Archive for Juli 2009

Wenn man Besuch hat…

29. Juli 2009

… erlebt man mehr als sonst. Gestern kam zusammen mit Erzabt Jeremias (unserem „Chef“) P.Helmut aus Meschede zu Besuch. Heute Morgen habe ich mit ihm versucht, ein Taxi anzuhalten. Das ist nicht so einfach, denn die schönen alten Autos, die als Taxis für die Kubaner fungieren, dürfen keine Touristen mitnehmen. Und weil Helmut seine Kamera dabeihatte, war er wohl zu deutlich als solcher zu erkennen. Als dann doch ein Taxi hielt, dachte ich wegen der gelben Farbe sofort, es wäre eines der (teureren) Touristentaxis, was sich allerdings nachher als Irrtum herausstellte. Also bot ich dem Fahrer 10 CUC (knapp 10 Euro) an. Er sagte sofort: „Fünf. 10 ist viel zu viel. Ich bin doch kein Bandit.“

Fahrzeuge

27. Juli 2009

Diese beiden Fahrzeuge sind mir in den letzten Tagen aufgefallen. Das obere habe ich vor allem wegen der Fahne aufgenommen, die Erinnerungen an das 40-jährige Staatsjubiläum vor 20 Jahren weckt.
Den Fahrzeugtyp auf dem unteren Foto sieht man hier recht häufig als Taxi für die Touristen (hinter dem Fahrersitz befinden sich zwei Sitzplätze). Der Spruch lässt sich ungefähr mit „Schmeckt nach Tropen“ wiedergeben.

Technik II

27. Juli 2009

Als ich in Tansania eine SIM-Karte für mein Handy brauchte, habe ich 1000 Shilling (ungefähr einen halben Euro) bezahlt, die Karte eingelegt, Guthaben gekauft, und konnte telefonieren.
In Kenia kam noch eine Aktivierung per Handy hinzu, die problematisch war, weil das Netz an unserem Haus in Nairobi so schlecht war, dass die verbindung während der Aktivierung immer zusammenbrach.
In Australien wäre ich bei der telefonischen Aktivierung fast gescheitert, weil ich eine australische Adressse angeben musste. Und als Weltjugendtags-Teilnehmer hatte ich keine feste Adresse.
Hier benötigt man (wie in Deutschland auch) Ausweis und eigenhändige Unterschrift, dazu 40 CUC (knapp 40 Euro), in denen kein einziger Centavo Startguthaben eingeschlossen ist. Das kostet weitere 10 CUC, verfällt dafür aber nach zwei Monaten.
Ein ungeahntes Problem ergab sich für Br.Jacques: Die freundliche Dame am Schalter: „Wie schreibt man Ihr Land ?“ Ich: „Steht doch auf seinem Ausweis darauf.“ – Sie: „Togo ist nicht im Computer.“ – Jacques: „Liegt in Afrika, zwischen Ghana und Benin.“ Sie druckt also „Ghana“ auf das Vertragsformular, und nimmt schweigend zur Kenntnis, dass ich das als „Respektlosigkeit“ bezeichne. Immerhin ist sie hilfsbereit, nimmt Jacques‘ togolesische SIM-Karte aus dem Handy, setzt die kubanische ein, und vergisst, Jacques die andere zurückzugeben.
Das merkt er erst auf dem Rückweg an der nächsten Straßenecke. Wir kehren um, doch die Karte ist nicht aufzufinden. Gut, dass es Handys gibt: Wir haben gerade wieder dieselbe Straßenecke erreicht, da kommt eine SMS von ihr: „Ich habe Ihre Karte doch noch gefunden.“
Damit steht der Vergleich zwischen Tansania und Kuba (siehen letzten Artikel) jetzt wohl 1:1.

Die SMS heute Morgen kam übrigens vom Spanisch-Lehrer: „Stehe an der Bushaltestelle, aber kein Bus kommt, weil gestern Feiertag war. Unterricht muss ausfallen.“

Technik

24. Juli 2009

Vor einem halben Jahr bin ich aus Peramiho abgereist, oft vergleiche ich die Situation hier immer noch mit Tansania. Dort kam zu größeren Festen immer ein Fotograf mit einer ziemlich alten Analog-Kamera. Digitalfotos waren noch relativ unbekannt, und vor allem gab es keine Möglichkeit, sie ausdrucken zu lassen.

Heute Morgen ging das so: Fünf Minuten mit dem Fahrrad bergauf, schon bin ich beim Fotoladen. Ein Mann und eine Frau kümmern sich um die Technik (meistens der Mann) und kassieren (meistens die Frau), wobei sie aber manchmal auch die Rollen tauschen und sich öfter gegenseitig im Weg stehen. Eine Kundin vor mir kommt mit dem Computer nicht zurecht, auf dem man vor dem Ausdrucken die Fotos betrachten kann. Mit endloser Geduld und abwechselnd erklären die beiden Mitarbeiter ihr das System, während uns anderen Kunden der Schweiß von der Stirn läuft. Manchmal kann zu viel Kundenfreundlichkeit auch nervig sein, zumindest bei dieser Hitze.

Schließlich komme ich aber doch an die Reihe, bestelle und bekomme 3 Ausdrucke in guter Farbqualität im Format 5 mal 7 Zoll (ungefähr 12 mal 18 cm) für 0,35 CUC (knapp 30 Euro-Cent) das Stück.

Also: Der Vergleich steht 1:0 für Kuba. Im nächsten Artikel dann zum Thema „Handy“.

Das Foto zeigt eine kubanische Familie, die einfach nur fotografiert werden wollte, als ich mit der Kamera vorbeikam. Sonst hat es recht wenig mit dem Artikel zu tun.

Namen

21. Juli 2009

Gestern Abend zeigte Br.Cyrille mir ein Foto in der Granma (Zeitung des Zentralkomitees der Partei), das ihm aufgefallen war: Der ägyptische Präsident Nasser trifft sich mit Raúl, so die Bildunterschrift. 1960 war das, und daher ist es kein Wunder, dass der heutige kubanische Präsident (siehe Foto) uns durch sein jugendliches Aussehen beeindruckt hat.

Als zum ersten Mal ein Kubaner mir gegenüber einfach von „Raúl“ sprach, dachte ich noch, das wäre eine abwertende Art, vom Präsidenten zu sprechen, aber inzwischen weiß ich, dass es im ganzen Land eigentlich nur Vornamen gibt. Auch die Überschriften der Granma nennen den Präsidenten und die Minister grundsätzlich beim Vornamen (ausländische Politiker allerdings beim Nachnamen), in der Verwaltung der Erzdiözese sagt man mir, „Da müssen Sie zum Büro von Miguel gehen“. Und dabei ist es egal, ob der Büroinhaber ein einfacher Angestellter oder der Verwalter der ganzen Erzdiözese ist. Nur Jaime Kardinal Ortega heißt immer „der Kardinal“.

Zum Glück gibt es genug unterschiedliche Vornamen, so dass Verwechslungen selten sind. Es gibt die „klassischen“ Namen wie Pedro oder Monica. Der Chauffeur des Kardinals heißt Raulito (ungefähr: „Raúlchen“), weil sein Vater nämlich Raúl heißt. Manche Namen sind einfach neu erfunden, Yusimi z.B.  Von Yaksel habe ich gehört, dass sein sein Vater Kselya heißt, man hat für den Sohn also einfach die Silben vertauscht.

Ein Anruf

17. Juli 2009

Heute Morgen am Telefon. Ich: „El Carmelo“ (So heißt unsere Kirche). Eine unbekannte Frauenstimme: „Können Sie Ehebescheinigungen ausstellen ?“ Ich: „Ja, aber haben Sie denn bei uns geheiratet ?“ – „Nein, in der Kirche XY.“ – „Wir haben nur die Archive unserer Kirche, Sie müssen sich an XY wenden.“ – „Danke, Herz.“ Sie ist nicht die erste, völlig unbekannte Frau, die mich mit Corazon, Herz, anredet. Oft habe ich schon gehört, wie eine Verkäuferin anscheinend völlig unbekannte Kunden mit „mi amor“ (Meine Liebe) anredete. Wie sagte unser Spanischlehrer: „Die Kubaner sind sehr, sehr unförmlich“.

Das Peinlichste, was im Restaurant passieren kann…

17. Juli 2009

… ist natürlich, dass man kein Geld hat. Die Ankunft unseres sechsten Mannes, P.Vianney von den Philippinen, haben wir gestern Abend im Restaurant gefeiert. Ich war aber nicht mehr dazu gekommen, Geld zu wechseln, deshalb hatte ich von den beiden Währungen Cubas zwar genügend CUC (konvertible Pesos) im Haus, aber in Bezug auf Moneda Nacional (die „nationalen“ Pesos) sah es mau aus. Als dann die Rechnung über 350 nationale Peso (gut 10 Euro) plus 6 CUC (5 Euro) eintraf, fragte ich, ob ich auch alles in CUC bezahlen könnte. Ja, aber der Kurs sei 1:23 (statt 1:24 in der Wechselstube).  Also packte ich doch die 180 „nationalen“ aus, die ich noch in einigermaßen vernünftigen Scheinen hatte, und legte 180 weitere 1-Peso-Scheine, fein säuberlich zu 10-er- und 100-er-Paketen gebündelt, dazu. Unser Tisch brach in lautes Lachen aus, am lautesten die Brüder aus Togo, die Erfahrung mit vielen, kleinen Geldscheinen haben. Es war mir etwas peinlich, das Riesenbündel der Kellnerin zu übergeben, doch die lachte genauso herzlich mit, zählte mit ihrer Kollegin nach, war anscheinend auch mit dem Trinkgeld (10 „nationale“ plus 2 CUC) einverstanden und bedankte sich immer noch lachend bei uns.

Postamt

16. Juli 2009

Neulich kam P.Emmanuel zu mir: „Das Ministerium für Kommunikation hat angerufen. Du hast ein Paket. Aber zum Abholen brauchst du eine Bescheinigung, dass du zur Gemeinschaft der Benediktiner gehörst.“ So eine Bescheinigung kann ja immer nützlich sein, also fahre ich am Montag in die Innenstadt und lasse sie mir in der Verwaltung des Bistums. Heute Morgen mache ich mich dann auf dem Weg zum Kommunikationsministerium, das praktischerweise schon von weitem an der großen Dachantenne zu erkennen ist. Ich befürchte, dass die Suche nach dem richtigen Büro noch komplizierter werden wird als in einer deutschen Kreisverwaltung. Mir kommen Szenen aus Kafkas „Prozess“ in den Sinn, das ich vor Jahren mal angefangen habe, aber nicht zu Ende gelesen habe, weil es mir zu unrealistisch vorkam.

Der Polizist am Eingang des Ministeriums weist mich gleich auf das Postamt hinter dem Ministerium hin und beschreibt mir, wo ich das Fahrrad abstellen kann. Der Parkwächter beschreibt mir dann den Weg zum Paketschalter (ganz durchgehen, hinten rechts, Schalter 13). An Schalter 13 steht dann auch dran, „Übergabe von nationalen und internationalen Paketen.“ Leider steht auf Englisch darunter, „Parcel’s shipment“. Was „Übergabe“ genau bedeutet, ist mir nicht klar, aber unter „shipment“ verstehe ich das Versenden von Paketen. Also bin ich falsch, gehe zur Auskunft, die mir versichert, dass ich schon richtig sei. Vor mir sind noch zwei Kundinnen, die in der langen Liste blättern, die offensichtlich die angekommenen Pakete enthält. Die Frau am Schalter fragt nach meinem Anliegen, ich erkläre es ihr und setze hinzu, dass wir angerufen worden sind. „Sie sind angerufen worden, sagt er,“ sagt die eine Kundin daraufhin zur Frau am Schalter. Die erklärt mir, dass sie gar kein Telefon habe und deshalb auch niemanden anrufen könne. Die Kundin übersetzt mir das ins Englische, zum Glück hatte ich es schon vorher auf Spanisch verstanden.

Die beiden Kundinnen gehen ohne Paket fort, die Frau am Schalter durchsucht jetzt die Liste, einen Computerausdruck in einem Schnellhefter, nach meinem Paket. Ich frage mich, ob sie das Paket wohl schneller finden würde, wenn sie den Computer, der hinter ihr seinen Bildschirmschoner zeigt, benutzen würde. Ein Kollege kommt hinzu und durchsucht eine andere Liste in einem anderen Schnellhefter. Zwischendurch verschwindet die Frau. Sie kommt mit der Auskunft zurück: Das Paket ist nicht da, die einzige, die autorisiert ist, anzurufen, ist die Direktorin, und die hat niemanden angerufen. Ich frage noch zweimal nach, wer denn dann wohl angerufen hätte. „Nur die Direktorin ist autorisiert …“ Ziemlich frustriert gehe ich zu meinem Fahrrad zurück, der Parkwächter hält mich auf, weil er noch ein Trinkgeld haben möchte, und als ich dann auf mein Fahrrad steige, steht der Kollege in der Tür und winkt mir zu… Anderthalb Stunden nach meiner Ankunft am Postamt fahre ich mit dem Paket unter dem Arm zurück.

Fazit: Kubaner sind hilfsbereit, und ich werde den „Prozess“ zu Ende lesen.

„Hast du jonglenong gesehen ?“

14. Juli 2009


An die schnelle Sprechweise der Kubaner und das Verschlucken ganzer Silben gewöhne ich mich langsam. Aber manche Kubaner haben eine todsichere Methode, dafür zu sorgen, dass ich nichts verstehe: Englisch sprechen.
Schließlich bin ich Ausländer, und mit Ausländern muss man Englisch sprechen. Viele Tansanier denken ähnlich, nur klingt das Englisch in Tansania englisch. Hier klingt es spanisch. Und spanisches Englisch habe ich in der Schule nicht gelernt, was ich auch nicht bedaure.
Am Sonntag fragte unser kubanischer Gast mich, ob ich jonglenong gesehen hätte. Was meint er, die Jongleure, die manchmal durch die Innenstadt ziehen ? Er erklärt irgendwas mit Singen, meint er etwa singende Jongleure ?
Endlich verstehe ich, dass er den Namen eines Sängers meinte, der im Park an der 17.Straße sitzt.
Als ich gestern das obere Foto gemacht hatte, kam gleich der Park-Aufseher und setzte ihm die Brille auf (unteres Fotos), die er anscheinend aus Sicherheitsgründen in Verwahrung genommen hatte.
Zu Füßen des Briten ist der Vers eingraviert, „You may say, I’m a dreamer, but I’m not the only one.“
Zum Glück auf Spanisch, sonst hätte ich es nicht verstehen können.

Wo sind wir ?

10. Juli 2009


Das Foto ist gestern Abend auf dem Weg zum Teatro Karl Marx (siehe vorigen Artikel) entstanden. Links unter dem „K“ sieht man das Türmchen unserer Kirche, in der Mitte unter dem „R“ das höchste Gebäude Havannas, der José Marti gewidmete Turm an der Plaza de la Revolution, weiter rechts unter dem „P“ befindet sich der Turmstumpf der nie zu Ende gebauten Pfarrkirche, zu deren Bezirk wir gehören. Das blaue Gebäude im Vordergrund ist die Bäckerei, von der hier schon öfter die Rede war, und am rechten Bildrand ist deutlich die alte Festung zu erkennen, die zur Verteidigung der Mündung des Almendares diente. Die Mündung dieses
Flüsschens bildet eine kleine Bucht, von deren anderer Seite aus ich fotografiert habe.
Das heranziehende Gewitter brach freundlicherweise erst los, als ich nur noch wenige Meter von unserem rettenden Hauseingang entfernt war, ich bin also kaum nass geworden.