Verstaendigungsprobleme

Weil die Tansanier sehr gerne nette Dinge sagen, hoere ich oft, mein Suaheli waere ja richtig gut. Das stimmt so natuerlich nicht. Immerhin kann ich ausdruecken, was ich sagen will – meistens zumindest. Kurz vor meiner Abreise von Peramiho habe ich noch die Homepage http://www.peramiho.org ins Suaheli uebersetzt. Dann habe ich den Text den Bruedern, die wirklich Suaheli koennen, zur Korrektur gegeben. Da gab es natuerlich einige Verbesserungen, und bei manchen Seiten hatten sie auch gar nicht verstanden, was ich sagen wollte.

Schwieriger ist es oft fuer mich, zu verstehen, was andere sagen wollen. Je hoeher die Bildung, desto deutlicher sprechen die Menschen. Und wenn sie deutlich sprechen, verstehe ich sie normalerweise gut. Aber wehe, eine Schuelerin redet schnell auf mich ein. Dann kommt manchmal eine Freundin zu Hilfe: „Sie hat dies gesagt:…“ Und wiederholt dieselbe Sache etwas langsamer. Wenn Tansanier sich untereinander unterhalten, kann ich meistens grob folgen, sofern ich das Thema kenne. Dazu traegt bei, dass die Unterhaltungen oft recht lange um denselben Punkt kreisen, dann reicht es, wenn man jeden dritten oder vierten Satz versteht.

Zwei Situationen gibt es, in denen ich besonders schlecht verstehe: Wenn Schuelerinnen sich fuer irgendeinen Fehler rechtfertigen muessen, sprechen sie besonders undeutlich und auch mit unklaren Begriffen. Natuerlich wollen sie in dem Fall auch nicht, dass ich genau verstehe. Dieses Phaenomen kenne ich schon aus Deutschland, aber die folgende Geschichte konnte wohl nur hier in Tansania passieren: Ein paar Tage vor meiner Abreise schellt das Telefon. Ein Bruder, mit dem ich viel zu tun habe, der deutliches Suaheli spricht. Am Anfang verstehe ich ihn gut, aber ploetzlich komme ich nicht mehr mit. „Das habe ich jetzt nicht verstanden“, sage ich. Er: „Ist auch nicht so wichtig.“ Ich frage aber doch noch mal nach: „Du hast irgendwas ueber einen USB-Stick gesagt ?“ Schliesslich verstehe ich doch: Es war die Bitte, ihm in Dar es-Salaam einen USB-Stick fuer 20 000 Shilling (14 Euro) zu besorgen. Eine Situation aus dem letzten Mai folgt einem aehnlichen Muster: Damals war mein Suaheli noch deutlich schlechter als heute. Gemeinsam mit einem afrikanischen Bruder hatte ich eine Bitte an den Abt. Er erklaerte die Bitte auf Suaheli, dann entstand ein Schweigen. Ich erwartete eine Antwort vom Abt und fragte auf Deutsch, was denn jetzt sei. Seine Antwort: „Ich weiss noch gar nicht, worum es geht.“ Mein afrikanischer Bruder hatte naemlich erklaert, dass wir nach Dar fahren wuerden, was wir dort tun wuerden, und zu welchem Zwecke. Dann aber hatte er unmittelbar vor dem entscheidenden Punkt, naemlich dass wir nicht mit dem Linienbus, sondern mit einem Auto des Klosters fahren wollten, mit der Erklaerung aufgehoert.

Bitten an Aeltere oder Hoehergestellte werden hier oft nur angedeutet oder sehr undeutlich ausgesprochen, anscheinend ist irgendeine Scham oder Furcht damit verbunden. Beide Brueder, die ich oben erwaehnt habe, sind intelligent und auch nicht uebermaessig schuechtern, es ist einfach eine Sache der Kultur des Landes.

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