Internet-Probleme

Kurz nach unserer Ankunft, vor anderthalb Jahren, habe ich zum ersten Mal versucht, im Büro der staatlichen Telefongesellschaft ETECSA einen Internetanschluss zu beantragen. „Ja, wenn Sie Ausländer mit befristeter Aufenthaltsgenehmigung sind, dann haben Sie das Recht dazu. Aber im Moment nehmen wir wegen technischer Probleme keine Anträge an.“ Nachdem ich mir im Laufe eines halben Jahres dreimal diese Auskunft geholt hatte, gab ich auf. Vor einem Monat rief Raulito, der Fahrer des Kardinals, mich an: „ETECSA nimmt jetzt Anträge an.“ Sofort fuhr ich zum Büro, und tatsächlich durfte ich einen Antrag schreiben. Man werde mich anrufen, wenn es soweit sei. Zwei Wochen später frage ich nach. Die Auskunft lautet: „Nein, ich kann Ihnen nicht sagen, wann Sie an der Reihe sind. Im Moment bearbeiten wir die Anträge, die zwischen März und Juni eingegangen sind.“ Als ich Raulito davon erzähle, sagt er: „Ich bezahle dort jeden Monat die Rechnung des Bistums. Ich habe jeden Monat nachgefragt. Und bis September haben sie mir immer gesagt, sie nehmen keine Anträge an.“ Also warte ich weiterhin, bis die Anträge der Kunden aus den Monaten abgearbeitet sind, in denen keine Anträge angenommen wurden. In der Zwischenzeit fahre ich ein bis zwei Mal die Woche in die Altstadt, zahle dort 8 CUC pro Stunde und habe das nostalgische Gefühl der 90er Jahre, als das Internet noch richtig langsam war. Immerhin kann ich mein eigenes Notebook benutzen und muss nur die Zeit zahlen, die wirklich online bin.
Ein kubanischer Freund sagte mir, dass man in der Vertretung der USA kostenlos einen schnellen Internet-Anschluss benutzen könne, wenn man sich vorher einen Termin geben lasse. Ich frage nach: „Die USA ? Die Kuba seit 50 Jahren blockieren, die dafür sorgen, dass alle Unterwasser-Kabel einen großen Bogen um Kuba machen, so dass das Internet nur über Satellit nach Kuba gelangt und deshalb so langsam ist ?“ Gestern ruft er mich an: „Ich habe mir einen Termin geben lassen, wir können Freitag zusammen hingehen.“ Ich habe gerade genug Zeit, um mich ein bisschen auf Freitag zu freuen, da kommt schon eine SMS von ihm: „Tut mir leid. Ich habe gerade erfahren, dass das Angebot nur für Kubaner gilt, nicht für Ausländer.“ Okay, denke ich niedergeschlagen, das ist ja eigentlich auch gerecht, schließlich haben Ausländer das Recht, einen Internetanschluss bei ETECSA zu beantragen.
Das Foto zeigt die Vertretung der USA, der ich sicherlich mal einen eigenen Artikel widmen werde.

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Eine Antwort to “Internet-Probleme”

  1. Persistencia, Paciencia, Prudencia « Ein Mescheder auf Kuba Says:

    […] die jeweiligen Inhaltsverzeichnisse und sagt mir dann, dass mein Antrag (siehe den Artikel “Internet-Probleme”) nicht unter den genehmigten Anträgen sei. Persistencia, Beharrlichkeit, ist das erste der drei […]

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