Der Regenmacher

Das Gespräch mit P.Amani in Nairobi gibt mir noch ein paar interessante Einblicke in die Vergangenheit. Die folgende Geschichte spielt in den 1980er Jahren. Die Wirtschaft lag am Boden (Folge des Versuchs, in Tansania den Sozialismus einzuführen und außerdem des Krieges mit Uganda, siehe vorletzten Artikel), und dann herrschte auch noch Trockenheit. Das hieß Hunger. Also erinnerten sich die Ngoni von Peramiho daran, dass ihr König für Regen sorgen kann. Nun ist Regenmachen nicht ganz einfach: Es gab keinen König mehr, alle Stammeskönigtümer waren 1962 durch die Regierung abgeschafft worden. Und der – wenn man so will – pensionierte König, Xaver Gama, war Katholik, und lag außerdem gerade in Litembo, im katholischen Krankenhaus der berühmten Frau Dr.Weyer. Das Krankenhaus aber gehört zur Sphäre der Wissenschaft, da hat Regenmachen keinen Platz. Dennoch machten die Ngoni sich auf den Weg nach Litembo (mit dem Auto dauert das heute 4 Stunden, ich vermute aber, dass sie damals zu Fuß gehen mussten) und drängten Xaver Gama, die Behandlung seiner Beine für ein paar Tage zu unterbrechen und nach Peramiho zurückzukommen. Unter einem bestimmten Baum (Amani hat mir den Ort beschrieben, ich meine, ich wäre neulich in der Nähe vorbeigekommen) hat er ein einfarbiges Tier geopfert (welche Farbe ist egal, Hauptsache einfarbig. Welches Tier, habe ich vergessen, aber eigentlich muss es eine Kuh gewesen sein), und dabei die Hilfe der verstorbenen Ahnen angerufen. Diese Ahnen kennen natürlich aus eigener Erfahrung die Probleme der Nachkommen und sind daher normalerweise bereit, himmlische Hilfe zu vermitteln. Xaver Gama hat Amani gestanden, dass er als Katholik Probleme mit diesem Ritus hatte, dass er aber die Kraft zum Regenmachen in sich spüre. Nach vollzogenem Opfer wurden die Teilnehmer der Opferfeier nach Hause geschickt, und sie kamen nass zu Hause an, so heftig und plötzlich regnete es.

Amani erzählt die Sache mit dem plötzlichen Regen nicht ohne Skepsis. Xaver Gama ist inzwischen verstorben, sein Sohn ist zwar zu seinem Nachfolger erklärt worden, lebt aber weit weg in Dar es-Salaam. „Was würde passieren, wenn heute wieder eine Trockenheit käme ?“ will ich wissen. „Nichts“, antwortet Amani. Eine „educated person“, also ein „gebildeter Mensch“, glaubt nicht mehr an die „alten Ideen“ von Zauberei, hat er mir gerade vorher in einem anderen Zusammenhang gesagt.

Das Foto zeigt Xaver Gama – eigentlich hatte ich mir einen Regenmacher anders vorgestellt. Mputa Gama, der P.Franziskus töten ließ (siehe vorigen Artikel), war übrigens der Cousin und unmittelbare Vorgänger von Xaver Gamas Vater.

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