Botschaften

Heute Morgen habe ich per E-Mail den Flugplan für den Heimaturlaub meiner togolesischen Brüder erhalten. Der Flug geht über Paris, und das Reisebüro schrieb dazu: „Wir wissen nicht, ob sie für Paris ein Transitvisum benötigen. Air France konnte oder wollte am Telefon keine Auskunft dazu geben. Bitte wenden Sie sich an die französische Botschaft in Havanna.“
Anschließend habe ich meine Internetsitzung für zwei Stunden unterbrochen, um um 11 Uhr meinen Termin an der Botschaft von Benin wahrzunehmen (Togo, mein Reiseziel, hat keine Botschaft auf Kuba, aber das Visum für Benin gilt gleich für 5 westafrikanische Staaten). „Kommen Sie bitte um 2 wieder, der Botschafter hat Ihr Visum noch nicht unterschrieben,“ beschied man mir.
Alexis, ein kubanischer Freund unserer Gemeinschaft, hat ein Stipendium zum Studium in Italien bekommen. Er hat bei der italienischen Botschaft angerufen, dort hat man ihm gesagt, er finde die nötigen Informationen im Internet. Einige Kubaner, darunter Alexis, haben E-Mail, aber Zugang zum Web hat fast niemand. Also habe ich für ihn die schlecht organisierten Seiten der italienischen Botschaft durchsucht und herausgefunden, dass man sich online einen Termin für die Antragstellung geben lassen kann – der erste freie Termin fand sich Mitte Oktober. Sein Studium beginnt im September, verzweifelt schrieb er eine E-Mail an die Botschaft. Er erhielt tatsächlich eine Antwort: Visa für Studienzwecke werden ohne Termin, schnell und kostenlos erteilt. Davon stand im Internet nichts, aber immerhin hat er jetzt ein Visum. Das gilt aber nur für Italien, nicht für die anderen Schengen-Staaten. Erzabt Jeremias hat ihn nach St.Ottilien eingeladen, dafür muss er sich bei der deutschen Botschaft um ein Touristen-Visum bewerben. Das kostet einschließlich Versicherung 110 Euro, also ein knappes kubanisches Jahresgehalt. Aber: „Das braucht nur ein paar Tage, die deutsche Botschaft hat den besten Ruf unter den europäischen Botschaften in Havanna,“ so Alexis (Das hat er wirklich gesagt !, ich schreibe das nicht, um die Leser/innen zu trösten, die immer noch unter dem Spanien-Spiel leiden).
Kubaner mit Verwandten in den USA können ein Visum bei der US-Interessenvertretung (eine Botschaft der USA gibt es nicht) beantragen. „Jeder Antrag kostet 120 $, und wenn der abgelehnt wird, bekommt man das Geld nicht zurück. Meine Mutter hat das Visum erst beim dritten Antrag bekommen,“ erzählte mir ein Kubaner.
So, jetzt fahre ich zum zweiten Mal zur Botschaft von Benin, mal sehen, ob ich das Visum bekomme oder wenigstens meine 50 CUC (45 Euro) zurückerhalte. Morgen Abend soll der Flug gehen, so Gott und der Botschafter wollen.

Eine Antwort to “Botschaften”

  1. Dr. Benedikt Vallendar Says:

    Lieber Bruder Robert,

    leider klappt Ihre E-Mail-Adresse, die mir P.Karl gegeben hat, nicht… Benedictinus@iglesiacatolica.cu ….

    Ich freue mich auf Ihre Nachricht per Mail.

    Mit freundlichen Grüßen

    Benedikt Vallendar

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