Nachtrag zum Thema „Diakon“

„Ihr hattet doch gesagt, dass ihr keine große Feier wolltet, und dann macht ihr die grandioseste Diakonenweihe, die ich erlebt habe,“ erinnerte uns Erzabt Jeremias scherzend nach der Weihe. Dabei konnten wir wirklich nichts dafür. Kardinal Ortega hatte von sich aus angeboten, die Weihe vorzunehmen. Und dann hatten wir als unerfahrene Ausländer einen seiner Mitarbeiter gefragt, wem wir denn wohl eine offizielle Einladung schicken sollten. Mit meinem deutschen Hintergrund konnte ich mir einfach nicht vorstellen, dass der Apostolische Nuntius, also der diplomatische Vertreter des Papstes auf Kuba, auf eine solche Einladung reagieren würde. Aber in der kubanischen Kirche geht es familiärer zu als in Deutschland. So drängelten sich dann im Altarraum unserer kleinen Kirche mit dem Kardinal und Erzabt Jeremias auch noch der Nuntius und die beiden Weihbischöfe von Havanna. Sogar das immer beliebte Diplomaten-Spiel „Wer darf wo sitzen ?“ deutete sich kurz an, als der Zeremonienmeister der Kathedrale die Sitzordnung umwarf: „Aber den Nuntius könnt ihr doch nicht da unten hinsetzen !“ Doch alle Protokoll-Fragen wurden rechtzeitig vor Beginn der Messe gelöst (Kubaner sind in solchen Dingen recht unkompliziert), und die beiden Weihbischöfe beschwerten sich auch nicht, dass sie auf den Klappstühlen sitzen mussten, die eigentlich für die Messdiener vorgesehen waren.
Was bedeutet das nun für mich ? Der Kardinal hatte auf unseren Wunsch hin in der Predigt betont, dass sich an unserer Stellung in der Gemeinschaft nichts ändern wird. Und an meiner Arbeit in der Verwaltung unseres Chaos hier ändert sich auch nichts. Nach außen hin ist also die wichtigste Veränderung für mich, dass ich jetzt auch hier in den Gottesdiensten predigen kann. Also habe ich am Sonntag zum ersten Mal in einer Fremdsprache gepredigt, die Zuhörer haben mir nachher gesagt, sie hätten mich gut verstanden – Kubaner sind höfliche Menschen. Mein Spanischlehrer hatte vorher Korrektur gelesen und mich so vor der schlimmsten Panne bewahrt. Ich hatte „hacer gracias a Dios“ geschrieben statt „dar gracias a Dios“ – also „für Gott Witze reißen“ statt „Gott Dank sagen“ – in den vielen Bedeutungen des Wortes „gracias“ kann man sich gut verfangen.

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Eine Antwort to “Nachtrag zum Thema „Diakon“”

  1. Br Bakanja Says:

    Congrats!A deacon of God.I still remember your words:“it is not a status“.Therefore do not make it a status but service.Pongezi sana!

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