„Fragend gelangt man nach Rom“

Am Gründonnerstag zog ich mit einem unserer Gäste (siehe vorigen Artikel) los, um Gemüse zu kaufen. Wir fahren mit dem Bus zu einem großen Supermarkt, wo mein Begleiter nach Gemüse fragt. Der Verkäufer antwortet knapp, „No hay – gibt’s nich“. Auf Nachfrage beschreibt er den recht weiten Weg zu einem Markt. Wir finden das Gesuchte und erwerben gute Qualität für 16 Peso. Für den Rückweg bis zum ersten Supermarkt nehmen wir den Bus, nachdem mein Begleiter durch mehrfaches Fragen herausgefunden hat, dass es einen gibt, und wo er abfährt. „Durch Fragen gelangt man nach Rom,“ ist das erste kubanische Sprichwort, das er mir beibringt. Als wir wieder zurück sind, haben wir gutes Gemüse dabei, zwei Stunden gebraucht und weniger als einen Euro ausgegeben (eine Busfahrt kostet 0,40 Peso, für einen Euro bekommt man circa 30 Peso). Ein Besucher ist gerade da, er hört, wo wir waren, und meint, so einen Markt hätten wir auch zehn Minuten von unserem Haus entfernt finden können. Tja, mein Begleiter weiß zwar, wie man fragt, aber er stammt aus der Provinz und kennt Havanna nicht besonders gut. „Die Leute in Havanna nennen uns ‚Bauern'“, hat er mir neulich gesagt.
Am Osterdienstag sind wir wieder unterwegs, diesmal auf der Suche nach Klopapier und einem Schloss für mein neues Fahrrad. Direkt gegenüber dem riesigen Hotel, wo ich den Internet-Zugang benutze, befindet sich das Einkaufszentrum Galeria Paseo (siehe Foto) mit vielen Geschäften auf drei Etagen. Mein Begleiter fragt sich durch. Die Antworten schicken uns erst nach oben, dann wieder nach unten, dann wieder nach oben und noch einmal nach unten. „No hay“.
Am Freitag steige ich – diesmal allein – also in den Bus Richtung Innenstadt, dort frage ich in der ersten Eisenwarenhandlung nach dem Fahrradschloss, die Verkäuferin schickt mich zur großen Eisenwarenhandlung zwei Blöcke weiter, wo es auf zwei Etagen alles zu geben scheint, was nach Eisen, Bau oder Hobby aussieht. Ich frage nach der Fahrradabteilung, werde nach oben geschickt, dort höre ich dann „No hay“. Ich kann es nicht glauben, frage einen anderen Verkäufer: „No hay“. Das Geschäft ist so groß, hier muss es einfach ein Fahrradschloss geben ! Ich suche auf eigene Faust und finde es schließlich unten (die Verkäufer oben wissen anscheinend nicht, was es unten gibt, und ich hatten unten die falsche Frage gestellt). In einem Supermarkt in der Nähe finde ich sogar Klopapier. Als ich zum Bus zurückgehe, fragen mich zweimal Passanten, wo ich das Klopapier gekauft habe, das aus meiner Plastiktüte herausschaut. Ich habe das Gefühl, das wahrscheinlich meine Vorfahren auch hatten, wenn sie vollbeladen mit Mammutfleisch zu ihrer Höhle zurückkehrten.

2 Antworten to “„Fragend gelangt man nach Rom“”

  1. Peter Schlomberg Says:

    Lieber Robert, nachdem ich diesen Eintrag zum wiederholten Mal gelesen und zum wiederholten Mal herzhaft gelacht habe, drängt es mich, Dir als Antwort einen kurzen Gruß zu schicken. Ephraim Kishon hätte es nicht besser formulieren können! (Oder auch Franz Hohler, Du verstehst, was ich meine…)
    Ich denke / wir denken oft an Dich und hoffen, dass es Dir gut geht. Es ist eine große Freude, ein wenig an Deinen „Erfahrungen am Nordrand der Tropen“ teilzuhaben.
    Grüße aus der – heute auch warmen – Heimat!
    Peter

  2. “Hast du kein Fahrrad ?” « Ein Mescheder auf Kuba Says:

    […] muss ich doch die Geschichte dazu erzählen. Ich habe damit bisher gezögert, weil sie Geschichte “Fragend gelangt man nach Rom” etwas ähnlich ist. Alles begann am Ostermontag, als ich in La Epoca, dem großen Kaufhaus der […]

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