Nachtrag zu „Noch ein Regenmacher“

Heute habe ich nochmal nachgefragt, wie das genau war: Bei dem Priester im vorletzten Artikel handelte es sich um den ganz normalen katholischen Pfarrer, der meinen Gesprächspartner getauft hatte. Er verließ später die Gemeinde, um in den Orden der Kapuziner einzutreten. Angesichts der langen Trockenheit und des beginnenden Hungers kehrte er zu seiner früheren Gemeinde zurück und rief zu einer Bußprozession auf. Die Leute zogen einige Stunden lang zu einem Platz „im Busch“, wobei der frühere Pfarrer barfuß ging und seine Füße auf dem ausgetrockneten, harten Boden aufplatzten. „Wir anderen hatten aber Schuhe an,“ sagt mein Gesprächspartner, der damals – 1974 – 15 Jahre alt war. Dann wurde die Messe gefeiert, nach der Kommunion kündigte der Priester an, dass es noch am selben Tag regnen werde. „Wir sind dann als Prozession zurückgezogen, und als wir ankamen, waren unsere Schuhe voller Schlamm.“ (Weil nämlich der Regen den Staub in Schlamm verwandelt hatte)

Bei seinem Schlusssatz kann ich in meinem Hinterkopf fast die Stimme von Dr.Hamm (der an der Uni Bonn damals für „Einführung in das Neue Testament“ zuständig war) hören: „So, jetzt vergleichen Sie doch mal die beiden Geschichten !“ In beiden Regenmacher-Geschichten (der von gestern und der von vorgestern) ist der Retter zunächst weit weg, dann kommt er und feiert einen öffentlichen Gottesdienst, und der Regen setzt ein, während die Leute nach Hause gehen. Diese Ähnlichkeit ließe darauf schließen, dass es sich schlicht um Märchen handelt. Nur, so einfach liegen die Dinge nicht: Mein Gesprächspartner ist Br.Edmund, an dessen Glaubwürdigkeit ich keinen Zweifel habe. Das ließe darauf schließen, dass bestimmte Afrikaner (Priester, Stammeskönige) wirklich die Fähigkeit zum Regenmachen haben. Edmund ist aber auch der Mann, ohne den hier das Internet nicht funktionieren würde. Und: Eine Welt, in der es Regenzauber gibt, passt einfach nicht zu einer Welt, in der es Internet gibt. Internet setzt nämlich voraus, dass die Naturgesetze gelten. Ich vermute mal vorläufig, dass sich beide Regenmacher-Geschichten so zugetragen haben, wie ich sie gehört habe. Dass es aber mindestens 100 andere Fälle gibt, in denen es nicht regnete. Aber davon zu erzählen, wäre peinlich oder langweilig.

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