Eine Woche Camagüey


Mehrere Bekannte hatten mir von Camgüey (sprich „Kamagwej“) vorgeschwärmt, deshalb habe ich meinen ersten Urlaub auf Kuba dort verbracht. Eine ländlich geprägte Stadt, in der die Anzahl der Kirchen nur noch von der Anzahl der Fahrräder übertroffen wird. Damit die Touristen trotzdem merken, dass sie nicht in Münster in Westfalen sind, haben die Einwohner von Camagüey überall große Tonkrüge, Tinajones (Foto ganz unten), aufgestellt. Früher dienten diese Tonkrüge dem Aufbewahren von Trinkwasser, heute sind sie ein Wahrzeichen der Stadt.
Camagüey ist die drittgrößte Stadt Kubas, mit Havanna hat es hinsichtlich des Titels „Weltkulturerbe der UNESCO“ gleichgezogen, und die Katholiken können seit 1998 auf Rang eines Erzbistums stolz sein. Ins Auge springen die Unterschiede im Straßenbild: Da ist zunächst die Masse der Fahrräder, dann alle möglichen von Pferden gezogenen Wagen, darunter klassische Kutschen. Die gibt es in Havanna zwar auch, aber dort dienen sie nur der Belustigung der Touristen, während sie in Camagüey ein ernst gemeintes Verkehrsmittel für Einheimische darstellen. Die Häuser sind – abgesehen von ein paar modernen Hochhäusern – alle einstöckig. Die Gemeinsamkeit mit Havanna besteht dann wieder darin, dass einige schrecklich verfallen sind, andere wunderschön restauriert.
Als ich erfuhr, dass die Kathedrale bis 1998 geschlossen war, drängte sich noch ein Vergleich mit Münster auf. Man traut es der biederen, bürgerlichen westfälischen Stadt ja gar nicht zu, und die Münsteraner scheinen sich noch heute dafür zu schämen: Auch in Münster gab es einmal den Versuch, eine ganz neue Gesellschaftsordnung und einen neuen Menschen zu schaffen. Das „Reich der Wiedertäufer“ ging vor knapp 500 Jahren nach einer schrecklichen Belagerung in Strömen von Blut unter, an denen die Wiedertäufer in der Stadt genau so schuld waren wie die katholischen und evangelischen Belagerer.


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