Ich hasse mein Vorbild

„Die Überschrift im Blog wird ‚Ich hasse mein Vorbild‘ lauten,“ sage ich beim Abendessen am 4.8. zu Erzabt Jeremias, der links neben mir sitzt. „Wer ist dein Vorbild ?“, fragt er. Ich weise mit dem Kopf auf den Priester aus Benin, der gerade mit meinem rechten Tischnachbarn, P.Boniface, spricht. Der Erzabt versteht nicht und die Leserin / der Leser vermutlich auch nicht. Gehen wir also einen Tag zurück.
Am 3.8. hält P.Boniface seine letzte Messe als Prior. Der Priester aus Benin filmt während der ganzen Messe ununterbrochen mit seinem Handy. Direkt neben Boniface stellt er sich, während der die Predigt hält. Er geht durch die Kapelle und hält jedem einzelnen Teilnehmer sein Handy vors Gesicht. Zum Glück habe ich keinen Dolch in der Tasche, sonst würde ich womöglich gegen das Fünfte Gebot verstoßen. Am nächsten Morgen hält dann der Erzabt die Predigt. Als der Handy-Filmer sich ihm nähern will, schickt er ihn mit einer so deutlichen Handbewegung weg, dass er endlich sein Handy wegpackt. Offensichtlich teilt der Erzabt meine Vorbehalte gegen so viel Aufdringlichkeit.
Am Nachmittag steht die Wahl des neuen Priors an. Ich bin als Fotograf eingeladen worden, der Erzabt ist der Wahlvorsitzende (ohne Stimmrecht). Und was sagt er, ausgerechnet er ? „Ihr habt zugestimmt, dass Br.Robert den Wahlvorgang fotografiert. Ich habe ihm geraten, sich die Aufdringlichkeit des Priesters zum Vorbild zu nehmen, der gestern gefilmt hat.“ Das Ergebnis sind 365 Fotos an einem einzigen Nachmittag !
Das Foto oben zeigt einen der Mönche, der gerade vom Wahlvorstand die Stimmzettel erhalten hat und jetzt hinter die Trennwand gehen wird, um sein Kreuz zu setzen. Jeder Wähler hält Wahlzettel und Umschlag hoch, um allen zu zeigen, dass er nur einen hat. Es findet also kein Wahlbetrug (wie bei der Wahl des Staatspräsidenten) statt.
Auch dieser Mönch betrügt nicht; zwei der Wahlberechtigten sind nämlich abwesend, Br.Romain, der in den USA studiert, und Br.Martin in unserer Neugründung auf Kuba. Die beiden haben sich je einen Vertreter ausgesucht, der für sie das Stimmrecht ausübt.

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Eine Antwort to “Ich hasse mein Vorbild”

  1. Martin Wind Says:

    Lieber Br. Robert,

    das sind äußerst erfreuliche Nachrichten. Sie wissen, dass mein Hunger nach guten Fotos unersättlich ist. Immer nur her mit der Flut. Ich werde sie kanalisieren!

    herzlich

    martin wind

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