Reisen

Ein freundlicher Geschichtsdozent hat mich einmal gefragt, ob die „stabilitas loci“ der Benediktiner nicht bedeute, dass man immer an einem Ort bleibe. Er habe gefunden, dass die Äbte im Mittelalter durch ganz Europa gereist seien.
Letzte Woche waren Br.Ansgar und Br.Stephan bei uns. Br.Stephan ist Missionsprokurator der Abtei Münsterschwarzach, und Br.Ansgar ist in der Kongregationsleitung mein direkter Vorgesetzter in finanziellen Dingen. Vor 16 Jahren war er schon einmal für ein paar Wochen mein Chef, als ich im Krankenhaus von Peramiho ausgeholfen habe, wo er lange Jahre Chefarzt war. Wenn er damals nicht meine Begeisterung geweckt hätte und meinen Horizont nicht erweitert hätte, würde ich wahrscheinlich gerade in Meschede von meinem Schreibtisch auf die Hügel blicken, die das Ruhrtal begrenzen.
Am Sonntag hat Jacques den Kirchenbesuchern einige Abwesenheiten angekündigt: Im Herbst stehen die Heimaturlaube unserer Brüder Vianney (Philippinen), Martin und Cyrille (beide Togo) an. Beim anschließenden Mittagessen hat er sich von Ansgar mit den Worten, „Wir sehen uns dann in China“ verabschiedet, und ist zum Flughafen gefahren. Knappe drei Monate wird er unterwegs sein. Dennoch fiel mir der Abschied nicht besonders schwer, denn Ende nächste Woche will er mich in Lomé in Empfang nehmen, in Togo, wo es das 25-jährige Gründungsjubiläum des Klosters in Agbang zu feiern gilt.
Für mich bedeutet die Reise nach Togo vor allem die Gelegenheit, die Heimat meiner Brüder Jacques, Martin und Cyrille kennen zu lernen. Sie haben ihrerseits bereits letztes Jahr mein Kloster in Meschede und meine Eltern besucht.
Am 24.8. will ich wieder auf Kuba sein; wie das mit dem Bloggen in der Zwischenzeit geht, weiß ich nicht; es heißt, Agbang liege „wirklich im Busch“.
Um also die Frage vom Anfang zu beantworten: Im Prinzip ja, aber eine gute Zusammenarbeit innerhalb unserer internationalen Kongregation ist nur möglich, wenn man sich auch gegenseitig kennt.

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Eine Antwort to “Reisen”

  1. Dr. Benedikt Vallendar Says:

    Sehr lesenswert und informativ, Sie haben einen sehr guten Schreibstil.

    Mit freundlichen Grüßen

    Benedikt Vallendar

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