Weihnachten auf Kuba

Natürlich muss ich noch etwas über Weihnachten schreiben. Schließlich bin ich Deutscher, und als solcher ist mir das Weihnachtsfest wichtig. Wenn ich Kubaner wäre, wüsste ich wahrscheinlich gar nicht, warum am 25.12. arbeitsfrei ist.
Ich habe beim letzten Mal geschrieben, dass auf Kuba Staat und Kirche streng getrennt sind. Das stimmt natürlich, aber so ganz stimmt es auch wieder nicht. (Das geht mir auf Kuba ständig so, alles, was ich über Kuba sage oder schreibe, stimmt, aber zum Teil stimmt es auch wieder nicht). Die Kirche veranstaltet zum Beispiel jedes Jahr zum vierten Advent in der Kathedrale von Havanna ein großes Weihnachtskonzert. Das wird dann rechtzeitig zu Weihnachten in voller Länge im staatlichen Fernsehen ausgestrahlt, einschließlich der Ansprache, die der Kardinal dabei hält. Auf diesem Umweg gibt es also zumindest eine Weihnachtsansprache im staatlichen Fernsehen. Und die Bischöfe der anderen Städte halten auch ihre Weihnachtsansprachen in den regionalen Radioprogrammen.
Die Parteizeitung vom 24.12. scheint Weihnachten auf den ersten Blick zu ignorieren. Die Hauptüberschrift bezieht sich auf die guten Beziehungen zwischen Venezuela und Kuba, das Bild dazu zeigt den venezolanischen Präsidenten Chavez mit einem Kind auf dem Arm vor dem Hintergrund eines kaum lesbaren Schriftzuges „Niño Jesus“ – „Jesuskind“. Der Text dazu erklärt, dass Chavez gerade eine „Mission Jesuskind“ ins Leben gerufen hat, die sich um Kinder in Not kümmern soll.
Nach der Revolution wurde Weihnachten als staatlicher Feiertag abgeschafft, seit ungefähr 10 Jahren ist der 25.12. wieder arbeitsfrei. Die Musik, die laut aus den Häusern der Nachbarschaft dröhnt, ist aber internationale oder kubanische Pop-Musik, weihnachtliche Klänge waren nicht zu hören.
Unsere (kleine) Kirche war am Heiligabend bis auf den letzten Platz besetzt, insofern gibt es also doch Kubaner, die wissen, warum arbeitsfrei ist.
Den „Weihnachtsschmuck“ auf dem Foto habe ich am 9.November (!) in Bogotá (Kolumbien) fotografiert – da ist mir die „Weihnachtsbaumlosigkeit“ Kubas doch lieber; wie gesagt, es gibt genau ein Kaufhaus in der Stadt, das einen hat. In dem Hotel, dessen Internetverbindung ich immer noch benutzen muss, steht allerdings auch einer. Und in den Kirchen wird grundsätzlich am 14.12. ein Weihnachtsbaum aus Plastik aufgestellt.

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