„Glückliche Weihnachten !“

Gestern war ich mal wieder im Hauptpostamt. Dort gibt es keine langen Schlangen vor den Schaltern wie in dem kleinen Postamt in unserer Straße. Ich sah schnell den Schalter mit dem Schild „Briefmarken“. „Bitte Marken für Briefe nach Deutschland. Aber ich brauche 70.“ – „Siebzig ? Gehen Sie bitte zu Schalter 5 um die Ecke,“ sagt die freundliche Schalterbeamtin mit dem Kreuz um den Hals. Schalter 5 ist die Information. Die Beamtin dort geht mit mir zu einem unbesetzten Schalter und überreicht mir dort eine Briefmarke, auf der ich zu meinem Schrecken die Zahl 250 lese. In dem Hotel, wo ich schon einmal eine kleine Menge gekauft habe, kosteten die Marken nur 85 Centavos (70 Euro-Cent; sie zeigen übrigens die Schwebebahnen von Wuppertal und Brisbane). „Aber ich brauche 70.“ – „Siebzig ? Gehören Sie zu einem organismo ?“ – Ich erwarte, dass sie mich zum Postamt für Organisationen schicken wird, das sich vermutlich am anderen Ende der Stadt befindet, und muss daran denken, dass laut dem alten Missionars-Witz im Chinesischen die Wörter für „Postamt“ und „Hölle“ zum Verwechseln ähnlich sind.
„Ja, wir gehören zur Kirche.“ Sie geht mit mir zu dem Schalter, wo ich zuerst war, dort überreicht sie mir dann gemeinsam mit ihrer Kollegin 70 Marken zu je 75 Centavos. Die Zahl 250, die mich zuerst erschreckt hatte, bezieht sich zum Glück auf das Jubiläum „2006 – 250 Jahre kubanische Post“, an das die Marke erinnert. Ich schiebe also 50 CUC durch das Fensterchen und suche in meinem Portemonnaie nach dem Rest, da fragt sie, „Haben Sie denn kein kubanisches Geld ?“ Ach so, die Marken werden in nationaler Währung bezahlt, ich kann die 70 Briefe also für weniger als zwei Euro abschicken (zur Erinnerung: auf Kuba gibt es zwei Währungen, für einen Euro bekommt man ungefähr 30 nationale Pesos oder etwas mehr als einen CUC.) Angesichts dieses Preises nehme ich mir vor, dieses Postamt nie wieder mit der Hölle zu vergleichen.
„Feliz Navidad !“ (Übersetzung siehe Überschrift), wünscht sie mir noch, und mir fällt auf, dass ich diesen Wunsch auf Kuba zum ersten Mal höre. Der Weihnachtsbaum auf dem Foto ist auch der absolut einzige weihnachtliche oder adventliche Schmuck, den ich hier im staatlichen Bereich (Straßen, Geschäfte, Schulen, Gesundheitswesen usw.) gesehen habe; schließlich sind Kirche und Staat auf Kuba strengstens getrennt.

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3 Antworten to “„Glückliche Weihnachten !“”

  1. Andreas Says:

    Hallo zusammen,

    Frohe Weihnachtsgrüße aus dem kalten Neumarkt i. d. Oberpfalz. Grüßt bitte insbesondere P. Emmanuel.

    Andreas mit Familie

  2. Ludwig Says:

    Lieber Robert,

    ich wünsche Dir in Deiner Gemeinschaft eine gute, gesegnete und erneuernde Weihnachtszeit und gutes Geleit, Gelassenheit, Gesundheit und Energie auch über die Jahreswende hinaus in den Jahreskreis.

    Deine Beiträge sind eine stets interessante und anregende Bereicherung mit Blick zum Detail – aufrichtigen Dank dafür!

    Aus einer gar nicht so weit von Dir entfernten Zeitzone grüßt Dich

    herzlich

    Ludwig

  3. Zweite Weihnacht auf Kuba « Ein Mescheder auf Kuba Says:

    […] Letztes Jahr habe ich über die Sensation berichtet, dass im größten Kaufhaus der Innenstadt ein Weihnachtsbaum zu sehen war. Dieses Jahr gibt es fast überall Weihnachtsbäume oder anderen Schmuck in allen Abstufungen von geschmackvoll (eher selten) bis nordamerikanisch-kitschig (eher häufig). Sogar die kleine Bäckerei, wo wir immer unsere Brötchen kaufen, ist geschmückt: Eine Luftschlange ist an die Wand hinter dem Tresen genagelt. In den Kirchen wird der Weihnachtsbaum (aus Plastik, gerne mit blinkenden Lämpchen) schon Mitte Dezember aufgestellt. Das alles kommt mir recht komisch vor, denn auf Kuba sind alle Bäume das ganze Jahr über grün, im Moment ist es zwar etwas kühler, aber Temperaturen unter 5 Grad plus kommen in Havanna nie vor, nicht einmal am frühen Morgen. Das „weiße Zeugs“ zu Füßen des Weihnachtsmannes auf dem Foto ist für den Kubaner also unbekannt, und „Merry Christmas“ kann er sowieso nicht aussprechen. Das Interesse für die deutsche Art, Weihnachten zu feiern, ist groß: Dienstag habe ich einen Vortrag vor einer Pfarrgemeinde auf dem Land gehalten, die erste Frage im Anschluss lautete, wie denn Weihnachten in Deutschland gefeiert würde. Eine Sängerin unseres Kirchenchores, hat mich vor der Christmette nach dem Text von „Noche de Paz“ auf Deutsch gefragt. Der Leser und die Leserin wird sich wohl denken können, welches international bekannte deutsche (bzw. österreichische) Weihnachtslied sich hinter dem spanischen Titel „Nacht des Friedens“ verbirgt. In Deutschland finde ich es ja immer sehr kitschig, aber es hier in der Christmette auf Deutsch zu hören, war dann doch schön. (Siehe auch das Weihnachtsfest in Peramiho vor drei Jahren.) […]

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