalane. Also bin ich nicht spanisch.“ Ich frage ihn, zu wie viel Prozent das ernst gemeint sei. „100 Prozent,“ sagt er, sein Mitschüler pflichtet ihm bei. Die jungen Leute meinen, Katalonien sollte ein unabhängiger Staat werden. Noch ein Zitat von der Schülermutter: „Wenn ich mit den Behörden zu tun habe, spreche ich grundsätzlich kein Spanisch. Die Beamten sind verpflichtet, Katalanisch zu können. Nur wenn ein Beamter mir sagt, dass er gerade erst nach Katalonien versetzt worden ist, mache ich eine Ausnahme.“ Als ich bemerke, dass in der Sonntagsmesse außer Katalanisch und Latein mit Rücksicht auf die Gäste auch Englisch und noch eine weitere Sprache (Polnisch ?) benutzt wurden, aber kein Spanisch, schaut sie mich nur mit einem Blick an, der ungefähr sagt, „Hast du immer noch nicht gemerkt, dass wir keine Spanier sein wollen ?“
Die Kongressteilnehmer aus Australien, Chile, Guatemala und Kanada haben große Nationalflaggen in die Fenster ihrer Zimmer gehängt. Aus dem Fenster der Ettaler Gruppe hängt eine bayerische Fahne, keine deutsche. Wollen die jetzt auch anfangen, eine eigene nationale Identität zu verteidigen ? Immerhin unterscheidet sich das Bayerische mindestens so stark vom Hochdeutschen wie das Katalanische vom Spanischen.

Ich bin wieder da

16. August 2011

Gestern Abend bin ich nach zwei Monaten „Auftanken in Europa“ wieder in Kuba angekommen. Die letzten Tage vorher hatte ich am IBYC in Montserrat bei Barcelona teilgenommen, dem Internationalen Benediktinischen Jugendkongress, der mich vor drei Jahren nach Australien geführt hatte. Es gab ein Wiedersehen mit vielen Lehrern, die ich von früheren Kongressen her kenne, und auch mit P.Zacharias, der mir vor vier Jahren die ersten Schritte in Peramiho erleichtert hatte, und jetzt als Begleiter der Münsterschwarzacher Schüler dabei war. Ob es auf Kuba auch so heiß sei wie in Montserrat, fragte Zacharias mich. Falls Du dies liest, Zacharias: Beim Verlassen des Flughafengebäudes gestern Abend um Zehn schlug mir deutlich mehr Hitze entgegen als am heißesten Mittag in Montserrat. Br.Cyrille meinte, die Hitze der letzten Wochen auf Kuba sei „ein Ofen“ gewesen. Juni, Juli und August sind die heißesten Monate auf Kuba, insofern besteht Hoffnung, dass es demnächst kühler wird.
Das Foto zeigt den Blick vom Kloster Montserrat Richtung Barcelona an einem kühlen (!) Morgen.