Archive for August 2010

Vergleichende Verkehrsbeobachtung

31. August 2010

Neulich in Togo: P.Boniface sitzt am Steuer des Kleinbusses. In der Dämmerung kommt auf der engen Straße mal wieder ein breites Fahrzeug entgegen. Es reicht gerade so für beide. „Das war aber knapp“, meint eine der beiden Benediktinerinnen, die mit uns unterwegs sind. „Er hat keine Lust zu sterben, und er weiß, dass ich auch keine habe.“ Das scheint mir das Grundprinzip für den Straßenverkehr in Togo zu sein – man geht davon aus, dass der andere schon ausweichen wird. Unpraktisch für die Radfahrer und Fußgänger, die ständig ausweichen müssen.
Auf Kuba, so dachte ich bis eben, läuft der Verkehr dagegen nach dem Motto ab, „Alle leben lassen und bloß keine Delle an meinem schönen alten Auto kriegen.“
Auf dem Weg zum Internetanschluss radle ich auf der zweispurigen Stadtstraße auf eine grüne Ampel zu. Hinter der Kreuzung sehe ich auf dem rechten Fahrstreifen einen Mann mit Handkarren, der nach hinten schaut und hektisch die Hand zu einem international eindeutigen Handzeichen hochreißt: „Stop !“ Auf der linken Spur quietschen die Reifen eines weißen Lieferwagens, der knapp vor einem alten, tief gebeugten Mann mit Stock zum Stehen kommt. Wahrscheinlich war er bei Grün losgegangen, und hatte es nicht rechtzeitig über die Ampel geschafft. Der alte Mann humpelt weiter auf die andere Straßenseite zu, der Lieferwagen rast weiter. Als ich den Handkarrenmann erreiche, spreche ich ihn an: „Was für ein Idiot !“ (Ich meine den Lieferwagenfahrer, was er hoffentlich versteht.) Deutlich steht ihm noch der Schock ins Gesicht geschrieben.

Ich hasse mein Vorbild

31. August 2010

„Die Überschrift im Blog wird ‚Ich hasse mein Vorbild‘ lauten,“ sage ich beim Abendessen am 4.8. zu Erzabt Jeremias, der links neben mir sitzt. „Wer ist dein Vorbild ?“, fragt er. Ich weise mit dem Kopf auf den Priester aus Benin, der gerade mit meinem rechten Tischnachbarn, P.Boniface, spricht. Der Erzabt versteht nicht und die Leserin / der Leser vermutlich auch nicht. Gehen wir also einen Tag zurück.
Am 3.8. hält P.Boniface seine letzte Messe als Prior. Der Priester aus Benin filmt während der ganzen Messe ununterbrochen mit seinem Handy. Direkt neben Boniface stellt er sich, während der die Predigt hält. Er geht durch die Kapelle und hält jedem einzelnen Teilnehmer sein Handy vors Gesicht. Zum Glück habe ich keinen Dolch in der Tasche, sonst würde ich womöglich gegen das Fünfte Gebot verstoßen. Am nächsten Morgen hält dann der Erzabt die Predigt. Als der Handy-Filmer sich ihm nähern will, schickt er ihn mit einer so deutlichen Handbewegung weg, dass er endlich sein Handy wegpackt. Offensichtlich teilt der Erzabt meine Vorbehalte gegen so viel Aufdringlichkeit.
Am Nachmittag steht die Wahl des neuen Priors an. Ich bin als Fotograf eingeladen worden, der Erzabt ist der Wahlvorsitzende (ohne Stimmrecht). Und was sagt er, ausgerechnet er ? „Ihr habt zugestimmt, dass Br.Robert den Wahlvorgang fotografiert. Ich habe ihm geraten, sich die Aufdringlichkeit des Priesters zum Vorbild zu nehmen, der gestern gefilmt hat.“ Das Ergebnis sind 365 Fotos an einem einzigen Nachmittag !
Das Foto oben zeigt einen der Mönche, der gerade vom Wahlvorstand die Stimmzettel erhalten hat und jetzt hinter die Trennwand gehen wird, um sein Kreuz zu setzen. Jeder Wähler hält Wahlzettel und Umschlag hoch, um allen zu zeigen, dass er nur einen hat. Es findet also kein Wahlbetrug (wie bei der Wahl des Staatspräsidenten) statt.
Auch dieser Mönch betrügt nicht; zwei der Wahlberechtigten sind nämlich abwesend, Br.Romain, der in den USA studiert, und Br.Martin in unserer Neugründung auf Kuba. Die beiden haben sich je einen Vertreter ausgesucht, der für sie das Stimmrecht ausübt.

Fotos zu den „Häuptlingen“

31. August 2010

Am 20.8. bin ich nach drei sehr schönen, viel zu kurzen Wochen Togo in Deutschland gelandet. Die ersten Artikel habe ich von meinen Eltern aus (herzlichen Gruß !) hochgeladen, den Artikel über die „Häuptlinge“ dann am letzten Dienstag vom Pariser Flughafen aus. Inzwischen bin ich wieder sicher im heißen Havanna gelandet und reiche hier die Fotos zum „Häuptlinge-Artikel“ nach. Der erste Versuch, sie hochzuladen, ist vergangenen Freitag hier an der Internet-Verbindung gescheitert.
Das obere Foto zeigt den Chef-Quartier an seinem großen Tisch, daneben Erzabt Jeremias und rechts die Brüder Eugène und Blaise. Der leere Stuhl zwischen dem Erzabt und Br.Eugène ist meiner, wie man an der Kameratasche sieht, die dahinter auf dem Boden steht.
Das untere Foto zeigt den Häuptling der Peuhl, dahinter in gebührendem Abstand einer seiner ältesten Söhne. Von den jüngeren geht inzwischen einer in Agbang auf die Sekundarschule. „Wir haben ihnen gesagt, dass wir für sie die Brunnen bohren, wenn sie ihre Kinder auf die Schule schicken,“ sagt Br.Eugène mir später. Ich denke an die Unterwürfigkeit, mit der die Peuhl ihrem Häuptling begegnet sind, sogar die erwachsenen Söhne, und frage: „Aber wenn die Söhne Lesen, Schreiben und Französisch können, untergräbt das nicht die Autorität des Vaters, der Analphabet ist ?“ „Nein,“ meint Eugène, „auch die Peuhl sehen die Vorteile ein, die sie von der Bildung haben. Übrigens können sie sich dann auch direkt mit den Forschern aus Europa unterhalten, ohne dass ich übersetzen muss.“
Da treffen Welten aufeinander – auf der einen Seite Eugène aus dem Volk der Kabiyé, der Französisch, Englisch und etwas Deutsch spricht, in Österreich gewesen ist und „bildungsferne Familien“ davon überzeugt, ihre Kinder in die Schule zu schicken. Auf der anderen Seite die Häuptlings-Familie vom Volk der Peuhl, die – bis auf den einen Jungen, der zur Schule geht – Analphabeten sind und so urtümlich leben, dass die Ethnologen aus Europa sich bei ihnen „die Klinke in die Hand geben.“
Die Peuhl sind natürlich faszinierend, aber ich möchte nicht der Sohn sein, der schon vom Alter schlechte Zähne hat, aber sich immer noch in respektvollem Abstand hinter seinen Vater, der nicht weiß, wie viele Söhne er hat, auf den Boden hocken muss. Und die Tochter, nach der gar nicht erst gefragt wurde, möchte ich erst recht nicht sein.

Drei Häuptlinge in drei Stunden

24. August 2010

Nach drei Reisetagen in Folge (Donnerstag Abend bis Freitag Nachmittag Havanna – Bonn, Samstag Bonn – Lomé, Sonntag Lomé – Agbang) hatte ich für Montag, 2.August, mit einem ruhigen Tag gerechnet. Bis 16 Uhr passierte auch nichts, dann nahmen die Brüder Réné, Eugène und Blaise Erzabt Jeremias und mich zu einem Ausflug mit. Zuerst ging es zu einem „Chef-Quartier“. Der erwartete uns ins seiner Rundhütte, wo er hinter einem breiten Tisch allein auf einem Plastikstuhl saß. Das Amt des traditionellen Häuptlings ist in Tansania gleich nach der Unabhängigkeit von der sozialistischen Regierung Nyerere abgeschafft worden, in Togo dagegen wird die Rolle der Häuptlinge von Staat garantiert. Der Chef-Quartier erzählt uns mehr: Über ihm steht der Chef-Village („Dorf-Häuptling“), darüber der Chef-Canton. Die Chefs sind für Hochzeiten zuständig, für die Initiationsfeiern und für alle kleineren Streitereien oder Vergehen. Als Beispiele nennt er Streit um Land, Streit um Frauen, Anklagen wegen Zauberei oder Diebstahl. Wenn aber Blut geflossen ist, dann ist die Gendarmerie zuständig. Ob das Amt erblich sei oder ob die Chefs gewählt würden, will der Erzabt wissen. „Das Amt wird auf Lebenszeit vergeben.“ (Das galt wohl auch für den vorigen Staatschef: Der war von 1967 bis zu seinem Tode 2005 im Amt) „Wenn es Probleme gibt, kann man ihn allerdings absetzen“ (Mit dem vorigen Staatschef gab es Probleme, aber das mit dem Absetzen hat nicht geklappt.) „Der Chef wird gewählt“ (Der Staatschef kam 1967 durch Militärputsch an die Macht.) „Das Amt ist nicht erblich, ein Chef wird gewählt.“ (Der jetzige Staatschef ist der Sohn des vorigen – die Parallelen zwischen Staats- und Dorfchef sind also begrenzt).
Da der Chef bisher von seinem Sitz nicht aufgestanden ist, auch nicht zur Begrüßung, bin ich doch überrascht, als er uns bis zum Auto begleitet. Auf der Fahrt frage ich Br.Eugène, welcher Religion das „Quartier“ angehört, das wir gerade besucht haben. „Unterschiedlich. Der Chef gehört zu den Assemblies de Dieu, ebenso der Chef-Canton (einer auch in Tansania bekannten christlichen Sekte). Aber der Chef-Village ist ein Charlatan.“ „Was heißt das ?,“ fragt der Erzabt. „Er heilt und steht in Kontakt mit den Geistern, man sagt auch Marabou zu solchen Leuten. Auch der Chef, zu dem wir jetzt unterwegs sind, heilt, vor allem seelische Krankheiten. Er hat sogar Patienten aus Lomé.“
Die Bewohner des nächsten Quartiers gehören zum Volk der Peuhl (sprich „Pöhl“), einem Nomaden-Volk, das in vielen Ländern Westafrikas anzutreffen ist. Der Chef kommt uns entgegen, erteilt seine Anordnungen, dann werden die Stühle für uns auf den Platz unter dem großen Baum vor der Ansiedlung getragen. Gerne hätte ich ihn in seinem farbenprächtigen Chefsgewand fotografiert. Aber als Br.Eugène meine Frage übersetzt, ob ich fotografieren darf, sagt er: „Da ziehe ich aber mein Festgewand an.“ Das ist zwar eindrucksvoll und sicher viel teurer als das andere, aber das andere hätte sich auf dem Foto besser gemacht.
„Wie viele Söhne hat er ?“, fragt der Erzabt. Br.Eugène übersetzt. Der Chef fragt seine älteren Söhne, die im Hintergrund stehen. Die gehen in den Hof, um die fünf Frauen des Chefs zu fragen. Schließlich kommt die Antwort: 14, die noch leben. Viele sind gestorben. Über die Anzahl der Töchter erhalten wir keine Auskunft, aber die Frauen verlassen den inneren Bereich der Ansiedlung auch gar nicht.
Zum Abschied drückt einer der jüngeren Söhne (der in Agbang auf die Schule des Klosters geht) dem Erzabt ein lebendes Huhn in die Hand, das in Agbang in den Kochtopf wandern wird. Auch das ist ein Unterschied zu Tansania: Dort gibt es eine starke Erwartungshaltung, dass der Gast aus Europa etwas gibt. Und wenn man dem Europäer etwas schenkt, dann macht man dort sehr deutlich, dass man ein größeres Gegengeschenk erwartet („Diese Hemden sind der Dank für die Gottesdienste, die du zwei Monate lang bei uns sonntags gehalten hast. Du erinnerst dich doch, dass wir einen Strom-Generator für die Kirche brauchen ?“)
Es geht zurück zum Kloster, um 18:15 ist Messe. Prior Boniface, der Gründer des Klosters Agbang, hat zum 25-jährigen Jubiläum seinen Rücktritt angekündigt. Für übermorgen ist die Wahl seines Nachfolgers angesetzt. Seine völlig frei gesprochene Predigt klingt wie ein Vermächtnis. Man könnte eine Stecknadel fallen hören, so still ist es in der Kirche: „Auch eine Gemeinschaft hat das Recht auf ihre Intimität. Sollen wir daher sagen, wir sorgen für uns selbst ? Oder sollen wir unserem Volk dienen, das sein Elend herausschreit (qui crie sa misère) ?“
Erzabt Jeremias hatte die Pause, als der Vater der 14 lebenden Söhne sich umzog, genutzt, um die Brüder zu fragen, wie er denn in seiner Predigt am Jubiläumstag den Leuten vermitteln könne, dass der „Häuptling“ des Klosters zurücktritt und nicht wie seine „Kollegen“ im Chef-Amt bis zum Tode an seinem Posten klebt. In der Kirche ist das anders, er setzt ein Zeichen, dass es auch anders geht, lautet die Antwort. „Das verstehen die Leute ?“, fragt der Erzabt nach. „Ja, das verstehen sie.“ Die Antwort kommt voller Überzeugung. Offensichtlich kommt es heute auch in Togo nicht mehr so gut an, wenn ein und dieselbe Person über Jahrzehnte im Amt bleibt.

ηlabaγle heißt „Danke“

24. August 2010

Das Volk der Kabiyé in der Region um Agbang umfasst über eine Million Menschen, ihre Sprache ist eine der drei offiziellen Sprachen Togos. Meine kubanischen Brüder Martin und Cyrille und auch P.Boniface (siehe vorigen Artikel) gehören zu diesem Volk. Die 2 Millionen Sprecher des Ewé leben vor allem in der Gegend um die Hauptstadt Lomé im Süden. Br.Jacques gehört zu ihnen. Wie aber verständigt sich die andere Hälfte der 6 Millionen Togolesen ?
Als ich mit P.Boniface in den äußersten Norden des Landes gefahren bin, merkte ich, dass auch er als Einheimischer sich nur auf Französisch mit den Menschen dort verständigen kann. Die Franzosen waren bis vor 50 Jahren die Kolonialherren und ihre Sprache ist weiterhin die erste Landessprache und die Unterrichtssprache in allen Schulen. Das hat den großen Vorteil, den mir ein Mönch in Dzobegán so erklärte: „Ich stamme aus der Zentralafrikanischen Republik. Aber auf Französisch kann ich mich in ganz Westafrika und sogar auf Madagaskar verständigen“.
Ein Nachteil ist, dass nach wie vor viele Menschen – vor allem Frauen – kein Französisch können, weil sie nie eine Schule besuchen durften. Heute besuchen die allermeisten Kinder die Schule, plappern munter drauflos und lassen ihre Eltern „alt aussehen“.
Der andere Nachteil ist, dass Kabiyé und Ewé in der Schule nur Wahlfächer sind, man also die Schule gut abschließen kann, ohne je die Rechtschreibung und Grammatik der Muttersprache zu lernen. Dabei sind die gar nicht so einfach – das Foto zeigt ein Stück eines Hemdes, das zum 80.Geburtstag einer verdienten Persönlichkeit bedruckt wurde. Erzabt Jeremias meinte, als sein Blick darauf fiel: „So eine unpraktische Schrift kann sich doch nur ein katholischer Priester ausgedacht haben – griechische und lateinische Buchstaben zur Schreibung einer Sprache kombinieren !“ Wir erinnern uns beide noch an die Probleme, die der Verlag der Abtei Münsterschwarzach in den 90er Jahren hatte, als es darum ging, einen Computer-Zeichensatz für die Kabiyé-Bibel zu entwerfen, an der P.Boniface mitübersetzt hatte.
Während einige Togolesen von der Kommunikation außerhalb ihrer Region ausgeschlossen bleiben, weil sie nie die Schule besucht haben, haben andere sich zu wahren Sprachgenies entwickelt. Br.Eugène z.B. kann nicht nur problemlos zwischen Kabiyé, Französisch und Englisch umschalten, er spricht auch etwas Deutsch. Und als wir einen Häuptling des Nomaden-Volkes der Peuhl besuchen, unterhält er sich mit ihm flüssig in einer Sprache, die anders klingt als das Kabiyé, das ich bisher gehört habe. „Was hast du mit ihm gesprochen ?,“ frage ich ihn. „Kotokolí und etwas Peuhl. Aber Peuhl kann ich nicht so gut.“
Wahrscheinlich ist sein Peuhl besser als mein Französisch.

Salatmarinade

23. August 2010

„Jacques und ich fahren heute nach Dzobegán, dem Kloster, aus dem Boniface und er ausgetreten sind,“ sage ich zu Br.Jean-Baptiste. „Ich bin da auch ausgetreten,“ antwortet er.
Die Geschichte von Agbang begann, als der junge Mönch Boniface Tiguila beschloss, Dzobegán zu verlassen. Zum Jubiläum hat er geschrieben, das Kloster – von Franzosen gegründet – sei ihm zu europäisch gewesen, was man z.B. an der Salatmarinade gesehen habe. Boniface hat 1985 seinen afrikanischen Gegenentwurf, das heutige Kloster Agbang, gegründet. Die ersten, die sich ihm dort anschlossen, waren Verwandte, Schulfreunde und andere Mönche, die Dzobegán verlassen hatten, darunter Br.Jacques, der heutige Prior unseres Klosters auf Kuba.
In Dzobegán begann also vor 25 Jahren die Geschichte meiner Reise zum Silbernen Jubiläum von Agbang.
Tatsächlich erinnert mich der Speisesaal (Foto) stark an Frankreich, und ich kann mir auch heute noch, wo kein einziger Franzose mehr in Dzobegán lebt, vorstellen, was Boniface mit seinem starken Bewusstsein für die afrikanische Kultur dort gestört haben könnte (allerdings kann ich mir auch vorstellen, dass eine gewisse Abneigung, sich in eine bestehende Gemeinschaft einzuordnen, ebenfalls eine Rolle bei seinem Entschluss gespielt hat).
Dass Jacques oder die anderen Benediktiner von Agbang aber irgendwie als „Abtrünnige“ betrachtet würden, konnte ich nicht feststellen – im Gegenteil, der Empfang war sehr herzlich und man hat uns viele interessierte Fragen über Kuba gestellt.
Mich hat es nach zwei Wochen afrikanischer Küche in Agbang (Fledermäuse; siehe vorigen Artikel) sehr gefreut, dass die Küche in Dzobegán nach wie vor einige europäische Traditionen bewahrt, darunter auch die Salatmarinade.

Wieder zurück aus dem Funkloch

22. August 2010

1.August, 18 Uhr abends. In der Bezirksstadt Kara verlassen wir die Hauptstraße (Togo ist lang und schmal, deshalb gibt es eigentlich nur eine Hauptstraße im Land, siehe die fotografierte Karte) und biegen auf die Sandpiste nach Agbang ab (der blaue Punkt in der Karte). Erzabt Jeremias holt sein Handy heraus, ruft einen seiner wichtigsten Mitarbeiter an: „Ich wollte mich nur kurz melden, bevor wir in das Funkloch kommen.“ Mit dem Funkloch hat er sich geirrt, denn seit seinem letzten Besuch ist endlich auch Agbang mobil erreichbar, aber abgesehen davon liegt das Kloster immer noch richtig „im Busch“ (dans la brousse). Als 1988 die beiden ersten Äbte unserer Kongregation aus Europa kamen, um sich das neue Kloster anzusehen, hat der Bischof nach einigen Tagen jemanden vorbei geschickt, weil er sich ernste Sorgen um das Wohlergehen der beiden Gäste aus Europa machte. Dieses Jahr feiert das Kloster sein 25-jähriges Bestehen (das ist der Anlass der Reise von Erzabt Jeremias und mir), und in den Jahren ist einiges geschehen, die Zimmer (zumindest die Gästezimmer) haben fließend Wasser und Dusche; an fast allen Tagen kommt auch wirklich Wasser aus den Leitungen (leider nicht auf den Toiletten auf dem Gang, dort muss man zum Spülen einen Eimer in das Becken schütten). Es gibt einen Generator, der zwischen Dunkelwerden und 21 Uhr Strom liefert, manchmal zusätzlich am Vormittag. Für die europäischen Gäste steht immer Mineralwasser bereit, und die Küche gibt sich Mühe, Spaghetti, Omelette und andere Ergänzungen zu liefern, damit die Gäste aus Europa nicht Pâte oder Chauve-Souri essen müssen. Aber Pâte (eine Art festgekochter Maisbrei) ist wirklich nicht schlimm (in Tansania heißt dieselbe Speise „Ugali“, und nach einem Jahr hatte ich mich daran gewöhnt), und Chauve-Souri (siehe unteres Foto) gab es nur einmal als Festtagsessen – ich habe sie im Gegensatz zur Pâte verschmäht.
Internet-Anschluss und damit Bloggen war unmöglich, ich habe allerdings einige Artikel in den Computer getippt, die ich in den nächsten Tagen hochlade.