„Ein Einschreiben schreiben“

Der Cartoon auf der letzten Seite der „taz“ hatte früher oft einen faulen Postbeamten zum Thema, der von einer alten Dame herausgefordert wurde. Einmal schreckte sie ihn aus seinem Schalterschlaf auf: „Bitte ein Einschreiben.“ Er war völlig entsetzt angesichts der vielen Arbeit, die damit auf ihn zukam: „Ein Einschreiben schreiben ?“
Dienstag war ich mal wieder auf meinem Lieblingspostamt. Ohne Probleme erhielt ich 70 Marken für Briefe nach Deutschland. Zum Schluss fragte die Beamtin noch: „Sie wissen aber, dass die Briefe nicht zertifiziert sind ?“ „Zertifiziert“ ist hier das Wort für „eingeschrieben.“ Das machte mich doch nachdenklich. Aber 70 Briefe als Einschreiben schicken ? Bin ich Krösus ? Am Fenster ist ein leerer Tisch, dort mache ich mich daran, die Marken aufzukleben. Die ersten Briefe habe ich schon eingeworfen, als ein Herr mir auf die Schulter tippt. Noch so jemand, der mit einem Ausländer ins Gespräch kommen will und am Schluss fragt, ob ich nicht ein paar Dollar für ihn hätte, denke ich. Aber nein: Er macht mich darauf aufmerksam, dass die beiden Damen am Schalter hinter mir etwas von mir wollen. Sie fragen: „Wollen Sie die Briefe nicht zertifizieren ?“ – „Was kostet das denn ?“ – „1,75“ – „Und ist das nicht viel Arbeit ?“ – „Die brauchen ungefähr einen Monat.“ – „Nein, ich meine, ob das nicht viel Arbeit für Sie bedeutet ?“ – „Nein, das geht ganz schnell.“ „Ganz schnell“ bedeutet auf Kuba eine gute halbe Stunde, dann bezahle ich mit einem 100-Peso-Schein und sage, „Geben Sie mir nichts zurück“ (Das habe ich von der Kundin vor mir gelernt, damit hat die fleißige Postbeamtin ein Trinkgeld von einem knappen Euro.) Angesichts eines Preises von insgesamt 154 Peso (5 Euro) für 28 nicht eingeschriebene und 42 eingeschriebene Briefe will ich mich nicht beklagen. Die Briefwaage hat ein Gesamtgewicht von 732 Gramm ausgewiesen, das Brötchen, das die Beamtin im angebissenen Zustand zwischendurch auf der Waage ablegte, wog noch 42 Gramm. Das Bild zeigt mein Zertifikat.

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2 Antworten to “„Ein Einschreiben schreiben“”

  1. kieren Says:

    Hallo!
    ich habe versucht ein Kontaktformular zu finden… Trotzdem:-) ich wollte mich einfach bedanken, dass das es das Tnach Programm gibt und dass es kostenlos zur Verfügung steht! Vielen Dank!
    Es ist mir eine große Hilfe und begleitet mich seit meinem Studienanfang.
    Lieben Gruß nach Kuba und Schalom!
    Kieren

  2. Wenn der Postbote klingelt « Ein Mescheder auf Kuba Says:

    […] Tageszeitung durch das halb geöffnete Fenster, aber am Mittwoch klingelte der Postbote mal wieder. Eines der zahlreichen Einschreiben, die ich am 16.2. versandt hatte, war am 22.3. von der Empfängerin in Deutschland abgelehnt worden und kam am 12.5. tatsächlich […]

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