Nicht alle Vorurteile stimmen

Die Lebensmittel auf dem Markt, wo ich regelmäßig einkaufe, sind billig. Angeblich sagen manche Kubaner, die Ausländer hätten doch genug Geld und sollten deshalb lieber im (teuren) Supermarkt einkaufen, statt den Kubanern die billigen Lebensmittel vor der Nase wegzuschnappen.
Solch eine ausländerfeindliche Einstellung kenne ich aber nur vom Hörensagen, mein eigener Eindruck ist das genaue Gegenteil.
Sowohl die Händler als auch die Kunden auf dem Markt fragen schon mal, wo ich herkomme, aber immer freundlich. Einige Händler kennen mich inzwischen und sagen irgendwelche Scherzworte. Ich verstehe zwar nur ein Drittel, bin aber ziemlich sicher, dass alles freundlich gemeint ist. Ein Händler rief mir heute „Amigo“ zu. Das heißt laut Wörterbuch „Freund“, bei einem Händler heißt es aber natürlich „Gib mir dein Geld und nicht meinem Nachbarn !“ Ich habe dann wirklich bei ihm Tomaten für 30 Peso (1 Euro) gekauft, vor allem, weil ich noch einen Nachtrag zu unserem Gespräch von letzter Woche liefern wollte. Da hatte er nämlich einen Scherz gemacht, der mir gar nicht gefiel: „Ah, aus Deutschland. Ihr hattet doch den Hitler.“ Heute weise ich ihn daraufhin, dass es hier ganz in der Nähe ein „Centro Cultural Bertold Brecht“ gibt und auch ein „Teatro Karl Marx“. Der große Reisende Alexander von Humboldt gilt sogar als der „Zweite Entdecker Kubas“, weil er vor 200 Jahren die Insel gründlich erforscht hat. Mein „Amigo“ erinnert sich an unser Gespräch von letzter Woche und versteht meine Absicht.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s


%d Bloggern gefällt das: