Archive for September 2008

Vom Strafen

16. September 2008

Dass Form 4 (Klasse 11) am Samstag nach Songea fahren würde, hatte ich schon am Donnerstag im Physikunterricht erfahren. Was sie denn da wollten, fragte ich. „Shopping“ – der Tonfall erinnerte mich an die Mescheder Schüler vor der Stufenfahrt nach Florenz. Wahrscheinlich ist Shopping in Songea für unsere Schülerinnen genauso aufregend wie Shopping in Florenz für deutsche.

Die Genehmigung der Schulleiterin (siehe den Artikel von gestern) war dann aber nicht ganz so einfach. Wenn sie nach Songea fahren, dann werden in den nächsten fünf Wochen bis zum Schulabschluss keine Genehmigungen für Ausflüge mehr erteilt. Kaum hat mein Kollege ihnen diese Bedingung erläutert, da erschallt schon ein lautes „Yes“ aus 57 Kehlen. Deutsche Schüler hätten sich erst beraten, aber diese wissen anscheinend genau, was sie wollen, und wollen auch alle das Gleiche.

Um 16:30 ist Abendappell: Nur ein Drittel ist rechtzeitig aus Songea zurückgekommen. Die anderen – darunter fast alle meine Physikschülerinnen – trudeln erst im Laufe der nächsten halben Stunde ein. Mein Kollege führt sie gleich in die Bananenplantage und weist ihnen verschiedene Aufräumarbeiten als Strafe an, vor allem das Beseitigen und Verbrennen der abgestorbenen Pflanzenteile (siehe Foto). Alles läuft ohne Murren und ohne Verzögerungstaktik ab. Ich denke mir, dass sie vielleicht doch etwas von deutschen Schülern lernen könnten: Ich habe auch einmal Schülern aus meiner Mescheder Klasse eine Strafarbeit im Schulgarten gegeben. Ich musste mich dabei so anstrengen, um sie zum Arbeiten zu bringen, dass es eher eine Strafe für mich war. Aber die Fähigkeit, sich zu wehren, ist bei unseren Schülerinnen unterentwickelt.

Vom Warten

15. September 2008

Irgendwo habe ich gelesen, dass in Afrika die Wartezeit den Rang einer Person anzeigt. Je höher die Person steht, die man sprechen will, desto länger lässt sie einen warten. Auf meiner letzten Busfahrt nach Peramiho gab es die bisher längste Polizeikontrolle. Vor uns warteten noch einige Busse. Ich vertrat mir draußen ein wenig die Beine und beobachtete, wie ein Mann in Zivil umständlich die Ausweise der einzelnen Fahrer kontrollierte. Als ein Fahrer nicht respektvoll genug war, sagte er wörtlich: „Ich bin Inspektor. Das ist ein sehr hoher Rang.“

Vorgestern früh an der Schule sah das so aus: Als ich um Acht ankam, wartete schon eine Schülerin auf mich: „Die Schwester will wissen, wie viele Essen sie kochen soll.“ – „Das weiß ich auch noch nicht, weil Form 4 heute nach Songea fahren will, aber die Schulleiterin die Erlaubnis noch nicht erteilt hat.“ Wenn Form 4 wegfahren darf, werden 62 Mittagessen gebraucht, wenn die Schulleiterin die Erlaubnis verweigert, werden es 119 sein. Die Schulleiterin aber ist nicht zu sehen. Eine gute Stunde später, inzwischen ist es nach Neun, beraten sich die stellvertretende Schulleiterin, mein Kollege als „Lehrer vom Dienst“, die Schulsekretärin und ich, ob die Schulleiterin wohl gleich kommt, oder ob sie die Sache vergessen hat, und ob man sie wohl stören darf. Nach eigehender Beratung geht die Sekretärin zur Schulleiterin nach Hause (sie wohnt direkt gegenüber; eigentlich könnte man sie auch über das Haustelefon anrufen), und fragt nach. Um halb Zehn weiß die Schwester dann endlich, dass sie nur 62 Essen (Ugali mit Bohnen, wie jeden Tag) kochen muss. „Das stört,“ sagt sie zu mir, vielleicht sollte man besser übersetzen, „das nervt.“

Aus lauter Langeweile habe ich zwischendurch die Schubkarre hinter der Küche fotografiert.

Ferien – aber nicht für alle

13. September 2008

Gestern haben die Ferien begonnen, allerdings nur für eine Woche. Prisca meinte: „Endlich mal anderes zu essen.“ Ich dachte daran, dass sie in Australien den Ugali vermisst hatte, und fragte: „Gibt es zuhause keinen Ugali ?“ Ihre Mitschülerin Irene mischte sich ein: „Zuhause schmeckt der Ugali viel besser.“

Vor den Ferien ist gründliches Aufräumen angesagt, das Foto oben zeigt Schülerinnen der Tischgruppe 30 beim Abspülen.

Für meine Physikschülerinnen in Form IV (11.Klasse) aber gibt es keine Ferien, denn sie müssen sich auf das Abschlussexamen nächsten Monat vorbereiten. Als ich gestern Nachmittag in ihrem Klassenraum vorbeischaue, hängen sie lustlos über ihren Büchern (siehe Foto) und geben deutlich zu erkennen, dass sie lieber weggefahren wären. Manche hätten sowieso keine Chance auf Ferien gehabt: Beatrice wohnt in Dar es-Salaam. Hin und zurück zwei ganze Tage Busfahrt für 70.000 Shilling (40 Euro) – das lohnt sich nicht, wenn die Ferien nur sieben Tage umfassen. Dass das Mädchen aus Mbinga (eine Strecke vielleicht zwei Stunden Busfahrt, 10.000 Shilling hin und zurück) aber auch nicht fährt, finde ich schon seltsam.

Ich bin diese Woche mal wieder „Lehrer vom Dienst“, und da gibt es immer wieder Überraschungen. Nachdem die stellvertretende Schulleiterin die Schülerinnen in die Ferien entlassen hat, kommt Frida mit einigen Mitschülerinnen auf mich zu: „Sir, wir wollen eine Strafe.“ – „Was ist denn los ?“ – „Wir sind eine halbe Stunde zu spät gekommen.“ – „Wann seid ihr zu spät gekommen ?“ – „Am ersten Schultag.“ – „Im Juli ? Wieso kriegt ihre eure Strafe erst jetzt ?“ – „Wir müssen die Ferien über hierbleiben.“ – „Ach so, ihr wollt nach Hause fahren und dafür eine andere Strafe haben.“ Ich spreche mit der stellvertretenden Schulleiterin, die sagt mir, ich solle mit der Schulleiterin selbst sprechen. In der Zwischenzeit kommt aber Frau Haule vorbei, die den schönen Titel „Master of discipline“ trägt. „Ich habe vorhin schon mit der Schulleiterin gesprochen, ihr bleibt hier.“ Falls es jemand nach einmaligem Lesen noch nicht glaubt: Für eine halbe Verspätung am ersten Schultag werden die nächsten Ferien gleich ganz gestrichen.

Außerdem bleiben noch alle Schülerinnen da, die bei den Klassenarbeiten des letzten Monats einen Durchschnitt von weniger als 40 Prozent hatten.

Utani ist kein Witz

12. September 2008

Unser Wort „Witz“ ist mit „gewitzt“ und mit dem englischen „wizard“ verwandt, ein Witz hat also etwas mit Intelligenz zu tun. Neulich stellten Br.Augustin, Br.Francis und ich nach dem Frühstück zufällig gleichzeitig unsere Teller in den Speiseaufzug. Augustin zu Francis: „Grüß Robert von mir.“ Francis zu mir: „Herzlichen Gruß von Augustin.“ Ich zu Augustin: „Danke für den Gruß.“ Das nennt sich „utani“ und hat nichts mit Intelligenz zu tun, das Wort ist mit „mtani“ verwandt, was man vielleicht mit „Vertrauter“ übersetzen könnte, oder „ein Mensch, den man so gut kennt, dass man mit ihm Scherze machen kann.“ Man macht solche Scherze vor allem, um sich gegenseitig zu vergewissern, dass die Beziehung noch stimmt. „Witzig“ in unserem Sinne muss das nicht sein. Mit Br.Francis tausche ich seit einem halben Jahr irgendwelche kurzen Bemerkungen über die „Hühner“ aus, was der Spitzname für die Schülerinnen an meiner Schule ist. Br.Alfons sagt mir seit vier Monaten, „Danke für dein Lächeln,“ ein Satz, den ich damals zu seiner Schwägerin beim Fotografieren gesagt habe.

„Und welches Tier bist du ?“

11. September 2008

Heute Morgen nach der Physikstunde habe ich Magdalena Nyoni gefragt: „Welches Tier bezeichnet dein Nachname ?“ – „Ich weiß es nicht.“ – Für mich war das ein kleines Experiment, mich interessiert, wie viel die Menschen noch über ihre Familiengeschichte wissen. Der Nachname verrät hier nämlich so einiges: Die Bewohner unserer Gegend haben meistens Tiere als Nachnamen und diese Tiere waren früher tabu. P.Amani gehört auch zur Familie Nyoni (Magdalena kennt ihn allerdings nicht) und hat mir erzählt, dass es kein Tier mit diesem Namen gibt. Deshalb vermutete er, es würde wohl Nyani, Pavian, heißen. Aber später hat er dann erfahren, dass seine Familie eigentlich Nyuni heißt, ein sehr seltenes Wort für Vogel. Sie durfte also keine Vögel essen. Familie Tembo („Elefant“) aß kein Elefantenfleisch und so weiter.

Die Namen verraten aber noch mehr. Es sind nämlich eigentlich gar keine Namen von Familien, sondern von Unterstämmen (Clans). Davon gibt es ungefähr 100, und die kann man alle in „The History of the Wangoni“ nachschlagen. Und dort erfährt man dann zum Beispiel, ob der Clan ursprünglich in Südafrika lebte, oder – wie die Nyonis – schon seit langer Zeit hier ansässig ist. Über viele andere Clans, z.B. die Tembos, steht in dem Buch eine Menge, die Nyonis gehörten allerdings nicht zu den „hohen Tieren“, deshalb ist über sie nicht viel bekannt.

Das Foto zeigt einen Vogel, wie die meisten wahrscheinlich schon gemerkt haben.

P.S. Bitte den Clannamen „Nyoni“ nicht mit dem Stammesnamen „Ngoni“ bzw. „Wangoni“ verwechseln.

Nachtrag zu „Noch ein Regenmacher“

10. September 2008

Heute habe ich nochmal nachgefragt, wie das genau war: Bei dem Priester im vorletzten Artikel handelte es sich um den ganz normalen katholischen Pfarrer, der meinen Gesprächspartner getauft hatte. Er verließ später die Gemeinde, um in den Orden der Kapuziner einzutreten. Angesichts der langen Trockenheit und des beginnenden Hungers kehrte er zu seiner früheren Gemeinde zurück und rief zu einer Bußprozession auf. Die Leute zogen einige Stunden lang zu einem Platz „im Busch“, wobei der frühere Pfarrer barfuß ging und seine Füße auf dem ausgetrockneten, harten Boden aufplatzten. „Wir anderen hatten aber Schuhe an,“ sagt mein Gesprächspartner, der damals – 1974 – 15 Jahre alt war. Dann wurde die Messe gefeiert, nach der Kommunion kündigte der Priester an, dass es noch am selben Tag regnen werde. „Wir sind dann als Prozession zurückgezogen, und als wir ankamen, waren unsere Schuhe voller Schlamm.“ (Weil nämlich der Regen den Staub in Schlamm verwandelt hatte)

Bei seinem Schlusssatz kann ich in meinem Hinterkopf fast die Stimme von Dr.Hamm (der an der Uni Bonn damals für „Einführung in das Neue Testament“ zuständig war) hören: „So, jetzt vergleichen Sie doch mal die beiden Geschichten !“ In beiden Regenmacher-Geschichten (der von gestern und der von vorgestern) ist der Retter zunächst weit weg, dann kommt er und feiert einen öffentlichen Gottesdienst, und der Regen setzt ein, während die Leute nach Hause gehen. Diese Ähnlichkeit ließe darauf schließen, dass es sich schlicht um Märchen handelt. Nur, so einfach liegen die Dinge nicht: Mein Gesprächspartner ist Br.Edmund, an dessen Glaubwürdigkeit ich keinen Zweifel habe. Das ließe darauf schließen, dass bestimmte Afrikaner (Priester, Stammeskönige) wirklich die Fähigkeit zum Regenmachen haben. Edmund ist aber auch der Mann, ohne den hier das Internet nicht funktionieren würde. Und: Eine Welt, in der es Regenzauber gibt, passt einfach nicht zu einer Welt, in der es Internet gibt. Internet setzt nämlich voraus, dass die Naturgesetze gelten. Ich vermute mal vorläufig, dass sich beide Regenmacher-Geschichten so zugetragen haben, wie ich sie gehört habe. Dass es aber mindestens 100 andere Fälle gibt, in denen es nicht regnete. Aber davon zu erzählen, wäre peinlich oder langweilig.

Endlich habe ich den Unterschied verstanden

10. September 2008

Als meine Schwester im Juni zu Besuch kam, hatte sie auch ein Paket von einer Kollegin für deren tansanisches Patenkind dabei. Dieses Paket haben wir in unserem Haus in Dar es-Salaam (Kurasini) abgegeben. Von dort sollte es zum Büro der Hilfsorganisation gelangen, die diese Patenschaft vermittelt hatte. In einem Land, wo die Post nicht wirklich zuverlässig ist, muss man manchmal solche Umwege machen.

Vorige Woche kam dann die Mail aus Deutschland: Das Paket ist nicht angekommen. Eine Nachfrage in Kurasini brachte schnell die Auskunft: Man hat von dort aus mehrfach bei der Hilfsorganisation angerufen, die hat jedesmal zugesagt, das Paket abzuholen. Dass solche Zusagen in Tansania nicht eingehalten werden, ist fast normal. Die Adresse des Büros der Hilfsorganisation kennt aber niemand, nur die Telefonnummer ist bekannt.

Gestern kam wieder eine Mail von der Absenderin: „Es tut mir sehr leid, dass sich jetzt so viele Personen mit meinem Paket beschäftigen mussten.“ Als ich das las, wurde mir schlagartig der Unterschied zwischen Deutschen und Tansaniern klar: Deutsche empfinden so eine Angelegenheit als Störung und denken sich, „Lass mich in Ruhe meine Arbeit machen.“ Tansanier empfinden hier anders: Das ist eine Gelegenheit zur Kommunikation, zum Kennenlernen, zum Austausch von Freundlichkeiten.

Noch ein Regenmacher

9. September 2008

Gerade eben beim Abendessen: Mein deutscher Tischnachbar gießt seine Milch durch ein Sieb: „Als Kinder haben wir uns um den Schmand gestritten, damals war Krieg und Hunger.“ Mein tansanischer Tischnachbar: „Ich habe nie gehungert, nur 1974 ein bisschen.“ Er kommt vom Kilimandscharo, da waren die Menschen immer etwas besser dran als im Rest von Tansania. „1974 ?“, frage ich nach. „Ja, es hatte drei Jahre nicht geregnet. Dann haben die Leute Buße getan. Ich kann mich noch an den Priester erinnern, der barfuß durch die Gegend zog, dass sogar seine Füße aufplatzten. Der hat bei uns die Messe gefeiert, um 12 Uhr mittags. Um 1 begann es zu regnen.“ Das Problem bei solchen Geschichten ist, dass man so schwer dagegen argumentieren kann.

Der Regenmacher

8. September 2008

Das Gespräch mit P.Amani in Nairobi gibt mir noch ein paar interessante Einblicke in die Vergangenheit. Die folgende Geschichte spielt in den 1980er Jahren. Die Wirtschaft lag am Boden (Folge des Versuchs, in Tansania den Sozialismus einzuführen und außerdem des Krieges mit Uganda, siehe vorletzten Artikel), und dann herrschte auch noch Trockenheit. Das hieß Hunger. Also erinnerten sich die Ngoni von Peramiho daran, dass ihr König für Regen sorgen kann. Nun ist Regenmachen nicht ganz einfach: Es gab keinen König mehr, alle Stammeskönigtümer waren 1962 durch die Regierung abgeschafft worden. Und der – wenn man so will – pensionierte König, Xaver Gama, war Katholik, und lag außerdem gerade in Litembo, im katholischen Krankenhaus der berühmten Frau Dr.Weyer. Das Krankenhaus aber gehört zur Sphäre der Wissenschaft, da hat Regenmachen keinen Platz. Dennoch machten die Ngoni sich auf den Weg nach Litembo (mit dem Auto dauert das heute 4 Stunden, ich vermute aber, dass sie damals zu Fuß gehen mussten) und drängten Xaver Gama, die Behandlung seiner Beine für ein paar Tage zu unterbrechen und nach Peramiho zurückzukommen. Unter einem bestimmten Baum (Amani hat mir den Ort beschrieben, ich meine, ich wäre neulich in der Nähe vorbeigekommen) hat er ein einfarbiges Tier geopfert (welche Farbe ist egal, Hauptsache einfarbig. Welches Tier, habe ich vergessen, aber eigentlich muss es eine Kuh gewesen sein), und dabei die Hilfe der verstorbenen Ahnen angerufen. Diese Ahnen kennen natürlich aus eigener Erfahrung die Probleme der Nachkommen und sind daher normalerweise bereit, himmlische Hilfe zu vermitteln. Xaver Gama hat Amani gestanden, dass er als Katholik Probleme mit diesem Ritus hatte, dass er aber die Kraft zum Regenmachen in sich spüre. Nach vollzogenem Opfer wurden die Teilnehmer der Opferfeier nach Hause geschickt, und sie kamen nass zu Hause an, so heftig und plötzlich regnete es.

Amani erzählt die Sache mit dem plötzlichen Regen nicht ohne Skepsis. Xaver Gama ist inzwischen verstorben, sein Sohn ist zwar zu seinem Nachfolger erklärt worden, lebt aber weit weg in Dar es-Salaam. „Was würde passieren, wenn heute wieder eine Trockenheit käme ?“ will ich wissen. „Nichts“, antwortet Amani. Eine „educated person“, also ein „gebildeter Mensch“, glaubt nicht mehr an die „alten Ideen“ von Zauberei, hat er mir gerade vorher in einem anderen Zusammenhang gesagt.

Das Foto zeigt Xaver Gama – eigentlich hatte ich mir einen Regenmacher anders vorgestellt. Mputa Gama, der P.Franziskus töten ließ (siehe vorigen Artikel), war übrigens der Cousin und unmittelbare Vorgänger von Xaver Gamas Vater.

Die Leiche im Keller von Peramiho

5. September 2008

Das Verhältnis zwischen den Ngoni (das sind die Bewohner unserer Region hier) und den Benediktinern war von Anfang an gut gewesen. Vielleicht gerade deshalb nimmt die Geschichte von 1905 die Phantasie der Menschen immer noch so gefangen. Gestern habe ich erzählt, wie das Gespräch zwischen John, Amani und mir auf den grausamen Shaka kam. „Das war mein König“, sagt Amani. Erst da fällt mir ein, dass Amani in Peramiho geboren ist, ein echter Ngoni. Und die Ngoni, darunter Amanis Vorfahren, sind tatsächlich von Südafrika, aus dem Gebiet Shakas, nach Norden gezogen – bis in unsere Gegend. Und unser Gespräch bleibt bei den Grausamkeiten: Ngoni-König Mputa Gama ließ während des Maji-Maji-Krieges gegen die Deutschen 1905 den Pfarrer von Peramiho, P.Franziskus, von vier Männern abführen. Sie hatten den Auftrag, ihn außerhalb des Ngoni-Gebietes umzubringen. Sie brachten ihn zwar um, aber noch innerhalb der Grenzen. Also ließ Mputa Gama auch seine vier Soldaten umbringen. Kurz darauf wurde er selbst von den deutschen Kolonialherren gehängt. Die Leiche des Pfarrers wurde nie gefunden. Amani meint, eine solche Sache hätte Mputa eigentlich seinen Nachkommen verraten müssen, das sei Teil des Erbes. Der letzte Ngoni-König, Xaver Gama, musste zwar 1962 auf seine Herrschaft verzichten, ist aber erst 2002 gestorben. Und plötzlich stelle ich fest, dass ich ziemlich nahe an einer Quelle für alte Schauergeschichten sitze: Amani hat während seines Studiums über Ngoni-Traditionen geschrieben und mit dem alten Ex-König gesprochen, von morgens 10 bis nachmittags 5. Er hat ihn auch nach dem Todesort und der Leiche gefragt, aber keine Antwort erhalten. Ob sein ältester Sohn, der offiziell zum Nachfolger erklärt worden ist, wohl das Geheimnis kennt ? Oder gar der jüngere Sohn, der als Mechaniker in der Autowerkstatt der Abtei arbeitet ?

Amani war nicht der erste Mensch, der mir diese Geschichte erzählt hat, aber der erste echte Ngoni. Er hat mir auch genau erklärt, dass Mputa Gama gar nicht anders konnte, als P.Franziskus töten zu lassen, als Strafe für eine fürchterliche Beleidigung. Obwohl er – wie P.Franziskus – katholischer Priester ist, sieht er die Geschichte mehr aus der Ngoni-Perspektive. Das Foto zeigt Mputa Gama vor seiner Hinrichtung, ein Klick darauf führt zu weiteren Informationen auf den Geschichts-Seiten unserer Homepage.