Eine interessante Reise

Gestern bin ich von Nairobi wieder nach Dar es-Salaam gefahren, morgen geht es nach Peramiho zurueck. Im Bus sind viele Plaetze freigeblieben, auch der Sitz neben mir ist frei, das Reisen ist also richtig komfortabel. Aber das kann nach meinen bisherigen Afrika-Erfahrungen eigentlich nicht sein. Natuerlich nicht – in Arusha (das ist die erste Grossstadt in Tansania, nach einem Drittel der Strecke) muessen wir in einen anderen Bus umsteigen – in dem es zuwenig Sitzplaetze gibt. Ein Fahrgast sagt: „Wir alle sind Passagiere, wir werden das im Frieden loesen.“ „Friede – Amani“ ist ein Wort, das hier im Land oft zu hoeren ist, und das entspricht auch dem Selbstbild der Tansanier: „Wir Tansanier lieben die Harmonie. Andere Afrikaner sind anders,“ so habe ich es erst vor ein paar Tagen gehoert. Der Schaffner sagt auf Englisch, „You have to accept.“ und erklaert auf Suaheli, dass die ueberzaehligen Passagiere in Moshi, also nach einer knappen Stunde, aussteigen werden. Die Fahrgaeste akzeptieren die Situation ohne weiteres Murren, nur eine Ordensschwester sagt laut auf Englisch, „Ich habe mein Ticket in Nairobi geschnitten, ich kann nicht stehen.“ Daraufhin raeumt ein anderer Fahrgast seinen Sitzplatz fuer sie. Weil sie Englisch spricht, aber trotzdem den typischen Suaheli-Ausdruck „Ticket schneiden“ fuer „Ticket kaufen“ verwendet, vermute ich, dass sie Kenianerin ist. Ich denke mir, dass man bei Menschen mit dieser Mentalitaet wohl nicht befuerchten muss, dass es in Tansania je zu Gewaltausbruechen wie vor kurzem in Kenia kommen wird. Die Schattenseite ist natuerlich, dass sie sich alles gefallen lassen, waehrend die Busgesellschaft gut daran verdient. Mein Sitznachbar, ein junger Computerexperte, denkt allerdings, dass genau diese Gewalt auch in Tansania ausbrechen koennte, und zwar aufgrund der korrupten Regierungspolitik.

Ich selbst muss auch etwas „akzeptieren“: Beim „Ticket-Schneiden“ habe ich mir den Fensterplatz in der zweiten Reihe links ausgesucht, wegen der Aussicht (die erste Reihe war schon besetzt). Dieser Platz bleibt im zweiten Bus in Arusha zunaechst frei, weil in der ersten Reihe naemlich ein alter Mann mit Kruecken seine Lehne soweit nach hinten gestellt hat, dass kaum noch Platz bleibt. Ich quetsche mich schliesslich hinein, die Aussicht ist wegen der niedrigen Lehne vor mir noch besser als erhofft, aber ich bin doch froh, als wir puenktlich kurz vor Acht in Dar ankommen.

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