Archive for September 2009

In einem langweiligen Land

11. September 2009

Vorgestern bin ich in Deutschland gelandet. Es gibt einiges zu besorgen und zu organisieren, und außerdem heiratet mein künftiger Schwager ;-).
Ich möchte Deutschland nicht als „langweilig“ bezeichnen, aber ganz so spannend wie auf Kuba ist es hier doch nicht; daher setze ich das Blog erst fort, wenn ich am 11.10. wieder dort bin.

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„Sie sind der erste Radfahrer hier.“

7. September 2009

Das nächste Kloster unserer Kongregation liegt in Kolumbien. Unsere Brüder aus Togo brauchen ein Visum, um dorthin reisen zu können. Die Botschaften befinden sich in einem Villenviertel, nur eine Viertelstunde Fußweg von unserem Haus entfernt. Doch ich dachte, mit dem Rad ginge es noch schneller …

Als ich ankomme, hat die Botschaftsangestellte gerade einige Personen in die Botschaft gelassen und ist dabei, das Gittertor wieder abzuschließen. „Sie müssen erst Ihr Fahrrad abstellen. Sie können dann mit der nächsten Gruppe hereinkommen,“ sagt sie mir. Der Wachmann sagt mir, „Hier können Sie das Rad nicht abstellen. Sie der erste, der je mit einem Fahrrad gekommen ist.“ Er erweist sich aber als sehr hilfsbereit: Das Tor zur Einfahrt der Nachbarvilla steht auf, er geht mit mir dahin, pfeift auf seiner Wachmannstrillerpfeife, damit der Wächter der Nachbarvilla kommt und ich mein Rad dort abstellen kann. Als nach einigen Minuten immer noch niemand gekommen ist, bedanke ich mich freundlich und sage ihm, dass ich das Rad bei der Apostolischen Nuntiatur abstellen werde. Diese Botschaft des Vatikans befindet sich zum Glück gleich in der nächsten Straße.

Trotz ihres Furcht einflößenden Namens arbeiten in der Nuntiatur  freundliche und hilfsbereite Leute. Der Pförtner kennt mich, weil ich ständig in irgendwelchen Visaangelegenheiten komme (das Foto zeigt den Warteraum für Besucher), und so ist es auch kein Problem, mein Fahrrad dort zu parken. Die Frau an der kolumbianischen Botschaft ist zwar auch freundlich, aber nicht besonders hilfsbereit. Und so fahre ich nach stundenlangem Warten mit nichts weiter zurück als dem Wissen, dass die Einreise nach Kolumbien noch komplizierter ist als gedacht.

Was ist das Geld hier eigentlich wert ?

3. September 2009

Ich sitze gerade in der Lobby des Hotels Melia Cohiba, wie jedes Mal, wenn ich eine Internetverbindung benötige. Mein Fahrrad habe ich draußen dem wachsamen Auge des Parkwächters anempfohlen. Gleich werde ich ihm 5 Peso (15 Euro-Cent) Trinkgeld geben, den Betrag hat mir ein kubanischer Freund empfohlen.

Viele Kubaner verdienen 300 Peso im Monat, das wären also 10 Euro. Ein gut ausgebildeter Chirurg kommt auf 800 Peso. Man muss allerdings wissen, dass viele Dinge spottbillig sind (Medikamente kosten um die 2 Peso, wir haben jeden Monat eine Gasrechnung von 4 Peso), und dass die Kubaner jeden Monat eine Lebensmittelkarte erhalten, auf die es einen Teil der Grundnahrungsmittel kostenlos gibt.

Neulich verließ ich das Hotel, gab dem Parkwächter 5 Peso und kaufte mir gleich gegenüber ein Eis für 38 Peso (1,30 Euro, dasselbe Eis desselben internationalen Konzerns kostet in Deutschland 2 Euro). Mein schlechtes Gewissen verflog schnell, als derselbe Parkwächter kam und sich dasselbe Eis kaufte. Ich vermute, dass der durchschnittliche Tourist ihm einen Dollar an Trinkgeld gibt. Wenn er von den Trinkgeldern jeden Tag ein Eis kauft, bringt er wohl immer noch mehr Geld nach Hause als der Chirurg.

„Die Pfote, die Pfote !“

2. September 2009

Immer wieder rufen mir Leute zu, „La pata – Die Pfote !“, wenn ich mit dem Rad durch die Stadt fahre. Die begleitende Geste ist so eindeutig, dass ich schon beim ersten Mal gemerkt habe, was mit „Pfote“ gemeint ist: Die Feder, die meinen Fahrradständer festhalten soll, ist altersschwach (immerhin ist das Rad der chinesischen „Shanghai Bicycle Factory“ fast ein halbes Jahr alt), und der Ständer ist mal wieder heruntergefallen. Natürlich kann einem das auch in Deutschland passieren, dass man freundlich auf so ein Problem hingewiesen wird. Aber hier passiert es viel häufiger.

Überhaupt scheinen mir die Kubaner sehr fürsorglich zu sein. Die folgende Geschichte ist mir so ähnlich mehrmals passiert: Ich sehe durch das große Schaufenster die Badelatschen, nach denen ich suche. Ich stelle das Rad vor dem Schaufenster ab. Eine junge, schwarze Frau sagt mir: „Sei vorsichtig, das wird hier gestohlen.“ Ich sage: „Ach, ich kann es doch durch das Schaufenster sehen.“ Während des kurzen Einkaufs behalte ich das Rad im Blick, die Frau steht immer noch daneben und zeigt auf das Fahrrad, dann auf ihr Auge. Ich bedanke mich freundlich für ihre Aufpasserdienste, sie fordert kein Geld dafür.

Land für zwei Ritter

1. September 2009

„Am Montag wird der Vertrag unterzeichnet“, diese Nachricht bekamen wir am Freitag. So schnell hatten wir nicht damit gerechnet, denn wir wissen ja, dass das Zeitgefühl hier ein anderes ist. Gestern, Montag, fuhren also der Kanzler des Erzbistums, der Rechtsanwalt, Br.Jacques und ich nach Jaruco. Im örtlichen Büro des Landwirtschaftsministeriums wurde dann der Vertrag unterzeichnet, durch den die katholische Kirche für 25 Jahre das Nutzungsrecht an 2 Caballerias Land erhält. Eine Caballeria bezeichnet das Land, das irgendwann früher mal für einen Caballero (Ritter) gedacht war, es handelt sich um 13,2 ha. Auf diesem Grundstück in der Nähe von Jaruco wollen also wir sechs Mönche ein Kloster bauen. Für einen Bau braucht es dann noch 13 Genehmigungen (der Rechtsanwalt kannte die Zahl auswendig), aber erst einmal haben wir das Gefühl, einen großen Schritt voran gekommen zu sein. Das Foto zeigt den Blick von einem Hügel in der Nähe, irgendwo links liegt das noch nicht vorhandene Kloster.

Bei seinem Besuch vor einem Monat hatte Erzabt Jeremias (auf dem Foto unten zwischen Kardinal Ortega und Jacques) auch mit dem Kardinal gesprochen. Der hatte ein Gespräch mit einem Vertreter der Partei organisiert, der wiederum hatte den September als Termin für die Vertragsunterzeichnung genannt. Jetzt hat das sogar noch im August geklappt !

Das letzte Stück der Strecke haben Jacques und ich im Auto des Rechtsanwalts zurückgelegt, was Kindheitserinnerungen weckte: So einen Käfer hatte meine Mutter (spezieller Gruß !) früher. Der kubanische Käfer wurde vermutlich gebaut, als ich gerade zur Schule kam, aber immerhin rastete der Beifahrersitz ordentlich ein (das war bei unserem Käfer damals nicht der Fall), zum Ausgleich funktionierte der Fensterheber nicht.