Fußballfeinde

„Und du, bist du für Ghana ?“, frage ich Br. Cyrille. „Klar doch, Ghana beginnt nur 100 km von meinem Heimatort entfernt.“ (Cyrilles Heimat Togo liegt zwischen Ghana und Benin) „Vom Haus meiner Eltern bis Holland sind es auch nur 100 km, und trotzdem würde ein deutscher Fußballfan nie für Holland sein“, sage ich, und denke dazu, „zumindest kein Sauerländer.“ – „Zwischen Togo und Ghana war das früher auch anders. Damals hat Ghana die Guerilla bei uns unterstützt, aber inzwischen haben sich die Präsidenten versöhnt.“ Das macht mich doch nachdenklich – stammt die Fußballfeindschaft zwischen uns und unseren orangen Nachbarn vielleicht noch aus den Tagen des deutschen Überfalls 1940 ?
Ein paar Tage später kommt unser Gespräch zufällig auf die Reise meiner togolesischen Brüder von Togo nach Kuba. Der erste Versuch im vorigen März war an dem fehlenden Transit-Visum für Paris gescheitert. „Die Franzosen mussten von der WM schon nach Hause fahren. Geschieht ihnen recht. – Malos.“ sagt Cyrille. Das spanische Wort malo kann „böse“ oder auch „schlecht“ bedeuten. Also frage ich nach: „Arrogant ?“ Mit Nachdruck bestätigt er: „Arrogant ! Dieser Sarkozy !“ Die französische Botschaft in Togo hat die Gebühren für das Transit-Visum kassiert, dann aber das Visum nicht erteilt. Sie sind dann schließlich über Deutschland nach Kuba gereist; die deutsche Botschaft war fair: Bei den Deutschen werden Visa-Gebühren nur fällig, wenn das Visum auch wirklich erteilt wird. Und außerdem sind die Franzosen ja die ehemaligen Kolonialherren Togos.
Mal sehen, was passiert, wenn Ghana und Deutschland im Endspiel aufeinander treffen.

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Eine Antwort to “Fußballfeinde”

  1. johannes Says:

    Sauerländer hatten früher mit den Niederländern eine ähnliche Sprache, das Platt. Heute gibt es im Sauerland die Niederländer als willkommene Gäste. Und trotzdem sind Nachbarn ja immer auch Rivalen, zumindest im Fußball-SPIEL. Und beim Fußball sind ernstzunehmende Rivalen immer die besten! Die holen aus einem das beste heraus.
    Hier zeigt sich mal wieder, dass auch innerhalb Deutschlands unterschiedliche Einschätzungen vorkommen.
    Im übrigen wäre ein WM-Sieg der Ghanaer (oder sagt man Ghananesen?) die beste Überraschung, die ich mir denken könnte.

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