Unkompliziert, kompliziert und spielerisch

Manche Dinge laufen hier sehr unkompliziert. Dienstag Mittag nach dem Essen sagte ich dem Prior: „Ich bin aus Hanga zurück.“ – „Gut, du bist dann jetzt wieder in St.Placidus.“ Der Prior ist der Stellvertreter des Abtes, seit dem 1.1. ist mit P.Fidelis zum ersten Mal ein Afrikaner Prior in Peramiho. Das Haus St.Placidus liegt ungefähr fünf Minuten vom Kloster entfernt und beherbergt die jungen Männer, die ins Kloster eintreten wollen, im Moment nur drei Postulanten. Da ich mich schon im letzten November darum gekümmert habe, muss ich jetzt wieder für den Zuständigen einspringen, der am Montag zu seinem kranken Vater gefahren ist.

Gestern war der Festtag des heiligen Placidus, der musste natürlich begangen werden. Ganz unkompliziert hatten wir alles erst vorgestern geplant, dafür aber mit schriftlichen Einladungskarten. Die gingen unter anderem an die jungen Ordensschwestern von nebenan, an die beiden pensonierten Lehrer, die in St.Placidus Musik und Englisch unterrichten, und an die beiden Köche der benachbarten Berufsschule, die im Gegenzug den Reis spendiert haben. Zum Mittagessen waren wir genau 20 Personen. Postulant Petro war MC, wie das hier heißt, Master of Ceremony. Ein Suaheli-Wort für den „Zeremonienmeister“ gibt es nicht, aber ich habe noch kein Fest ohne MC erlebt. Seine Aufgabe war es dann, immer mal wieder beim Essen aufzustehen, zu sagen, „Nachukua nafasi hii – Ich ergreife diese Gelegenheit, …“ um zum Beispiel die Gäste aufzufordern, das Glas zu erheben, „Cheers“ zu sagen (auch dafür gibt es kein Suaheli-Wort) und anzustoßen. Oder, besonders kompliziert, mir zu sagen, dass wir doch viele ehrenwerte Gäste haben, und ich die doch bitte vorstellen möge. Allein dafür hat er schon eine kleine Rede gebraucht. Dann habe ich – als Hausherr – die Gäste, die ich kannte, vorgestellt, und die anderen gebeten, sich selbst vorzustellen. Dann hat der MC – wieder in Form einer kleiner Rede – mich gebeten, den alten Englischlehrer zu bitten, doch eine Rede von ein paar Worten, vielleicht fünf Minuten, zu halten, um den jungen Leuten Ratschläge fürs Leben zu geben. Genau das habe ich dann getan, in fast denselben Worten. Und er hat dann tatsächlich circa fünf Minuten gute Ratschläge gegeben. Auf dieselbe Art wurden dann die nächsten beiden Reden eingeleitet. Immer erst der MC, immer „Nachukua nafasi hii“, dann ich.

Beim Abendessen hatten wir nur zwei Gäste, ein älterer Mönch, den die Postulanten anscheinend einmal näher kennenlernen wollten, und Br.Victor, der die Farm führt und großzügig die Fleischwaren für den Festtag gestiftet hatte. Auch im kleinen Kreis dasselbe Spiel: „Nachukua nafasi hii…“ Die Gäste gingen schon vor 9, um 10 habe dann ich das Wort ergriffen: „Nachukua nafasi hii, um zwei Worte zu sagen, Gute Nacht.“ Das Gelächter zeigte an, dass ich die Regeln anscheinend begriffen hatte: Das Ganze ist eine Art Spiel. Das Fest wird dadurch schön, dass man sich an die Regeln hält. Aber man tut das mit einem Augenzwinkern, man kann zu späterer Stunde die Regeln etwas variieren, man kann auch bewusst übertreiben.

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Eine Antwort to “Unkompliziert, kompliziert und spielerisch”

  1. Kathrin Says:

    Hallo Br.Robert

    Es ist nun schon lange Zeit her, dass ich hren Blog gelesen habe und dennoch war es mir wieder ein Vergnügen.ES ist erstaunlich wie schnell die Zeit doch vergeht ohne das man esmitbekommt.
    Ich hoffe immernoch sie spätestens auf unserem Abiball wieder in Deutschland zu treffen =)
    lg Kathrin (ihre ehemalige Schülerin)

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