Zurück aus Kolumbien

Wir haben zwei Wochen in El Rosal bei Bogotá verbracht, dann eine Woche in Guatapé bei Medellín, zwei Tage in Medellín selbst, immer bei Benediktinern. Am Samstag sind wir dann nach Bogotá zurückgeflogen, sind mit dem Kleinbus in die Departements-Hauptstadt Villa Vicencio gefahren (90 km, drei Stunden, von 2700 m Höhe auf 400 m, 20.000 Peso pro Person, also 8 Euro), haben dort eine deutsche Agraringenieurin besucht, die uns vielleicht bei der Planung in Kuba helfen kann, sind am Sonntag mit ihr nach Bogotá zurückgefahren, haben wieder in El Rosal übernachtet, gestern sind wir über Panama nach Kuba zurückgeflogen.
Wir waren auf über 3000 Höhenmeter und auf unter 400 m, haben gefroren und geschwitzt, viele schöne Dinge gesehen und erlebt und mit vielen Menschen gesprochen. Ich weiß nicht so recht, ob mir ein Land gefällt, in dem manche Schüler/innen nach der 5-jährigen Grundschule keine weitere Ausbildung erhalten, weil die weiterführenden Schulen Geld kosten (Tansania, eines der ärmsten Länder der Welt, ermöglicht immerhin 7 Jahre Grundschule). In dem knapp 10 Prozent der Bevölkerung als Vertriebene in die Städte fliehen mussten, weil die Guerilla oder die Paramilitärs sie loswerden wollten. In dem mindestens vier verschiedene Sorten von Bewaffneten gegen- oder miteinander kämpfen, kommunistische FARC-Guerilla gegen den Staat, Paramilitärs gegen die Guerilla und gegen unschuldige Bürger, das Militär gegen die Guerilla und manchmal gegen Drogenbanden, Drogenbanden unter dem Schutz von Guerilla und Paramilitärs gegen alles, was sich ihnen in den Weg stellt. Ob die Geschichte wahr ist, dass das Militär schon mal arbeitslose junge Männer aus abgelegenen Dörfern zwingt, sich Guerilla-Uniform anzuziehen ? Dann werden die angeblichen Guerillas erschossen und das Militär führt die Leichen als Beweis für einen Sieg über die Guerilla vor.
Andererseits haben wir die Menschen als sehr freundlich erlebt, sehr fleißig (an jeder Ecke eine kleine Werkstatt oder ein kleiner Laden, unendlich viele Straßenverkäufer, die ihre Waren verkaufen, ohne dabei besonders aufdringlich zu sein). Man hat nicht das Gefühl, die Taxifahrer würden einen ständig über’s Ohr hauen, und der Busschaffner, dem ich aus Versehen 10.000 Peso statt 1.000 gegeben hatte (es war dunkel und die Scheine sehen sich sehr ähnlich), machte mich auf meinen Fehler aufmerksam, den ich nie bemerkt hätte. Der öffentliche Nahverkehr (fast ausschließlich mit Bussen) ist gut organisiert, die Straßen ordentlich. Ein Land, das ausschließlich von Gewalt beherrscht wird, würde anders aussehen. Die meisten, mit denen ich gesprochen habe, waren mit der Regierung von Präsident Uribe zufrieden. Die paar Leute allerdings, die nicht zufrieden waren, schienen mir intelligenter und besser informiert zu sein.
Um sich ein Urteil über ein so widersprüchliches Land zu bilden, war die Zeit zu kurz.
Das Foto zeigt den Blick von einem Felsen (El Peñol, wahrscheinlich der berühmteste Fels Kolumbiens) auf eine Insel im Stausee von Guatapé – über die Landschaft jedenfalls fällt das Urteil leicht: wunderschön !

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Eine Antwort to “Zurück aus Kolumbien”

  1. Grausiger Nachtrag zu Kolumbien « Ein Mescheder auf Kuba Says:

    […] zu Kolumbien Von rsk6400 Nach der Rückkehr aus Kolumbien hatte ich im letzten Dezember geschrieben, „Ob die Geschichte wahr ist, dass das Militär schon mal arbeitslose junge Männer aus […]

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