Ich werde gefüttert

In vier Wochen macht Form 4 (ungefähr Klasse 11) ihren Abschluss. Wie in Deutschland vor Weihnachten: Lange vorher startet eine Serie von Festen. Vor zwei Wochen schon hat der TYCS (der katholische Schülerclub) von Peramiho die Abschiedsfeier gefeiert, vorgestern war es dann die Feier des TYCS nur für unsere Schule. Ich hatte eigentlich gehofft, nicht hingehen zu müssen, aber einen Tag vorher gab mir mein Kollege Ngonyani eine schriftliche Einladung und sagte mündlich dazu, dass ich der Ehrengast sei. Genau wie Wali (gekochter Reis), Pilau (Curry-Reis), Kachumbari (ein leckerer Tomatensalat), Kuku (Hühnerfleisch extrazäh, das Wort kommt nicht von deutsch „Küken“) und Nyama ya ng’ombe (zähes Rindfleisch) gehört zu jedem Fest hierzulande ein Mgeni rasmi (Ehrengast, wörtlich: offizieller Gast). Bei den Schülerclubs geht diese Ehre reihum an einen der Betreuer. Der sitzt dann in der Mitte der Meza kuu (Haupttisch, von lateinisch „mensa“), hat die Aufgabe eine Rede zu halten, in der er den Schülern Nasaha (Ratschläge) gibt, und – ganz wichtig, den Keki (Kuchen, von englisch „cake“) anzuschneiden. All das kannte ich schon von allen anderen Feiern, auch die genannten Speisen sind immer dieselben. Aber nach dem Anschneiden des Kuchens sagte mein Nachbar zu mir irgendetwas mit „lisha“. Während ich noch im Geiste die möglichen Bedeutungen dieses Wortes durchging („ernähren, erziehen“) zielte schon eine Schülerin mit einem Kuchenstück auf der Gabel auf meinen Mund. Also bedeutete das Wort diesmal wohl eher „füttern“. Anschließend musste ich ihr auch ein Stück Kuchen in den Mund schieben, damit war dann die Fütterung zu Ende.

Das Foto zeigt das Fest aus der Perspektive des Ehrengastes, die große Fläche dient der Muziki (Tanz), die natürlich auch zum Fest dazugehört. Wir anwesende Lehrer haben den Tanz eröffnet, und sind dann geschlossen gegangen, daher kann ich vom Tanz nichts berichten.

Eine Antwort to “Ich werde gefüttert”

  1. Johannes Says:

    Schade, Robert, dass Du vom Tanzen nicht mehr berichtest. Aber ich kann das verstehen. Ist die Szene Deiner Fütterung nicht fotografiert worden? Das Schulfest unseres Gymnasiums liegt nun hinter uns, es warb kalt, aber zwischendurch hat wenigstens die Sonne geschienen. Es war ein rundum geleungenes Fest, angefangen vom Gottesdienst.

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