Einkaufen in Songea

Wenn man hier sagt, „Ich fahre in die Stadt“, dann ist klar, dass Songea gemeint ist. Kleidung, Lebensmittel, Küchengeschirr kann man zwar auch in Peramiho kaufen, aber in Songea sind diese Dinge billiger und anderes gibt es überhaupt nur dort. Also war ich vorgestern mit Br.Wolfram dort, um zwei verschiedene USB-Kabel zu besorgen, eine Dreifach-Steckdose für deutsche Schuko-Stecker und eine Spezialzange für Netzwerkkabel. Wolfram ist ein junger tansanischer Bruder, er ist ausgebildeter Elektriker und wird gerade von mir in die Geheimnisse der Computerwelt eingeführt.

In Songea gibt es unendlich viele kleine Geschäfte, die alle auf ein oder zwei Warengruppen spezialisiert sind (siehe Foto). Die Inhaber geben meist sehr freundlich Auskunft, wo man noch fragen könnte. Immer wieder hören wir, „Versucht es bei Abbas, oben an der Straßenecke.“ Wir danken mit dem Hinweis, dass wir schon bei Abbas waren, er aber geschlossen hat. „Ja, das ist wegen des islamischen Aschura-Festes.“ Br.Wolfram fragt nach: „Aber du hast dein Geschäft heute doch auch geöffnet.“ – „Ja, das Aschura-Fest ist kein vorgeschriebenes Fest.“ Deshalb ist es auch kein staatlicher Feiertag, aber Abbas scheint es mit der Religion genauer zu nehmen als seine Konkurrenten. Er kann es sich wohl auch leisten, denn viele Elektro- und Computerartikel gibt es nur bei ihm. So fahren wir schließlich mit nur einem von den beiden USB-Kabeln zurück.

Immerhin gab es noch einen netten Einblick für mich: Wir gehen zu einer Elektrowerkstatt, wo Wolfram Stammkunde ist. Die Kunden sprechen durch ein Gitter mit den Angestellten, die an mehreren Tischen sitzen und Elektrogeräte reparieren. Wir werden gleich in das Hinterzimmer gebeten. Da verrichten der Chef und ein weiterer Angestellter ziemlich beengt zwischen Regalen und Tischen, die mit Fernseh-Elektronik und Bildschirmen vollgepackt sind, ihre Arbeit. Fenster gibt es nicht, nur eine Neon-Röhre erhellt den Raum. Abgesehen von der Wellblech-Decke erinnert mich das ganze an Radio- und Fernsehwerkstätten, die ich in Dortmund vor 25 Jahren gesehen habe. Unsere Spezialzange haben sie auch nicht, aber der Angestellte geht gleich zu den Nachbarwerkstätten, um dort für uns eine auszuleihen. In der Zwischenzeit unterhält der Chef sich mit uns, er ist Mitte Fünfzig, stammt aus einem Dorf in der Nähe von Uwemba (siehe den Artikel von gestern), aus derselben Gegend wie Wolfram. Dort hat er sein Handwerk in der Fabrik einer großen Gerberakazien-Plantage gelernt, aber als sein Chef nach England zurückgekehrt ist, „war es nicht mehr wie vorher“, und er hat sich in Songea selbständig gemacht. Er bietet uns etwas zu trinken an, Wolfram lehnt aber ab (ich vermute, dass das den afrikanischen Höflichkeitsregeln entspricht). Wolfram hat nach einiger Zeit das Gefühl, wir hätten ihn jetzt wohl lange genug aufgehalten, wir gehen, und erfahren später über Handy, dass es dem Mitarbeiter nicht gelungen ist, die Zange auszuleihen. Er will sie aber über einen Geschäftsfreund in Dar es-Salaam für uns bestellen. Als wir gestern nochmal bei ihm anrufen, hat er noch keine Nachricht aus Dar, jetzt warten wir darauf, dass er sich wieder meldet.

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