Archive for März 2009

Vergleiche

29. März 2009

Vor sechs Wochen bin ich aus Dar es-Salaam (Foto oben) abgereist. Da bietet es sich an, die beiden tropischen Großstädte etwas zu vergleichen. Beide haben ungefähr 3 Millionen Einwohner, deren Hautfarben in Dar von dunkel bis schwarz reichen, hier dagegen sehr bunt gemischt von weiß bis schwarz.
Es gibt hier zwar viel mehr Autos, dafür aber auch entsprechend mehr gut geteerte Straßen. Staus, die in Dar regelmäßig auftreten, scheinen hier ebenso unbekannt zu sein wie ungeteerte Straßen. Der öffentliche Nahverkehr spielt sich in Dar nur in den Dala-Dalas ab, den kleinen, überfüllten Linienbussen mit 18 bis 30 Sitzplätzen. Hier gibt es außer den Linienbussen (teilweise modern, teilweise alt, ziemlich groß, manchmal sogar mit Gelenk, aber auch überfüllt), auch Sammeltaxis, meist in Form von uralten amerikanischen Straßenkreuzern.
Als ich vorgestern Abend in eine schattige Allee mit einem breiten Fußweg in der Mitte und vielen Bäumen einbog (Foto unten), dachte ich spontan, „Das ist aber schön hier.“ Das habe ich in Dar nie gedacht, denn dort fehlen sowohl die Fußwege als auch die Bäume.
Jetzt will ich aber fair sein. Ich habe mich immer gefreut, wenn ich nach Dar gekommen bin, was an den Menschen und an der faszinierenden Stimmung in den Straßen lag, die mich immer ein wenig an das Bagdad aus „Tausendundeiner Nacht“ erinnert hat.

Feuer ?

29. März 2009

Gestern zogen mitten am Vormittag irgenwelche Schwaden die Treppe hoch, dazu ein fürchterlicher Motorenlärm. Ich vermute zuerst, dass jemand im Hinterhof mit einer Fräse Staub aufwirbelt, aber als ich ins Erdgeschoss steige, werden die Schwaden dichter und der Lärm lauter. Hat jemand die Pumpe angelassen, mit der das Wasser in den Tank auf unserem Dach gepumpt wird ? Wenn man sie länger als 20 Minuten anlässt, soll angeblich der Motor durchbrennen. Ich habe kein gutes Gefühl, als ich die Gittertür öffne, die vom Treppenhaus ins Erdgeschoss führt.
Dort stehen zwei Leute in grünen Overalls, einer hält eine Maschine in der Hand, die mich an die Dinger erinnert, die man im Herbst benutzt, um das Laub wegzublasen. Da heraus kommen die weißen Schwaden. P.Emmanuel steht daneben und erklärt mir, dass die Herren vom Gesundheitsamt alle zwei Wochen kommen, um Schädlinge zu beseitigen. Eigentlich wollten sie auch in unsere Zimmer, aber das hat er bisher verhindern können. Immerhin: Einen Moskito habe ich in unserem Haus noch nicht gesehen.

Wetter

25. März 2009

Havanna liegt am Nordrand der Tropen, es ist zum Glück nicht so heiß, wie ich mir das vorgestellt hatte. Im Moment sind die Temperaturen durchaus erträglich, am Samstag und Sonntag hat es leicht geregnet, seitdem ist es trocken. Die Kombination von frischer Seeluft und Sonne ist einfach schön. Von Mai bis Oktober soll es dann recht viel regnen und außerdem ziemlich heiß werden. In Peramiho war das anders, da brachte der Regen nach den heißen Monaten die ersehnte Abkühlung.

Inzwischen habe ich herausgefunden, dass ich in einem Hotel mit mein Notebook mit drahtlosem Internet-Anschluss benutzen kann, deshalb kommt heute zum ersten Mal ein Foto, am Samstag von unserem Dach aus aufgenommen.

Sprache

24. März 2009

Immer noch warten wir auf die drei Brüder aus Togo, im Moment sind wir nur zu dritt: P.Emmanuel ist Bayer, P.Norbert Österreicher. So sind wir zwar schon international, haben untereinander aber nur geringe Probleme mit der Sprache.
Zum Mittagessen gehen wir täglich in das Diözesanbildungszentrum. Das Essen dort ist nicht nur gut und billig, sondern man kommt auch gleich mit diversen Personen in Kontakt, die hier in der Kirche tätig sind. Leider ist es bei mir mit dem Kontakt noch nicht so weit her, denn die 300 Wörter Spanisch, die inzwischen in meiner Vokabelliste stehen, reichen hinten und vorne nicht.
Sonntag hatte ich die erste Gelegenheit, auch selbst Kontakte zu knüpfen: Ich trennte mich nach dem Essen von den beiden anderen, um noch ein wenig die Stadt zu erkunden. Zuhause stellte ich dann fest, dass mein Schlüssel nicht auf die äußere Gittertür passte, die Klingel aber nur erreichbar ist, wenn man die Gittertür bereits durchquert hat. Mein Rufen hörte niemand, also blieb mir nur der Rückweg zum Diözesanbildungszentrum. Zum Glück hatte ich gerade am Vormittag die Wörter für „Schloss“ und „schließen“ gelernt, „problema“ und „telefonear“ wusste ich auch. Die Pförtnerin verstand mich schnell und fragte mich nach der Telefonnummer. Da konnte ich nur hilflos auf meinen Kopf zeigen, ich wusste sie noch nicht. Also gab sie mir einen Zettel, damit ich sie aufschreibe. Ein weiterer hilfloser Blick brachte sie dazu, mir auch noch einen Stift zu geben, erst als das nichts half, kam sie auf die Idee, zu der Liste zu greifen, die neben ihr lag. Ein Blick, und die Nummer unseres Klosters war gefunden, Emmanuel war sofort am Telefon und ließ mich rein.
Montag konnte ich mich dann endlich mal mit meinem Tischnachbarn unterhalten: Er hatte dreißig Jahre in Kenia gearbeitet, also sprachen wir die Sprache, von der ich überhaupt nicht erwartet hatte, dass ich sie hier je gebrauchen könnte – Suaheli.

Angekommen

23. März 2009

Donnerstag bin ich mit der Fluglinie Cubana hier gut angekommen. Auf die Frage, wie katholisch Kuba eigentlich ist, habe ich schon eine erste Antwort erhalten: Die Bordverpflegung war fuer die Fastenzeit angemessen. Unser Haus hat keine Internetanbindung, daher werde ich nur unregelmaessig bloggen koennen.

Erste Panne

19. März 2009

Gerade habe ich per E-Mail erfahren, dass den drei Brüdern aus Togo in Ouadagoudou die Ausreise verweigert wurde, weil sie angeblich ein Transit-Visum für Frankreich brauchen würden. Ich werde also alleine nach Kuba fliegen müssen, und das ist mir gar nicht recht.

Klostergründung

19. März 2009

Ein neues Kloster zu gründen in einem Land, wo es bisher keine Benediktiner gibt – manche Leute finden das anscheinend spannend, z.B. der WDR. Ich finde es auch spannend, sonst hätte ich nicht zugesagt. Vor gut sieben Monaten erreichte mich die E-Mail mit der Anfrage, heute bin ich endlich unterwegs. Um 5 ging es mit dem Taxi zum Düsseldorfer Flughafen, inzwischen bin ich in Paris-Orly und warte auf das Einsteigen in das Flugzeug, das mich bis heute am späten Nachmittag (kubanischer Zeit; der Zeitunterschied beträgt 6 Stunden) nach Havanna bringen soll. Vor allem aber warte ich auf die drei Brüder aus Togo, die – hoffentlich – mit dem Nachtflug aus Ouagadougou ebenfalls nach Paris gekommen sind. In Havanna erwartet uns P.Emmanuel aus St.Ottilien, der schon seit Dezember dort ist und unsere vorläufige Unterkunft vorbereitet hat. Wir alle haben keine Visa in unseren Pässen, sondern eine spezielle Einreisegenehmigung, deren Original in Havanna liegt. Die Kopie, die ich hier in Paris am Flughafen vorgezeigt habe, löste einiges Nachfragen aus. Weil vielleicht nicht alle Kopien in Togo angekommen sind, habe ich oben geschrieben, dass die Brüder aus Togo „hoffentlich“ hier ankommen.

Unser sechster Mann kommt dann in einigen Wochen von den Philippinen nach. Ich werde versuchen, weiterhin in diesem Blog zu berichten, doch im Moment weiß ich noch nicht, wie die Internet-Lage auf Kuba aussehen wird.